Viele Hundebesitzer kennen das Problem: Ihr Hund hat Schuppen. Oft haben die kleinen weißen Flocken im Fell eine ganz harmlose Ursache. Schuppen sind bei uns Menschen nicht ungewöhnlich - und meist machen wir auch keine große Sache aus ihnen. Bei Hunden ist die Sache ein klein wenig komplizierter. Denn obwohl die Ursache bei ihnen ebenfalls ganz harmlos sein kann, ist es wichtig, die Anzeichen richtig zu deuten und gegebenenfalls zu handeln.
Wie erkennt man Schuppen beim Hund?
Oft findet man bei Hunden kleine, feine, weiße oder graue Schuppen, die vor allem im Fell am Rumpf bzw. am Rücken auffallen. Es kann aber auch zu anhaftenden, fast krustenartigen Schuppen an einzelnen Körperstellen kommen. Erst wenn die einzelnen Zellen aneinander „kleben“ bleiben, entstehen so große Strukturen, dass wir sie mit dem bloßen Auge als Schuppen sehen können. Die Schuppenbildung ist streng genommen nur ein Signal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Treten Hautschuppen beim Hund über den ganzen Körper verteilt auf, reden Tierärzte hierbei von einer generalisierten Form. Ist nur eine bestimmte Hautstelle von den Schuppen betroffen, handelt es sich um eine lokalisierte Form. Besonders häufig haben Hunde im Bereich der Schwanzwurzel Hautschuppen. Der Ort der betroffenen Hautstelle kann ein wichtiger Hinweis für die zugrunde liegende Ursache sein. So sind Schuppen im Fell der Ohren und des Kopfes typisch für einen Milbenbefall.
Ursachen von Schuppen beim Hund
Die Haut von uns allen - Hunden, Katzen und Menschen - erneuert sich ständig. Von unten kommen neue Hautzellen nach, während die oberen Zellen absterben und einfach abfallen. Das passiert andauernd und ist völlig normal. Dazu kann es z.B. kommen, wenn die Luft im Raum besonders trocken ist, kann dies Reaktionen der Haut auslösen und die Talgproduktion beeinträchtigen, was zu Schuppenbildung führen kann. Im Winter sinken die Temperaturen und der Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Genau wie bei uns Menschen kann das die Haut austrocknen. Heizungen können das Problem noch verschlimmern.
Wie aus dem Lehrbuch - allergische Symptome beim Hund
Es gibt viele mögliche Ursachen für Schuppen bei Hunden. Hier sind einige der häufigsten:
- Trockene Luft: Trockene Luft kann die Haut austrocknen und zu Schuppenbildung führen.
- Zu häufiges Shampoonieren: Zu häufiges Baden kann die Haut austrocknen. Zu häufiges Baden kann die Haut deines Hundes austrocknen und den pH-Wert, sowie die natürlich vorkommenden Fettschichten der Haut schädigen.
- Systemische Erkrankungen: Verschiedene systemische Erkrankungen können als Ursache für Schuppen in Frage kommen.
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Die Schilddrüse ist dabei nicht mehr in der Lage ausreichend Schilddrüsenhormone herzustellen. Manchmal sind feine Schuppen im Rumpfbereich das einzige Symptom, oft sind die Hunde aber auch etwas schlapp und müde und nehmen - obwohl nicht mehr gefüttert wird als sonst - an Gewicht zu.
- Cushing-Syndrom: Hierbei kommt es meist aufgrund eines (i.d.R. gutartigen) Tumors in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu einer krankhaft gesteigerten Produktion des Stresshormons Cortisol in den Nebennieren. Es kann aber auch zu einem sog. „iatrogenen Cushing-Syndrom“ kommen. Dabei handelt es sich in gewisser Weise um eine „künstliche“ Form der Erkrankung. Es kann entstehen, wenn einem Hund von außen meist über längere Zeit sehr viel Cortison zugeführt wird, z.B.
- Allergien: Leider sind viele unserer Hunde inzwischen von Allergien geplagt - und Schuppen können hierbei Teil der Symptome sein.
- Hautinfektionen: Häufig kommt es bei Allergien - aber auch bei vielen anderen Krankheiten, wie z.B. der Schilddrüsenunterfunktion - zusätzlich zu einer Hautinfektion mit Bakterien oder Hefepilzen. Dabei entsteht eine Entzündung, die wiederum für Schuppen verantwortlich sein kann. Häufig sind die betroffenen Hautbereiche auch gerötet und jucken.
