Geschlechtergerechte Preise beim Friseur: Eine Analyse von Gender Pricing und möglichen Lösungen

Frauen zahlen beim Friseur oft mehr als Männer. Aber warum gibt es dieses Gender Pricing? Und werden die Preise bei Frauen mit Kurzhaar- und Männer mit Langhaarfrisuren wenigstens angepasst? Stuttgarter Friseure berichten.

Gender Pricing, auch „Woman-Tax“ genannt, beschreibt die geschlechtsspezifischen Preisunterschiede bei Dienstleistungen oder Produkten. Besonders auffällig ist das Gender Pricing im Alltag bei Friseuren.

Die Antidiskriminierungsstelle hat 2017 in einer Studie zum Gender Pricing festgehalten, dass 89 Prozent aller untersuchten Friseure und Friseurinnen bei einem Kurzhaarschnitt unterschiedliche Preise je nach Geschlecht anbieten - Frauen zahlen demnach im Schnitt 12,50 Euro mehr für den Haarschnitt.

Doch wie entstand dieses Gender Pricing und wie rechtfertigen Friseure die geschlechtsspezifischen Preise?

Gründe für Preisunterschiede in der Vergangenheit

Warum Frauen- meist teurer als Männerhaarschnitte sind, dazu haben die Friseure aus Stuttgart und Region unterschiedliche Meinungen.

Meisterfriseur Oliver Gerbert hat einen eigenen gleichnamigen Salon in Stuttgart, er sieht den Ursprung der Preisunterschiede vor langer Zeit: „Wenn man weit zurück geht in die Zeit um 1900, da waren die Frisuren von Frauen noch viel aufwendiger. Damals hat ein Männerhaarschnitt vielleicht 50 Pfennig gekostet und ein Frauenhaarschnitt sechs Deutsche Mark. Und dieser Unterschied, begründet im höheren Aufwand bei einer Frauenfrisur, wurde nie ausgeglichen.“

Meisterfriseur Uwe Volz aus Ludwigsburg, Inhaber vom Salon „wings hair & beauty“, hat eine andere Theorie: „Früher kamen Männer häufig alle zwei Wochen um nur kleine Ausbesserungen vornehmen zu lassen. Dafür kann man nicht jedes Mal 57 Euro verlangen, daher waren Männerpreise oft billiger. Als die Männer plötzlich mit längeren Haaren kamen und auch andere Leistungen wollten, also der Aufwand gestiegen ist, da hat es der Friseur versäumt, die Preise anzupassen.

Dem Argument mit dem Mehraufwand schließt sich auch Meisterfriseur Ulvi vom Salon „twocut“ an: „Bei dem Mann geht es oft mit der Maschine - bei Frauen muss man oft mit der Hand mit der Schere arbeiten, deswegen braucht man da auch mehr Zeit in der Regel. Dann ist es eben der Zeitfaktor bei der Frau, der einfach den Preisunterschied macht.“

Preisanpassung je nach Haarlänge unabhängig vom Geschlecht?

Doch wie sieht es dann bei Männern mit langen Haaren aus? Spiegeln sich der höhere Zeitaufwand und die Mehrkosten für Shampoo und Pflegeprodukte beim Preis wider so wie bei der weiblichen Kundschaft? Und im Umkehrschluss, zahlen Frauen mit Kurzhaarschnitt dann weniger? Passen die Friseure also ihre Preise je nach Haarlänge unabhängig vom Geschlecht an oder haben Männer einfach Glück und zahlen pauschal weniger?

Bei Oliver Gerbert im Salon trifft das tatsächlich zu. Er gesteht ein: „Es ist einfach so, die Männer kommen besser weg“. Er erklärt jedoch, er plane sowohl für Männer als auch für Frauen eine Stunde für einen Haarschnitt ein - der Stundenlohn für den Friseur bei einem Männerhaarschnitt sei somit bei ihm um 20 Euro schlechter. Doch warum nimmt er diesen schlechteren Stundenlohn in Kauf und passt seine Preise nicht an? Gerbert vermutet, „dann fliegen circa 75 Prozent aller Männer raus“ - die männlichen Kunden wären nicht bereit, den höheren Preis zu zahlen.

