Die Route Nationale 7: Eine Reise durch die Geschichte Frankreichs

Die Route Nationale 7, einst ein Synonym für Urlaub und Ferien in Frankreich, ist eine legendäre Straße, die eine reiche Geschichte und kulturelle Bedeutung besitzt. Sie beginnt, wie es sich für Frankreich gehört, in Paris, mitten in Paris, direkt vor der Kathedrale Notre Dame. Hier beginnen alle französischen Nationalstraßen, und die bekannteste und längste ist die mit der Nummer 7. Die Straße in den Süden.

Für Millionen Franzosen war die “Route Nationale 7” zwischen Paris und Menton ein Begriff für Urlaub und Ferien. Für viele war die N7 die „Straße der Sehnsucht“ in den Süden, ans Meer.

Ursprünge und Entwicklung

Wie alle französischen Nationalstraßen beginnt auch die Route Nationale 20 in Paris. Mitten in Paris. Direkt vor der Kathedrale Notre Dame ist der “Nullpunkt”. Zertrampelt von den Touristen liegt ein kleines Stück französischer Geschichte verborgen - der “Point Zéro des Routes de France”. Kaum einen Meter breit, ist der Pariser Nullpunkt leicht zu übersehen.

Wie die meisten Verkehrswege in Europa hat auch die Nationalstraße 10 ihren Ursprung in der Antike. Die Gallier legten hier die ersten Wege an, von denen die meisten später von den Römern übernommen wurden, um ihren Truppen den Vormarsch gegen die aufständischen Gallier zu erleichtern. Später benutzten unzählige Pilger diese Wege auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela.

Die Blütezeit der Route Nationale 7

Die von Charles Trenet in den 50er Jahren besungene “Route Nationale 7” war in Frankreich jahrzehntelang ein Synonym für Ferien. Vor allem für die vielen Menschen, die im Großraum Paris und Lyon lebten. Auch der englische Folksänger Colin Wilkie verewigte Anfang der 1970er Jahre den Flower-Power-Trip an die Mittelmeerküste in einem seiner bekanntesten Lieder.

Zur bekanntesten und meist genutzten Ferienstraße der Urlauber stieg ab 1936 die Route Nationale 7 auf. Als Route des vacances, route bleue oder, ganz sarkastisch, and route de la mort schrieb sie Geschichte. Ihr Ursprung liegt auf der Île de la Cité mitten in Paris. Von dort führt sie 931 Kilometer lang via Fontaineblau, Nevers, Moulins, Roanne, Lyon, Valence, Avignon, Aix-en-Provence, Cannes, Antibes und Nizza bis an die italienische Grenze bei Menton.

Ich selbst kenne die Route Nationale 7 noch von meinen Besuchen als Austauschschüler im Rahmen einer Städtepartnerschaft Ende der 60er Jahre. Lust und Mühsal. Lust, weil man durch eine wunderschöne Landschaft fährt, Mühsal, weil man in sengender Hitze unterwegs war, in Autos ohne Klimaanlage, mit quengelnden Kindern auf dem Rücksitz.

In den 50er- und 60er-Jahren gab es kaum einen Franzosen, der sich im Sommer nicht auf der Nationalstraße 7 Richtung Süden aufmachte - um dort schon nach wenigen Kilometern im Stau zu stehen, bevor die Ferien an der Côte d'Azur beginnen konnten. Die Nationalstraße 7 ist die berühmteste der französischen Nationalstraßen, die alle von Napoleon sternförmig von Paris aus angelegt worden, um die Provinzen zu erschließen.

Und: Die Nationalstraße 7 ist eine Art Sehnsuchtsstraße für viele Franzosen. Auf ihr ging es nämlich in die Sommerferien, Richtung Süden. Das war am Anfang nur was für die eher Gutbetuchten, später aber eine echte Massenbewegung. Was einerseits dazu führte, dass man kilometerlang im Stau stand, andererseits aber auch bedeutete, dass die Nationalstraße 7 eine Art Lebensader für die Region war: Entlang der Strecke gab es Tankstellen, Werkstätten, Rasthäuser, in Montélimar wurde gehalten, um Nougat zu kaufen ...

Diese Rituale haben heute an Bedeutung verloren, weil die Nationalstraße mit dem Bau der Autobahn von der "Autoroute du Soleil" abgelöst worden ist, man will heutzutage schnell in den Urlaub.

Der Niedergang und das Erbe

Dann beschloss die Politik, die N7 zur Autobahn auszubauen. Doch in den 1970er-Jahren wurden die Autobahnen A6 und A7 eingeweiht. Die neuen Sprintstrecken in den Süden gaben der Nationale 7 ihre alte Ruhe wieder. Nostalgische Patina überzog die Stätten entlang ihrer Strecke.

