Vermehrtes Haarwachstum in der Schwangerschaft: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Während der Schwangerschaft durchlebt der Körper einer Frau zahlreiche Veränderungen. Eine davon kann ein verstärktes Haarwachstum sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für vermehrten Haarwuchs während der Schwangerschaft und gibt einen Überblick über den sogenannten Hirsutismus.

Was ist Hirsutismus?

Unter Hirsutismus versteht man einen sehr starken Haarwuchs bei Frauen, der eher dem männlichen Behaarungsmuster entspricht. Charakteristisch sind etwa ein „Damenbart“ oder Haare an Brust und Rücken.

Frauen mit Hirsutismus haben einen sehr starken Haarwuchs, der eher der typischen männlichen Körperbehaarung entspricht. Zum Beispiel wachsen vermehrt dicke und dunkle Haare am Kinn und auf der Oberlippe, am Oberkörper oder Po. Zudem ist die Behaarung unter den Achseln und im Genitalbereich oft stark ausgeprägt - ähnlich wie bei Männern. Zudem wachsen die Haare im Genitalbereich oft bis auf den Oberbauch oder die Innenseiten der Oberschenkel.

Auf einen Blick:

  • Als Hirsutismus bezeichnet man eine übermäßig starke Körperbehaarung bei Frauen.
  • Häufig wachsen vermehrt Haare im Gesicht, beispielsweise als Oberlippen- oder Kinnbart, sowie am Rücken und auf der Brust.
  • Frauen mit Hirsutismus haben meist mehr männliche Geschlechtshormone im Körper als Frauen ohne Hirsutismus.

Dieser sehr starke Haarwuchs kann nach der Pubertät bei Frauen auftreten, deren Körper zu viele männliche Geschlechtshormone bildet. Nimmt der Anteil an Androgenen im Körper der Frau zu, kann es zu einer solchen eher für Männer typischen Ausprägung der Körperbehaarung kommen.

Ursachen für Hirsutismus

Auch Frauen haben männliche Geschlechtshormone (Androgene) im Körper, aber in der Regel deutlich weniger als Männer. Die Menge an Androgenen beeinflusst, wo welcher Haartyp wächst. Bei Jungen in der Pubertät werden dadurch die Haare im Gesicht dicker und dunkler, der Bartwuchs beginnt. Auch am restlichen Körper verändert sich die Behaarung.

Mit bis zu 80 Prozent ist das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) die häufigste Ursache für einen ausgeprägten Hirsutismus. Andere Ursachen für Hirsutismus sind seltener.

Weitere mögliche Ursachen:

  • polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Dabei befinden sich an den Eierstöcken viele kleine Zysten.
  • androgenitales Syndrom: Die Nebennieren bilden durch einen Enzymdefekt zu wenig Kortisol und oft auch zu wenig Aldosteron.
  • Cushing-Syndrom: Bei dieser Erkrankung ist das Hormon Kortisol im Körper aus unterschiedlichen Gründen im Übermaß vorhanden. Zusätzlich kann ein Überschuss an männlichen Hormonen entstehen.
  • Hyperandrogenämie beschreibt eine hormonelle Störung, konkret eine Überproduktion von Testosteron.
  • Cushing Syndrom (eine Stoffwechselerkrankung)
  • Tumor(e) in der Nähe der Eierstöcke oder der Nebennieren
  • Akromegalie ist eine seltene Hormonstörung, die durch einen Überschuss an Wachstumshormonen bedingt wird.

Seltener führen Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten zu Hirsutismus, wenn etwa ein hormonelles Ungleichgewicht entsteht. Hirsutismus, der plötzlich auftritt, sehr stark ist oder mit weiteren Beschwerden einhergeht, sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Diagnose von Hirsutismus

Die Diagnose Hirsutismus ergibt sich für den Arzt unmittelbar aus dem charakteristischen männlichen Behaarungstyp einer Patientin: An Stellen wie Kinn, Oberlippe oder Brust finden sich vermehrt die kräftigen Terminalhaare. Der Arzt oder die Ärztin wird im nächsten Schritt herausfinden wollen, ob bestimmte Erkrankungen oder Medikamente den Hirsutismus hervorgerufen haben.