Müslüm Başaran und Ulvi hingegen passen ihre Preise an. Ulvi berichtet: „Wir passen den Preis je nach Haarschnitt an - Frauen mit Kurzhaarschnitt zahlen auch den Männerpreis. Sie nehmen weniger Zeit in Anspruch. Es geht immer nach Zeit und verbrauchtem Material - auch bei Strähnen und Coloration.“ Außerdem weißt der Meisterfriseur vom Salon twocut darauf hin, dass der vermeintliche geschlechtsspezifische Preisunterschied bei vielen Friseuren oft ohnehin nicht existiere, denn „ein Männerhaarschnitt dauert im Schnitt 45 Minuten und kostet 44 Euro bei uns, während ein Frauenhaarschnitt für 61 Euro mit 60 Minuten veranschlagt ist. Sie sehen, wenn man das umrechnet, sind das beide Male ein Euro pro Minute.“

Auch der Marketing-Professor der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf, Martin Fassnacht, ist der Meinung, dass wir es schlicht und ergreifend gewohnt sind und gelernt haben, dass Frauen im Friseursalon mehr Geld lassen. „Frauen sind eher bereit, für Schönheit im weitesten Sinne mehr zu bezahlen“, erklärt er.

Das Gender-Pricing zu rechtfertigen ist aus Sicht des Professors zwar schwerer geworden, weil viel mehr über Gleichberechtigung gesprochen werde. Er rechnet jedoch nicht damit, dass Frauen auch in Zukunft überall genau so viel zahlen werden wie Männer. Denn Unternehmen werden laut Fassnacht immer die Freiheit besitzen, die Preise für Frauen höher zu setzen, und werden das auch machen.

Einheitliche Abrechnung nach Aufwand

Uwe Volz vom Salon „wings hair & beauty“ aus Ludwigsburg passt seine Preise für einen Haarschnitt nicht nur im Einzelfall an. Auf seiner Preisliste gibt es keine Unterscheidung nach Männer- und Frauenhaarschnitt. „Wir berechnen unsere Preise grundsätzlich nach Arbeitsaufwand“, erzählt Volz. Somit kostet ein „typgerechter Haarschnitt“ bei kurzen Haaren ab 48 Euro und bei langen Haaren ab 73 Euro. Alle weiteren Specials wie Styling, Haarglättung oder Haarverlängerung werden ebenfalls nach Haarlängen unterschieden. Seit zwei Jahren verfolgt er nun schon dieses Konzept eines Einheitspreises.

Der Anlass dafür war ein junger Mitarbeiter in seinem Team, der die Diskussion veranlasst hat. Da sie oft auch Kunden und Kundinnen mit unterschiedlichen Haartypen hätten, sei ihnen die unfaire geschlechterspezifische Preisunterscheidung aufgefallen. Eine Frau mit feinen Haaren sei trotz langen Haaren schneller bedient als ein Mann mit halblangem sehr dichtem Haar, was nach alter Preiskategorisierung trotzdem nur aufgrund des Geschlechts günstiger gewesen wäre. Mit der Preisumstellung seien die Männerpreise dann nicht unbedingt gestiegen, nur eben der Preis für aufwendigere Schnitte und Leistungen wie Farbe, Grauhaarkaschierung, Männer mit langen Haaren - gleichermaßen wären aber Kurzhaarschnitte für Frauen billiger geworden. Kunden seien ihm damals nicht abgesprungen. Einige hätten nachgefragt und die Erklärung verstanden.

Einige Friseursalons haben ihre Preisgestaltung bereits geändert: Sie werben mit gender-neutralen Preisen und unterscheiden nicht mehr zwischen Haarschnitten für Frauen und Männer.

Unisexpreislisten als Lösung?

Sind diese Unisexpreislisten wie sie Uwe Volz führt, dann nicht die Zukunft im Friseurhandwerk? Vor allem in Hinblick auf die Genderdebatte und der freien Wahl des eigenen Geschlechts oder dem Wunsch einiger Menschen, sich beim Geschlecht nicht festlegen zu wollen, sieht Müslüm Başaran vom Salon „Die Scala“ früher oder später keinen Weg daran vorbei: „Ich denke auf kurz oder lang wird es diese Unisexpreislisten geben.“

Ulvi vom Salon twocut hat jedoch Bedenken was die Unsexpreislisten betrifft: „Wenn die Innung die Unisexpreislisten festlegen würde, würde immer der teurere Preis gewinnen. Ich denke, dann würden viele Männer abspringen, die gehen dann einfach zum Barbershop um die Ecke. Die Innungsfriseure würden also dann nur noch teurer werden und die Barber ohne Ausbildung gewännen noch mehr Kunden.“

Das sich immer weiter ausbreitende Geschäft der Barbier-Salons sorge laut Ulvi allgemein für Groll unter den Innungsfriseuren, da diese meist Quereinsteiger seien, für wenig Geld Haarschnitte anböten und so den lang ausgebildeten Friseuren die Kunden wegnähmen.

