Im Laufe des Lebens leiden viele Menschen unter Haarausfall, der bis zur kompletten Glatze führen kann. Eine Haartransplantation kann in solchen Fällen eine Möglichkeit sein, das Haarwachstum wiederherzustellen. Doch welche Methoden gibt es, und für wen kommt eine solche Behandlung in Frage?
Bei einer Haartransplantation werden Haare von haarreichen Stellen (Spenderregion) an kahle Stellen (Empfängerregion) verpflanzt. Genau genommen werden die Haarfollikel transplantiert - Haarfollikel sind die Haarwurzeln einschließlich der Strukturen, mit denen die Wurzeln in die Haut eingebettet sind. Es handelt sich immer um eine Eigenhaartransplantation, bei der ausschließlich Haarfollikel vom Kopf des Betroffenen verwendet werden.
Auf diese Weise können an den kahlen Stellen wieder Haare nachwachsen. Im Nacken und am seitlichen Haarkranz fallen in der Regel auch bei sonst übermäßigem Haarausfall kaum Haare aus. Haarfollikel aus diesen Regionen dienen dann als Spenderhaare für die Haartransplantation.
Eine Haartransplantation kommt vor allem bei anlagebedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie) zum Einsatz. Meist beginnt der Haarausfall an der Stirn und an den Schläfen. Bald wird auch das Haar am oberen Hinterkopf immer lichter, es entstehen regelrechte Kahlstellen.
Auch Frauen können von anlagebedingtem Haarausfall betroffen sein. Bei Frauen beginnt die Klassifikation nach dem Ludwig-Schema eher im Scheitelbereich und dehnt sich dann auf die Stirn aus.
Es gibt zwei Hauptmethoden, um die Haarfollikel-Einheiten (FU) zu gewinnen:
Bei der FUE-Technik löst der Chirurg oder die Chirurgin einzelne Haarfollikel-Einheiten direkt aus der Kopfhaut. Der Vorteil ist, dass danach nur kleine Lücken verbleiben, die bei gleichmäßiger und nicht zu dichter Entnahme auch bei einer Kurzhaarfrisur am Hinterkopf nicht auffallen. Einziger Nachteil: Der Entnahmebereich muss rasiert werden - aus den dort verbliebenen Haarfollikeln wachsen aber zügig wieder Haare nach. Bei der FUE-Technik stanzt man mit einer Hohlnadel ein Stück Kopfhaut mit ein bis vier Haarfollikeln aus. Diese werden zunächst in eine Nährlösung gegeben und später in vorgestanzte Löcher verpflanzt.
Hier werden nicht einzelne Haarfollikel-Einheiten entnommen, sondern ein ganzer Haarstreifen mit vielen Follikeln. Aus diesem Streifen gewinnt man dann unter dem Mikroskop die einzelnen Follikel-Einheiten, die man wie bei der ersten Methode verpflanzt. Die Entnahmestelle wird gleich vernäht und überkämmt. Da keine Rasur am Hinterkopf erforderlich ist, eignet sich diese Methode für Frauen und Männer, die ihre Haare gern etwas länger tragen. „Es verbleibt allerdings eine linienförmige Narbe, weshalb viele Patienten die punktuelle FUE-Methode bevorzugen“, sagt Finner. Bei der FUT-Technik entfernt man einen schmalen Streifen Kopfhaut samt Haarfollikeln und zerteilt diesen. Daraus werden dann Einheiten von ein bis vier Follikel präpariert und per Hohlnadel verpflanzt.
Viele Patienten sorgen sich, ob eine Haartransplantation auch noch bei einer Glatze möglich ist. Denn Glatzen sind zwar inzwischen als modischer Stil anerkannt, doch nicht jeder fühlt sich mit einer kahlen Oberseite des Kopfes wirklich wohl. In diesem Fall kann eine Haartransplantation dauerhaft für mehr Attraktivität und Lebensqualität sorgen.
