Der Lebenszyklus der Haare: Anagen, Katagen, Telogen und Exogen

Haarausfall ist ein weit verbreitetes Phänomen, das Männer und Frauen jeden Alters betrifft. Um nachzuvollziehen, warum Haarausfall auftreten kann, hilft es, zunächst den Haarwachstumszyklus zu verstehen. Der Lebenszyklus des menschlichen Haares ist ein faszinierender und komplexer Prozess, der in drei Hauptphasen unterteilt werden kann: Anagen, Katagen und Telogen. Zusätzlich gibt es noch die Exogenphase.

Nachdem ein altes Haar ausgefallen ist, wächst an dieser Stelle normalerweise ein neues nach. Allerdings verstreichen bis dahin etwa 6 bis 12 Wochen. Jedes Haar durchläuft einen Lebenszyklus mit 3 Phasen. Wie oft jede Haarwurzel diese Phasen durchläuft und wie lange die einzelnen Phasen dauern, ist bei jedem Menschen individuell in seinen Genen festgelegt.

Unsere Haare gehören zu den wichtigsten äußeren Erkennungsmerkmalen. Sie schenken uns Attraktivität, machen uns unverwechselbar und passen sich unserer Persönlichkeit dank zahlloser Stylingmöglichkeiten perfekt an. Ganz nebenbei erfüllen sie aber auch wichtige Aufgaben: Haare schützen unseren Kopf nämlich vor Auskühlung, Infrarotlicht (Wärmestrahlung) sowie übermäßiger UV-Strahlung.

Schöne gepflegte Haare galten schon in der Antike als Statussymbol. Die Menschen benutzten Kämme aus Knochen, Holz oder Bronze, reinigten Kopfhaut und Haar mit Pottasche und bleichten es mit einer aggressiven Beize aus Buttersäure, saurer Milch und Kalklauge. Später setzten vor allem die Frauen auf mildere Alternativen: Rosenwasser, Eigelb, Brennnesselsaft und Bier galten als Geheimtipps für volles glänzendes Haar.

Zu etwa 95 Prozent bestehen unsere Haare aus Keratin, die restlichen fünf Prozent setzen sich aus Pigmenten, Mineralien, Wasser und Lipiden zusammen. Der sichtbare und aus der Haut herauswachsende Teil des Haares wird anatomisch Haarschaft genannt, er ist etwa 0,05 bis 0,08 Millimeter breit. Darunter folgt die Haarwurzel, sie ist im Bindegewebe tiefer liegender Hautschichten verankert und für das Haarwachstum mitverantwortlich. Lebende Zellen enthalten nur die Haarfollikel. Sie werden von einer Haarwurzelscheide umhüllt und sind von empfindlichen Nervenzellen umgeben. Diese wiederum sorgen dafür, dass sich unsere Haare beispielsweise in Schrecksituationen oder bei Kälte aufrichten.

Ein wichtiger Teil des Haarfollikels ist die Haarpapille, die aus durchblutetem Bindegewebe besteht. Das Gewebe umschließt die Haarwurzel und versorgt sie mit wichtigen Nährstoffen. An der Haarpapille sitzen zudem Zellen (Melanozyten), die an das Haar Pigmente abgeben und auf diese Weise die Farbe bestimmen. An der Grenze zwischen Haarwurzel und Haarpapille ist die Wurzel etwas verdickt und ähnelt optisch einer winzig kleinen Zwiebel. Darin liegt die Haarmatrix, die Hornzellen bildet, die wiederum durch Keratin aushärten.

Die besten Tipps gegen Haarausfall | Dr. Johannes Wimmer

Die Phasen des Haarwachstumszyklus

Der Haarwachstumszyklus besteht aus vier Phasen:

  • Anagen (Wachstumsphase)
  • Katagen (Übergangsphase)
  • Telogen (Ruhephase)
  • Exogen (Ausfallphase)

Die Anagenphase: Die Wachstumsphase

Die Anagenphase ist die Wachstumsphase des Haarzyklus und dauert durchschnittlich zwei bis sechs Jahre. In dieser Phase ist der Haarfollikel aktiv und produziert kontinuierlich neue Haare. Die Dauer dieser Phase ist ausschlaggebend für die maximale Haarlänge. Während der Anagenphase wird das Haar mit Nährstoffen versorgt und wächst durchschnittlich etwa einen Zentimeter pro Monat. Bis zu 85 % aller Kopfhaare befinden sich in der Wachstumsphase (auch Anagen genannt). In der aktiven Wachstumsphase werden die Haare im Follikel in der Kopfhaut gebildet und werden länger und dicker.