Viele Kunden bevorzugen Qualität

Müslüm Başaran hat keine Angst vor höheren Männerhaarschnitt-Preisen durch Unisexpreislisten: „Ich denke nicht, dass uns Kunden abspringen würden. Die Männer, die zu uns kommen, die setzen viel auf Qualität und Service und das bekommt man bei einem Barbier meistens nicht. Ich denke, sie wären bereit, den höheren Preis zu zahlen.“

Auch Uwe Volz, der ohnehin schon seine Einheitspreisliste führt, lässt sich durch die Dumping-Preise der Barbiere nicht einschüchtern, denn diese seien auch nur vermeintlich billiger. Für einen schnellen Haarschnitt innerhalb von 10-15 Minuten zahle man bei den Barbieren zwar oft nur 15-20 Euro - hochgerechnet auf die Zeit, die ein Friseur mit 45 Minuten für einen Schnitt beanspruche, sei dies häufig jedoch der gleiche Preis. Hier komme es darauf an, welchen Wert der Kunde auf seine Zeit beim Friseur oder für seinen Haarschnitt lege.

Keine offizielle Vorgabe für Einheitspreislisten

Auch beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks wird das Thema Gender Pricing schon seit langer Zeit diskutiert. Laut dem Verband gebe es jedoch in den nächsten Jahren keine einheitliche Vorgabe für Unisexpreislisten. Die Kalkulation der Preise bleibe weiterhin jedem Friseursalon selbst überlassen, da der Verband laut Pressesprecherin Bele Graniger „aus kartell- und wettbewerbsrechtlichen Gründen keinerlei Preisempfehlungen“ gebe.

In der Friseurbranche findet Preisgestaltung vielfach klassisch nach "Damen" und "Herren" statt. Daran stoßen sich immer mehr Menschen, kurzhaarige Frauen fordern die Männerpreise ein und pochen auf Antidiskriminierung. Die Kundschaft wandelt sich, die Gesellschaft wird diverser und langes Haar ist langes Haar.

Das Thema bekommt immer mehr Bedeutung. Erst im Sommer 2022 hat die FDP Jugend mit einem Antrag aufhorchen lassen, in dem es darum ging, Unisexpreise für Haarschnitte und Friseurdienstleistungen gesetzlich zu verankern. "Es ist fraglich, mit welchem Recht Dienstleistende das Geschlecht ihrer Kundschaft beurteilen, auf deren Basis der Preis für eine geschlechtsneutrale Leistung entschieden wird", hieß es in dem Antrag.

Unisexpreise im Salon bedeuten nicht automatisch, dass Männer mehr zahlen sollen. Vielmehr ist eine geschlechtsneutrale Preisgestaltung ein zeitgemäßes Statement, um Offenheit zu demonstrieren.

UNISEX-PREISE – Weil Fairness für alle zählt! 🌟

Hier sind einige Ideen für diskriminierungsfreie Preisgestaltung im Salon:

  • Service-Preise: Statt "Damen-Herren-Kinder" können die Dienstleistungen umbenannt werden, z.B. in Maschinenschnitt, Balayage, Bob, etc.
  • Preis nach Haarlänge: Lang / Mittel / Kurz - erklärt sich von selbst. Viele Salons haben ihre Preisliste bereits dahingehend umformuliert, inklusive Definition: Welche Länge ab wann gilt.
  • Preise nach Zeit: 1 Minute kostet z.B. 1,33 €, somit käme das Waschen-Kopfmassage-Schneiden-Föhnen-Paket bei 60 Minuten auf 80 €. Vorteil: Diese Preisgestaltung vermittelt auch die Wertigkeit der Friseurinnen im Salon. "Ich bin 80 € die Stunde wert"
  • Preise nach Qualifikation: Jungstylistin/ Topartistin / Colourspecialist - jede Ausbildungsstufe hat ihren Preis. Vorteil: Kunden erhalten Einblick in die Trainingsintensität des Handwerks und damit verbundene Qualität.

Ein Blick zu unseren Nachbarn: In Österreich regelt das Gleichbehandlungsgesetz seit 2008, dass für Männer und Frauen keine unterschiedlichen Preise verlangt werden dürfen. Dabei geht es um "dieselbe Leistung" - eine Interpretationsfrage.