Damit die Glatze erfolgreich durch eine Haartransplantation therapiert werden kann, stellt die Behandlung gewisse Herausforderungen an die Planung für den Haarchirurgen und sein Team. Denn bei einer Vollglatze steht in der Regel nur relativ wenig Spenderhaar zur Verfügung. Da sehr viele Haarfollikel verpflanzt werden müssen, kann es möglich sein, dass eine Kombination aus FUE-Methode und FUT-Methode in Betracht kommt. Gegebenenfalls muss sich der Patient, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen, sogar auf mehrere Sitzungen einstellen. Eventuell wird entschieden, zunächst die Geheimratsecken und einen Teil der Glatze zu schließen, um erst später zu entscheiden, wie mit der verbleibenden Tonsur umgegangen wird.
In Ausnahmefällen besteht auch die Möglichkeit, auf Körperbehaarung zurückzugreifen, um möglichst noch mehr Haarwurzeln als Spenderhaar zu erhalten.
Doch nicht jeder, der eine Haartransplantation machen lassen möchte, kommt dafür infrage. Es kommt auf sein Spenderhaar an, genauer darauf, wie viele Haare im Haarkranz und im Nacken vorhanden sind und wie die Stellen aussehen, wo die Haarfollikel eingesetzt werden sollen. Das gilt für Frauen und Männer, für die Planung umfassender Transplantationen ebenso wie für kleine Eingriffe.
„In manchen Fällen macht eine Haartransplantation keinen Sinn, weil kein befriedigendes Ergebnis zu erwarten ist. Das kann man als Laie oft aber nicht erkennen, es lohnt sich eigentlich immer, einen Experten aufzusuchen“, sagt Neidel.
Eine Haartransplantation kann im gesamten Erwachsenenalter durchgeführt werden. Bei Menschen über 65 Jahren kann es aber schwieriger sein, die Haare zu transplantieren, weil das Haar insgesamt lichter wird und kahle Stellen zunehmen.
Grundsätzlich darf zwar jeder Mediziner und jede Medizinerin in Deutschland eine Haartransplantation durchführen. Aber genaues Arbeiten, Fachwissen, das Einhalten der Standards und Beachten der medizinischen Leitlinien sowie Erfahrung mit Haartransplantationen sind für ein gutes Ergebnis wichtig.
Man sollte daher darauf achten, dass der Behandler oder die Behandlerin fachärztlich ausgebildet ist und eine langjährige Erfahrung mit dem Verpflanzen von Haaren hat - bei Haartransplantationen sind insbesondere die Fächer Dermatologie und Chirurgie von Bedeutung.
„Manche Spezialpraxen bieten Haarsprechstunden oder Voruntersuchungen zur Haartransplantation an, in denen man sich hinsichtlich Diagnose, Eignung und Vorgehen untersuchen und beraten lassen kann. Wenn dort Fachärztinnen und Fachärzte arbeiten, die sich auf Haartransplantation spezialisiert haben und diese nicht nur gelegentlich durchführen, dann ist man hier normalerweise an einer guten Adresse“, erklärt der Haarchirurg Dr. Andreas Finner aus Berlin und Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Haarchirurgen.
Eine Haartransplantation dauert meist ein paar Stunden, die Kopfhaut ist in dieser Zeit örtlich betäubt. Der Eingriff umfasst das Entnehmen der Haare und direkt danach das Einsetzen der Haare an anderer Stelle.
Zunächst werden aus der Spenderregion dauerhaft wachsende Haarwurzeln entnommen. Denn anders als die Haarwurzeln an den lichten Stellen reagieren sie weniger empfindlich auf hormonelle Veränderungen im Laufe des Lebens. Das heißt, die erfolgreich verpflanzten Haarwurzeln fallen in aller Regel nicht wieder aus.
Heutzutage verpflanzt man nur winzige Haarfollikel-Einheiten - englisch: follicular units (FU). Diese enthalten jeweils ein bis vier Haarwurzeln. „Der Vorteil ist, dass die kleinen FU naturgetreu in hoher Dichte und kopfhautschonend verpflanzt werden können und bei richtiger Platzierung und flacher Ausrichtung von den Originalhaaren kaum unterscheidbar sind“, sagt Finner.
Je nach Größe und Dichte der Spenderzone und der Haarlänge am Haarkranz lassen sich ihm zufolge bis zu 4000 solcher Haareinheiten entnehmen, ohne dass es am Hinterkopf auffällt.