Heute kann man über die Autobahnen A6, A7 und A8 schnell und problemlos in den Süden fahren. Doch wer den südlichen Teil der Route Nationale 7 entlang der Rhône hinunterfährt, erlebt eine Postkartenidylle mit Lavendel- und Thymianfeldern.

Seit die Nationale 7 entwidmet wurde und die Zuständigkeit 1972 an die Departements ging, ist das Original auf vielen Etappen „verfälscht“, der Verkehr auf Umgehungsstraßen verlegt, auf vierspurige Schnellstraßen, oder gleich auf die Autobahn. Um so charmanter, inzwischen fast schon wieder naturbelassen, präsentiert sich die ursprüngliche Strecke. Und sie sind noch zu finden, die berühmtesten Etappen, die Rastplätze und Tankstellen, die Gasthäuser und berüchtigten Engpässe in den Orten, einst in der Hochsaison geplagt von stundenlange Staus.

Auch zwei Museen in Mormant-sur-Vernisson im Département Loiret und in Piolenc im Département Vaucluse halten die Geschichte der Ferienstraße lebendig. So ist sie bis heute ein magisches Band, das sanft vom Alltag in den Urlaub überführt und Wochen voller Lebensfreude verspricht. Und wie einst bleiben die Franzosen am liebsten im eigenen Land. Für die Reise wählen sie wie einst das eigene Auto, die geliebte bagnole.

Eine Reise entlang der Route Nationale 7 heute

Meine Frau und ich starten unsere Nostalgietour nicht am “Point Zero” in Paris, sondern auf dem Campingplatz “Camping International de Maisons Laffitte Paris”. Mit dem Wohnmobil in Großstädte zu fahren, ist grundsätzlich keine gute Idee, schon gar nicht im Verkehrswahnsinn von Paris. Der Campingplatz “Camping International de Maisons Laffitte Paris” liegt nördlich von Paris und ist über die Autobahn schnell und einfach zu erreichen.

Ich liebe die alten französischen Nationalstraßen. Die alten Michelin-Schilder, die verblassten Wandreklamen an den Häuserfassaden und alles andere, was den Charme der Straßen von damals ausmacht. Einst waren sie das königliche, dann das kaiserliche Verkehrsnetz Frankreichs. Jede erzählt auf ihre Weise ein Stück Geschichte. Frankreich von seinen Straßen aus gesehen! Ich habe eine neue Leidenschaft. Ich “sammle” Nationalstraßen. Französische Nationalstraßen. Ich folge ihnen und versuche, die manchmal längst verschwundenen Strecken, ihre Besonderheiten und ihre Veränderungen zu “erfahren” und zu erleben. Ich tauche ein in die Geschichten und Erzählungen über diese Verbindungen zwischen Orten, die für manche mehr waren als nur eine Straße. Wie zum Beispiel für Victor Hugo.

Ich bin auf dem Weg in den Süden. Meine Navi führt mich mitten durch die Stadt. Ich komme, vorbei an La Defense, dem Triumphbogen immer näher. Und somit auch dem berühmt berüchtigten Kreisverkehr am Place Charles-de-Gaulle. Aber Gott sei Dank geht es dann doch rechtzeitig rechts ab auf den Boulevard Périphérique. Dann vorbei an Villejuif, der ehemaligen Judenstadt. Heute sehe ich auf den Straßen der Banlieue überwiegend Menschen mit nicht französischem Ursprung: Araber, Asiaten. Weiter zum Flughafen Orly, dessen Terminal die ehemalige N7 in einem vielspurigen Tunnel unterquert.

Am Morgen breche ich auf, durchquere den beeindruckend weitläufigen Wald von Fontainebleau und fahre auf der D2007, der ehemaligen N7 Richtung Süden. Von der ursprünglichen Straßenführung ist hier nicht mehr viel zu sehen, die neue Straße führt meist vierspurig nach Nemours. Dort überquere ich die alte gepflasterte Brücke über den kleinen Fluss Loing. Kurz hinter Nemours, in Fontenay sur Loing, steht am Straßenrand noch die kleine Kirche “Notre Dame de la Route” (Unsere Liebe Frau von der Straße). 1954 eröffnete der örtliche Pfarrer die Kapelle. Kunstgeschichte gibt es hier nicht zu sehen. Es ist ein Ort des Innehaltens, des Gebets, der Meditation, der Rast auf dem Weg. Die Kirchentüre ist für Reisende immer offen, was dazu führte, dass die Holzstatue der Notre Dame gestohlen wurde. Welke Blätter sind in den kleinen Innenraum geweht, frische Blumen stehen am Altar. Es scheint sich doch jemand um das Kirchlein zu kümmern.

