Für jeden Reiter ist es DIE Turnier-Routine schlechthin: Die Mähne einflechten. Doch auch für den Alltag gibt es viele gute Gründe, die Mähne des Pferdes zu frisieren. Ob es darum geht, dass das Pferd unter der Mähne nicht so stark schwitzt, oder um zu verhindern, dass sich die Zügel in der Mähne verfangen.
Mit Fantasie und Fingerspitzengefühl geht noch viel mehr! Auch für wallende Haflinger-, Friesen- oder Tinkermähnen, die ja ein rassetypisches Kennzeichen sind und natürlich ein prima Fliegenschutz im Sommer, gibt es hübsche und turniertaugliche Alternativen.
Hier sind einige Ideen und Anleitungen, wie du deinem Pferd eine stilvolle und praktische Frisur zaubern kannst.
Idee Nr. 1: Das elegante Netzmuster
Das Netz ist eine Frisur, die sich mit jeder etwas längeren Mähne herstellen lässt. Da das Netz aus vielen Gummis besteht, ist die Frisur relativ stabil und eignet sich auch für schwierigere Fälle. Am besten sieht ein Netz aus, wenn die Mähne eine andere Farbe hat, als das Fell, zum Beispiel bei Braunen oder Haflingern.
Um ein Netz flechten zu können, braucht die Mähne deines Pferdes eine gewisse Länge, sodass eine mehrfache Unterteilung von oben nach unten möglich ist. Außerdem sollte sie überall ungefähr gleich lang und sauber sein, um ein schönes Ergebnis zu erzielen. Allerdings sollte die letzte Haarwäsche ein paar Tage zurückliegen und die Mähne nicht vorher mit Mähnenspray kämmbar gemacht werden.
Vorbereitung:
- Du benötigst eine Menge Mähnengummis (am besten passend zur Mähnenfarbe), einen Mähnenkamm und eine Bürste.
- Bei großen Pferden erleichtert ein Hocker zum draufstellen die Arbeit.
- Als Erstes bürstest du die Mähne gründlich, so dass sich die Haare gut trennen lassen und glatt liegen. Eventuell musst du die Mähne waschen, wenn der Ansatz zu schmutzig ist.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Zunächst kämmst du die Mähne deines Pferdes vorsichtig durch und beseitigst eventuelle Knoten.
- Zuerst teilst du die Mähne mit Hilfe des Mähnenkamms in gleichmäßig breite Strähnen. Die Strähnen sollten nicht zu breit sein. Zwei Drittel oder sogar nur die Hälfte der Breite eines Verziehkamms sind ein guter Wert. Bei sehr dicken Mähnen müssen Sie Strähnen breiter sein, als bei einer feinen Mähne.
- Anschließend teilst du, im Genick beginnend, dicke Strähnen in gleichmäßigen Abständen ab. Diese fixierst du möglichst nah am Mähnenkamm mit einem Mähnengummi. Die Strähnen sollten nicht zu dünn sein, denn sie werden später mehrmals geteilt.
- Jede der Strähnen wird mit einem Gummi zusammengebunden. Die Gummis sollten alle auf einer Höhe sitzen, zum Beispiel zwei Fingerbreit unterhalb des Mähnenkamms.
- Im nächsten Schritt beginnst du mit der ersten Ebene des Netzes. Dazu fasst du die erste Strähne hinter dem Genick vollständig und teilst die daneben liegende in zwei gleich dicke Strähnen.
- Die einzelnen Strähnen werden dann jeweils halbiert und die zueinander zeigenden Hälften von benachbarten Strähnen zusammen gebunden. Dabei ist wieder wichtig, dass die Gummis auf einer Höhe sitzen, zum Beispiel drei Fingerbreit unter den letzten Gummis. Dieses Maß behalten Sie dann für die restlichen Arbeitsschritte bei.