Es sollten bei einer Haartransplantation aber immer nur so viele Haarfollikel-Einheiten wie nötig entnommen werden. „So hat man noch Spenderhaare in Reserve, falls es später im Leben andere lichte Stellen gibt“, betont Finner.
Führt die Behandlung ein erfahrener Haarchirurg oder eine erfahrene Haarchirurgin durch, beträgt die Anwuchsrate der transplantierten Haarfollikel mindestens 90 Prozent. Die Frage ist dann, ob die behandelte Person auch optisch mit dem Ergebnis zufrieden ist.
Wie zufrieden man persönlich mit dem Resultat ist, hat nicht nur mit der Qualität der Behandlung zu tun, sondern spiegelt immer auch die eigene Erwartungshaltung wider. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld eine realistische Einschätzung zum Behandlungsergebnis zu bekommen.
Sowohl die Qualität als auch die geweckte Erwartungshaltung sind stark abhängig von der Person, die den Eingriff vornimmt. Entsprechend gibt es keine Zahlen, die sich auf alle Haartransplantationen übertragen lassen.
In aller Regel liegt die Zufriedenheit bei über 90 Prozent. In der Praxis von Dr. Neidel zum Beispiel liegt sie eigenen Angaben zufolge bei 95 Prozent. „Bei den übrigen fünf Prozent ist es meist auch nicht so, dass sie mit dem Aussehen komplett unzufrieden sind. Sie wollen eher gezielt noch etwas optimieren - das gelingt normalerweise recht gut in einem zweiten Eingriff“, fasst Neidel zusammen.
Bei einer Transplantation werden meist mehrere tausend Haarfollikel an einer Region am Kopf entfernt und an anderen Stellen wieder eingesetzt. Für die Kopfhaut ist das kurzfristig sehr belastend.
Krustenbildung, Schwellungen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Juckreiz an den betreffenden Stellen - all das sind Dinge, die in den ersten Tagen auftreten können. „Diese Symptome gehen eigentlich immer in der ersten Woche wieder zurück. In Einzelfällen oder bei Allergikern kann es auch mal zwei bis drei Wochen dauern, aber längerfristige Probleme hat so gut wie niemand“, sagt Neidel.
Hinzu kommen die typischen Risikofaktoren jeder Operation: Es kann zu Entzündungen kommen; es kann passieren, dass Wunden nur sehr langsam verheilen.
Außerdem kommt es zu Vernarbungen in der Kopfhaut. „Die sind aber so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht sieht. Man spricht daher auch von Mikrovernarbungen“, sagt Hortling. Die Mikrovernarbungen stellen für den Körper in aller Regel kein Problem dar. „Insgesamt gilt der Eingriff als sehr unkompliziert und nebenwirkungsarm“, sagt Hortling weiter.
Je nach Anzahl der transplantierten Haare kostet eine Haartransplantation ungefähr zwischen 3000 und 9000 Euro.
Die Kosten einer Transplantation von Geheimratsecken bewegen sich je nach Umfang zwischen 6.000 bis 8.000 Euro.
Wer eine ausgeprägte Halbglatze hat, kann mit 5.000 bis 6.000 Transplantaten und damit Kosten von bis zu 28.000 Euro rechnen.
Um übermäßigen Haarausfall zu verlangsamen oder gar weitgehend zu stoppen, sind vor allem Medikamente geeignet. Sie sind die Haupt-Alternative zu einer Haartransplantation.
Je früher man zu Medikamenten greift, umso wirkungsvoller lässt sich in der Tendenz ein Haarausfall aufhalten. „Oft ist es so, dass wir es erst einmal mit Medikamenten versuchen. Wenn deren Wirkung nicht ausreicht oder der übermäßige Haarausfall zu weit fortgeschritten ist, dann kann eine Haartransplantation häufig gut helfen“, sagt Finner. In vielen Fällen kommen auch Medikamente und Haartransplantation als Kombination zum Einsatz.
| Behandlungsmethode | Beschreibung |
|---|---|
| FUE-Technik | Entnahme einzelner Haarfollikel-Einheiten |
| FUT-Technik | Entnahme eines Haarstreifens |
| Medikamente | Verlangsamung oder Stoppen des Haarausfalls |
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