Weiße Wimpern bei Kindern können verschiedene Ursachen haben, von genetischen Bedingungen bis hin zu Autoimmunerkrankungen. Es ist wichtig, die Ursache zu ermitteln, um die richtige Behandlung und Unterstützung zu gewährleisten. Im Folgenden werden einige der häufigsten Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten erläutert.
Die Ursachen von Albinismus sind verschiedene genetische Störungen. Die betreffenden Gene weisen eine Veränderung (Mutation) auf, die auch an Nachkommen weitervererbbar ist. Der Erbgang für Albinismus ist in der Regel autosomal-rezessiv.
"Autosomal" bedeutet, die für den Albinismus verantwortlichen Gene liegen auf Autosomen (= Chromosomen, die nicht zu den Geschlechtschromosomen zählen). "Rezessiv" bedeutet, die betreffenden Genmutationen treten nur dann zutage, wenn ein Kind sowohl vom Vater als auch von der Mutter diese Mutation geerbt hat.
Bekommt ein Kind dagegen von einem Elternteil eine "gesunde" Genkopie und vom zweiten Elternteil eine mutierte Genkopie, entwickelt es keinen Albinismus.
Das bedeutet also, dass nicht jeder, der die Anlage für Albinismus in sich trägt, auch tatsächlich erkrankt.
Je nach Ausprägung der Krankheit unterscheiden Ärzte zwei verschiedene Formen:
Eine weitere Unterteilung dieser Albinismus-Formen ist nach der zugrundeliegenden genetischen Ursache möglich. Die Bildung des Farbstoffs Melanin ist nämlich ein komplexer Prozess, an dem viele verschiedene Komponenten wie Zellen, Enzyme und Proteine beteiligt sind. Je nachdem, welcher Baustein in der Melanin-Produktion durch einen Gendefekt fehlerhaft ist, unterscheidet man:
Es gibt verschiedene Formen von okulärem Albinismus. Hierbei beschränken sich die Symptome auf die Augen: Die Regenbogenhaut ist sehr hell (hellblau oder rötlich). Zudem treten Sehstörungen auf. Haare und Haut sind normal gefärbt.
Meist ist okulärer Albinismus X-chromosomal-rezessiv vererbt, so etwa der okuläre Albinismus Typ 1 (Nettleship-Falls-Typ). Die zugrundeliegende Genmutation liegt also auf dem weiblichen Geschlechtschromosom (X-Chromosom). Weil Männer grundsätzlich nur über ein X-Chromosom verfügen, kommt die Genmutation bei ihnen immer zum Tragen.
Frauen dagegen sind in der Mehrzahl symptomfrei, weil sie ja zwei X-Chromosomen haben. Wenn nur auf einem die relevante Genmutation liegt, greift der Körper auf die "gesunde" Genkopie auf dem zweiten X-Chromosom zurück. Nur in seltenen Fällen zeigen daher auch Frauen Symptome von okulärem Albinismus, etwa wenn die "gesunde" Genkopie inaktiviert ist oder wenn beide X-Chromosomen die relevante Genmutation aufweisen.
Ganz selten ist die autosomal-rezessive Form von okulärem Albinismus.
Piebaldismus ist eine seltene, angeborene Pigmentstörung. Bei den Betroffenen bilden sich während der embryonalen Entwicklung an verschiedenen Hautstellen keine oder kaum Melanozyten. Dabei handelt es sich um die Zellen, die den Farbstoff Melanin bilden. Das führt zu klar abgegrenzten Stellen mit wenig oder ohne Pigment.
Die hellen, sehr lichtempfindlichen Pigmentflecken finden sich hauptsächlich an Stirn, Brustkorb, Bauch, Oberarmen und Beinen. Zudem haben die Betroffenen eine weiße Stirnlocke und manchmal auch helle oder weiße Augenbrauen und Wimpern.
Die Mutation, die dem partiellen Albinismus zugrunde liegt, wird autosomal-dominant vererbt. Es genügt also, dass man nur von einem Elternteil diese Mutation vererbt bekommt, dass diese Form von Albinismus in Erscheinung tritt.
Die Vitiligo ist eine häufige, erworbene und chronische Erkrankung der Haut. Sie führt zu einem stellenweisen Verlust des braunen Hautpigments Melanin. Die Weißfleckenkrankheit kann komplett symptomfrei verlaufen. Bei Vitiligo-Patienten werden die Melanozyten vom körpereigenen Immunsystem angegriffen und zerstört.
Zudem ist die Vitiligo mit einer erhöhten Rate verschiedener Autoimmunerkrankungen, wie Schilddrüsenerkrankungen und kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) verbunden. Auch andere Ursachen wie eine genetische Veranlagung werden vermutet, da es zur familiären Häufung kommt.
In den befallenen Vitiligoarealen kann es zu einer Weißfärbung der Haare kommen.