Anagenphase

In dieser, je nach genetischer Veranlagung unterschiedlich langen Wachstumsphase stellt die Haarwurzel kontinuierlich die benötigte Haarsubstanz her, so dass ein Haar pro Tag rund 0,35 Millimeter wächst und eine Gesamtlänge von 25 bis 70 Zentimetern erreichen kann. Für eine reibungslose Wachstumsphase ist es sehr wichtig, dass die Haarwurzel ständig und ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird.

Die Katagenphase: Die Übergangsphase

Die Katagenphase ist eine Übergangsphase von etwa zwei bis drei Wochen. In dieser kurzen Phase hört das Haar auf zu wachsen und der Haarfollikel schrumpft. Das Haar wird von der Nährstoffversorgung abgeschnitten und beginnt, sich von der Haarwurzel zu lösen. Diese Phase betrifft etwa 1 bis 2 % der Kopfbehaarung. In der Übergangsphase durchläuft das Haar einen „Umbauprozess“: Die Zellteilung kommt zum Erliegen, die Haarwurzel wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und schrumpft. 1-3 % der Haarwurzeln in der Kopfhaut befinden sich in dieser Phase, die circa 2 Wochen dauert.

Katagenphase

Die Haarwurzelzellen stellen die Zellteilung und die Haarproduktion vorübergehend ein und das untere Haarende verhornt. Normalerweise befinden sich beim Haarwachstum ein bis drei Prozent aller Haare in der Übergangsphase.

Die Telogenphase: Die Ruhephase

Die Telogenphase ist die Ruhephase des Haarzyklus und kann etwa drei bis vier Monate dauern. Während dieser Zeit bleibt das Haar in seiner Wurzel, wächst aber nicht weiter. Am Ende der Telogenphase fällt das Haar schließlich aus, oft ausgelöst durch physische Aktivitäten wie Kämmen oder Waschen. Dieser Haarausfall ist ein natürlicher Teil des Haarzyklus und kein Grund zur Besorgnis. Es ist wichtig zu beachten, dass Haarzyklen individuell variieren und von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. In der Ruhephase wird die Stoffwechselaktivität des Haarfollikels eingestellt, wodurch das Haar letztendlich verkümmert und ausfällt. Etwa 8 % bis 14 % aller Kopfhaare sind circa 3 Monate lang in dieser Phase. Danach bildet die Haarmatrix ein neues Haar. Das nachwachsende Haar schiebt dann das alte Haar aus dem Follikel heraus, sodass dieses schließlich ausfällt.

Telogenphase

In der anschließenden Ruhephase bleibt das Haar noch für etwa ein bis drei Monate in der Haarwurzel. Dann fällt es aus: vielleicht beim Kämmen, vielleicht beim Waschen, vielleicht aber auch durch das direkt nachwachsende Haar. Läuft das Haarwachstum normal ab, fallen auf diese Weise jeden Tag bis zu 100 Haare aus.

Die Exogenphase: Die Ausfallphase

Die Exogenphase ist der letzte Teil des Haarzyklus, eine Phase, in der das Haar aus dem Follikel ausgestoßen wird. In der Exogenphase wird das alte Haar vollständig aus dem Haarfollikel freigesetzt und fällt aus. Dies ist ein natürlicher Teil des Haarzyklus, der Platz für neues Haarwachstum macht. Die Dauer der Exogenphase kann variieren, ist aber im Vergleich zu anderen Phasen des Haarzyklus relativ kurz. Im Durchschnitt verliert eine Person täglich etwa 50 bis 100 Haare durch diesen Prozess. Unmittelbar nach dem Ausfallen des alten Haares kann der Haarfollikel in eine neue Anagenphase eintreten und beginnen, ein neues Haar zu bilden.

Exogenphase

Die Exogenphase ermöglicht die kontinuierliche Erneuerung der Haare, indem sie dafür sorgt, dass alte oder beschädigte Haare regelmäßig ersetzt werden. Indem sie die natürliche Abstoßung alter Haare unterstützt, trägt die Exogenphase zur Aufrechterhaltung einer gesunden Kopfhaut bei. Die Exogenphase spielt eine Rolle bei der Regulierung der Haardichte und des gesamten Haarzyklus, indem sie das Gleichgewicht zwischen Haarwachstum und -ausfall aufrechterhält.