- Hautparasiten: Eine Parasitenart namens Cheyletiellen wird aufgrund der Schuppenbildung, die bei einem Befall mit ihnen typischerweise auftritt (und aufgrund ihres Aussehens) sogar als „wandelnde Schuppen“ bezeichnet. Die kleinen Plagegeister sind hochansteckend (auch für Katzen, Kaninchen und Menschen!) und äußern sich meist durch Schuppen im Rückenbereich. Wenn sich Ihr Hund extrem stark kratzt und die Schuppen v.a. an den Ohren, den Ellbogen und eventuell am Bauch auftreten, könnte sehr gut ein Befall mit Sarcoptes-Milben (Räude) vorliegen. Demodex-Milben (Haarbalgmilben) kommen ebenfalls als Ursache für Schuppen in Frage. Meist sind nur kleinere, abgegrenzte Bereiche betroffen, an denen die Haare auch ausfallen. Juckreiz tritt i.d.R. nur auf, wenn die Bereiche zusätzlich mit Bakterien oder Hefepilzen infiziert sind.
- Hautpilz: Hautpilze (Dermatophyten, z.B. Microsporum canis) können ebenfalls für Schuppenbildung verantwortlich sein und äußern sich klassischerweise als abgegrenzte, runde, haarlose, schuppige und evtl. gerötete Hautstellen. Es kann aber auch „nur“ zu einem schuppigen Fell kommen. Die Erkrankung ist ansteckend für Menschen und andere Tiere, wie z.B.
- Unausgewogenes Futter: Auch ein Futter, das nicht ausgewogen ist und zu hohe oder niedrige Mengen bestimmter Nährstoffe enthält (z.B. zu wenig essentielle Fettsäuren oder Aminosäuren) kann zu einem spröden Fell und Schuppen v.a. führen.
- Angeborene Erkrankungen: Manchen Rassen liegt die Neigung zur Schuppenbildung sozusagen „im Blut“, z.B. Dobermann, Yorkshire Terrier, Pinscher oder Cocker Spaniel. Eine besonders schwere angeborene Form ist die überaus seltene Ichthyose.
Weitere mögliche Ursachen:
- Verschiedene lokale Veränderungen (wie z.B. Liegeschwielen an Sprunggelenken oder Ellbogen, mechanische Reizung durch das Halsband).
- Krebserkrankungen (z.B. epitheliotropes Lymphom).
- Die Zink-reaktive Dermatose (v.a. Siberian Husky, Alaskan Malamute, Bullterrier).
- Andere, zum Glück seltene Krankheiten (z.B. Arzneimittelexanthem).
- Autoimmunerkrankungen.
Diagnose von Schuppen beim Hund
Natürlich können Sie sehr gut zu Ihrem Haustierarzt gehen, wenn Ihr Hund Schuppen hat. Trotzdem möchte ich hier der Vollständigkeit halber erwähnen, dass es auch in der Tiermedizin Spezialisten für Hauterkrankungen gibt. Vor allem bei sehr schweren Fällen oder wenn der Haustierarzt nicht mehr weiterkommt, können sie eine große Hilfe sein. Wie bei jedem Tierarztbesuch stehen am Anfang ein Vorgespräch und eine allgemeine klinische Untersuchung. Hierbei schaut der Tierarzt, ob es dem Hund sonst gut geht und ob ihm neben der Schuppenbildung noch irgendwelche anderen Veränderungen auffallen. Es kann auch sein, dass Ihr Tierarzt - je nach Alter, Vorbericht und Ergebnissen der Allgemeinuntersuchung - eine Blut- und/oder Urinuntersuchung durchführt. So können Hinweise auf viele Krankheiten, wie z.B. gefunden werden.Natürlich muss sich der Tierarzt bei Schuppen aber auch die Haut Ihres Hundes genauer ansehen. Wie oben beschrieben, können verschiedene Parasiten für die Schuppen verantwortlich sein. Es gibt verschiedene Untersuchungsmethoden, die hier - je nach vermuteter Parasitenart - zum Einsatz kommen können. Im einfachsten Fall presst Ihr Tierarzt einfach ein Stück Klebeband auf die Haut bzw. das Fell Ihres Hundes. Manchmal (z.B. bei Verdacht auf Sarcoptes- oder Demodex-Milben) kann es auch nötig sein, ein sogenanntes Hautgeschabsel durchzuführen. Hierbei schabt der Tierarzt die Haut Ihres Hundes vorsichtig mit einem Skalpell ab (keine Sorge, das ist weniger schlimm als es klingt). Leider sind diese Untersuchungen teilweise (z.B. bei Sarcoptes-Milben) nur im positiven Fall beweisend - ein negatives Ergebnis schließt einen Befall also nicht aus. In beiden Fällen kann der Tierarzt dann unter dem Mikroskop erkennen, ob eine Infektion vorliegt und welche Erreger vorhanden sind. Die einfachsten und schnellsten Methoden sind hier die Betrachtung einiger ausgezupfter Haare unter dem Mikroskop (sog. Trichogramm) und die Untersuchung mit einer speziellen UV-Lampe (Wood’sche Lampe). Bei Verdacht auf einen Hautpilz sollte deswegen immer auch eine sog. Pilzkultur eingeleitet werden. Hierbei werden die Pilze auf einem speziellen Nährmedium angezüchtet. Je nachdem, welchen Verdacht der Tierarzt hat, können aber auch noch andere Untersuchungen nötig sein, z.B. eine Biopsie der Haut weiterhelfen, um im Labor die Zellen und Drüsen der tiefen Hautschichten zu analysieren.
