Immer wieder benutzen wir verschiedene Redewendungen und sind uns meistens dessen gar nicht so bewusst. Doch woher kommen sie eigentlich? Eine dieser Redewendungen ist: „Es fällt mir wie Schuppen von den Augen.“ Die Redensart ist heute angebracht, denn heute wird das Fest der Bekehrung des Paulus gefeiert, und auf den geht diese Redewendung zurück.
Die Redewendung bedeutet, dass jemand plötzlich eine Erkenntnis hat oder die Wahrheit erkennt. Aber woher stammt diese Redewendung?
Diese Redewendung geht auf die Bibel zurück. Der strenggläubige Jude Saulus, ein eifriger Befolger von religiösen und sonstigen Gesetzen und Vorschriften, beteiligte sich an der Verfolgung der ersten Christen. Er soll einer der schärfsten Verfolger der Jesus-Anhänger gewesen sein: der Jude Saul aus Tarsus, der als römischer Staatsbürger auch Paulus heißt. Und hätte er weiter die Gemeinden verfolgt, hätte sich das junge Christentum nicht so ausbreiten können.
Paulus war gerade nach Damaskus unterwegs, um mal wieder eine Christengemeinde hinter Schloss und Riegel zu bringen. Da hatte er dieses eigenartige Erlebnis, eben das »Damaskus-Erlebnis«. Es soll plötzlich gleißendes Licht vom Himmel gekommen sein, Paulus stürzt und ist drei Tage lang blind.
Er wurde daher von Gott mit Blindheit geschlagen, ihm wurden sogenannte Schuppen auferlegt. Mit Schuppen wurden damals bestimmte Augenkrankheiten bezeichnet, die das Sehen einschränkten. Als er in Damaskus geheilt wird, »fiel es wie Schuppen von seinen Augen«. Das steht wirklich so da. Saulus erkannte schließlich seinen Irrtum und in Luthers Bibelübersetzung heißt es "und alsbald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend".
Und dabei hat er erkannt, dass er die Christen zu Unrecht verfolgt. Der Mann hat seine neue Erkenntnis auch umgesetzt. Er wurde zum eifrigsten christlichen Missionar an der Wiege des Christentums.
Eine andere Herkunft dieser Redensart findet sich im Tierreich. Bei der regelmäßigen Häutung von Schlangen sind die Augen der Tiere durch eine transparente Schuppe geschützt, die Cornealschuppe. Diese ist weiß und undurchsichtig und schränkt die Sehfähigkeit der Schlange ein, bis sie nahezu blind ist.
"Schuppe" ist eine Ableitung von "schaben" und meint im Grunde: dasjenige, was vom Fisch abgeschabt wird, bevor man ihn kocht. Auch die Kopfhaut des Menschen bildet Hautschuppen. Der Redensart liegt die mittelalterliche Vorstellung zugrunde, dass der "Star" (Blindheit) von Schuppen herrührt, die das Auge verdecken und die man durchstechen kann (siehe auch "jemandem den Star stechen").
Paulus ist, so erzählt es die Bibel, ein Hardliner. Er kennt keine Kompromisse. Vor allem, wenn es um die Verfolgung von Christen geht. Er jagt sie in Jerusalem, dann auch in Damaskus. Auf dem Weg dorthin hat er eine Erleuchtung. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ein helles Licht umstrahlt ihn. Er kann nichts mehr sehen, stürzt hin. Und er hört eine Stimme: „Warum verfolgst du mich?“. Die Stimme schickt Paulus in die Stadt, dort soll der Christenjäger auf weitere Anweisungen warten. Der blinde Paulus wankt in die Stadt. Und wartet. Drei Tage lang. Dann kommt ein Mann zu ihm. Er legt ihm die Hände auf. Er betet. Sagt, dass Paulus wieder sehen soll. Da fällt es ihm wie Schuppen von den Augen.
Im doppelten Sinn: Paulus kann wieder sehen - und er blickt durch, er kapiert etwas. Er kapiert nämlich, dass sein Handeln falsch ist. In religiöser Sprache: Er bekehrt sich. Er gewinnt eine neue Sicht auf sich und die Welt.
Die Redensart „Es fällt mir wie Schuppen von den Augen“ illustriert das. Die greift nämlich die Vorstellung auf, dass Blindheit von Schuppen herrührt, die das Auge verdecken. Schuppen, wie sie ein Fisch hat. Die Schuppen beim Fisch müssen abgeschabt werden, bevor er gekocht und gegessen wird. Der Fisch schmeckt nur ohne Schuppen. Genauso kann ich nur sehen, wenn ich keine Schuppen auf den Augen habe.
Dass mir die Schuppen von den Augen fallen, das gilt in vielen Situationen. Immer da, wo ich einen bestimmten Blick auf die Welt, mein Leben, andere Menschen habe. Denn da stehe ich in der Gefahr, meine Sicht absolut zu setzen. Nur das zu sehen, was ich sehen will. Auch das ist eine Form der Blindheit. Wenn mir aber die Schuppen von den Augen fallen, kann ich mehr sehen: Ich entdecke am anderen Menschen neue Seiten, ich sehe mehr Aspekte einer Sache, mir geht ein Licht auf. Und vielleicht entdecke ich auch Gott - mitten in der Welt. In einem Menschen, der mit mir spricht.
Die Redewendung "Wie Schuppen von den Augen fallen" hat ihren Ursprung in der Bibel und beschreibt den Moment, in dem jemand plötzlich eine wichtige Erkenntnis gewinnt oder die Wahrheit erkennt. Sie kann sowohl im religiösen als auch im alltäglichen Kontext verwendet werden.
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