Im Skispringen sind die finanziellen Unterschiede zwischen Männern und Frauen groß. Nachdem Selina Freitag anmerkte, dass sie für ihren Sieg in der Qualifikation lediglich „Duschgel, Shampoo und vier Handtücher“ bekam, während den Männern 3000 Franken winken, entbrannte eine große Diskussion.
Manchmal sind es kleine Dinge, die Größeres erahnen lassen. So war es eventuell bei diesem Körperpflegepaket, das der Skispringerin Selina Freitag unlängst in Garmisch überreicht wurde: Was als Prämie für Platz eins gedacht war, entwickelte sich zum sogenannten Shampoo-Vorfall. „Bei den Männern gibt es für einen Sieg in der Quali 3000 Franken. Ich habe hier einen Bag mit Duschgel, Shampoo und vier Handtüchern bekommen“, ließ Freitag alsbald in der ARD wissen. Sie wolle eigentlich „nicht groß darüber meckern, aber da sieht man die Unterschiede“.
Die Kritik und das Echo darauf kam bei den Verantwortlichen jedenfalls an: "Das war kein schöner Tag für uns", sagte Renndirektor Sandro Pertile am Rande der Vierschanzentournee in Bischofshofen über das, was auf den Weltverband FIS nach Garmisch eingeprasselt war: "Wir sind uns der Ungleichheit bewusst und wollen die Lücke schließen."
Nun hat sich Renndirektor Sandro Pertile zu Shampoo-Posse geäußert, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet. „Das war kein schöner Tag für uns“, erklärt der Italiener und verspricht „Wir sind uns der Ungleichheit bewusst und wollen die Lücke schließen.“
Das peinliche "Shampoo-Gate" soll sich nicht wiederholen, nach der Prämien-Posse von Garmisch-Partenkirchen hat der Weltverband Pläne für die komplette Schanzengleichheit vorgestellt: Die Skispringerinnen sollen mit mehr Geld, mehr Skifliegen und vor allem einem gemeinsamen Kalender mit den Männern aus dem Schattendasein geholt werden - als Vorbild dafür soll Biathlon dienen.
Nach ihrem Kommentar zur Ungleichheit im Skispringen fügte die deutsche Weltmeisterin Selina Freitag noch hinzu: „Ich möchte ja gar nicht groß darüber meckern, aber da sieht man die Unterschiede.“
Um die Gleichstellung umzusetzen, ist natürlich nicht immer einfach. Durch die Angleichung der Kalender und die gemeinsamen Weltcups mit den Herren können wir Mädels aber zeigen, dass wir dieselben Leistungen bringen, genauso hart trainieren und die gleiche Herangehensweise haben. Wir haben dadurch außerdem die Möglichkeit, uns zu präsentieren und das Damenskispringen auf eine noch höhere Stufe zu heben. Das Thema Gleichstellung kann nur über Leistungen durchgesetzt und vorangebracht werden. Wir arbeiten daran, die Qualität weiter zu steigern und die Leistungsdichte noch enger zu machen.
Im Gegensatz zu anderen Wintersportsparten haben die Skispringerinnen weiterhin keine Tournee, kassieren deutlich weniger Prämien - und erhalten deutlich weniger Aufmerksamkeit. Ihr Wettkampf in Garmisch-Partenkirchen wurde am Silvesterabend nach der Männer-Qualifikation und einer längeren Pause ausgetragen. Von 10.000 Quali-Zuschauern harrten noch 3.000 für die Frauen aus. "Da müssen wir ansetzen", sagte Pertile: Programm straffen ("insgesamt maximal fünf Stunden"), mehr Entertainment.
Selina Freitag zeigt Unterschiede deutlich auf. Kritik an der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen beim Skispringen gibt es schon seit langem. Allerdings wurde sie am Silvestertag wieder einmal deutlich, nachdem die deutsche Weltmeisterin Selina Freitag mit einem drastischen Beispiel fehlende Wertschätzung beklagt hatte. "Bei den Männern gibt es für einen Sieg in der Quali 3.000 Franken. Ich habe hier einen Bag mit Duschgel, Shampoo und vier Handtüchern bekommen", sagte Freitag nach ihrem Quali-Sieg in Garmisch-Partenkirchen in der ARD: "Ich möchte ja gar nicht groß darüber meckern, aber da sieht man die Unterschiede."
Ab der Saison 2026/27 soll ein einheitlicher Kalender gelten - bislang sind Männer und Frauen nur vereinzelt gemeinsam am Start. "Wir sind dabei, einen Plan klar zu definieren. Aber unser klares Ziel ist es, Männer und Frauen zusammenzuführen", so Pertile.
