Spinnenvielfalt in Deutschland: Arten ohne Haare und mehr

Spinnen gehören zu den artenreichsten Tiergruppen weltweit und faszinieren mit ihren vielfältigen Farben, Mustern und Verhaltensweisen. Sie sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch von großer Bedeutung für das Ökosystem. Als Insektenvertilger tragen sie maßgeblich zum Gleichgewicht in der Natur bei. Das Vorkommen bestimmter Spinnenarten kann sogar Aufschluss über den Zustand ihres Lebensraums geben, da sie oft sehr spezielle Umweltansprüche haben und empfindlich auf Veränderungen reagieren.

In Deutschland gibt es ungefähr 1.000 verschiedene Spinnenarten. Weltweit haben Wissenschaftler mehr als 45.000 Arten entdeckt. Diese achtbeinigen Jäger sind bereits seit 500 Millionen Jahren auf unserem Planeten zu finden und somit älter als Dinosaurier.

Die Bedeutung von Spinnen für das Ökosystem

Spinnen sind lautlose Räuber, die mit ausgefeilten Techniken auf Beutezug gehen. Alle bei uns heimischen Spinnenarten ernähren sich fast ausschließlich von Insekten. Gemeinsam mit anderen Insektenjägern wirken sie Überpopulationen und Massenvermehrungen von Fliegen, Käfern, Heuschrecken oder Schmetterlingen entgegen. In Gebäuden erweisen sie sich als praktische Fänger von lästigen Fliegen und Mücken.

Gleichzeitig sind sie Nahrung für viele Tiere und liefern etwa Vögeln, anderen Spinnen und Kleinstsäugern lebenswichtige Proteine. Sogar das ein oder andere Insekt ist auf die nahrhafte Spinnenmahlzeit angewiesen. Die Frühlings-Wegwespe (Anoplius viaticus) jagt Wolfsspinnen und zieht diese in unterirdische Röhren als Nahrungsvorrat für ihren dort schlüpfenden Nachwuchs.

Spinnen sind sehr wichtig für das Ökosystem, da sie als Insektenvertilger für ein Gleichgewicht im Kreislauf der Natur sorgen.

Jagdstrategien: Netzweben und Springen

Die meisten heimischen Spinnenarten weben nahezu unsichtbare Netze aus ihrem sogenannten Spinnfaden, um umherfliegende Insekten zu fangen. Neben der ausgezeichneten Tarnung und einem ausgefeilten Aufbau sind die Netze außerdem extrem reißfest. Spinnseide ist eine der strapazierfähigsten Naturfasern, die es gibt und 25 Mal belastbarer als ein vergleichbarer Stahlfaden.

Da die von außen nach innen verlaufenden Quer-Fäden mit klebrigem Sekret versehen werden, gelingt es Faltern, Heuschrecken und Schmetterlingen nur in Ausnahmen, aus der klebrigen Falle zu entkommen. Die hungrigen Bewohner des Netzes lähmen die zappelnde Beute mit einem Biss und wickeln sie anschließend in reichlich Spinnseide ein, um sie fürs spätere Mahl zu konservieren.

Im Gegensatz zu Webspinnen, die nachtaktiv und sehr kurzsichtig sind, jagen die berühmten Springspinnen ohne Netz, dafür mit hervorragender Optik. Mit ihren vier großen nach vorn gerichteten Augen nehmen sie ihre Beute ins Visier und erfassen ein erweitertes Farbspektrum bishin zu Ultraviolett. Insbesondere das mittlere Augenpaar erfüllt gewissermaßen eine Teleskop-Funktion. Die Netzhäute können vor und zurück, aber auch seitlich bewegt werden, sodass die Spinne ihre Beute mit möglichst wenigen Körperbewegungen scharf im Blick behält. Zwei weitere Augenpaare seitlich am Vorderkörper sorgen für den 360° Rundumblick.

Springspinnen lauern versteckt am Boden, auf trockenem Holz oder Baumrinde, an Hauswänden oder auf Steinen. Sie schleichen sich unbemerkt an ihre Beute, um sich aus kurzer Distanz auf sie zu stürzen. Einige Springspinnen können die Länge ihres eigenen Körpers im Sprung zurücklegen.

Spinnen nutzen ihre Seide nicht nur zum Weben ihrer Netze. Die Ammen-Dornfinger-Spinne (Cheiracanthium punctorium) formt damit beispielsweise ein eiförmiges, taubeneigroßes Gespinst, das ihr tagsüber als Versteck dient. Die Seide verwenden Spinnen außerdem, um daraus einen Kokon zu bauen, in den sie ihre Eier einwickeln. Andere Spinnen legen mithilfe der Seide eine Spur, die ihnen zur Orientierung dient.

