Jutta Speidel, eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands, feiert ihren 70. Geburtstag und blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Am 26. März wurde Jutta Speidel 70 Jahre alt.
Ein Blick in ihr Gesicht zeigt echte Lebenslinien, nichts Gekünsteltes. Wenn sie spricht, hört man Jutta Speidel selbst, nicht den Star aus Film und Fernsehen.
Ihr Lebensmotto ist es, couragiert durch die Welt zu gehen, ohne sich über Risiken Gedanken zu machen. Jutta Speidel ist ein fröhlicher Mensch, dem man gerne glaubt, wenn sie sagt: "Ich leb so gern!" Und wenn sie lacht, "klingt sie wie eine amüsierte Teenagerin".
Nach einer sorglosen Kindheit als Tochter eines Münchner Patentanwalts wollte sie Schauspielerin werden. Bereits als Dreijährige durfte sie als Statistin im Schlierseer Bauerntheater auftreten. Mit 15 wurde sie Komparsin in der dritten Folge von "Die Lümmel von der ersten Bank".
1973 verließ sie das Gymnasium mit der Mittleren Reife und ging drei Jahre auf eine Münchner Schauspielschule. Noch vor dem Abschluss engagierte sie der bedeutende Regisseur Rainer Erler für ihre erste Hauptrolle im Spielfilm "Die letzten Ferien". Da war sie 20. Erler besetzte 1979 mit ihr auch die weibliche Hauptrolle des Spielfilms "Fleisch", bei dem es um Organhandel ging. Es war Jutta Speidels erster internationaler Auftritt.
Von da an wirkte sie in über 50 Filmen mit, spielte in erfolgreichen TV-Serien wie "Drei sind einer zuviel", "Rivalen der Rennbahn", "Forsthaus Falkenau", "Alle meine Töchter" oder "Um Himmels Willen", zuletzt "Tage, die es nicht gab". Sie wurde einer der beliebtesten deutschen TV-Stars, spielte aber auch auf zahlreichen Bühnen wie dem Renaissancetheater Berlin, in Wien oder München, bekam Publikumspreise wie Bambi oder den Bayerischen Fernsehpreis.
Jutta Speidel beklagte gemeinsam mit ihren Kolleginnen Michaela May und Gisela Schneeberger die Eintönigkeit der TV-Geschichten und den Mangel an vernünftigen Rollen für Frauen ihres Alters. Sie nannte als Beispiel die Erfolgsserie "Um Himmels Willen", in der sie eine ungeschminkte Nonne spielte, und bedauerte, dass die Geschichten der Nonnen nicht weiter vertieft wurden.
Nach 65 Folgen stieg sie 2006 aus und begab sich mit Ende 40 noch einmal auf einen völlig neuen Weg. "Da waren die Kinder aus dem Haus, ich habe eine zweite Luft gekriegt. Ich hatte noch mal Energie und Zeit und Lust, mehr als mit Mitte 30. Ich bin Geschäftsfrau geworden und hab inzwischen 56 Angestellte. So eine Geschichte sehe ich nie im Film. Dieser zweite Atem, den viele Frauen kriegen - und zwar nicht, weil ihr Mann sie verlassen hat oder weil er gestorben ist. Sondern einfach aus sich heraus."
Jutta Speidel hat 1997 den Verein Horizont e.V. gegründet, mit dem sie sich um obdachlose Kinder und Mütter sowie um sozial benachteiligte Familien kümmert. Mit der ihr eigenen Energie hat sie in München zwei Häuser mit insgesamt 72 Wohnungen gebaut, ein drittes Schutzhaus mit 57 Plätzen und Trauma- und Therapiezentrum ist in Planung. Auch für dieses soziale Projekt wurde sie vielfach ausgezeichnet.
Jutta Speidel hat zwei erwachsene Töchter von zwei Männern. Den Namen des Vaters von Franziska nennt sie nicht, die jüngere Antonia ist Opernsängerin. Sie entstammt der Ehe mit dem Münchner Holzkaufmann Stefan Feuerstein, 68. Davor war Speidel mit dem Schauspieler Herbert Herrmann liiert, 82. Bei ihrer letzten Beziehung mit dem italienischen Schauspieler Bruno Maccallini, 64, pendelte sie zwischen München und Rom.
Seit elf Jahren ist Jutta Speidel Single. Nach einem Auftritt in der Vox-Sendung "Promi First Dates" vor einigen Wochen konnte man den Eindruck gewinnen, sie sei auf Partnersuche. Später stellte sie klar, dass sie keinesfalls nach einer neuen Liebe suche: "Bei dieser Dating-Show habe ich nur wegen meines Vereins 'Horizont' mitgemacht, aber das wurde in der Sendung rausgeschnitten. Ich war auf keiner Dating-Plattform - und er war ein Schauspieler.
Ursprünglich wollte Jutta Speidel ein Filmexposé schreiben, hatte aber Schwierigkeiten, den Stoff unterzubringen. Auf der Beerdigung der Schriftstellerin und TV-Autorin Barbara Noack traf sie 2023 den Verleger Michael Fleissner vom Langen Müller Verlag München und flüsterte ihm ins Ohr: "Ich schreibe einen Roman." Fleissner griff zu.
"Amaryllis" ist die Geschichte einer Frau in der komplizierten Welt der Artisten. In einem Gespräch mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" beschreibt Jutta Speidel die Handlung ihres Romans: „Amaryllis“ erzählt die bewegende Lebensgeschichte einer Frau, die davon träumt, als große Artistin und Clownin in einer Männerdomäne berühmt zu werden. Um ihren Mann, einen erfolgreichen Artisten, zu unterstützen, stellt sie ihren Traum hintenan. Doch eines Tages erhält sie ihre Riesenchance, aus ihrer Rolle hinterm Vorhang in das Rampenlicht der Manege zu treten.