In Montargis entdecke ich eine Pralinen- und Schokoladenmanufaktur “Maison de la Prasline Mazet”. Ich muss jedem Liebhaber von süßen Naschereien dringend davor abraten, hierher zu kommen! Wunderbare Köstlichkeiten in einem Ladenlokal aus dem 19. Nur wenige Schritte von meinem Übernachtungsplatz entfernt befindet sich in Briare die Brücke des Schifffahrtskanals “Canal de Briare” über die gut 20 Meter tiefer gelegene Loire. Die Kanalbrücke (663 m lang) ist eine Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1896 von Gustave Eiffel (der auch der Konstrukteur des Eiffelturms in Paris war). Die Loire schlängelt sich hier zwischen ausgedehnten Sandbänken und sucht sich ihren Weg zum Meer. Eines der beiden Kanalwärterhäuschen wurde zu einem Ausflugslokal umgebaut.

Beim Stadtbummel durch Briare entdecke ich die Werbung des lokalen Radiosenders. Dieser sendet zeitgemäß nur noch online, benutzt aber in seinem Namen noch die alte “Route Nationale 7”. Und in einem Café in Briare sehe ich eine Reklame der französischen Post, die für einen Briefmarkensatz mit Motiven der “RN7 - La Route de Vacances” wirbt.

Ich verlasse Briare Loire aufwärts. Ich habe mir einen USB-Stick mit französischen Schlagern und Chansons der 60er und 70er Jahre bespielt. Und so singt Joe Dassin vom “Champs Elysee”, Gilbert Becaud von seiner “Natalie” und Herve Vilard von seiner ersten großen Liebe in “Capri C’est Fini”. In Bonny-sur-Loire entdecke ich den ersten Kilometerstein der alten Nationalstraße N7.

Cosne-Cours-sur-Loire ist ein angenehmes, unaufgeregtes Städtchen. Die N7 ging seinerzeit mitten durch den Ort. Kaum vorstellbar, wie das Stadtzentrum dem Verkehr gerecht werden konnte. Heute ist Markttag im Ort. Nicht einer der schönen Bauermärkte, sondern ein großer Markt mit allerhand “fliegenden Händlern”, die Kleider, Blumen, Haushaltswaren, Unterwäsche, Lederwaren und manchen “Nippes” anbieten. Ich bin überrascht, dass sich das für die Händler lohnt. Ich habe kaum Kunden auch kaufen sehen. In Cosne-Cours-sur-Loire befindet sich das schönste Kino an der N7. Das Eden beherbergte zunächst einen Gemeindesaal, bevor es in ein Lichtspielhaus umgewandelt wurde. Auf der Brücke über den Nohain finde ich einen schön gemalten alten Wegweiser. Ein älterer Herr schaut mir beim Fotografieren zu, wir kommen ins Gespräch, und er erzählt mir, dass er die N7 noch als Hauptdurchgangsstraße durch den Ort erlebt hat. “C’était horrible” meinte er. Und er wünscht mir für meine Reise gutes Gelingen und viele Abenteuer.

Genau 200 Kilometer vom Pariser “Point Zero” entfernt gibt es eine Tankstelle. Damals eine halbe Tagesreise von Paris entfernt. Heute ist “Les 200 Bornes” immer noch eine Tankstelle, aber auch eine Bar und ein kleines Restaurant mit einem günstigen Fernfahrermenü. Ich bestelle mir einen Noisette (Espresso mit Milch) und komme mit Monsieur Gontard, dem Besitzer ins Gespräch und ins Schwärmen über die alten Zeiten der N7. Ausführlich erklärt er mir, wie es damals war und dass vor den Zapfsäulen noch der originale Straßenbelag von damals liegt. Ich bin fasziniert! Das Gedränge der Wartenden, die tanken wollten, kann ich mir gar nicht vorstellen. Es gab ja nur zwei Zapfsäulen!

La Charité-sur-Loire ist ein herrlich verschlafener Ort. Von der bedeutenden Vergangenheit als Klosterstadt ist nicht viel übrig geblieben. Die Brücke über die Loire und das ehemalige Kloster sind imposant, der Ort selbst stimmt mich melancholisch. Das trübe Wetter trägt seinen Teil dazu bei. Charité-sur-Loire hat sich der Welt der Bücher verschrieben. Ich fahre weiter, Nevers liegt vor mir. Die Kunst- und Geschichtsstadt an der Loire war einst Bischofssitz und wird von ihrer gotischen Kathedrale überragt.

