Erblicher Haarausfall: Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und neue Forschungsansätze

Erblich bedingter Haarausfall, auch bekannt als androgenetische Alopezie, ist ein weit verbreitetes Problem, das sowohl Männer als auch Frauen betrifft. Bis zu 70 Prozent der Männer sind im Laufe ihres Lebens von genetisch bedingtem Haarausfall betroffen. Auch vor Frauen macht die sogenannte androgenetische Alopezie nicht Halt. Bis zu 40 Prozent haben Probleme mit dem vererbten Haarausfall, der durch eine Überempfindlichkeit der Haare auf männliche Sexualhormone - sogenannte Androgene - verursacht wird.

Für Betroffene des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie) sind ein erhöhtes Schamgefühl und ein vermindertes Selbstbewusstsein wahrscheinlich keine Seltenheit. Kein Wunder, schließlich gelten in unserer Gesellschaft kräftige und volle Haare als Zeichen von Gesundheit und Vitalität.

Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, den Verlauf und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten des erblich bedingten Haarausfalls und gibt einen Ausblick auf neue Forschungsansätze.

Typische Anzeichen für erblich bedingten Haarausfall bei Männern sind Geheimratsecken.

Was ist erblich bedingter Haarausfall?

Der erblich bedingte Haarausfall wird als androgenetische Alopezie bezeichnet. Damit wird eine Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber dem männlichen Sexualhormon beschrieben. Liegt der genetisch bedingte Haarausfall in der Familie, ist das Risiko deutlich höher, dass auch die nachfolgenden Generationen betroffen sind.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen sind etwa 95% aller Fälle von Haarausfall durch Androgenetische Alopezie (Alopecia androgenetica, kurz "AGA") verursacht. Der Begriff "Androgenetische Alopezie" bedeutet frei übersetzt "Haarausfall durch männliche Hormone". Darunter versteht man eine Form des Haarausfalls, die durch eine veranlagungsbedingt erhöhte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber männlichen Sexualhormonen (Androgenen) ausgelöst wird.

Dabei handelt es sich um einen genetisch vorbestimmten Haarverlust, bei dem das Lebensalter eine wichtige Rolle spielt. Mit steigendem Alter nimmt bei Betroffenen der Grad der Alopecia androgenetica in der Regel zu. Er ist auch von typbedingten und familiären Veranlagungen abhängig.

Ursachen von erblich bedingtem Haarausfall

Auslöser für den erblich bedingten Haarausfall bei Männern ist in vielen Fällen der körpereigene Botenstoff DHT. Dieser wird aus dem Sexualhormon Testosteron gebildet und kann bei einer erhöhten Produktion, die sich bei einer anlagebedingten androgenetischen Alopezie zeigt, mit einer starken Empfindlichkeit der Haarwurzeln einhergehen.

Die Haarwurzeln entwickeln eine Überempfindlichkeit gegenüber DHT (Dehydrotestosteron), das aus dem körpereigenen Hormon Testosteron stammt. DHT verkleinert dabei die Haarfollikel, die dadurch eingeschränkt produzieren. Die Haare fallen schneller aus.

Ob der erblich bedingte Haarausfall wirklich bei Personen eintritt, bei denen auch die Elternteile betroffen sind, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Grundsätzlich ist das Risiko höher, doch es können auch Menschen an dem Haarverlust leiden, bei denen es keinerlei Betroffene im engsten Familienkreis gab.

DHT (Dihydrotestosteron) spielt eine zentrale Rolle bei erblich bedingtem Haarausfall.

Verlauf des erblich bedingten Haarausfalls

Der erblich bedingte Haarausfall manifestiert sich bei Männern und Frauen unterschiedlich.

Erblich bedingter Haarausfall beim Mann

Bei Männern zeigt sich der erblich bedingte Haarausfall in Form der bekannten Geheimratsecken oder der Kranzbildung am Hinterkopf. Der Haarverlust kann bis zur Glatzenbildung führen.

Der erblich bedingte Haarausfall beim Mann kann zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr beginnen. Oft setzt er mit spätestens 70 ein. Im ersten Stadium bilden sich die sogenannten Geheimratsecken, die sich nach oben ziehen und eine Stirnglatze entstehen lassen. Im weiteren Verlauf lichten sich Scheitelregion und der Hinterkopf.

Es bildet sich eine kreisförmige Glatze, bis nur noch ein Haarkranz am Hinterkopf und den Seitenbereichen zurückbleibt. Wie schnell der erblich bedingte Haarausfall beim Mann verläuft, ist unterschiedlich. Er kann innerhalb kürzester Zeit für einen deutlich sichtbaren Haarverlust sorgen oder in Schüben auftreten.