Herausforderungen für Spinnen: Klimawandel und Lebensraumverlust

Der Klimawandel trocknet Feuchtgebiete aus. Damit verschwinden Spinnenarten, deren Lebensweise an Sümpfe, Moore und Feuchtwiesen gebunden ist. Ohne entsprechende Pflegemaßnahmen steht es ähnlich um die Spezialisten in den Trockenstandorten: Spinnen, die auf dem lockeren Boden der Sandheiden nach Beute jagen, haben es immer schwerer, Nahrung zu finden, weil ihre Lebensräume drohen zu vergrasen oder zu verbuschen.

Je weniger Vielfalt unsere Landschaftsformen bieten, desto mehr Spinnenarten werden langfristig aussterben. Auch in strukturlosen Gärten mit frisch gemähtem Rasen, fehlenden "wilden" Ecken und wenig insektenfreundlichen Pflanzen wird es schwieriger für Spinnen, geeignete Plätze für ihre Netze und ausreichend Beute zu finden.

Bekannte Spinnenarten in Deutschland

Die meisten einheimischen Spinnenarten bekommt der Mensch oft gar nicht so ohne Weiteres zu Gesicht. Viele Spinnen entwickeln sich im Laufe des Sommers von kleinen unscheinbaren versteckten Wesen zu größeren, überaus hungrigen Exemplaren, die große Netze im Wald zwischen Bäumen oder Gräsern spannen und auf Beute lauern. Sie verstecken sich - je nach Vorliebe der Art - im hohen Gras des Gartens, in den Büschen einer Heidelandschaft oder auf Totholzinseln sowie in Bäumen.

Doch vor allem im Herbst steigt die Wahrscheinlichkeit, die ein oder andere Spinne aus der Nähe beobachten zu können. Denn sinkende Temperaturen und steigende Luftfeuchtigkeit locken viele Spinnen in geschützte Rückzugsräume wie Häuser und Garagen, um dort zu überwintern.

Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)

Aus Südeuropa und Nordafrika kommend wird inzwischen immer häufiger die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) in Teilen Deutschlands gesichtet. Mit Fantasie erkennt man auf ihrem Körper das Gesicht des Vampirs Nosferatu aus dem Stummfilm von 1922. Doch kein Grund zur Panik: Sie beißt nur, wenn sie sich angegriffen fühlt und ihr Gift ist für den Menschen ungefährlich. Ihr Biss wird als ungefähr so schmerzhaft wie ein leichter Wespenstich beschrieben.

Bis vor drei Jahrzehnten lebte die Nosferatu-Spinne nur im Mittelmeerraum. Seitdem breitet sie sich nach Norden aus. Erste Nachweise in Deutschland gab es 2005 in Baden-Württemberg. Bereits 2006 gelang ein Nachweis in Köln. Inzwischen ist sie in ganz Deutschland verbreitet und auch in NRW fast überall zu finden.

Die Nosferatu-Spinne gehört zur Familie der Kräuseljagdspinnen. Sie erreicht knapp zwei Zentimeter Körperlänge und Beinspannweiten von bis zu sechs Zentimetern. Eine Besonderheit ist, dass sich die Nosferatu-Spinne selbst an senkrechten Glasscheiben festhalten kann. Möglich machen das spezielle Hafthaare an den Beinen.

Obwohl Zoropsis spinimana zu den Webspinnen zählt, baut sie keine Netze, um ihre Beute zu fangen. Stattdessen verfolgt sie ihre Beute und stößt dann blitzartig vor. Fäden spinnen kann sie aber trotzdem: Sie webt ihre Eier in einen Kokon und in ein großes Gespinst aus Kräuselfäden ein und bewacht dieses.

Die Spinne mag es gerne warm - und wird vermutlich deshalb hierzulande meist in Gebäuden gefunden: Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) ist nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) inzwischen fast in ganz Deutschland heimisch.

In den letzten Jahren erfolgte die weitere Ausbreitung der Nosferatu-Spinne in Deutschland dann rasant. Auf dem Meldeportal NABU-naturgucker.de waren im Herbst 2022 innerhalb weniger Wochen mehr als 25.000 neue Funde gemeldet worden. Bis heute sind es rund 35.000 Meldungen von mehr als 20.000 Menschen.

In NRW kommt die Spinne demnach vor allem entlang des Rheins und der Ruhr vor. Sie haben eine Nosferatu-Spinne gesehen? Dann melden Sie Ihre Sichtung bei Naturgucker. Sie können dort den Fundort angeben und Bilder hochladen.

