Alpecin-Massenexport: Clevere Chinesen kaufen bei deutschen Handelsketten Shampoo ein und exportieren es zu überhöhten Preisen in die Volksrepublik. dm-Kassenzettel dienen als Zertifikat.
Eduard Dörrenberg hat einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, warum es in Deutschland seit ein paar Monaten ungewöhnliche Verkaufsspitzen beim Alpecin-Shampoo seines Bielefelder Unternehmens Dr. Wolff gibt. Die Zusammenhänge erschließen sich allerdings auch nicht auf den ersten Blick.
Mittlerweile aber ist klar: Wenn Dr. Wolff in China Fernsehwerbung für das Koffein-Shampoo von Alpecin schaltet, steigen die Verkaufszahlen in Deutschland für kurze Zeit sprunghaft an.
Dahinter steckt ein Phänomen, das vor allem Eltern von Kleinkindern in Deutschland bereits kennen. Nach den Milchpulver-Skandalen in China wurden damals hierzulande die entsprechenden Vorräte an Babynahrung in Drogeriemärkten wie dm oder Rossmann aufgekauft und in die Volksrepublik geschickt.
„Chinesische Verbraucher kaufen online global ein, jetzt auch Alpecin, und zwar in Deutschland - über die Milchpulver-Route“, beschreibt Dörrenberg die Ergebnisse seiner Recherche.
Tatort ist zum Beispiel Taobao, die asiatische Entsprechung von Ebay. Auf der Internetplattform gibt es für das Suchwort „Alpecin“ gleich mehrere Hundert Treffer, unter anderem beworben mit Bildern, die erkennbar aus deutschen Drogeriemärkten stammen.
Der Verkäufer hält dabei die Shampoo-Flasche in der Hand und fotografiert die Ware mit dem Regal im Hintergrund. Oder es gibt Bilder von Kassenzetteln, die als Echtheitszertifikat dienen sollen.
Der Preis für eine Flasche Koffein-Shampoo liegt bei den Taobao-Händlern vielfach bei 75 Renminbi, was umgerechnet gut zehn Euro entspricht - und damit rund dem Doppelten des Ladenpreises in Deutschland.
„Volles Haar genießt in Asien besondere Bedeutung“, erklärt sich Dörrenberg den ungewöhnlichen neuen Vertriebsweg und verweist auf eine von ihm selbst in Auftrag gegebene Umfrage, nach der asiatische Männer auf Lebensjahre verzichten würden, wenn sie im Gegenzug keine Glatze bekämen.
Einschreiten will er nicht. „Das ist eben der globale Handel.“ Zum Glück habe Dr. Wolff genug Ware, um die deutschen Konsumenten weiter zu bedienen. „Solange es unsere Originalprodukte sind, die aus unserer Fabrik kommen, ist das also eher ein Luxusproblem.“
Dennoch wundert sich Unternehmer Dörrenberg über die neuen Verkaufsrouten seiner Produkte. Denn eigentlich ginge es für die chinesischen Verbraucher auch deutlich billiger - über den Hersteller selbst.
Seit April 2016 hat Dr. Wolff ein eigenes Vertriebsbüro in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai. Dazu gibt es den Standort Singapur, an den Dörrenberg selbst vor zweieinhalb Jahren mitsamt der Familie umgezogen ist, um die Expansion in Asien voranzutreiben.
Mittlerweile geht schon jedes vierte für das Auslandsgeschäft hergestellte Alpecin-Produkt nach Fernost, heißt es bei dem Unternehmen, das vor Ort mit Vertriebspartnern zusammenarbeitet. Allein vom Koffein-Shampoo seien schon über sechs Millionen Flaschen in den neuen Wachstumsmärkten verkauft worden.
Das macht sich auch in der Bilanz bemerkbar. 2016 stieg der Umsatz von Dr. Wolff im zwölften Jahr in Folge vorläufigen Zahlen zufolge auf rund 290 Millionen Euro. Das sind knapp 15 Millionen Euro mehr als noch 2015.
Damit allerdings zeigt man sich beim Familienunternehmen nicht zufrieden. „2016 war ein Jahr des Übergangs, 2017 werden wir nicht nur in Asien mit unseren starken, innovativen Marken weiter global expandieren“, kündigt Geschäftsführer Dörrenberg an.
Und dabei greifen die Ostwestfalen auch auf den aus der deutschen TV-Werbung bekannten Laborchef Dr. Klenk zurück. Denn den gibt es wirklich. „Dr. Klenk ist für uns zurzeit in Asien unterwegs und spricht auf Kongressen und Pressekonferenzen“, sagt ein Unternehmenssprecher.
Bei allem Internationalisierungsdrang soll aber auch der Heimatstandort gestärkt werden. 2017 sollen die Produktions- und Logistikkapazitäten in Bielefeld erweitert werden.
Auch chinesische Männer fürchten sich vor einer Glatze. Eine Studie im Auftrag des Kosmetikherstellers Dr. Kurt Wolff ergab, dass die Haarpracht in China "ein ganz wichtiges und zudem heikles Thema" ist, drängender sogar als die Angst vor sexuellen Problemen.
Um den Verkauf von Haarpflegeprodukten der Marke Alpecin in China vorzubereiten, ließen die Bielefelder mehr als 500 chinesische Männer befragen. 45 Prozent der Befragten hätten zugegeben, dass sie an Haarausfall leiden, darunter auch jeder Dritte der unter 30- Jährigen.
Wie Dr.-Wolff-Sprecherin Eva Gertz sagte, will das Unternehmen den China-Vertrieb zunächst in der Wirtschaftsmetropole Hongkong (mehr als sieben Millionen Einwohner) starten. Vertriebspartner sei die Firma DKSH, die 150 Vertretungen in 13 Ländern unterhalte.
Um den Markt zu sondieren, sei auch Dr.-Wolff-Forschungsleiter Adolf Klenk in Asien gewesen. Eine Infoveranstaltung mit Klenk sei bei der dortigen Presse "gut angekommen", so Gertz.
Neben den koffeinhaltigen Alpecin-Shampoos sollen in China auch Produkte der Marke Plantur 39 (Haarpflege für Frauen) und die Scheidencreme Vagisan verkauft werden. Wenn der Verkauf in Hongkong erfolgreich ist, will Dr. Wolff weitere chinesische Städte erobern.
Im Nahen Osten erziele die expansionswillige Gruppe bereits gute Umsätze, so Gertz. "Koffein verhindert Haarausfall", schrieb dir Hongkonger Zeitung Metro Daily mit Bezug auf Alpecin-Aufklärer Dr.
Die Dr.-Wolff-Gruppe hat in den vergangenen Jahren wiederholt Werbung mit prominenten Illustrationen gemacht. Für das Alpecin Haarshampoo "Power Grau" zum Beispiel wurde das Konterfei des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier eingesetzt - ohne Absprache. "Er hat es mit viel Humor genommen", sagt Dr.-Wolff-Sprecherin Eva Gertz.
Die Bertelsmann Verlagstochter Random House hat sich jetzt jedoch quer gestellt, nachdem eine Werbung für Dr.-Wolffs Creme "Vagisan" (gegen Scheidentrockenheit) mit dem Cover des Erotik-Romans "Shades of Grey" bebildert war.
| Region | Wichtige Fakten |
|---|---|
| China |
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| Hongkong |
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| Singapur |
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| Naher Osten |
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Die Popularität von Alpecin Shampoo in Dubai und China ist ein faszinierendes Beispiel für den globalen Handel und die kulturellen Unterschiede in der Wahrnehmung von Schönheit und Gesundheit.
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