Verschiedene Blutwerte geben Aufschluss darüber, ob der Hirsutismus eine hormonelle Ursache hat und welche Erkrankung dahinterstecken könnte. Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen sinnvoll.

Behandlung von Hirsutismus

Bei einem mild ausgeprägten Hirsutismus ist eine Behandlung - rein medizinisch betrachtet - meist nicht nötig. Ob der übermäßige Haarwuchs stört oder nicht, ist individuell sehr unterschiedlich. Viele Frauen fühlen sich aber wohler damit, die Haare zu entfernen.

Bei Hirsutismus, der durch eine bestimmte Erkrankung oder Medikamente ausgelöst wurde, richtet sich die Therapie vor allem nach der jeweiligen Ursache. Hat ein PCO-Syndrom den Hirsutismus begünstigt, kann bei übergewichtigen Frauen eine Gewichtsabnahme den Hormonhaushalt positiv beeinflussen. Da bei einem PCO-Syndrom häufig der Zuckerstoffwechsel gestört ist, kann auch eine Behandlung mit dem Antidiabetikum Metformin infrage kommen, welches als Tablette eingenommen wird.

Eine Alternative ist die Behandlung mit sogenannten Antiandrogenen oder der „Antibabypille“. Antiandrogene Wirkstoffe in Tablettenform, zum Beispiel das verschreibungspflichtige Cyproteronacetat, hemmen den Einfluss der männlichen Sexualhormone auf die Haarfollikel. In der Schwangerschaft und Stillzeit sind sie allerdings nicht geeignet. Zu häufigen Nebenwirkungen zählen Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen oder Zwischenblutungen.

Bei übermäßiger Gesichtsbehaarung steht der Wirkstoff Eflornithin als Creme zur Verfügung. Die Creme wird meist zweimal täglich auf die betroffenen Partien aufgetragen und vollständig einmassiert. Bis eine Wirkung sichtbar ist, können einige Wochen vergehen. Nach Absetzen der Behandlung kehrt die Behaarung nach und nach zurück, sodass häufig eine dauerhafte Anwendung nötig ist. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen lokale Reaktionen wie Kribbeln, Brennen, Juckreiz oder Rötungen.

Methoden zur Haarentfernung

Zur Haarentfernung gibt es Produkte und Methoden, die man selbst anwenden kann, zum Beispiel:

  • Blondierungscremes mit Wasserstoffperoxid („Bleichen“)
  • Enthaarungscremes
  • Rasieren
  • Wachsen
  • Auszupfen, entweder mit einer Pinzette oder einem elektrischen Epiliergerät

Bei diesen kosmetischen Verfahren wachsen die Haare nach einer gewissen Zeit wieder nach, da die Haarwurzeln intakt bleiben. Es ist möglich, dass bei der Anwendung Hautreizungen auftreten.

Um die Haare dauerhaft und sachgerecht entfernen zu lassen, kann man eine Fachärztin oder einen Facharzt aufsuchen. Hier kommen zwei Methoden infrage: die Photoepilation und die Elektrolyse.

Bei der Photoepilation werden Haarfollikel mithilfe von Licht geschädigt, bei der Elektrolyse mit Strom. In beiden Fällen wachsen die Haare weniger oder gar nicht mehr nach. Auch bei diesen Verfahren sind Nebenwirkungen möglich.