Obwohl Haarausfall in der Exogenphase ein natürlicher Prozess ist, kann eine signifikante Zunahme des Haarausfalls auf Probleme hinweisen. Zustände wie Telogenes Effluvium, bei dem eine größere Anzahl von Haaren vorzeitig in die Telogenphase eintritt und folglich ausfällt, können zu sichtbarem Haarverlust führen. Unterschiede in der Dichte, der Geschwindigkeit und dem Muster des Haarausfalls sind Schlüsselindikatoren, die helfen, normale zyklische Prozesse von pathologischem Haarausfall zu unterscheiden.

Nach diesen drei Phasen beginnt das Haarwachstum von vorne. Da es sich hier aber um einen sehr komplexen Prozess handelt, kann das Haarwachstum durch verschiedene Faktoren empfindlich gestört werden. Solche Faktoren können beispielsweise hormonelle Einflüsse, aber auch Stress und eine ungesunde Ernährung sein.

Wenn der Haarzyklus gestört ist, etwa durch einen beschleunigten Ablauf oder eine verkürzte Wachstumsphase, kann es als Folge zu Haarausfall kommen.

Faktoren, die den Haarzyklus beeinflussen

Obwohl der Haarabwurf ein wesentlicher Bestandteil des natürlichen Wachstumszyklus des Haares ist, können aber bestimmte Faktoren den vorzeitigen Abwurf beeinflussen und verhindern, dass der Haarfollikel wieder in seine Wachstumsphase zurückkehrt. Eine der häufigsten Gründe für diese Eskalation ist ein Hormonungleichgewicht, das durch Dihydrotestosteron, auch bekannt als DHT, verursacht wird. DHT ist ein Androgen (Sexualhormon), das sowohl bei Männern als auch bei Frauen vorkommt und von Testosteron abgeleitet ist.

DHT

Neben der Sensibilität gegenüber DHT gibt es weitere Ursachen, die zu übermäßigem Haarausfall führen können.

Die Geschwindigkeit und Qualität des Haarwachstums werden maßgeblich von unseren Genen und Hormonen bestimmt. Das Hormon Dihydrotestosteron spielt zusammen mit genetischen Faktoren eine wichtige Rolle beim erblich bedingten Haarausfall. Frauen hingegen erleben häufig eine Ausdünnung des Haars über dem Scheitel, wobei die Haarlinie in der Regel erhalten bleibt. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede verdeutlichen den Einfluss von Hormonen auf unser Haarwachstum.

Auch Stress kann den Haarzyklus stören und für vermehrten Haarausfall sorgen. Dafür verantwortlich sind vermutlich Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol.

Die Haarwurzeln können nur dann ein neues Haar produzieren und wachsen lassen, wenn dazu ausreichend Nährstoffe zu Verfügung stehen. Manche Menschen haben eine unzureichende Nährstoffzufuhr durch chronische Erkrankungen oder mangelnde Aufnahme über die Ernährung. Gefährdete Personen sind zum Beispiel Patienten mit chronischen Magen- oder Darmkrankheiten, Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf wie Sportler oder Schwangere oder Menschen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten oder -störungen wie Vegetarier, Veganer und Patienten mit Magersucht oder Bulimie.

Damit die Nährstoffe auch bis zum Haar gelangen können, ist eine gute Durchblutung der Kopfhaut wichtig. Sie kann zum Besipiel durch Kopfhautmassagen verbessert werden.

Die weiblichen Östrogene beeinflussen den Haarzyklus und damit das Haarwachstum positiv. Dadurch können sich jedoch Schwankungen des Östrogenspiegels ebenfalls auswirken, zum Beispiel im Rahmen der Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit oder der Menopause. Auch andere Hormonstörungen wie zum Beispiel eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse können Haarausfall begünstigen, jedoch durch eine medikamentöse Einstellung meist gut behandelt werden.

Tabelle: Phasen des Haarwachstums

Phase Dauer Merkmale
Anagen 2-6 Jahre Aktives Haarwachstum, Haarfollikel produziert kontinuierlich neue Haare
Katagen 2-3 Wochen Übergangsphase, Haarwachstum stoppt, Haarfollikel schrumpft
Telogen 3-4 Monate Ruhephase, Haarwachstum pausiert, altes Haar fällt aus
Exogen variabel, kurz Ausfallphase, das Haar wird aus dem Follikel ausgestoßen

Was tun bei Haarausfall?