Die weißen Hautflecke treten bevorzugt an bestimmten Körperstellen auf. Häufig betroffen sind Augenlider und Mundwinkel ebenso wie Hals, Achseln, Ellenbogen, Knie, Hände und Knöchel. Auch die Kopf- und Baarthaare, Wimpern oder Augenbrauen können depigmentieren.
Bei Vitiligo treten häufig weitere Krankheiten oder Beschwerden auf. Dazu gehören:
Vitiligo gilt derzeit als nicht heilbar. Dennoch kann eine frühzeitige Behandlung die Ausbreitung eindämmen und in vielen Fällen sogar eine Repigmentierung der weißen Hautstellen begünstigen.
Die Behandlung verfolgt mehrere Ziele:
Mögliche Behandlungen umfassen:
Betroffene sollten versuchen, den (emotionalen) Stress zu reduzieren, da dies neue Schübe begünstigen kann. Auch ein guter Sonnenschutz ist wichtig, da die weiße Haut schneller zu Sonnenbrand neigt.
Um die weißen Hautareale abzudecken, können Betroffene Spezial-Make-up verwenden. Auch eine Psychotherapie kann helfen.
Kreisrunder Haarausfall ist auch unter dem Namen Alopecia areata bekannt. Die Alopecia areata ist keine seltene Diagnose im Kindesalter. Bei Kindern tritt die AA vor allem im Alter von 3-12 Jahren auf.
Bei bis zu 25 Prozent der Betroffenen lässt sich eine familiäre Häufung der Erkrankung feststellen. Auch psychogene Ursachen können zumindest teilweise eine Rolle spielen. Der kreisrunde Haarausfall kann manchmal bei starkem Stress, Prüfungen, nach Unfällen oder Trauerfällen auftreten.
In etwa 10 % dieser Erkrankungsfälle kommt es zu einem zusätzlichen Augenbrauenausfall und Wimpernausfall.
Manchmal fallen auch nur pigmentierte Haare aus und graue oder weiße Haare bleiben stehen. Das erklärt einerseits, warum weißes Haar oft vom Haarausfall verschont bleibt und andererseits, warum die ersten nachwachsenden Haare häufig ebenfalls weiß sind.
Es stehen einige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die den Verlauf verlangsamen beziehungsweise hemmen. Dabei sind unterschiedliche Applikationswege möglich. Es kann lokal eine cortisonhaltige Creme oder Lösung aufgetragen werden. Bei kleinen Herden kann auch Cortison in die Kopfhaut gespritzt werden. Diese systemische Therapie wirkt oft gut, die Tabletten müssen aber über einen längeren Zeitraum in einer erhöhten Dosis eingenommen werden, wodurch die typischen Nebenwirkungen einer Cortisonbehandlung auftreten können. Nach Absetzen der Tabletten kann der Haarausfall erneut auftreten. Der Arzt wird deshalb eine Cortisontherapie besonders sorgfältig abwägen.
Durch eine Anwendung über mehrere Monate wird auf der Kopfhaut eine allergische Entzündungsreaktion ausgelöst. Oft sind die neu wachsenden Haare erst einmal weiß und lagern erst einige Wochen später Pigmente ein. Die DCP-Therapie gilt als sehr erfolgreich, wird jedoch nur in wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt.
Eine lokale Therapie mit einer Minoxidil-Lösung wird eigentlich bei erblich bedingten Haarausfall angewendet. Als Alternative gilt Dithranol, welches auch als Cignolin oder in den USA als Anthralin bekannt ist und normalerweise bei der Behandlung der Schuppenflechte eingesetzt wird.
Abhängig von der sozialen Situation und dem Krankheitsempfinden durch den Patienten selbst, aber häufig auch durch dessen Eltern, kann psychotherapeutische Betreuung (z. B. Spieltherapie) eine wertvolle unterstützende Maßnahme zur Krankheitsbewältigung (Coping) darstellen.
Die Hauptaufgabe in der Bewältigung der Alopecia areata ist jedoch die Beratung der Eltern und die psychosoziale Unterstützung von Eltern und betroffenen Kindern.
Neben den bereits genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die zu weißen Wimpern führen können:
Es ist wichtig, einen medizinischen Experten zu konsultieren, um die genaue Ursache zu ermitteln und einen geeigneten Behandlungsplan zu entwickeln.
Die Diagnose von weißen Wimpern bei Kindern erfordert eine gründliche Untersuchung und Anamnese. Der Arzt wird verschiedene Tests durchführen, um die Ursache zu ermitteln und andere Erkrankungen auszuschließen.
Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab und kann Folgendes umfassen:
Weiße Wimpern können für Kinder und ihre Eltern eine Herausforderung darstellen. Es ist wichtig, die Kinder emotional zu unterstützen und ihnen zu helfen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Selbsthilfegruppen und psychologische Beratung können wertvolle Ressourcen sein.
Zusätzlich können folgende Maßnahmen helfen:
Es ist wichtig zu betonen, dass weiße Wimpern in den meisten Fällen kein Grund zur Beunruhigung sind. Mit der richtigen Diagnose und Behandlung können die meisten Kinder ein normales und erfülltes Leben führen.
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