Weitere Methoden:

  • Rasieren: Das Rasieren beseitigt die Haare nur kurzfristig.
  • Enthaarungscreme/-schaum: Enthaarungsprodukte werden auf die Haut aufgetragen und nach einer Einwirkzeit von einigen Minuten wieder entfernt. Sie enthalten alkalische Chemikalien (z. B. Thiomilchsäure), welche an der Hautoberfläche befindliche Haarteile auflösen. Bis eine erneute Behandlung nötig ist, dauert es mehrere Tage. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautreizungen oder allergische Reaktionen. Daher sollte man das Produkt vor der ersten Anwendung auf einer kleinen Hautpartie testen.
  • Bleichen: Durch Bleichen können dunkle Haare gut kaschiert werden.
  • Laserhaarentfernung: Bei der Laserhaarentfernung wird zunächst handelsübliches Ultraschallgel auf die zu behandelnden Körperareale aufgetragen. Im Anschluss bewegt man den Kopf des Lasers in stempelnden oder streichenden Bewegungen über die zu enthaarenden Stellen. Ganz schmerzfrei ist diese Methode der Haarentfernung jedoch nicht. Sollten sehr empfindliche Körperstellen durch eine Laserbehandlung enthaart werden, kann zusätzlich vor der Behandlung eine Betäubungscreme, die die Wirkstoffe Prilocain und Lidocain enthält, angewendet werden.

Wichtig: Kosmetische Anwendungen wie Laser, Bleaching oder verschreibungspflichtige Cremes zur Haarentfernung sind während der Schwangerschaft nicht zu empfehlen, da es bisher keine wissenschaftlichen Studien zu ihrer Sicherheit gibt.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Methoden zur Haarentfernung:

Methode Beschreibung Dauerhaftigkeit Nebenwirkungen
Rasieren Kurzfristige Entfernung der Haare an der Hautoberfläche Kurzfristig Hautreizungen, Schnittverletzungen
Enthaarungscremes Chemische Auflösung der Haare an der Hautoberfläche Wenige Tage Hautreizungen, allergische Reaktionen
Wachsen/Epilieren Entfernung der Haare samt Wurzel Mehrere Wochen Schmerzen, Rötungen, Entzündungen
Laser/IPL Zerstörung der Haarwurzel durch Lichtimpulse Langfristig (Reduktion des Haarwuchses) Hautreizungen, Pigmentverschiebungen
Elektrolyse Zerstörung der Haarwurzel durch elektrischen Strom Dauerhaft Schmerzen, Narbenbildung (selten)

Ursachen für Hirsutismus und Behandlungsmöglichkeiten

Zusätzliche Informationen für Schwangere

Während der Schwangerschaft regen die Hormone Östrogen und Progesteron die Hautzellen im Gesicht an, mehr Pigmente zu bilden. Da nicht alle Zellen die gleiche Anzahl an Pigmenten bilden, können auf Hals, Nase und Wangen Pigmentansammlungen - sogenannte Chloasma oder „Mutterflecken" - auftreten. Zu diesen harmlosen braunen Flecken neigen vor allem Frauen mit dunkler Haut.

Auch die Brustwarzen verändern sich während der Schwangerschaft: Häufig werden sie nicht nur größer, sondern auch dunkler. Um die 15. Schwangerschaftswoche herum bemerken manche Schwangere außerdem einen dunklen Streifen auf ihrem Bauch, der sich vom Nabel bis hin zum Schambein zieht. Diese sogenannte Linea Negra (lat. Linie schwarz) verschwindet nach der Schwangerschaft wieder.

Während der Schwangerschaft ist es am besten, auf dauerhafte Haarentfernungsmethoden wie IPL oder Laser zu verzichten. Nach der Geburt können Sie dann ganz entspannt entscheiden, wann Sie wieder mit einer langfristigen Lösung starten möchten.

Es gibt den Mythos, dass Haare am Bauch an Anzeichen dafür sind, dass du mit einem Jungen schwanger bist. Der ist tatsächlich genau das: ein wissenschaftlich unbestätigter Mythos. Das Geschlecht deines ungeborenen Babys erfährst du durch einen Bluttest oder eine Ultraschall-Untersuchung.

Fazit: Haare am Bauch in der Schwangerschaft sind nichts Ungewöhnliches und auf einen erhöhten Östrogenspiegel zurückzuführen. Nach der Geburt fallen sie zumeist innerhalb eines Jahres von selbst wieder aus. Wenn dich die Haare während der Schwangerschaft ungemein stören, dann kannst du sie mit den gängigen Methoden entfernen.

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

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