- Diesen Schritt wiederholst du nun mit allen weiteren Strähnen. Immer die Hälften von zwei nebeneinander liegenden Strähnen werden miteinander verbunden, sodass die gewünschte Netz-Optik entsteht.
- So wird ein Netz hergestellt: Wichtig ist auch, dass die Gummis in der Mitte sitzen, da die entstehenden Rauten sonst schief werden.
- Die letzte Strähne am Widerrist wird nicht geteilt, sondern vollständig mit der Hälfte der Nachbarsträhne verbunden.
- Die beiden am Rand übrig bleibenden Strähnen werden einfach gerade nach unten gezogen und in der nächsten Reihe mit der vorletzten Strähne vereint.
- Je nach Länge und Dichte der Pferdemähne kannst du dich für unterschiedlich viele Stufen bei deinem Netz entscheiden. Ich persönlich bevorzuge es, die offenen Enden ein wenig länger zu lassen. Meistens bleibt dadurch die Gleichmäßigkeit optisch besser erhalten, da die Strähnen nach unten nicht so stark ausdünnen.
- Das Strähnen halbieren und zusammennehmen der benachbarte Hälften setzen Sie nun Reihe für Reihe fort, bis die Mähne zu Ende ist. Wird eine der Strähnen am Rand zu dünn oder zu kurz, wird diese nicht geteilt, sondern komplett mit der benachbarten Hälfte verbunden. So fällt dann eine Raute weg.
- Für eine bessere Haltbarkeit verwende ich für die abschließende Netzreihe wieder jeweils zwei Mähnengummis pro Strähne.
Für mich persönlich ist das Netz immer die erste Wahl für Turniere, Vorführungen und andere „Anlässe“, bei denen die Mähne nicht offen bleiben soll. Es erzeugt ein apartes Gesamtbild und das Pferd ist in der Beweglichkeit des Halses nicht eingeschränkt (meine Stute mag zum Beispiel keine direkt auf dem Mähnenkamm liegenden Bauernzöpfe). Auch unseren Praxistest besteht das hübsche Netz, beim Reiten hält die Frisur lange durch.
Tipps für ein elegantes Netz:
- gleich breite Strähnen
- gleichmäßige Abstände der Reihen
- Gummis innerhalb einer Reihe alle auf einer Höhe
- gerade Rauten
Unser Netz bietet zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, falls es mal nicht in eine Turnierprüfung geht:
- Wiesenblumen
- Farbige Mähnengummis und Schleifen
- Gummis mit kleinen Schleifen
Achtung! Das Netz ist eine Frisur, die sich mit jeder etwas längeren Mähne herstellen lässt. Da das Netz aus vielen Gummis besteht, ist die Frisur relativ stabil und eignet sich auch für schwierigere Fälle.
Idee Nr. 2: Der klassische Bauernzopf
Der Bauernzopf eignet sich besonders gut, wenn dein Pferd eine recht dicke und mindestens 20 cm lange Mähne hat. Ein klassischer Bauernzopf erzeugt eine sehr hübsche Optik und ist recht schnell und unkompliziert zu bewerkstelligen, sodass er häufig auf Turnieren eingesetzt wird.
Vorbereitung:
- Als Vorbereitung kämmst du die Mähne des Pferdes sorgfältig durch, sodass sie locker fällt und sich gut in einzelne Strähnen abteilen lässt.
- Falls du noch nicht so geübt bist, ist es hilfreich, das Pferd beidseitig anzubinden. Dann kann es während des Flechtens den Kopf nicht so weit drehen und dir die einzelnen Strähnen aus den Fingern ziehen. Das passiert ohne die nötige Routine schon mal und ist erfahrungsgemäß immer ärgerlich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Bürste die Mähne gut aus.
- Hinter den Ohren teilst Du nun drei fingerbreite Strähnen ab.
- Beim Weiterflechten nimmst Du nun immer eine neue Strähne der Mähne zur oberen Flechtsträhne dazu.
