In der Stillzeit leiden viele Frauen plötzlich unter vermehrtem Haarausfall. Wem nicht bekannt ist, dass dieses Phänomen nach der Schwangerschaft häufig auftritt, macht sich vielleicht Gedanken. Ausfallende Haare sind zwar unangenehm, doch in der ersten Zeit nach der Geburt ganz typisch und daher kein Grund zur Sorge. Was es braucht, ist vor allem Geduld.
Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Haarausfall nach der Geburt und gibt Ratschläge zur Behandlung und Pflege, um diese Phase bestmöglich zu überstehen.
Die Hauptursache für Haarausfall nach der Geburt ist das Hormon Östrogen. Im dritten Trimester der Schwangerschaft steigt der Östrogenspiegel an, wodurch das Haar nicht mehr so stark ausfällt. Normalerweise verlieren wir etwa 100 Haare pro Tag, aber aufgrund des höheren Östrogenspiegels in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft kann sich dein Haar dicker anfühlen, da es weniger ausfällt.
Dank des in der Schwangerschaft erhöhten Östrogenspiegels dürfen sich werdende Mütter oft über dichte und glanzvolle Haare freuen. Normalerweise befinden sich diese in einem sich ständig wiederholenden Haarzyklus, der aus Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase besteht. Die Östrogene schwangerer Frauen halten die Haarfollikel jedoch länger in der Wachstumsphase, da der Körper für das heranwachsende Baby alles auf Erhalt ausrichtet. Folglich fallen während dieser Zeit weniger Haare aus.
Der postpartale Haarausfall beginnt, sobald du dein Baby bekommen hast und dein Östrogenspiegel sinkt. Etwa drei Monate nach der Geburt führt dieser Rückgang des Hormonspiegels zu einem so genannten "übermäßigen Haarausfall" mit mehr als 100 Haaren pro Tag.
Nach der Geburt sinken die Östrogenspiegel dann recht plötzlich ab. Der Geburtsstress kann zusätzlich dazu beitragen, dass die Haarfollikel, in denen die Haare verwurzelt sind, kurz nach der Schwangerschaft in die Ruhephase (Telogenphase) eintreten, bis die Haare etwa zwei bis vier Monate später ausfallen.
Neben der Hormonumstellung können auch Stress und Ängste eine Ursache für Haarausfall bei jungen Müttern sein. Mit dem Familienzuwachs kommen schlaflose Nächte, finanzielle Sorgen und weniger Zeit, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Die Bewältigung von Stress kann dazu beitragen, die Schuppenbildung zu stoppen. Gespräche mit deinem Arzt, deiner Familie oder anderen Unterstützungssystemen können helfen, deine Ängste zu bewältigen und eine wirksame Behandlung zu erhalten, wenn du diese benötigst.
Allerdings stellen sich die Hormone bei stillenden Frauen häufig langsamer um, weshalb bei ihnen der Haarausfall oft später einsetzt als bei Müttern, die die Stillzeit längst hinter sich haben. In manchen Fällen beginnt der Haarverlust sogar erst nach dem Abstillen. Das führt fälschlicherweise gelegentlich zu der Annahme, Stillen sei der Grund für die ausfallenden Haare.
In den meisten Fällen beginnt dieser postpartale Haarausfall etwa zwei bis vier Monate nach der Geburt. Nach drei bis sechs Monaten normalisieren sich die Hormonspiegel von allein und der Lebenszyklus der Haare verläuft wieder normal. Es kann jedoch bis zu einem Jahr nach der Geburt dauern, bis sich das Haarwachstum sichtlich gebessert hat.
Auch wenn übermäßiger Haarausfall belastend sein kann, solltest du bedenken, dass der Haarausfall nach der Geburt nur vorübergehend ist. Er sollte weniger als sechs Monate andauern - die meisten Frauen haben ihr Haar bis zum ersten Geburtstag ihres Babys wieder wie vor der Schwangerschaft.
Wann der hormonell bedingte Haarausfall nach der Schwangerschaft einsetzt, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Meistens beginnt er schon wenige Wochen nach der Entbindung, es kommt aber auch vor, dass er erst 5 Monate nach der Geburt auftritt.
Nach spätestens einem Jahr sollte das Haarwachstum wieder so sein, wie vor der Schwangerschaft. Bleibt der Haarverlust bestehen, sind möglicherweise andere Gründe ursächlich.
Mehr Haare auf deiner Haarbürste, auf deine, Kopfkissen, auf deiner Kleidung und beim Waschen deiner Haare können darauf hindeuten, dass du unter postpartalem Haarausfall leidest. Du kannst dies drei bis sechs Monate nach der Geburt deines Babys bemerken.