Ende März wurde Jutta Speidel 70. Was macht die Zahl mit Ihnen? Jutta Speidel: Ich habe kein richtiges Verhältnis zu dieser Zahl. Sie hat mit mir nichts zu tun, beschreibt mich gar nicht. Das wahre Alter eines Menschen zeigt sich meiner Meinung nach nicht an den Lebensjahren, sondern wie viel ich körperlich und geistig noch zulasse.
Sie schreiben Bücher, arbeiten als Schauspielerin und engagieren sich mit Feuereifer für Ihre gemeinnützige Initiative „HORIZONT“, was bereits ein Fulltime-Job ist. Sie könnten es doch auch ab sofort ruhiger angehen lassen - warum tun Sie sich diesen ganzen Stress noch an? Jutta Speidel: Ganz ehrlich? Das sind alles Dinge, die ich unendlich gerne mache, die ich wahnsinnig spannend finde und die mein Leben bereichern. Wie blöd müsste ich sein, wenn ich jetzt nur noch die Füße hochlegen würde? Ich glaube, wenn ich anfange, auf der Couch Kreuzworträtsel zu lösen, dann muss man wirklich Alarm schlagen und sich Sorgen um mich machen. Um Himmels Willen, dann ist es bald vorbei mit mir!
Sie wirken mit fast 70 so zufrieden und ausgeglichen wie nie zuvor. Wie lautet Ihr Glücks-Geheimnis? Jutta Speidel: Ich war schon immer ein großer Kindskopp und kann es auch heute noch sein. Ich bin authentisch und gehe selbstbewusst und entspannt mit meinen Lachfalten um. Die Lust auf das Abenteuer Leben hat bei mir nie nachgelassen. Essen, trinken, die Natur und gute Gespräche mit wunderbaren Menschen genießen und mich für die gute Sache einsetzen - das ist für mich pure Lebenslust. Ich setze mir keine Limits und lass es auch mit 70 noch so richtig krachen!
Jutta Speidel spielt in ihrem neuen Film "So weit kommt's noch" (am 29.09. Im Interview spricht die 70-Jährige über ihre wichtigsten Rollen, ihren Umgang mit Kritik und über Empathie und Respekt in der Gesellschaft.
Anstatt Teppiche zu verlegen, helfen Sie heute lieber obdachlosen Kindern und Müttern. Tut man letztlich sogar mehr für sich selbst, wenn man anderen hilft? Jutta Speidel: Ja, natürlich. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken. Worüber ich mir Gedanken mache, ist, dass das, was ich tue, das Richtige ist. Das Konzept muss stimmen - und das gilt für alle Bereiche. In dieser Gesellschaft ist das Miteinander ziemlich abhandengekommen. Jeder spürt es und redet darüber, doch keiner verhält sich dementsprechend. Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch im Großen und Ganzen hat unsere Gesellschaft deutlich an Empathie und Respekt vor den Mitmenschen eingebüßt.
Jutta Speidel: Nein, der Eindruck täuscht nicht. Man muss ja nicht jeden Shitstorm lesen, der in den Medien oder sozialen Medien verbreitet wird. Ich bewege mich da nicht. Es interessiert mich wirklich überhaupt nicht, was andere Menschen über mich denken. Vielmehr empfange ich das, was mir tagtäglich auf der Straße oder in Telefongesprächen entgegengebracht wird.
Das ist die Feigheit. Das ist eines der am weit verbreitetsten Übel unserer Gesellschaft. Und dazu kommt die Angst. Viele trauen sich nicht, öffentlich etwas zu sagen oder zu wagen - auf die Gefahr hin, dass es von anderen eben kritisch gesehen wird. Auch Bärbel, um auf den Film zurückzukommen, hat sich nicht getraut, sondern die Geschichte mit dem Hilferuf zunächst mit sich selbst ausgemacht. Prompt tappte sie in die Falle und musste Lehrgeld zahlen. "Um Himmels Willen", um es mit dem Titel der Serie auszudrücken, die Sie als Schwester Lotte mitgeprägt haben.
Vermissen Sie jüngere Rollen? Jutta Speidel: Ich bin 62 Jahre alt, das ist kein Problem. Jedes Jahr feiere ich meinen Geburtstag, weil ich mich auf das neue Lebensjahr freue. Ich möchte nicht mehr jünger sein. Ich bin kein Mensch, der denkt, dass er etwas in seinem Leben versäumt hat. Ich finde, ich bin eine gut aussehende, im Leben stehende, lebenslustige Frau. Ob ich jetzt Falten habe oder nicht, ist mir egal. Mein Gesicht ist lebendig und mein Körper passt zu meinem Gesicht.
Es heißt immer „Neue Frisur - neuer Mann“. Wie steht es momentan bei Ihnen mit den Männern? Jutta Speidel: „Im Moment macht es Spaß, ein bisschen zu flirten. Es gibt so Lichter, die so um mich herum sind und mich wohlwollend betrachten. Das ist sehr schön. Aber mehr ist da momentan nicht. Das ist das Schöne an meinem Alter: Ich kann meine Frisur ändern, weil ich das möchte, und nicht, weil es einen Grund gibt.“
Ihr Herzens-Wunsch? Speidel: „Ich würde so gerne Enkelkinder haben und wissen, dass sie in einer guten Welt und mit Perspektive aufwachsen.“
Was für ein Verhältnis haben Sie zu Geld? Jutta Speidel: „Geld ist nicht unwichtig, um gut leben zu können. Aber alles, was darüber hinausgeht, interessiert mich nicht. Ich habe keine Millionen auf dem Konto und möchte die auch gar nicht haben. So viel Geld ist doch nur belastend.“
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