- Den fertigen Zopf kannst du nach Belieben in Form ziehen und ausdrehen, sodass er sauber am Mähnenkamm anliegt. Allerdings hängt dies auch stark von der Beschaffenheit der Pferdemähne und natürlich der Übung ab.
Im Gegensatz zum Netz oder anderen Flechtfrisuren lässt sich ein Bauernzopf nicht gut nachträglich wieder in Form ziehen.
Variationen:
- Blumen: Auch der Bauernzopf eignet sich prima für florale Verzierungen. Für das Foto habe ich Schleierkraut verwendet, aber auch schon kleine Wildröschen, Gerbera, Butterblumen und Margeriten.
- Bunte Bänder: Ganz gleich ob die Nationalfarben eures WM-Favoriten, eure Lieblingsfarbe oder als farbliche Abrundung eines Quadrille-Outfits, bunte Bänder lassen sich sehr leicht in den Zopf aufnehmen und sorgen für ein optisches Highlight.
- Verschiedene Variationen: Mit ein wenig Fingerspitzengefühl und Übung könnt ihr auch andere elegante Varianten des klassischen Bauernzopfes flechten. Beispiele dafür sind zum einen der „Fischgrätzopf“, bei dem die Strähnen das extravagante Fischgrätmuster formen oder der doppelte Bauernzopf für Pferde mit besonders dicker Mähne.
Bei mir persönlich findet der Bauernzopf nur selten auf Turnieren und Veranstaltungen Anwendung, da meine Stute auf den straffen Zopf am Mähnenkamm sehr unwillig reagiert. Wenn es richtig heiß ist und sich die Hitze unter der dicken Haflingermähne staut, oder auch wenn die Zügel sich beim Arbeiten nicht in der Mähne verfangen sollen, flechte ich ebenfalls einen Bauernzopf. Dieser unterscheidet sich aber dadurch, dass er nicht straff am Mähnenkamm anliegt, sondern etwas tiefer in der Mähne. Dadurch engt er nicht ein.
Achte darauf: Zurrt man die Stränge für ein optisch perfektes Ergebnis zu stark fest, ergeht es besonders den empfindlichen Pferden ähnlich wie uns Menschen. Uns kann ein zu straff gezogener Haarknoten erhebliche Kopfschmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen.
Idee Nr. 3: Der elegante Schweifknoten (Nudo Vaquero)
Du möchtest dein Pferd für ein Event, wie zum Beispiel ein Working Equitation Turnier oder eine Barock Show, aufhübschen? Das geht natürlich am besten mit einer schicken Frisur. Wir haben dir bereits in einem früheren Blogeintrag den hübschen Schweifknoten Nudo Vaquero gezeigt.
Vorbereitung:
- Der Schweif muss nicht unbedingt frisch gewaschen sein.
- Dasselbe gilt für Mähnenspray. Auch Mähnenspray gehört bei vielen zur Mähnen- und Schweifroutine dazu.
- Um den Knoten noch haltbarer zu machen, kannst du den Schweif vorher gut mit einer Sprühflasche gefüllt mit Wasser nass sprühen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Um die Schweifrübe einzuflechten, gibt es zwei Varianten. Zunächst gibt es den normalen französischen Zopf, wobei die beiden äußeren der drei Strähnen immer abwechselnd über die mittlere Strähne gelegt werden.
- Bei der zweiten Variante herrscht das gleiche Grundprinzip der drei Strähnen, jedoch werden die äußeren Strähnen nicht über, sondern unter die mittlere Strähne gelegt. Wenn man diese Variante weiter flechtet, bekommt der Zopf einen “aufgesetzten” Look, da das Flechtmuster auf den Haarsträhnen sitzt.
- Nachdem du den Zopf fertig geflochten und mit einem Mähnengummi fixiert hast, teilst du den Rest des Schweifes in zwei Stränge auf. Ein Strang verbleibt sozusagen im Hintergrund, während davor ein etwas dickerer Hauptstrang abgetrennt wird.