Behandlung von Schuppen beim Hund
In den meisten Fällen sind Schuppen bei Hunden keine Krankheit, sondern ein Symptom - d.h. sie werden von irgendetwas verursacht. Die beste Möglichkeit, die Schuppen loszuwerden, ist also die Grundursache zu behandeln bzw. zu beseitigen. Wurde dagegen ein Grunderkrankung (z.B. Schilddrüsenunterfunktion) diagnostiziert, muss diese natürlich behandelt werden.
| Ursache | Behandlung |
| Parasitenbefall | Spezielle Antiparasitika wie Moxidectin. |
| Hormonelle Erkrankungen | Spezielle Medikamente (z.B. bei Schilddrüsenunterfunktion). |
| Allergien | Vermeidung der Allergene, Allergietests. |
| Bakterien- oder Pilzinfektionen | Antibiotika oder Antimykotika. |
| Trockene Haut | Regelmäßiges Bürsten, Luftbefeuchter. |
Symptomatische Therapie
Im Rahmen der symptomatischen Therapie gilt es, die sichtbaren Beschwerden zu lindern. Häufig werden spezielle, medizinische Shampoos eingesetzt. Diese enthalten besondere Wirkstoffe wie Schwefel, Salicylsäure oder Ethyllactat und wirken oft sehr gut. Massieren Sie das Shampoo gut ein, um die abgestorbenen Zellen der Haut zu lösen. Es gibt auch pflegende Sprays. Eine weitere - und in der Anwendung sehr einfache - Möglichkeit sind spezielle Spot On-Präparate. Diese enthalten viele pflegende Inhaltsstoffe (wie z.B. Ceramide) und z.B. auch essentielle Fettsäuren und wirken erfahrungsgemäß oft auch sehr gut. Unterstützend können Sie auch die Haut und das Haar Ihrer Fellnase stärken, indem Sie auf spezielle Futterergänzungsmittel mit Stoffen wie Biotin oder Folsäure zurückgreifen. In manchen Fällen kann es auch helfen, essentielle Fettsäuren (z.B. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren) zu verabreichen. Bitte lassen Sie sich bei der Auswahl eines passenden Produkts (v.a. bei Shampoos) unbedingt von Ihrem Tierarzt beraten. Manche Produkte eignen sich z.B. eher bei fettiger als bei trockener Haut. Leidet Ihr Hund unter schuppigen Liegeschwielen, kann eine pflegende Creme oder Salbe sinnvoll sein.
Vorbeugung von Schuppen beim Hund
Um einer starken Schuppenbildung bei deinem Hund vorzubeugen, ist das →richtige Futter sehr wichtig. So legt eine →artgerechte Ernährung den Grundstein für ein gesundes und langes Hundeleben. Eine regelmäßige Fellpflege ist außerdem erwähnenswert. Das heißt allerdings nicht, dass du deinen Hund viel duschen solltest! Ganz im Gegenteil: Um die Haut deines Hundes nicht zu sehr zu strapazieren und den natürlichen Fettfilm, welcher als Schutzschicht dient, nicht zu zerstören, gilt beim Thema Waschen und Shampoonieren: So oft wie nötig, so selten wie möglich!
Weitere Tipps zur Vorbeugung:
- Regelmäßiges Bürsten: Das Bürsten deines Hundes hilft, das überschüssige Hautfett in seinem Fell zu verteilen, damit es sich nicht auf der Haut ansammelt. Bürste deinen Hund einmal am Tag gründlich durch.
- Ausgewogene Ernährung: Vergewissere dich, dass dein Hund ein hochwertiges, ausgewogenes Hundefutter zu sich nimmt. Insbesondere essenzielle Fettsäuren wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Haut.
- Luftfeuchtigkeit: Stelle ausreichend frisches Wasser zur Verfügung. Der Dampf kann dazu beitragen, die trockene Haut zu beruhigen und mit Feuchtigkeit zu versorgen, damit dein Hund sich wohler fühlt und weniger juckt. Eine optimale Luftfeuchtigkeit in Innenräumen liegt bei ca. 40-60%.
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