Zelltherapie gegen Haarausfall: Studien und innovative Ansätze

Haarausfall betrifft Millionen Menschen weltweit, sowohl Männer als auch Frauen, jung und alt. Die Ursachen sind vielfältig und können genetisch, hormonell, ernährungsbedingt oder krankheitsbedingt sein. Obwohl es zahlreiche Therapien gibt, bleibt die Suche nach einer wirklich regenerativen Lösung oft frustrierend.

Formen von Haarausfall

  • Erblich bedingter Haarausfall: Bei Männern durch eine allmähliche Ausdünnung der Haare gekennzeichnet, die häufig am Haaransatz, an den seitlichen Stirnseiten und im Bereich der Tonsur beginnt. Bei Frauen beginnt es meist mit einer Ausdünnung des Mittelscheitels.
  • Kreisrunder Haarausfall: Bei der Alopecia areata treten plötzlich kreisrunde, kahle Stellen auf der Kopfhaut oder an anderen Körperstellen auf. Diese Autoimmunerkrankung entsteht, wenn das Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel angreift.
  • Vernarbende Alopezie: Hierbei handelt es sich um einen irreversiblen Haarausfall, bei dem der Haarfollikel durch Narbengewebe ersetzt wird.

Grundlagen der Zelltherapie bei Haarausfall

Jedes Haar ist eine biologische Einheit, die aus Nervenfasern, Talgdrüsen, einem kleinen Muskel, Kollagen und Blutgefäßen besteht. Je nach der eigenen Genetik wird das Haar mit zunehmendem Alter lichter.

Bei männlich-bedingtem Haarausfall ist das Epithel, d. h. die zelluläre Umkleidung des Haares anfällig auf das im Blut natürlich vorkommende Testosteron. Dabei haben diese Personen keinen erhöhten Testosteronspiegel (in der Regel), sondern nur eine erhöhte Ansprechbarkeit auf das vorhandene natürliche Testosteron. Als Folge kommt es zunächst zu einem langsameren Haarwachstum und im Verlauf zu einem Schrumpfen des Haarfollikels und im weiteren Verlauf zu einem völligen Untergang desselben.

Dieses Wissen bedingt, dass sämtliche Therapien zur Vermeidung oder Reduzierung eines männlich-bedingten Haarausfalls frühzeitig vor einer teilweisen Glatzenbildung erfolgen sollten. Bei rechtzeitiger Therapie und Verhinderung des fortschreitenden Ausfalls von Haaren kann eine Haartransplantation durchaus vermieden werden.

Stammzelltherapie

Die Stammzellentherapie wird jedoch selten als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt, da sie in Kombination mit anderen Therapien und Behandlungsansätzen die Wirkung gegen Haarausfall verstärkt. Die Stammzelltherapie sollte mit anderen regenerativen Therapien kombiniert werden, um die Wirksamkeit zu erhöhen.

Es gibt mehrere Studien, die die Wirksamkeit der Stammzelltherapie bei Haarausfall untersuchen:

  • Salk Institute: Diese Forschung findet einen überraschenden Zusammenhang zwischen dem Immunsystem und Haarwachstum, wobei Stammzellen eine wichtige Rolle spielen.
  • Universität zu Köln: Diese Studie beschäftigt sich mit einem neuen Mechanismus, der die Langlebigkeit von Stammzellen steuert und somit möglicherweise Haarausfall verhindern kann.
  • Universität von Kalifornien: Diese Studie befasst sich mit der Rolle des Hedgehog-Signalwegs in der Regulation von Haarfollikel-Stammzellen.

Gewinnung und Aufbereitung von Stammzellen

Grundsätzlich müssen Stammzellen zunächst gewonnen und aufbereitet werden. Dies kann auf zwei Arten geschehen: Aus Fettgewebe oder aus Haarfollikeln.

  1. Das erste Reservoir ist das Fettgewebe: Mittels einer Spritze wird ein geringes Volumen an Unterhautfettgewebe des Patienten entnommen.
  2. Das zweite Reservoir sind die Haarfollikel: Die Gewinnung autologer Stammzellen aus Haaren erfolgt nach der etablierten Methode der Follicular Unit Extraction (FUE).

In den allermeisten Fällen greifen wir jedoch auf Stammzellen aus dem Fettgewebe zurück, da diese undifferenzierter sind und die Haarfollikel geschont werden.

Ablauf der Stammzelltherapie

  1. Gewinnung der Stammzellen: Stammzellen werden aus Fettgewebe oder Haarfollikeln gewonnen.
  2. Separation der Stammzellen: Die Stammzellen werden durch ein spezielles Präparationsverfahren isoliert.
  3. Injektion der Stammzellen: Die Injektion der Stammzellen in die Kopfhaut erfolgt mit einer Mesopistole.

