Haarausfall nach OP: Ursachen und Dauer

Nach einem operativen Eingriff klagen viele Patientinnen und Patienten über Haarausfall. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Haare ausfallen - oft in Form von diffusem Haarausfall -, und dies kann sowohl auf eine körperliche als auch psychische Belastung hindeuten. Doch warum kommt es überhaupt zu Haarausfall nach einer Operation und wie lange dauert dieser Zustand an?

Ursachen für Haarausfall nach Operationen

Mehrere Faktoren können Haarausfall nach einer Operation verursachen.

  1. Ein wesentlicher Grund ist die körperliche Belastung durch den operativen Eingriff. Während einer Operation wird der Körper einer starken Belastung ausgesetzt. Eine Narkose bedeutet für den Körper immensen Stress. Und dieser Stress wiederum kann in Kombination mit Medikamenten mit vermehrtem Haarausfall im Zusammenhang stehen.
  2. Zudem setzen sich viele Menschen vor einem operativen Eingriff selbst unter Stress oder sie haben Angst vor der Operation. Das sind alles Faktoren, warum Menschen von einem massiven Haarausfall nach einer Narkose betroffen sein können.
  3. Hormonelle Veränderungen können eine weitere Ursache sein.
  4. Auch die Einnahme von Medikamenten kann eine Rolle spielen.

Dieser Zustand wird als telogenes Effluvium bezeichnet. Bei diffusem Haarausfall treten mehr feine Haare gleichzeitig in die Ruhephase (Telogenphase) ein, an deren Ende sie ausfallen.

Normalerweise ist es so, dass der Haarausfall zeitversetzt zum eigentlichen Ereignis - der Operation - auftritt. In der Regel fallen die Haare acht bis zwölf Wochen nach dem Eingriff aus. Das ist dem Haarzyklus geschuldet. Typischerweise beginnt der Haarausfall nach einer Narkose etwa drei bis sechs Monate nach dem operativen Eingriff. In dieser Zeit wechseln die Haarfollikel in die Ruhephase, und es kommt zu einem vorübergehenden, diffusen Haarausfall.

Der Haarwachstumszyklus

Haarausfall nach bariatrischen Operationen

Haarausfall nach einer bariatrischen Operation kann bei bis zu 41% der Patienten auftreten. Es wird häufig mit einem Mangel an Proteinen und Mikronährstoffen wie Zink und Eisen in Verbindung gebracht. Die Operation selbst ist ein stressiger Zustand, der von verschiedenen hormonellen Reaktionen begleitet wird, die zusätzlich zum physischen und psychischen Stress der bariatrischen Chirurgie das Haarwachstum beeinflussen können.

Der Grad des Haarausfalls ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Bei Patienten mit einer Schlauchmagen-Operation ist die Häufigkeit von Haarausfall gering, da es sich um eine rein restriktive Operation ohne malabsorptive Komponenten handelt. Mikronährstoffdefizite können jedoch eher auf eine unzureichende Aufnahme als auf eine schlechte Absorption zurückzuführen sein.

Proteinmangel ist eine der Ursachen für Haarausfall. Keratin ist ein Protein, das reich an Disulfidbindungen ist. Ein Mangel an schwefelhaltigen Aminosäuren wie Cystein und Methionin führt zur Bildung von spröden und brüchigen Haaren und anschließendem Haarausfall.

Forscher haben festgestellt, dass Nährstoffmängel die Anagenphase verkürzen und dazu führen, dass eine große Anzahl von Haaren gleichzeitig in das Telogen übergeht. Studien haben auch gezeigt, dass eine Supplementierung mit Zink aufgrund seiner Rolle bei der Protein- und Nukleinsäuresynthese in den Haarfollikeln und anderen Körperzellen das Nachwachsen der Haare unterstützen kann.

Biotin ist ein weiterer Mikronährstoff, dessen Mangel mit Haarausfall in Verbindung gebracht wurde. Es ist eines der wasserlöslichen Vitamine des B-Komplexes (auch bekannt als Vitamin H oder Vitamin B7). Es wird jedoch von den Bakterien im Darm produziert, und ein Mangel tritt nur selten auf, außer bei Menschen mit einer angeborenen Stoffwechselstörung.

Die Vorbeugung von Haarausfall nach einer Schlauchmagen-Operation erfolgt durch eine adäquate Ernährung vor und nach der Operation. Da Haare aus Keratin, einem Faserprotein, bestehen, verhindert eine ausreichende Proteinzufuhr einen Mangel an den notwendigen Aminosäuren (Cystein und Methionin) und verringert das Risiko bzw. Nahrungsergänzungsmittel mit Mikronährstoffen wie Zink, Vitamin B12, Folsäure usw. Sie sollten sich jedoch darauf einstellen, dass diese Komplikation trotz aller notwendigen Vorbeugungsmaßnahmen auftreten kann.

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Was kann man gegen Haarausfall nach der Operation tun?

Es gibt verschiedene Strategien, die helfen können, den Haarausfall nach einer Operation zu reduzieren und das Haarwachstum langfristig zu fördern:

  1. Der erste Schritt sollte immer der Kontakt zum behandelnden Arzt sein. Ein Facharzt kann feststellen, ob der Haarausfall operativ bedingt oder durch andere Faktoren wie einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen ausgelöst wird.
  2. An erster Stelle steht die Ernährung. Wer sich vor und nach einer Operation an eine gesunde und ausgewogene Ernährung hält, sorgt dafür, dass der Körper - und damit auch die Haare - mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden. Auch die Einnahme von Nahrungsergänzungen kann hilfreich sein. Lebensmittel, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind, spielen eine wichtige Rolle, um gesundes Haar zu fördern.
  3. Eine gute Pflege der Kopfhaut ist ein weiterer wichtiger Baustein zur Förderung des Haarwachstums. Regelmäßige Kopfhautmassagen stimulieren die Durchblutung der Kopfhaut und können den natürlichen Haarzyklus unterstützen.
  4. Enorm wichtig ist die Erholung nach einer Operation. Stress ist ein wesentlicher Faktor, der Haarausfall führen kann. Nach einer Operation ist der Körper bereits stark belastet, weshalb Entspannungsübungen wie Meditation, Yoga oder regelmäßige Spaziergänge dabei helfen können, den Stresspegel zu senken. Manche Patienten setzen sich unter enormen Stress, wenn sie merken, dass ihnen die Haare ausfallen. Das ist weder für den Genesungsprozess förderlich noch für den Haarverlust.

Dauer des Haarausfalls

Betroffene Patientinnen berichten, dass sie nach einem operativen Eingriff zunächst keinen und etwas später plötzlich einen vermehrten Haarausfall feststellen. Diese Phase kann beängstigend sein, ist aber meist nur vorübergehend. So gut wie alle Betroffenen erleben, dass das Haar nach einer Operation wieder nachwächst - auch wenn es zunächst dünner erscheinen mag. In vielen Fällen beginnt der Haarausfall etwa drei bis sechs Monate nach dem Eingriff, und das Haarwachstum setzt sich dann allmählich fort.

Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu haben. Der Haarausfall nach einer OP ist ein komplexes Phänomen, das durch verschiedene Faktoren ausgelöst wird - von der körperlichen Belastung durch den operativen Eingriff über den Effekt der Narkose bis hin zu stressbedingten hormonellen Veränderungen.

Abschließend gilt: Haarausfall nach OP ist oft nur ein vorübergehendes Phänomen.

Fallbeispiel

Eine 43-jährige Frau klagt nach einer Brustrekonstruktion über Schmerzen und Rötungen am Hinterkopf. Einen Monat nach der Operation hat sie ihr Haar an der Stelle verloren. Dies wäre durch eine bessere Druckentlastung während der 13-stündigen Operation vermeidbar gewesen.

Haarige Fragen aus der Praxis von Dr. Uwe Schwichtenberg

Dr. Uwe Schwichtenberg, erfahrener Hautarzt und Experte für Haarausfall aus Bremen, teilt interessante Fragen und Antworten rund um das Thema Haarausfall aus seiner langjährigen Praxiserfahrung.

