In Deutschland ist xHamster eine der meistbesuchten Webseiten, noch vor Tagesschau.de oder PayPal. Um Inhalte zu kommentieren oder hochzuladen, ist ein Benutzerkonto erforderlich. Laut xHamster sind hierzulande rund 250.000 Accounts monatlich aktiv.
Viele Menschen, vor allem Frauen, haben ähnliche Erfahrungen gemacht wie Hanna, deren unfreiwillige Nacktaufnahme in einer Sauna auf xHamster landete. xHamster zeigte auch Videos aus Toilettenkabinen und von Musikfestivals. Solche Aufnahmen, die möglicherweise Minderjährige oder sexualisierte Gewalt zeigen, sind dort einem Millionenpublikum zugänglich.
Recherchen des Nachrichtenmagazins SPIEGEL und von STRG_F, dem Reportageformat des NDR für funk, geben nun erstmals genauere Einblicke in die Strukturen und Verantwortlichen hinter Deutschlands meistbesuchter Pornoseite.
Hinter xHamster verbirgt sich ein Netzwerk von Firmen, das sich von Zypern bis in die Karibik erstreckt. Während in den Pornovideos auf xHamster alles gezeigt wird, halten sich die Verantwortlichen im Hintergrund bedeckt und meiden die Öffentlichkeit.
Vereinfachtes Schaubild einiger Firmen aus dem xHamster-Kosmos.
Die Recherchen führen zu einer Reihe von Firmen, deren Spur zuerst nach Zypern führt, dann in die Karibik. Hammy Media ist nur eine von vielen zyprischen Firmen aus dem xHamster-Kosmos. Ihr Geschäftsführer ist laut Firmenpapieren Mardiros H. aus Zypern.
Im Spätsommer fahren die Reporter:innen zu seiner Wohnadresse. Mardiros H., ein älterer Herr, ist tatsächlich zu Hause. In gebrochenem Englisch sagt H., er habe aufgehört zu arbeiten, sei in Rente. Als die Reporter:innen mehr wissen möchten, bricht H. das Gespräch ab, ruft jemanden an. Dann sagt H., er habe mit seinem Boss telefoniert und möchte nicht mehr sprechen: „Sorry.
Tecom und Techinus gehören wiederum mehrheitlich einer Holding auf den britischen Jungferninseln. Die Spur von xHamster führt also in Steueroasen.
Wisebits gehört nicht nur die Holding auf den britischen Jungferninseln, sondern auch ein Großteil von TrafficStars. Statt einem Hamster hat Wisebits als Logo eine Eule - mit einem auffällig großen Gehirn.
Was Wisebits nicht verrät: Die IT-Firma kümmert sich laut STRG_F- und SPIEGEL-Recherchen um xHamster, wie Personen aus dem Firmenumfeld bestätigen. Löscharbeiter:innen bei Wisebits sollen laut Stellenbeschreibung Fotos und Videos sichten. Gearbeitet werde im Schichtbetrieb: neun Stunden pro Tag, vier Tage die Woche. Auch in der Nacht und am Wochenende. Von Pornos ist hier keine Rede.
Auf Zypern treffen die Reporter:innen von STRG_F eine ehemalige Wisebits-Mitarbeiterin. Sie möchte anonym bleiben. Für die Pornoindustrie zu arbeiten ist für viele ein Tabu, vor allem im orthodox geprägten Zypern.
Im Alltag bei Wisebits darf man seinen Namen geheim halten, wie auch die ehemalige Mitarbeiterin bestätigt. Wisebits bewirbt das sogar auf Instagram. In einem Instagram-Post heißt es: So ein Nickname könne „Spaß“ bereiten und andere Seiten der Persönlichkeit offenbaren.
Jahrelang hat sich ein gewisser Alex Hawkins immer wieder öffentlich als Vizechef von xHamster geäußert. Recherchen von SPIEGEL und STRG_F können zwei Personen identifizieren, die seit den ersten Jahren bei xHamster eine maßgebliche Rolle spielen: Oleg Netepenko und Dmitry Gusev.
„Nur Pornos, kein Bullshit“ - so lautete der Slogan von xHamster.com im Gründungsjahr 2007. Netepenko beschäftigt sich offenbar schon als junger Mann mit der Branche. Die Seiten haben Namen wie „rapeisland“. Die offenbar ältesten gingen 2003 online, da ist Netepenko gerade um die zwanzig. Kurze, rötliche Haare.
Im Jahr 2007 geht xHamster.com online. Heute ist xHamster ein Internetgigant, Netepenko ist Ende Dreißig und inzwischen Bürger von Zypern, wie amtliche Dokumente belegen. Im xHamster-Kosmos hat er eine mächtige Position. Netepenko hat Anteile an mehreren Firmen.
Neben Netepenko gibt es eine weitere Person, die Anteile an Wisebits besitzt. Es ist Dmitry Gusev, dessen Wege sich mehrfach mit denen von Netepenko und von xHamster kreuzen. Sind Gusev und Netepenko die beiden Männer hinter einer der größten Pornoplattformen der Welt?
Deutschlands meistbesuchte Pornoseite hat jetzt eine Ausweispflicht - zumindest für alle, die dort Videos veröffentlichen. Wer auf xHamster blank ziehen will, soll der Plattform zuerst ein Selfie mit Personalausweis vorlegen. Fotos lassen sich derzeit gar nicht hochladen.
Ein Grund dafür ist gewiss der öffentliche Druck, den Pornoplattformen spätestens seit 2020 spüren. xHamster selbst begründet die Veränderungen damit, dass die Plattform eine „sichere und angenehme Erfahrung“ bieten solle.
Anonym zu bleiben ist ein legitimes Interesse, wenn Menschen freiwillig Nackt- und Sexvideos von sich veröffentlichen möchten. Für manche ist es ein Hobby, andere verdienen damit Geld, auch ohne großes Pornostudio im Rücken. Die Verifikation mit Ausweis ist für viele ein Risiko. Andererseits kann Verifikation verhindern, dass Menschen Aufnahmen ohne Einverständnis verbreiten.
Hanna sagt: „Wenn man Besitzer von einer Pornoseite ist, hat man eine Verantwortung“, und diese Verantwortung habe xHamster nicht wahrgenommen. xHamster habe Strukturen gefördert, „die Frauen systematisch wehrlos machen und Machtmissbrauch von Männern aussetzen“.
Während die Männer hinter xHamster Privatsphäre für sich beanspruchen, werden die Saunabilder noch immer angeklickt. Und mit jedem Klick wird die Privatsphäre der gezeigten Frauen erneut verletzt.
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