Die Injektion von isolierten Stammzellen kann das Zellwachstum und die Zellvermehrung in degenerierten Haarfollikeln, die von Haarausfall betroffen sind, stimulieren.

Regenera-Activa®

Seit ca. 2 Jahren wird die hocheffektive Stimulation der Haarfollikel mit eigenen Follikelstammzellen und Stammzellextrakten - „Regenera-Activa® - durchgeführt. Bei der autologen Stammzelltransplantation werden zu Beginn unter örtlicher Betäubung 3 Hautproben mit je einem Durchmesser von 2,5 mm hinter dem Ohr aus der Kopfhaut entnommen. Die Gewebestücke werden in einer zweimaligen Prozedur in einem speziellen Mikrodermatom auf zelluläre Bestandteile verkleinert. Nach Filtration bleibt eine zellhaltige Suspension zurück, die mittels steriler Kochsalzlösung auf 6 ml angereichert wird. Diese 6 ml werden in 60 kleinen Mikroinjektionen á 0,1 ml subkutan in die Kopfhaut in die Regionen noch vorhandener, geschrumpfter Haarfollikel injiziert.

Die Sitzung dauert ca. Sichtbare Ergebnisse sind frühestens in 4 Monaten erkennbar. Es handelt sich um eine einmalige Behandlung, die ggf. nach 5 Jahren wiederholt werden kann.

Wirkt die Stammzellentherapie gegen alle Formen von Haarausfall?

PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma)

PRP steht für „Plättchen-reiches Plasma“ (engl: Platelet-Rich Plasma). Unser Blut enthält verschiedenste lebende Zellen. Bei PRP handelt es sich um das konzentrierte, angereichertes Blutplasma des Patienten.

Diese Therapie wurde bereits mehrfach publiziert und ist eine Standardtherapie bei Haarausfall geworden. Es ist bekannt, dass insbesondere in den eigenen Blutplättchen viele Wachstumsfaktoren die umgebenen Epithelzellen eines Haarfollikels direkt zu stimulieren vermögen.

Das PRP kann an der Haarwurzel in der Kopfhaut eine Verjüngung und Zell-Regeneration anregen. Diese sog. autologe Zellregeneration kann Haarausfall stoppen und das Haarwachstum anregen.

Ablauf der PRP-Therapie

  1. Blutentnahme: Vor der Behandlung wird dem Patienten eine kleine Menge Blut entnommen.
  2. Zentrifugation: Das Blut wird zentrifugiert, um das PRP zu gewinnen.
  3. Injektion: Das PRP wird mittels kleiner Injektionen in die gewünschten Kopfhautareale injiziert.

Wirkung der PRP-Therapie

  • PRP stimuliert die Stammzellen der Haarwurzeln.
  • PRP verbessert die Blutzirkulation des jungen Haares und der Haarwurzeln.
  • PRP regeneriert absterbende Haarwurzeln.
  • Der Haarausfall wird verlangsamt und das Wachstum neuer Haare beschleunigt.

Studien zur PRP-Therapie

Die Wirksamkeit von PRP bei Haarausfall ist ein Thema, das von vielen Studien untersucht wurde. Hier einige Beispiele:

  • Eine Studie im Journal of Cutaneous and Aesthetic Surgery zeigte signifikante Verbesserungen des Haarwachstums bei Patienten mit androgenetischer Alopezie nach sechs PRP-Sitzungen.
  • Eine Studie im Journal of Cosmetic Dermatology untersuchte die Wirkung von PRP bei Frauen mit diffusem Haarausfall und fand heraus, dass die Behandlung das Haarwachstum stimulieren und die Haardichte erhöhen kann.
  • Eine italienische Studie in Padua bestätigte eine Zunahme der Haardichte bei 80 % der Patienten mit androgenetischem diffusem Haarausfall nach PRP-Therapie.

PRP-Therapie: Details

Wir empfehlen 5 Sitzungen im Abstand von jeweils 4 Wochen. Aufgrund der kurzen Regenerationszeit können Sie direkt danach Ihren alltäglichen Aufgaben wie gewohnt nachgehen.

Weitere Therapieansätze in Kombination mit Zelltherapie

Die Stammzelltherapie wird jedoch selten als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt, da sie in Kombination mit anderen Therapien und Behandlungsansätzen die Wirkung gegen Haarausfall verstärkt. Die Stammzelltherapie sollte mit anderen regenerativen Therapien kombiniert werden, um die Wirksamkeit zu erhöhen.