Der Stuttgarter FDP-Nachwuchs hat am 17. Juli 2022 einen Antrag im Landtag Baden-Württemberg eingebracht, der die Preisgestaltung im Friseursalon betrifft. Im Antrag "Gender-Pricing: Und was zahlst du für deinen Haarschnitt" fordern sie ein Gesetz, das Bepreisung aufgrund des Geschlechts verbietet. Im Antrag wurde eine Studie der Antidiskriminierungsstelle zitiert, in der fast 90 % der Friseursalons für einen "Kurzhaarschnitt" unterschiedliche Preise für Männer und Frauen ausschreiben.

Doch warum zahlen Frauen oft mehr als Männer? Diese Preisdifferenzierung wirft Fragen der Fairness und der Rechtmäßigkeit auf.

Frauen zahlen für einen Kurzhaarschnitt im Durchschnitt 12,50 Euro mehr als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) aus dem Jahr 2017. Nur 11 Prozent der über 100 befragten Friseursalons gaben demnach an, beim Kurzhaarschnitt von Mann und Frau gleich viel zu verlangen. Bei langen Haaren waren die Unterschiede beim Preis noch größer.

Friseursalons begründen die höheren Preise mit dem vermeintlich größeren Aufwand bei Frauen. Faktoren wie längere Beratungsgespräche, komplexere Schnitte oder Styling-Wünsche werden dabei angeführt. Kritiker:innen betonen aber, dass diese Argumente oft pauschal getroffen und nicht individuell an den tatsächlichen Aufwand angepasst seien. Solche Preismodelle verstießen demnach potenziell gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

Pink Tax, auch bekannt als „Rosa Steuer“ und Gender Pricing (Preisdifferenzierung nach Geschlecht) nennt sich das Phänomen, das für die unterschiedlichen Preise je nach Geschlecht für gleichartige Dienstleistungen und Produkte verantwortlich ist.

Übrigens: Das „Gender Pricing“ zeigt sich auch in anderen Dienstleistungsbranchen. Die Reinigung einer Bluse kostet laut der ADS-Studie im Schnitt 1,80 Euro mehr als die eines Hemdes. Von mehr als 380 gleichartigen Dienstleistungen nach Geschlecht waren demnach knapp 60 Prozent preisungleich - davon waren 50 Prozent für Frauen und 9 Prozent für Männer teurer.

Aber muss die Ungleichbehandlung auf dem Friseurstuhl hingenommen werden? „Gender Pricing“ kann gegen die Geschlechterdiskriminierung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes verstoßen. Die sogenannte Gender-Richtlinie der EU soll Frauen und Männer gleichstellen, wenn es um den Zugang zu Gütern und Dienstleistungen und die Versorgung damit geht. Diese Richtlinie gilt auch in Deutschland. Ungleichbehandlungen sind danach nur dann gerechtfertigt, wenn sie durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt sind. Ein solches könnte es sein, dass Friseur:innen einen größeren Arbeitsaufwand bei Frauen-Haarschnitten haben, als dies bei Männer-Frisuren der Fall ist.

Aber gehören die Zeiten, in denen Männer nicht mehr nur kurz und Frauen nicht mehr nur lang tragen, nicht längst der Vergangenheit an? Beim Friseurbesuch kommt es also darauf an: Ist die Frisur, die Sie sich als Frau wünschen, komplizierter und zeitaufwändiger als die für einen männlichen Friseursalon-Besucher - und andersherum? Tragen Sie also einen Kurzhaarschnitt ohne Pony und andere besondere Feinheiten, lässt sich ein höherer Preis allein deswegen, weil Sie eine Frau sind, nicht rechtfertigen.

Auch die Antidiskriminierungsstelle findet, die unterschiedlichen Preise können potenziell gegen das Verbot der Geschlechterdiskriminierung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes verstoßen. Der Preisunterschied müsse sachlich begründet sein und dürfe nicht auf Geschlechter-Stereotypen basieren. Ähnlich sieht es auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Gender Pricing“ benachteilige einzelne Verbraucher:innen, heißt es, „wenn der höhere Preis nicht durch einen höheren Arbeitsaufwand begründet werden kann“. Ob ein Verstoß tatsächlich vorliegt, müsse jedoch für jeden Einzelfall bewertet werden.

Was können Verbraucher:innen gegen geschlechterspezifische Preise tun?

  • Fragen Sie im Salon konkret nach, warum der Preisunterschied besteht, wenn Sie sich ungerecht benachteiligt fühlen.
  • Entscheiden Sie sich für Salons, die geschlechtsneutrale Preise orientiert nach Haarlänge oder Aufwand anbieten. Bewertungen und Empfehlungen im Internet können hilfreich sein.
  • Schaffen Sie ein Bewusstsein, indem Sie Ihre Erfahrungen öffentlich zum Beispiel in sozialen Medien oder auf Bewertungsplattformen teilen. So können Sie andere auf das Thema aufmerksam machen.

Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist ein viel diskutiertes Thema. Es gibt aber noch viele Orte, an denen Frauen nicht gleichbehandelt werden. Beispielsweise in Friseursalons. Hier reicht ein Blick aufs Preisschild.

Rahimkhan findet das Preiskonzept nach Geschlecht nicht mehr zeitgemäß. „Es kann ja nicht sein, dass Frauen mehr zahlen als Männer, obwohl da der gleiche Zeitaufwand dahinter steckt“, meint Rahimkhan. Deshalb wird der Preis in seinen Salons ab sofort nach Aufwand und Zeit berechnet, also genderneutral. Für den Friseur ein längst überfälliger Schritt.

Eine Preisdifferenzierung nach Geschlecht heißt „Gender-Pricing“, „Woman-Tax“ oder „Pink-Tax“. Dabei geht es darum, dass Frauen für gleiche oder gleichartige Leistungen oder Produkte tiefer in die Taschen greifen müssen als Männer.

Von dem Gender-Pricing hat sich augenscheinlich auch ein Friseursalon in Berlin-Neukölln verabschiedet. In dessen Fenster hängt ein Schild: "Unisexpreise, Haarschnitt mit Waschen 17 Euro".

Nein, meint der Obermeister der Friseur-Innung Berlin, Jan Kopatz. Das bleibe eine Ausnahme. Die Gründe dafür seien vielfältig, aber er denkt, die Geschichte könne eine Rolle spielen: „Ich glaube, wir sind da wirklich aus diesem historischen Bereich hergekommen, weil es einmal den Herrenfriseur- und den Damenfriseurbereich gab und dort die Dienstleistungen aufgrund vieler Sachen unterschiedlich kalkuliert waren.“

Und dass sie es durchziehen, bestätigt eine Studie aus dem Jahr 2017, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegebenen wurde. Rund 60 Prozent von 381 ermittelten Dienstleistungen sind vom Gender-Pricing betroffen.

Im Reinigungsgewerbe und im Frisiergewerbe war es besonders auffällig. Demnach boten rund 89 Prozent der untersuchten Salons Standard-Kurzhaarfrisuren ausschließlich nach Geschlecht unterschiedenen Preisen an. Frauen ließen im Schnitt 12,50 Euro mehr im Friseursalon als Männer.

Shan Rahimkhan. Er sieht auch, dass sein neues Preismodell nicht unbedingt ökonomisch sinnvoll ist. Der Friseur rechnet - zumindest in den ersten Monaten nach Einführung - teilweise mit finanziellen Einbußen. Denn einige Kundinnen zahlen jetzt tatsächlich weniger als vorher. „Das ist schon eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die ich da mache; aber das muss ich natürlich auf mich nehmen, wenn ich wirklich ernst bleiben will mit der Geschichte.“

Für seine Salons bleibt Rahimkhan optimistisch. „Ich glaube, dass ganz viele Frauen, die zum Beispiel feinere und kürzere Haare haben und die sich vorher nicht getraut haben, zu uns zu kommen, weil wir einfach zu teuer waren, dadurch animiert werden, zu uns zu kommen.“ Er ist überzeugt, dass mit geschlechtsneutralen Preisen mittelfristig mehr gewonnen als verloren wird.

Preisgestaltung Vorteile Nachteile
Gender-basierte Preise Traditionell etabliert, spiegelt oft historischen Aufwand wider Kann diskriminierend wirken, entspricht nicht immer dem tatsächlichen Aufwand
Preis nach Haarlänge/Aufwand Fairer, berücksichtigt tatsächlichen Aufwand, vermeidet Diskriminierung Kann komplexer in der Umsetzung sein, erfordert transparente Kommunikation
Unisexpreise Einfach, transparent, fördert Gleichberechtigung Kann zu höheren Preisen für Männer führen, Akzeptanz nicht garantiert

Bevor Sie einen Termin in einem Salon buchen, kann es sich also lohnen, einen Blick auf die Preisliste zu werfen. Gut zu wissen: Nach der Preisangaben-Verordnung sind Friseursalons verpflichtet, ihre Preise durch einen Aushang transparent machen. Bei der Abrechnung müssen sie sich an diese Preise halten.

tags: #friseur #preise #herren #damen

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