- Wenn du beide Stränge abgeteilt hast, fängst du an den vorderen Strang nach rechts einzudrehen. Während des Eindrehens, beginnst du den Haarstrang nach oben, um den geflochtenen Schweif herumzulegen. Das wiederholst du solange, bis der Schweif fast zu Ende ist.
- Nun nimmst du den zweiten Strang in die andere, noch freie Hand. Diesen drehst du in die entgegengesetzte Richtung ein und gehst währenddessen, genauso wie beim ersten Strang, während des Eindrehens langsam nach oben um die Schweifrübe herum.
- Wenn das geschafft ist, werden die beiden Ende der Stränge miteinander verzwirbelt und anschließend wie ein kleiner Dutt mit Hilfe eines Mähnengummis befestigt.
- Um den Schweifknoten noch haltbarer zu machen, kannst du ihn am Ende mit etwas Wasser besprühen, um so seine Festigkeit zu stärken.
Tipp: Denke daran, den Schweifknoten nur so lange wie nötig eingeflochten zu lassen. Durch die Flechtung und das Umwickeln durch die Haarstränge, ist die Schweifrübe einem gewissen Druck ausgesetzt. Deshalb solltest du den Schweifknoten nur für kurze Zeit zum Beispiel für ein Event, ein Turnier oder ein Fotoshooting an deinem Pferd lassen. Je öfter du den Schweifknoten in der geflochtenen Variante machst, desto schneller wirst du ihn mit der Zeit knoten können.
Weitere Flechtfrisuren für Pferde
- Kreuzzöpfe: Flechte bei allen Strähnen das obere Drittel ein und fixiere sie mit einem Mähnengummi. Du kannst, wenn du möchtest, auch weiter nach unten flechten. Verbinde den ersten und dritten Zopf mit einem Gummi. Den zweiten verbindest du mit dem fünften und so weiter.
- Französischer Zopf für den Schweif: Da das Pferd durch eine Frisur nicht in seinen natürlichen Bewegungen eingeschränkt werden sollte, flicht man den Schweif lediglich im oberen Bereich ein. Um den Zopf zu beenden, nimmst du irgendwann keine neuen Haare mehr von den Seiten hinzu. Im letzten Schritt fixierst du das Ende des Zopfs mit einem oder zwei Mähnengummis. Er liegt nun dekorativ auf den nicht eingeflochtenen Haaren auf.
Nicht nur die Mähne, auch Schopf und Schweif einflechten bietet wieder zahlreiche Möglichkeiten, kreativ zu gestalten und abzuwandeln. Wir würden uns freuen, wenn du deine Ideen mit uns teilst. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!
Tabelle: Übersicht der vorgestellten Frisuren
| Frisur | Geeignet für | Schwierigkeitsgrad | Besonderheiten |
| Netzmuster | Mittellange bis lange Mähne | Mittel | Stabil, optisch ansprechend, viele Gestaltungsmöglichkeiten |
| Bauernzopf | Dicke, lange Mähne (mind. 20cm) | Einfach | Schnell, unkompliziert, verschiedene Variationen möglich |
| Schweifknoten (Nudo Vaquero) | Langer Schweif | Mittel | Elegant, ideal für Shows und Turniere |
Willst du bei deinem Liebling die Mähne einflechten - sei es für das Turnier oder andere Anlässe - stehen dir einige Möglichkeiten offen. Natürlich eignet sich nicht jede Pferdefrisur für jeden Typ Mähne, aber es ist für alle etwas Passendes dabei und dann sieht auch dein Pferd top-gestylt aus.
Du kennst noch mehr tolle Frisuren oder willst Deine (Miss)Erfolge beim Frisieren teilen?
Hier ist die Schritt-für-Schritt Videoanleitung für das Einflechten der Mähne
Der Mozartzopf - ein Hingucker für lange Pferdemähne
tags:
#einfache #reiter #frisuren #anleitung
Populäre Artikel: