Haarausfall ist für viele Männer ein sensibles Thema. Es ist wichtig, sich ärztlichen Rat zu suchen, sobald man merkt, dass die Haare schwinden, um rechtzeitig handeln zu können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Haarausfall bei Männern und stellt verschiedene Therapiemöglichkeiten vor.
Der häufigste Grund für Haarausfall bei Männern ist die Genetik. Der erblich bedingte Haarausfall ist unter Männern so stark verbreitet, dass Männer über 70 mit vollem Haupthaar gegenüber den zumindest teilweise kahlköpfigen Vertretern ihrer Generation eindeutig in der Minderheit sind. So störend viele ihn auch empfinden: Erblich bedingter Haarausfall ist keine Erkrankung, sondern ein „normales“ Programm des Körpers.
Dabei reagieren die Zellen in den Haarwurzeln zunehmend empfindlicher auf Dihydrotestosteron (DHT), ein Spaltprodukt des körpereigenen Testosterons. Diese wachsende Überempfindlichkeit führt dazu, dass sich die Wachstumsphase der Kopfhaare zunehmend verkürzt, und die Haarwurzel immer kleiner, kraftloser und schwächer wird, bis sie schließlich verkümmert.
Männlicher Haarausfall kann aber auch andere Ursachen als diesen genetischen Prozess haben: Autoimmunkrankheiten oder Stress, unausgewogene Ernährung, Hormonschwankungen und medikamentöse Effekte zum Beispiel.
Typischerweise zeigt sich der anlagebedingte Haarausfall zunächst an den Schläfen und der Stirn (Geheimratsrecken) und kann sich im weiteren Verlauf zu einer Stirnglatze oder Vollglatze vergrößern. Häufig sieht man auch das Ausdünnen des Haares am oberen Hinterkopf als „Tonsur“. Insgesamt sind 60 Prozent aller Männer von anlagebedingtem Haarausfall betroffen.
Wann der Haarverlust beginnt und wie stark er sich auf dem Kopf ausbreitet, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Viele Männer entdecken ihre Neigung zu Geheimratsecken bereits vor ihrem 35. Geburtstag, bei anderen setzt der Prozess erst später ein. Mit mehr als 70 Jahren ist ein volles Haupthaar dann bereits fast eine Rarität: 80 Prozent aller über 70-jährigen sind von genetisch bedingtem Haarausfall betroffen.
Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall. Wer beobachtet, dass ihm Haare in größerer Zahl ausfallen, sollte dies bei seiner Hausärztin oder seinem Dermatologen untersuchen lassen. Denn nur, wenn die Art des Haarausfalls diagnostiziert wird, kann die Therapie auch erfolgreich sein.
Das sind die wichtigsten Arten von Haarausfall bei Männern:
Um Haarausfall wirksam zu behandeln, ist es wichtig, rechtzeitig die Art des Haarausfalls zu bestimmen und mit der Behandlung zu beginnen. Das sind die wichtigsten Behandlungsstrategien:
Zur Behandlung von anlagebedingtem Haarausfall stehen bei Männern seit einigen Jahren zwei wissenschaftlich in ihrer Wirksamkeit bestätigte Medikamente zur Verfügung:
Beide Behandlungsansätze erfordern Geduld und man sieht erst nach einigen Monaten die ersten Erfolge. Zu Bedenken ist: Sie müssen dauerhaft, also im Zweifelsfall lebenslang, fortgeführt werden. Sonst beginnt der Haarausfall erneut. Hier gilt es gut abzuwägen, denn es handelt sich bei beiden Behandlungsformen um den Einsatz von echten Medikamenten - mit den damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen. Ob die möglichen gesundheitlichen Effekte wegen eines kosmetischen Bedürfnisses gerechtfertigt sind, muss letztlich der Patient für sich entscheiden.
Zu den möglichen Nebenwirkungen der hormonellen Behandlung mit Finasterid gehören: Verminderung der Libido (verminderter Sexualtrieb), Potenzstörungen und Unverträglichkeitsreaktionen.
Zu den möglichen Nebenwirklungen der Behandlung mit Minoxidil gehören: Herzrasen, Herzbeutelentzündung, Wassereinlagerungen, Schwindel und Benommenheit.
Was hilft bei anderen Formen von männlichem Haarausfall?
Dr. Uwe Schwichtenberg rät:
Eine Haartransplantation kann eine Option sein - aber nur bei anlagebedingtem Haarausfall und nur, wenn noch genügend Spenderhaare am Hinterkopf vorhanden sind. Auch hier ist es also wichtig, rechtzeitig zu handeln. Denn es können nur eigene Haare transplantiert werden und nur solche, deren Wurzel nicht empfindlich auf DHT reagiert. Das ist bei den Haaren am unteren Hinterkopf sehr oft der Fall.
Es gibt zwei Transplantationsformen: Zum einen von einzelnen Haarfolikeln, die in die kahlen Stellen eingesetzt werden, zum anderen die Entnahme eines Hautstreifens vom Hinterkopf, die in Haargruppen unterteilt werden.
Wer darüber nachdenkt, sollte unbedingt auf eine gute Beratung und einen erfahrenen Arzt setzen. Denn eine Haartransplantation ist als ein operativer Eingriff mit den üblichen OP-Risiken verbunden, kann aber auch bei handwerklich schlechter Arbeit schlicht zu unnatürlich wirkenden Ergebnissen führen. Haartransplantationen gelten grundsätzlich als Schönheitsoperationen und müssen somit vom Patienten selbst bezahlt werden.
Wichtig ist in jedem Fall, nicht mit überzogenen Erwartungen an so eine Transplantation heranzugehen: Sie kann zwar das Erscheinungsbild deutlich verbessern, aber, schon wegen des begrenzten Spendermaterials. nicht die vergangene Haarpracht in aller Fülle wiederherstellen. Von der Glatze zur Rasterlocken-Mähne, das ist einfach nicht realistisch. Aber bei vorrückenden Geheimratsecken lassen sich solide Verbesserungen erzielen.
| Behandlungsart | Beschreibung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Finasterid | Hemmt DHT, stoppt Haarausfall | Anlagebedingter Haarausfall |
| Minoxidil | Fördert die Durchblutung der Kopfhaut | Anlagebedingter Haarausfall |
| Kortison | Hemmt Autoimmunreaktion | Kreisrunder Haarausfall |
| Haartransplantation | Verpflanzung von Eigenhaar | Anlagebedingter Haarausfall |
Nicht jeder Haarausfall ist sofort ein Grund zur Sorge. Aber bei Andauern des Haarausfalls sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären. Das gilt besonders, wenn sich zusätzlich zum Haarausfall auch noch Veränderungen an der Kopfhaut wie Rötungen oder Entzündungen beobachten lassen.
Möchte man dem anlagebedingten Haarausfall energisch entgegenwirken, lohnt sich ebenfalls der rechtzeitige Weg zum Dermatologen. Denn je früher hier mit der medikamentösen Behandlung begonnen wird, umso mehr Haarwurzeln - und damit Haare - lassen sich auch erhalten.
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