Zum Haare raufen: Ursprung und Bedeutung einer bekannten Redewendung

Die Redewendung "zum Haare raufen" beschreibt einen Zustand der Verzweiflung, des Ärgers oder der Fassungslosigkeit. Wer völlig ratlos ist, rauft sich sprichwörtlich die Haare. Doch woher kommt dieser Ausdruck und was steckt dahinter?

Ursprung und Bedeutung

Das Verb "raufen" bedeutet im umgangssprachlichen Gebrauch stark ziehen oder ausrupfen. Es ist verwandt mit den Wörtern "rupfen" und "reißen". Die Redensart bezieht sich auf eine alte Klagegebärde, die in vielen Kulturkreisen bei Totenklagen bekannt ist. Das Raufen (Reißen, Ziehen) an den Haaren ist eine alte Klagegebärde.

Ein schönes Beispiel für den Zusammenhang finden wir in einem Text von 1743: "Es gehet nun einmal in der Welt so her; daß die unschuldigen Unterthanen die Haare darzu hergeben müssen, wenn sich grose Herrn raufen".

Der Übergang zur bildlichen Verwendung im hier genannten Sinn setzt im 18. Jahrhundert ein. So lesen wir bei Samuel Richardson (1769): "Ich möchte mir vor Verdruß die Haare ausraufen, daß ich es nicht in meiner Gewalt habe, Ihnen persönlichen Schutz zu ertheilen!"

Im Zuge der Verwirrung um die Rechtschreibreform (1996-2006) ist die (falsche) Variante "zum Haare raufen" allerdings häufig anzutreffen. Übrigens ist hier die Zusammenschreibung orthografisch korrekt.

Das mit "rupfen" und "reißen" verwandte Verb "(aus-)raufen" bedeutet: stark ziehen, ausrupfen. Die Redensart bezieht sich auf eine alte Klagegebärde, die bei den Totenklagen in vielen Kulturkreisen bekannt ist. Da das Ziehen an den Haaren auch bei Streit und Schlägerei zu finden ist, konnten sich Wörter wie "Raufdegen", "raufsüchtig", "Rauferei" und andere mehr bilden.

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Wie Sabrina Hufnagel in ihrer Studie über die Nibelungenklage beschreibt, rissen sich besonders Frauen die Haare vom Kopf. Dargestellt wird eine sogenannte Klagegebärde, die die Trauer nach außen hin visualisiert. Denn während der Trauerphase war jeglicher Schmuck, also auch körperlicher, fehlplatziert. Das hatte zur Folge, dass Trauernde im wahrsten Sinne des Wortes ihre Trauer verkörperten.

Das Raufen (Reißen, Ziehen) an den Haaren ist eine alte Klagegebärde. So heißt es z. B. in einem Text von 1659: "... dieser da er vernam/ daß sein Sohn tod wahr/ gehub er sich als ein verzweifelter mensch/ raufte sein Haar und Bart aus/ und stellete sich so jämmerlich/ daß alle anwesende zum mitleiden bewäget wurden".

Im Deutschen steht raufen (reflexiv) seit mittelhochdeutscher Zeit auch im Sinne von ‘sich balgen, streiten, prügeln, schlagen’, eigentlich ‘(sich) an den Haaren reißen’.

Viele Sprichwörter, die tagtäglich benutzt werden, stammen aus der Bibel. Statt sich nur die Haare zu raufen, ist bei Hiob gleich von der Schur des ganzen Hauptes die Rede.

Man kann auch "Kein gutes Haar an etwas lassen".

In dieser Redewendung symbolisieren Haare männliche Eigenschaften.

Weitere "haarige" Ausdrücke und Redewendungen:

  • Jemandem kein Haar/kein Härchen krümmen
  • Jemanden mit Haut und Haaren fressen wollen
  • Haarspalterei - wenn jemand etwas wortwörtlich auslegt

Hier ist eine Tabelle mit einigen verwandten Begriffen und deren Bedeutung:

Begriff Bedeutung
Raufen Zupfen, reißen, sich prügeln, schlagen, balgen, streiten
Raufer Wer gern und oft rauft, Streitlustiger
Raufbold Wer gern und oft rauft, Streitlustiger
Rauferei Das Raufen, Balgerei, Prügelei

Die Redewendung "zum Haare raufen" ist also ein Ausdruck von Verzweiflung, Ärger und Hilflosigkeit, der auf eine alte Tradition der Klage und Trauer zurückgeht. Sie wird verwendet, um eine Situation zu beschreiben, die so frustrierend ist, dass man sich am liebsten die Haare ausreißen möchte.

tags: #zum #Haare #raufen #Redewendung #Ursprung

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