Wenn der Haarausfall nach der Geburt auch lästig ist, so gehört er doch zum natürlichen Prozess dazu. Aber es gibt Möglichkeiten, dem Körper das zu geben, was er in dieser Phase braucht: Vitamine und Mineralstoffe. Ernähre Dich dafür gesund und ausgewogen.
Es gibt keine medizinische Behandlung für Haarausfall nach der Geburt - er ist ein Symptom der natürlichen hormonellen Veränderungen nach der Geburt eines Kindes. Wenn du jedoch nach der Geburt etwas Haarausfall hast, kannst du einige Maßnahmen ergreifen, damit sich dein Haar voller und voluminöser anfühlt:
Möchtest Du neben einer ausreichenden Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen aber mehr tun, so können folgende Tipps hilfreich sein:
Auch folgende Ratschläge können helfen:
Neben den hormonellen Veränderungen, die zu einem Haarausfall nach der Schwangerschaft führen, gibt es auch Veranlagungen, die Auslöser für eine weitere Art des Haarausfalls sind, nämlich den hormonell erblich bedingten Haarausfall. Manchmal kann ein postpartales Effluvium auch in eine androgenetische Alopezie übergehen. Unter diesem erblich bedingten Haarausfall leiden bis zu 30 Prozent aller Frauen. Meist tritt er in den Wechseljahren auf, kann aber auch durch eine Schwangerschaft getriggert bzw.
Eventuell kommen in diesem Fall andere Auslöser für den Haarverlust in Betracht, etwa:
Wenn sich dein Haar mehr als ein Jahr nach der Geburt immer noch dünn anfühlt, solltest du einen Arzt aufsuchen, der untersuchen kann, ob es andere Gründe für den Haarausfall gibt und wirksame Behandlungen empfiehlt. Andere Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen und Eisenmangel können ebenfalls Haarausfall verursachen.
Eine ärztliche Untersuchung durch eine*n Dermatolog*in kann die Ursache für den übermäßigen Haarausfall klären, um eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Sollten Sie unter einem optisch sehr auffälligen Haarausfall leiden, so können Sie auch in einer Haarsprechstunde eines Spezialisten für Haartransplantationen und Haarausfallerkrankungen aufzusuchen. Meist kann schon eine regenerative Therapie, die PRP-Therapie, helfen, den Haarverlust aufzuhalten. Die PRP-Therapie ist eine Eigenblut-Plasma-Therapie. Die Grundsubstanz, das "Platelet Rich Plasma", wird durch eine spezielle Aufbereitung des von der Patientin entnommenen Blutes gewonnen. Es handelt sich um hochkonzentriertes Blutplasma, welches viele Wachstumsfaktoren, Zytokine und Mikronährstoffe enthält. Diese Stoffe sind wichtig für die Zellteilung und -regeneration. Dadurch werden die Haarfollikel stimuliert und die Kopfhaut besser durchblutet.
Bei manchen Patientinnen kann eine Hormontherapie zur Behandlung eines hormonell bedingten Haarausfalls hilfreich sein. Da jedoch auch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten können, sind die Therapiemöglichkeiten diesbezüglich oft begrenzt.
Lässt sich das eigene Haar nicht mehr regenerieren, kann eine Haartransplantation die rettende Alternative sein. Mit der I-FUE-Technik (Intermittent Follicular Unit Extraction) wird Ihr eigenes Haar an die kahlen Stellen transplantiert. Ein schonender Eingriff, bei dem hohe Anwuchsraten zu erwarten sind. Egal, ob der Scheitel licht ist oder die Schläfen leicht kahl werden - mit der Haartransplantation können Sie sich schon ggf. bald wieder über eine natürliche und volle Haarpracht freuen.
Wenn sich jedoch der Haarausfall über den gesamten Kopf erstreckt und dadurch zu wenig Spendermaterial vorhanden ist, sollte eine Haartransplantation nicht durchgeführt werden. Darum gilt: je früher der Haarausfall durch regenerative Behandlungen gestoppt wird, desto erfolgreicher wird die späte Haartransplantation sein.
Neben dünnerem Haar kann es nach der Geburt zu einer (recht seltenen) Nebenwirkung kommen - Haartourniquets. Dabei wickelt sich eine lose Haarsträhne um den Finger, die Zehe oder einen anderen Körperteil des Babys, wirkt praktisch wie ein Tourniquet und schneidet die Blutzirkulation in diesem Bereich ab oder verursacht eine Infektion. Haartourniquets sind zwar selten, aber es ist nützlich zu wissen, was zu tun ist, wenn man eines bei seinem Baby findet.
So entfernt man ein Haartourniquet:
Haarausfall nach der Schwangerschaft ist ein häufiges und meist vorübergehendes Phänomen. Durch die richtige Pflege, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Ruhe können Sie Ihren Körper unterstützen und die Phase des Haarausfalls bestmöglich überstehen. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden, um andere Ursachen auszuschließen und geeignete Behandlungen zu finden.
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