Weitere heimische Spinnenarten

  • Hauswinkelspinnen (Tegenaria domestica): Bauen ihre trichterförmigen Wohnröhren am liebsten in Ecken menschlicher Behausungen wie Schuppen, Scheunen, Keller oder leerstehende Gebäude. Ihr Körper ist mit weichen Haaren besetzt und misst zwischen 10 und 16 Millimeter.
  • Kreuzspinnen (Araneus): Es gibt mehrere hundert Arten der Gattung Kreuzspinne. Je nachdem, in welchem Lebensraum sie vorkommt, variiert die Körperfarbe zur besseren Tarnung zwischen gelblich über rot bis schwarz. Die Weibchen spinnen dichte, taubeneigroße Gespinstsäcke, in denen sie sich tagsüber aufhalten.
  • Weberknechte (Opiliones): Darunter zählen deutschlandweit über 50 Arten, weltweit sogar etwa 6.600. Weberknechte besitzen im Gegensatz zu Webspinnen weder Spinn- noch Giftdrüsen.
  • Gartenkreuzspinne: Bei der Gartenkreuzspinne gibt es einen deutlichen Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen. Anzutreffen sind die Tiere vor allem in Gärten, an Waldrändern oder an Zäunen. Tagsüber lauert die Gartenkreuzspinne in der Mitte des Netzes auf Beute.
  • Speispinne: Wie die Nosferatu-Spinne ist auch die Speispinne eigentlich im Mittelmeerraum heimisch, lässt sich mittlerweile aber auch in Deutschland nieder. Männchen werden zwischen drei und vier Millimeter groß, Weibchen zwischen vier und sechs. Die Speispinne verfügt über sechs Augen, die paarweise angeordnet sind.
  • Ammen-Dornfinger: Der Ammen-Dornfinger ist laut NABU die einzige in Deutschland heimische Spinnenart, deren Kieferklauen stark genug sind, die menschliche Haut zu durchdringen. Ein Biss einer Ammen-Dornfinger-Spinne soll sich anfühlen wie ein Wespenstich.
  • Grüne Huschspinne: Ein besonderer Hingucker ist die einzige in Deutschland freilebende Spinne der Gattung der Riesenkrabbenspinnen, die Grüne Huschspinne. Die Grüne Huschspinne ist für Menschen ungefährlich. Was die Grüne Huschspinne so interessant macht, ist - wie der Name schon verrät - ihre fast neongrüne Färbung.

Was tun bei einem Spinnenbiss?

Hierzulande gibt es drei Arten giftige Spinnen: die Kreuzspinne, den verhältnismäßigen seltenen Dornfinger und die Wasserspinne. Allerdings beißen die Spinnen nicht von allein zu, sondern sie müssen dermaßen gereizt oder in die Enge getrieben werden. Die Bisse können etwas schmerzhaft sein, sind aber normalerweise nicht tödlich. Allerdings bei Allergikern kann es zu Komplikationen kommen.

Der Einsatz eines Mückenstifts kann hilfreich sein. An der Spitze befindet sich eine Metallplatte. Diese muss auf die Bisswunde gedrückt werden. Dort erhitzt sie sich und zerstört das giftige Eiweiß. Auf alle Fälle sollte nach einem solchen Biss, ein Arzt aufgesucht werden. Wichtig ist ebenfalls, die Bisswunde nicht aufzukratzen. Es kann sonst zu Infektionen kommen.

Unterscheidung: Nosferatu-Spinne vs. Große Hauswinkelspinne

Die Nosferatu-Spinne ähnelt einer Spinnenart, die sehr häufig in Wohnungen in Deutschland und NRW auftaucht: die ungiftige Hauswinkelspinne. Doch es gibt klare Unterscheidungsmerkmale:

Merkmal Nosferatu-Spinne Große Hauswinkelspinne
Beine acht, haarig, geringelt acht, haarig, geringelt oder gefleckt
Aussehen/Merkmale Gelblich-schwarz gefärbt, Zeichnung auf Vorderkörper ähnelt Totenschädel/Nosferatu, schwarzer Fleck auf Hinterleib, robuster Körperbau Braun gefärbt, runder Hinterleib, weiche Haare
Größe (ohne Beine) 1 bis 1,9 Zentimeter 1,0 bis 1,6 Zentimeter
Giftig Ja Nein
Biss Nicht gefährlich, Biss ähnelt Mücken- oder Wespenstich Nicht gefährlich
Besonderheiten Baut kein Netz, kann auf glatten Oberflächen laufen Lebt in einem Netz, kann nicht auf glatten Oberflächen laufen, längere Beine

Wie man eine ruhige Vogelspinne handelt ohne sie zu stressen

Spinnen sind faszinierende und nützliche Tiere, die eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem spielen. Es lohnt sich, mehr über sie zu erfahren und sie in unseren Gärten und Häusern zu respektieren.

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