  • PRP-Therapie: Durch Abtrennung der wertvollsten Blutbestandteile gewinnen wir Plasma, das reich an Wachstumsfaktoren und Nährstoffen ist.
  • LLLT (Low-Level-Laser-Therapie): Die Behandlung der Kopfhaut mit sanftem Laserlicht wirkt entzündungshemmend und fördert die Durchblutung, die für ein gesundes Haarwachstum wichtig ist.
  • Infusionstherapie: Bei dieser Therapie werden Mangelzustände im Körper erkannt und durch Zufuhr genau dieser Stoffe neutralisiert.
  • Meso-Therapie: Bei dieser Therapie werden Vitamine, Mineralien und Aminosäuren direkt in die mittlere Hautschicht injiziert.

Exosomen-Therapie

Exosomen sind winzige, membranumhüllte Vesikel - also kleine Bläschen - die von Zellen abgesondert werden. Sie enthalten eine Vielzahl biologisch aktiver Moleküle: Proteine, Lipide, mRNA, microRNA und andere Signalstoffe. Ihre Hauptfunktion ist die Kommunikation zwischen Zellen.

Studien zeigen, dass Exosomen die Expression von Wachstumsfaktoren wie VEGF und IGF-1 erhöhen können - beides wichtige Moleküle für die Durchblutung und Vitalität der Haarwurzel. Gleichzeitig reduzieren sie proinflammatorische Zytokine, also Botenstoffe, die Entzündungen fördern.

Die Exosomen werden direkt in die Kopfhaut injiziert - meist in die betroffenen Areale mit dünner werdendem Haar. Der Eingriff dauert etwa 30 bis 60 Minuten, ist nahezu schmerzfrei und erfordert keine Ausfallzeit.

Klinische Studie mit CAR-T-Zellen als Hoffnungsschimmer

Im März 2021 erhielt Thu-Thao V. als weltweit erste Patientin CAR-T-Zellen gegen die Autoimmunerkrankung Systemischer Lupus erythematodes (SLE). Weil verschiedene immununterdrückende Therapien bei Thu-Thao V. fehlschlugen, waren gentechnisch veränderte Immunzellen - sogenannte CAR-T-Zellen - ihre letzte Hoffnung. Sie sollten diejenigen Immunzellen (B-Zellen) zerstören, die für die Bildung der schädlichen Autoantikörper verantwortlich waren - und genau das taten die per Infusion verabreichten CAR-T-Zellen dann auch.

Bereits wenige Wochen später ging es der jungen Frau wieder gut: Die Gelenkschmerzen und die gerötete Haut verschwanden, Herz und Nieren erholten sich, Atmung und Schlaf wurden wieder normal, das starke Herzklopfen und der Haarausfall gingen zurück. Statt einer Perücke wie noch 2021 hat sie heute wieder eigene lange Haare.

Weitere Aspekte und Empfehlungen

Neben den genannten Therapien spielen auch der Lebensstil und die richtige Haarpflege eine wichtige Rolle:

  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, ggf. in Absprache mit dem Arzt speziell angepasst, kann die Haargesundheit unterstützen.
  • Schonende Haarpflege: Die Haarpflege sollte schonend und frei von unnötigen Chemikalien sein.

Grundsätzlich ist die Stammzelltherapie minimalinvasiv, narbenfrei und wird mit körpereigenen Stammzellen durchgeführt. Sie ist risikoarm, gut verträglich und wirkungsvoll - insbesondere wenn sie mit anderen Therapien kombiniert wird.

Zusammenfassung

Die Zelltherapie bietet vielversprechende Ansätze zur Behandlung von Haarausfall. Stammzelltherapie, PRP-Therapie und Exosomen-Therapie sind innovative Methoden, die in Kombination mit anderen Therapien und einem gesunden Lebensstil zu einer Verbesserung des Haarwachstums und der Haardichte führen können. Es ist wichtig, sich von einem Facharzt beraten zu lassen, um die individuell passende Therapie zu finden.

Überblick über Zelltherapie-Optionen bei Haarausfall
Therapie Beschreibung Wirkung
Stammzelltherapie Verwendung von Stammzellen aus Fettgewebe oder Haarfollikeln zur Regeneration der Haarfollikel. Stimuliert Zellwachstum und -vermehrung in degenerierten Haarfollikeln.
PRP-Therapie Injektion von plättchenreichem Plasma (PRP) in die Kopfhaut. Stimuliert Stammzellen der Haarwurzeln, verbessert die Blutzirkulation, regeneriert absterbende Haarwurzeln.
Exosomen-Therapie Injektion von Exosomen (kleinen Vesikeln mit biologisch aktiven Molekülen) in die Kopfhaut. Erhöht die Expression von Wachstumsfaktoren, reduziert Entzündungen.

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