Wenn das Haarwachstum durch verschiedene Faktoren gestört ist, kann heutzutage in vielen Fällen gezielt nachgeholfen werden, sofern keine krankheitsbedingte Ursache vorliegt. Spezielle Formulierungen mit wertvollen pflanzlichen Extrakten (beispielsweise Hirse oder Soja- und Weizenkeime), Spurenelementen, Vitaminen und Nährstoffen packen das Übel quasi direkt an der Wurzel. So sind unter anderem Dexpanthenol und der Eiweißbaustein L-Cystin dafür bekannt, das Haarwachstum anregen zu können. Wird die Haarwurzel mit wichtigen Mikronährstoffen genährt, verbessert sich der Zellstoffwechsel und die drei genannten Phasen laufen viel reibungsloser ab.

Die Diagnose von Haarausfall beginnt in der Regel mit einer ausführlichen medizinischen Anamnese und einer gründlichen Untersuchung der Kopfhaut. Dieser Prozess hilft den Haarexperten der KÖ-HAIR dabei, die Ursache des Haarausfalls zu identifizieren und eine angemessene Behandlung zu empfehlen. Dabei werden Patienten nach ihrer Familiengeschichte von Haarausfall, ihren Lebensgewohnheiten, Ernährung, Stressniveaus, aktuellen Medikamenten und kürzlich aufgetretenen Krankheiten oder chirurgischen Eingriffen befragt. Auch Fragen zu Veränderungen in der Haarbeschaffenheit, dem Muster und dem Beginn des Haarausfalls sind üblich.

Während der körperlichen Untersuchung bewerten die Haarexperten die Kopfhaut, um Anzeichen von Entzündungen, Narbenbildung und das Muster des Haarausfalls zu identifizieren. Für eine genauere Diagnose können spezialisierte Tests wie die Kopfhautbiopsie, Trichoskopie oder der KÖ-HAIR HaarScan durchgeführt werden.

Die Behandlung von Haarausfall hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt, wobei die Wahl der richtigen Therapie entscheidend von den Ursachen des Haarverlustes abhängt. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich nicht-invasive Verfahren wie die Mesotherapie und PRP-Therapie. Und auch die Haartransplantation ist eine immer populärer werdende Behandlungsmethode für Haarausfall, insbesondere für Fälle von androgenetischer Alopezie, auch bekannt als erblich bedingter Haarausfall.

Um übermäßigen Haarverlust zu beheben, ist es essenziell, die Ursache zu finden. Nur dann kann eine passende Therapie eingeleitet werden und unnötige, zeitraubende blinde Therapieversuche vermieden werden. Es ist deshalb wichtig, einen Experten für Haarausfallbehandlungen aufzusuchen - je früher, desto besser, denn je länger der Haarzyklus gestört ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Haarwurzeln irreversibel geschädigt werden.

Ist die Ursache des Haarausfalls gefunden, können die Haarwurzeln durch eine entsprechende Behandlung wieder aktiviert werden. Dazu kann zum Beispiel eine Infusionstherapie infrage kommen, bei der gezielt die fehlenden Nährstoffe in die Blutbahn gegeben werden. Auch bioregenerative Therapien sind begleitend möglich, beispielsweise eine PRP-Therapie (PRP= Platelet Rich Plasma oder Plättchenreiches Plasma). Die möglichen Therapieoptionen sind bei jedem Patienten individuell und können durch ein persönliches Beratungsgespräch ermittelt und geklärt werden.

Machen Sie jetzt den ersten Schritt, Ihren Haarausfall zu bekämpfen und vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei KÖ-HAIR. Unsere erfahrenen Haarexperten stehen Ihnen mit Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung zur Verfügung. Gemeinsam finden wir eine Lösung gegen Ihren Haarausfall. Nutzen Sie unsere kostenlose Online-Terminvereinbarung oder rufen Sie uns unter der Telefonnummer 0211-93672290 an, um Ihren Termin zu buchen. Gerne empfängt Sie das KÖ-HAIR Team zu einem kostenlosen, unverbindlichen Beratungstermin. Rufen Sie uns an, nutzen Sie unsere Online-Beratung oder das Kontaktformular.

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