  • Frage: Kann ein operativer Eingriff unter Vollnarkose zu Haarausfall führen?
  • Antwort von Dr. Uwe Schwichtenberg: „Durch einen operativen Eingriff unter Vollnarkose kann der menschliche Körper unter ziemlich starken Stress gesetzt werden. Auch die Psyche kann bei ängstlichen Patienten allein bei dem Gedanken an die OP bereits lange vor dem eigentlichen Eingriff leiden. Doch nicht jeder, der sich einer Operation unter Vollnarkose unterzieht, muss im Anschluss über Haarausfall klagen, denn Menschen reagieren eben unterschiedlich auf körperliche Belastungen. Stress, sowohl physisch oder psychisch, ist bekanntermaßen ein potenzieller Auslöser von Haarausfall. Darüber hinaus wird diskutiert, ob die empfindlichen Haarwurzeln während einer Anästhesie nur mangelhaft versorgt werden, denn der Stoffwechsel des Körpers wird in dieser Zeit „heruntergefahren“. Umstritten ist auch die These, dass während der Narkose bestimmte Zellen der Haarwurzel ebenso wie die restliche Muskulatur des Körpers erschlaffen könnten und dies einen Haarausfall zur Folge hätte. Die Wissenschaft ist in diesem Fall noch nicht zu einer eindeutigen Erkenntnis gelangt und die aufgeführten Ursachen sind lediglich Vermutungen. Falls ein diffuser Haarausfall nach einer Narkose auftreten sollte, könnte dieser vermutlich zwei bis drei Monate nach OP einsetzen. Der zeitversetzte Haarverlust ist dem Haarwachstums-Zyklus geschuldet. Erfolgt nämlich eine Störung in der Versorgung der Haarwurzel, fällt das Haar nicht unmittelbar aus, sondern durchläuft erst einen Prozess, der mehrere Wochen dauern kann. Wie schon eingangs erwähnt, ist es nicht die Regel, dass nach einer Narkose diffuser Haarausfall einsetzt. Falls es doch so sein sollte, ist dies meist eine vorübergehende Erscheinung, die nur wenige Wochen oder Monate anhält. In dieser Zeit kann die Versorgung der Haarwurzeln mit Nährstoffen unterstützt werden, z. B. mit B-Vitaminen, Aminosäuren und Mineralstoffen.“

Medikamente als Ursache für Haarausfall

Bei der Einnahme von Medikamenten können Wirkstoffe innerhalb der Wachstumsphase über das Blut in die Haarwurzeln gelangen und dort das Haarwachstum bremsen oder sogar stoppen.

Einige Beispiele für Medikamente, die Haarausfall verursachen können:

  • Verschreibungspflichtige Beta-Blocker, die gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen verschrieben werden.
  • Häufige Einnahme von Ibuprofen als Schmerzmittel.
  • Blutverdünner wie Heparin.
  • Arzneimittel, die Retinoide enthalten, die bei Akne und einigen anderen Hautkrankheiten eingesetzt werden.
  • Antidepressiva.

Diffuser Haarausfall

Beim diffusen Haarausfall dünnt das Haar über den gesamten Kopf aus. Bemerkbar macht sich das dadurch, dass täglich mehr als 100 Haare ausfallen.

Von diffusem Haarausfall spricht man, wenn sich das Haar auf dem Kopf insgesamt ausdünnt und die Kopfhaut stärker durchschimmert als üblich. Anzeichen dafür ist, dass täglich mehr als 100 Haare ausgehen.

Anders als beim anlagebedingten oder kreisrunden Haarausfall, bilden sich beim diffusen Haarausfall üblicherweise keine kahlen Stellen. Es passiert auch nicht, dass die Haare komplett ausfallen.

Für gewöhnlich beginnt der Haarausfall zwei bis drei Monate nach dem auslösenden Ereignis. Bis die Haare wieder sichtbar nachgewachsen sind, dauert es zwischen sechs bis zwölf Monaten.

Es gibt verschiedene Faktoren, Einflüsse und Erkrankungen, die diffusen Haarausfall auslösen können:

  • Akute Stress-Situationen. Dazu zählen schwere Operationen, Verletzungen oder psychische Belastungen.
  • Geburt.
  • Wechseljahre.
  • Empfängnisverhütung mit Hormonen.
  • Infektiöse und entzündliche Erkrankungen der Kopfhaut.
  • Erkrankungen des Hormonsystems.
  • Fieberhafte Infektionskrankheiten.
  • Chronische Erkrankungen.
  • Einnahme von Medikamenten.
  • Nährstoffmangel.

Findet man den Auslöser für den diffusen Haarausfall und kann ihn beheben, wachsen die Haare innerhalb eines halben bis ganzen Jahres nach.

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