Dafür soll ähnlich wie beim Biathlon zukünftig ein einheitlicher Skisprung-Kalender gelten. „Wir sind dabei, einen Plan klar zu definieren. Aber unser klares Ziel ist es, Männer und Frauen zusammenzuführen“, so Pertile. Dieses Vorhaben ist in der Umsetzung jedoch nicht ganz unkompliziert. „Wir haben zuletzt in Engelberg, wo Männer und Frauen gestartet sind, gesehen, dass sechs Durchgänge an einem Tag schwer zu bewerkstelligen sind“ erklärt der 56-Jährige weiter.
Pertile ließ ebenfalls durchblicken, dass künftig auch die Frauen wohl mehr Wettkämpfe im Skifliegen erhalten werden: "Wenn man die Frauen fragt, wird es sicherlich das Ergebnis sein, dass sie auf die größeren Schanzen möchten."
Wie dies an den Weltcup-Stationen genau geregelt werden soll, ist noch unklar. Pertile kündigte allerdings bereits mögliche Neuerungen an. "Wir haben zuletzt in Engelberg, wo Männer und Frauen gestartet sind, gesehen, dass sechs Durchgänge an einem Tag schwer zu bewerkstelligen sind", sagte der Italiener: "Wir diskutieren daher darüber, ob wir zum Beispiel Probedurchgänge streichen und nur eine Qualifikation pro Wochenende austragen."
Wie groß die Kluft zwischen der frauen-Tour und der Vierschanzentournee aber immer noch ist, zeigte Selina Freitag diesen Winter eindrücklich auf. Sie thematisierte den Preis der Frauen für eine gewonnene Qualifikation: Duschgel und Handtuch. Bei den Männern hingegen gab es 3.000 Schweizer Franken. "Es ist jetzt schon ein Running Gag im Team", erzählt Katharina Schmid in Blickpunkt Sport.
Die 28-Jährige betont aber auch: "Wir wollen nicht undankbar sein." Schmid und ihre Kolleginnen wissen, wie viel sich alleine in den letzten zwei Jahren getan hat: "Wir haben große Schritte getan." Die Einführung der Two Nights Tour, das erste Mal Skifliegen für die Skispringerinnen und mittlerweile haben die Frauen bei der WM genauso viele Medaillenentscheidungen wie die Männer.
Katharina Schmid und Selina Freitag. Männer verdienen fast das Dreifache. Das klingt erstmal gut, aber auf dem Papier gibt es dann eben doch noch große Unterschiede zwischen den Skispringerinnen und den Skispringern - vor allem in Sachen Preisgeld: Bei den Männern gibt es für einen Weltcupsieg 13.841 Euro, bei den Frauen sind es nur 4.578 Euro. Für Katharina Schmid unverständlich: "Ich habe tatsächlich keine Ahnung, warum der Unterschied so groß ist, wieso im Skisprung so eine Lücke ist." Ein Grund für die große Lücke: die Sponsorengelder. Bei den Männern sind diese zehnmal so hoch wie bei den Frauen. Eben auch, da die Skispringer Events wie die Vierschanzentournee haben, die extrem viele Zuschauer und damit auch Sponsoren anlocken. "Das wünschen wir uns auch", erklärt Katharina Schmid in Blickpunkt Sport.
Die aktuell Führende im Gesamtweltcup hofft, dass es in den nächsten ein, zwei Jahren soweit ist, dass auch die Frauen die komplette Vierschanzentournee springen. Immerhin soll ab der Saison 2026/27 der gesamte Kalender der Frauen und Männer angeglichen werden. Für Katharina Schmid eigentlich ein guter Plan. "Ich hoffe nur, dass wir nicht hinten runterfallen", erklärt sie in Blickpunkt Sport. Denn zuletzt waren die Frauen und die Männer zur gleichen Zeit in Engelberg. Wegen schlechter Wetterbedingungen wurde der Wettkampf der Frauen aber abgesagt, die Männer konnten später starten und ihren Wettkampf normal zu Ende bringen.
Das Skispringen ist auf einem guten Weg. Bis zur absoluten Gleichberechtigung ist es aber wohl noch eine lange und schwierige Reise. Doch das kämpfen lohnt sich: Erste Siegerin bei einer Vierschanzentournee - das wäre doch ein krönender Abschluss für die glänzende Karriere von Katharina Schmid.
| Wettbewerb | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Weltcupsieg | 13.841 Euro | 4.578 Euro |
| Qualifikationssieg (Beispiel Garmisch) | 3.000 Franken | Duschgel, Shampoo, Handtücher |
Mit diesen Maßnahmen versucht die FIS zukünftig das Skispringen der Frauen attraktiver für Zuschauerinnen und Zuschauer und gleichzeitig lukrativer für die Sportlerinnen zu machen. Vielleicht sind Duschgel- und Shampoo-Preise dann schon bald Geschichte.
tags: #Shampoo #Gate #Skispringen #Erklärung
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