In Magny-Cours sind noch viele Wegweiser der ehemaligen N7 gut erhalten oder sogar restauriert. Ganz in der Nähe des Dorfes befindet sich die Auto- und Motorradrennstrecke von Magny-Cours. Wer will und dafür bezahlt, kann hier seine Runden drehen.

Moulins ist ein wunderschöner Ort in Frankreich, der einige bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im 15. Jahrhundert, als die Herzöge von Bourbon hier residierten. Der Name der Stadt bezieht sich auf die Flussschiffe, die bis Ende des 18. Ich kann Moulins nicht verlassen, ohne dem Grand Café einen Besuch abgestattet zu haben. Es wurde 1898 erbaut und seine Innenarchitektur ist repräsentativ für den Neo-Rokoko-Stil des späten 19. Jahrhunderts.

Von Paris kommend lohnte es sich hier wohl zum ersten Mal, etwas zu essen (wenn man nicht, wie in Frankreich üblich, einfach am Straßenrand picknickt) oder gar die erste Etappe zu beenden und zu übernachten. Leider ist auch die Zahl der “Relais Routiers” stark zurückgegangen. Das sind Restaurants von Fernfahrern und Handwerkern, die ein besonders reichhaltiges und meist auch sehr schmackhaftes Mittagessen anbieten. Es gibt einfach zu wenig Verkehr auf der “alten” N7. Der findet auf dem vierspurigen Ausbau der N7 statt.

Lapalisse empfängt mich mit einem mannshohen Schild des Künstlers Thierry Dubois, dem wohl bekanntesten Zeichner und Cartoonist der Nationalstraße 7. Erst 2006 wurde die Umgehung der N7 um Lapalisse fertiggestellt. Bis dahin fuhren täglich 3.000 Lastwagen durch den Ort. Zur Erinnerung an die alljährlichen Staus im Sommer wird ein Stau organisiert. Hunderte von Oldtimern kommen, um die Stadt wie in den 50er und 60er Jahren zu durchqueren und eine Urlaubsreise zu simulieren.

Von Lapalisse aus geht es weiter nach Süden. Roanne ist eine unspektakuläre Stadt an der Loire, wenn man von ihrem heutigen gastronomischen Ruf absieht. Die Geschichte der französischen Küche ist hier zu Hause. Die Familie Troisgros verkörpert die französische Kochkunst wie kaum eine andere. Hinter Roanne wird die N7 immer enger, viele Serpentinen führen auf unerwartet hohe Berge, und ich kann mir vorstellen, dass so mancher 2CV damals schwer schnaufen musste, um die Steigung zu meistern und dann mit heißen Bremsen die Abfahrt in Angriff zu nehmen.

Lyon, die drittgrößte Stadt Frankreichs und zweitgrößtes Ballungszentrum, ist wie Paris nur bedingt für Wohnmobile geeignet. Ich habe einen Platz auf dem örtlichen Campingplatz (Camping International de Lyon) reserviert. Mit Bus und Metro bin ich in knapp einer Stunde im Zentrum. Und ich bin begeistert! Ich verbringe einige Tage in dieser schönen Stadt und spüre … Südfrankreich ist nicht mehr weit!

Die kleinen Dörfer, durch die ich heute Morgen fahre, sind wie ausgestorben. So leer und einsam wie die Straße auf der ich unterwegs bin. Die “neue” N7 nebenan ist 4 spurig und gut befahren, teilweise sogar als Autobahn klassifiziert. Ich lasse mir Zeit, fahre entspannt und fröhlich meines Wegs.

In vielen Städten und Dörfern, durch die ich fahre, sehe ich am Nachmittag auf dem Dorfplatz immer wieder Boule-Spieler. Plätze, meist unter Platanen oder anderweitig vor der Sonne geschützt, aus Sand oder feinem Kies, nicht immer schön, aber regelmäßig genutzt. Stundenlang gehen die Spieler ihrem Freizeitvergnügen nach, mehr oder weniger ernsthaft.

Nach 7 Jahren Weltreise: Zurück in ein kaputtes Land

Fazit

Die Route Nationale 7 mag ihren einstigen Glanz als Hauptverkehrsader verloren haben, aber ihr Mythos und ihre Bedeutung für die französische Kultur bleiben unvergessen. Eine Reise entlang dieser legendären Straße ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Möglichkeit, die Schönheit der französischen Landschaft zu erleben und die Geschichten der Menschen zu entdecken, die an ihr gelebt und gearbeitet haben.

tags: #Route #nationale #7 #Geschichte

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