Nach dem sogenannten Hamilton-Norwood-Schema wird der Schweregrad eines genetisch bedingten Haarausfalls in sieben Stufen unterteilt:

  1. geringe Lichtung der Stirn
  2. Ausbildung von Geheimratsecken
  3. verstärkte Ausprägung der Geheimratsecken nach hinten
  4. Zurückweichen der Haare an Schläfen und Stirn
  5. kaum mehr Haare an Schläfen und Stirn
  6. Kahlheit an den Seiten
  7. übrig bleibt ein Haarkranz

Das Hamilton-Norwood-Schema zur Einteilung des Schweregrads von Haarausfall bei Männern.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen ist seltener. Sind Frauen dennoch betroffen, verlieren sie vorwiegend Haare im Bereich des Mittelscheitels. Hier dünnen die Haare nach und nach aus. Geheimratsecken oder der Verlust der Haare am Hinterkopf kommen nur bei wenigen Frauen mit genetisch bedingtem Haarausfall vor.

Die Symptome treten oftmals nach der Menopause auf. Das der genetisch bedingte Haarausfall bei Frauen bis zur Glatze führt, ist nur selten der Fall. Ursache ist ebenso die Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber einer vermehrten Produktion von Testosteron und dem Botenstoff DHT.

Bei der Frau ist die androgenetische Alopezie häufig mit einem maskulinen Behaarungstyp verbunden.

Diagnose von androgenetischer Alopezie

Durch seine charakteristische Form lässt sich der genetisch bedingte Haarausfall schnell diagnostizieren. Der Leidensdruck ist bei Betroffenen oft hoch.

Die androgenetische Alopezie ist eine klinische Diagnose, die man anhand des typischen Erscheinungsbildes stellen kann. Auch eine Familienanamnese oder ein Vergleich von früheren Fotos des Patienten mit dem aktuellen Erscheinungsbild können helfen. Eine Quantifizierung des Haarausfalls kann mit einem Trichogramm erreicht werden, bei der das aktuelle Wachstumsverhalten der Haare beurteilt werden kann.

Frauen, die sich unsicher sind, woher ihr Haarverlust kommt, sind in einer Dermatologiepraxis an der richtigen Adresse. Die Fachleute können bestimmen, ob der Haarausfall erblich bedingt ist oder beispielsweise eine Entzündung der Kopfhaut dahintersteckt.

In der Hautarztpraxis gibt es verschiedene Möglichkeiten, sowohl dem Ausmaß des Haarverlusts als auch der Ursache für das Ausfallen der Haare auf den Grund zu gehen.

Diagnose Verfahren:

  • Haarzähltest: Um festzustellen, wie leicht sich die einzelnen Haare aus der Kopfhaut lösen, zupft die Hautärztin oder der Hautarzt an unterschiedlichen Stellen des Kopfes sanft an den Haaren - ohne sie mit Gewalt herauszuziehen.
  • Trichogramm: Mögliche Veränderungen im Haarzyklus lassen sich mithilfe eines sogenannten Trichogramms herausfinden. Das Analyseverfahren dient der Haarwurzeluntersuchung. Dabei werden Haarsträhnen an verschiedenen Stellen des Kopfs in eine Klemme gespannt und ausgezogen. Die Auswertung erfolgt unter dem Lichtmikroskop.
  • Computergestützte Analyse: Eine computergestützte Analyse ist weniger schmerzvoll als das klassische Trichogramm, da dazu keine Haare ausgezupft werden müssen.
  • Blutuntersuchungen: Auch Blutuntersuchungen können dabei helfen, mögliche Ursachen für den Haarausfall herauszufinden. So kommen beispielsweise auffällige Eisen- oder Schilddrüsenwerte ans Licht.

Behandlungsmöglichkeiten von erblich bedingtem Haarausfall

Grundsätzlich ist der erblich bedingte Haarausfall keine Erkrankung und muss nicht zwangsläufig behandelt werden. Dennoch fühlen sich die meisten nicht wohl und suchen nach Lösungen, um den Ausfall der Haare zu stoppen.

Die gute Nachricht: Der erblich bedingte Haarausfall kann aufgehalten und das Haarwachstum erneut angeregt werden. Dazu ist es ratsam, einen Hausarzt oder Dermatologen zu Rate zu ziehen und eine entsprechende Therapie zu beginnen. Ein Haarspezialist kann die Maßnahmen unterstützen.

Behandlung mit Medikamenten:

Der vielversprechendste Weg, um den erblich bedingten Haarausfall zu behandeln, ist eine medikamentöse Therapie. Hier stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die den androgenetischen Haarausfall stoppen oder verlangsamen können. Hier hat sich vor allem der Wirkstoff Alfatradiol (Pantostin® Kopfhautlösung) bewährt, aber auch Minoxidil und Finasterid sind mögliche Optionen.

