Die deutsche Sprache ist reich an Redewendungen, deren Ursprung und Bedeutung oft tief in der Geschichte verwurzelt sind. Eine dieser Redewendungen ist "an den Haaren herbeiziehen". Doch was bedeutet diese Redensart eigentlich und woher stammt sie?
Die Redewendung "etwas ist an den Haaren herbeigezogen" bedeutet, dass etwas abwegig, absurd, unlogisch, unpassend, unzutreffend, unsinnig oder unrealistisch ist. Es wird verwendet, um auszudrücken, dass eine Behauptung oder ein Argument auf einer sehr schwachen oder gar keiner Grundlage basiert.
Hier sind einige Beispiele für die Verwendung der Redewendung:
Die Redewendung wird oft verwendet, um zu kritisieren, dass jemand versucht, eine Verbindung oder einen Zusammenhang herzustellen, der nicht wirklich existiert oder sehr weit hergeholt ist.
Die Redewendung "an den Haaren herbeiziehen" ist umgangssprachlich und bezieht sich auf das gewaltsame Ziehen eines Widerspenstigen oder Flüchtenden an den Haaren. In diesem Sinne wird es schon in der Bibel verwendet: "Da fasste ihn der Engel des Herrn am Schopf, trug ihn an seinen Haaren fort und versetzte ihn mit der Gewalt seines Geistes nach Babylon an den Rand der Grube".
Im übertragenen Sinn ist es das Argument, das herbeigezogen wird - dadurch wird sozusagen der Logik Gewalt angetan. Die Redewendung ist seit Mitte des 17. Jahrhunderts gebräuchlich.
Es existiert auch die Behauptung, „an den Haaren herbeigezogen“ stammte eher aus dem Fischerlatein. Es soll in der Art entstanden sein „Ohne Netz hast du die Fische gefangen?
Bartholomé Esteban Murillo - Die Heilige Familie mit dem kleinen Johannes
Die Redewendung findet sich in verschiedenen Kontexten, von der Literatur bis zum alltäglichen Gespräch. Sie wird verwendet, um:
Auch wenn der Mensch im Laufe der Evolution viel von seiner Behaarung eingebüßt hat: Haare sind keinesfalls zur Nebensache geworden. Nicht nur für Frisöre sind sie die Hauptsache. Was immer Menschen im Laufe der Geschichte mit ihrem Haar angestellt haben: Es hatte immer etwas zu bedeuten. In der Antike trug man es gern lang; bei Frauen galt dies als Schönheitsideal, bei Männern als ein Zeichen von Stärke und Mut. Bei den Germanen war das Abschneiden des Nackenhaares eine Strafe für eine Missetat. Der „geschabte Nacken“ galt über viele Jahrhunderte als Schandmal.
Kahlheit wurde früher als Makel angesehen. Der französische König Ludwig XIII. versteckte sein frühzeitig kahl gewordenes Haupt unter einer Perücke, sein Sohn Ludwig XIV tat es ihm gleich, nur dass seine Perücke ungleich prächtiger war und zum modischen Vorbild für den gesamten europäischen Adel wurde - und zum Statussymbol.
Unzählige Redewendungen ranken sich ums Haar, vom berühmten „Haar in der Suppe“ über die äußerst knappe „Haaresbreite“ bis zur ungalanten Feststellung „Das kannst du dir in die Haare schmieren“. Wer sprichwörtlich angewidert ist, dem „kräuseln sich die Nackenhaare“. Wen das Entsetzen packt, dem „sträuben sich die Haare“, wenn sie ihm nicht gar „zu Berge stehen“.
Allongeperücken, ca. 1715. Gemälde von Nicolas de Largillière
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