Die medikamentösen Therapiemöglichkeiten der androgenetischen Alopezie haben eine Gemeinsamkeit: Sie wirken nur, solange sie angewendet werden.

  • Minoxidil: Lokal auf der Kopfhaut angewandt als Lösung oder Schaum verlangsamt sich der erblich bedingte Haarausfall. Manchmal kann sogar eine Stimulation des Haarwachstums beobachtet werden. Auch die Dichte und Dicke der Haare können sich verbessern.
  • Finasterid: Das verschreibungspflichtige Medikament enthält den Wirkstoff Finasterid, der bei über neunzig Prozent der Männer in der Lage sein soll, den Haarausfall zu stoppen - wenn es regelmäßig eingenommen wird. Finasterid hemmt das DHT und blockt damit den androgenetischen Haarausfall ab.
  • Alfatradiol: Alfatradiol, der Wirkstoff in Pantostin®, wirkt, indem es das Enzym 5-α-Reduktase auf der Kopfhaut hemmt und damit an der Ursache für den erblich bedingten Haarausfall ansetzt. Dadurch wird die Bildung von Dihydrotestosteron (DHT), einem Spaltprodukt des Hormons Testosteron, reduziert, welches die Haarwurzeln schädigt.

Weitere Mittel und Optionen:

  • Unterstützung der Haargesundheit durch eine ausgewogene Ernährung
  • Kaschieren mit einem Haarschnitt oder Accessoires
  • Hausmittel, um die Durchblutung der Kopfhaut zu fördern, wie Olivenöl oder Kokosöl
  • Spezielle Pflegeprodukte

Haartransplantation:

Als letzter Ausweg steht Betroffenen mit starkem Haarausfall auch eine Haartransplantation zur Verfügung. Bei diesem Verfahren werden Haut- und Haarwurzeln aus dem gesunden Bereich des Kopfes entnommen und an den betroffenen Stellen transplantiert, wo der Haarausfall auftritt.

Diese Methode ist jedoch kostspielig, zudem können mehrere Sitzungen erforderlich sein, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen.

Bei einer Haartransplantation werden Haarwurzeln aus gesunden Bereichen in kahle transplantiert.

Neue Forschungsansätze

Eine Heilung der androgenetischen Alopezie gibt es bislang nicht - probate Mittel gegen den Haarausfall aber schon. Die wirksamsten werden allerdings chemisch hergestellt.

Nun könnte einem Forschungsteam aus England und Pakistan der Durchbruch gelungen sein. Eigentlich wollte das Team um Sheila MacNeil von der University of Sheffield und Muhammed Yar von der COMSATS University Islamabad untersuchen, wie der Zucker namens 2-Desoxy-D-Ribose (2dDR) - auch Desoxyribose genannt - zur Wundheilung beitragen kann.

Als die Forschenden die Desoxyribose in Form eines Gels auf die Wunden von Mäusen auftrugen, stellten sie aber auch noch etwas anderes fest: 2dDR kann offensichtlich nicht nur Wunden verschließen - sondern auch den Haarwuchs anregen.

Um herauszufinden, warum das so ist, stellten die Wissenschaftler*innen den menschlichen erblich bedingten Haarausfall bei Mäusen nach. Bei einer Gruppe von Mäusen trugen sie anschließend eine kleine Dosis 2dDR auf die kahlen Stellen auf. 20 Tage lang kontrollierte das Forschungsteam daraufhin das Haarwachstum der Mäuse und kam zu dem Ergebnis: Der natürlich vorkommende Zucker 2dDR ist genauso wirksam wie das chemisch hergestellte Medikament Minoxidil.

Haarausfall bei Männern! Was wirklich HILFT!

„Dieser pro-angiogene Desoxy-Ribose-Zucker kommt in der Natur vor, ist kostengünstig und stabil, und wir haben gezeigt, dass er von einer Vielzahl von Trägergelen oder Verbänden abgegeben werden kann“, sagt Yar. Das mache ihn zu einem guten Kandidaten für die weitere Forschung zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall.

Vorbeugung von erblich bedingtem Haarausfall

Wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung einer Androgenetischen Alopezie gibt es nicht. Wie Sie Ihre Haare pflegen und reinigen, beeinflusst in keiner Weise den anlagebedingten Haarausfall.

Kosmetische Haarwuchsmittel und scheinbare "Wunderwässerchen" wecken große Hoffnungen, die Wirksamkeit dieser Lotionen, Kuren, Haarwasser, Cremes etc. zur Behandlung des anlagebedingten Haarausfalls ist jedoch nicht ausreichend belegt.

Je früher Haarausfall erkannt wird, desto eher hat die Behandlung Erfolg. Denn der Erfolg wird oft erst drei Monate nach Beginn der Behandlung sichtbar.

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