Kamele sind wahre Überlebenskünstler der Wüste. Nur wenige Großtiere sind in der Lage, in den lebensfeindlichsten Regionen der Erde zu überleben. Kamele haben diverse Anpassungen entwickelt, die ihnen das Überleben in unwirtlichen Regionen ermöglichen.
Zu dieser Gattung gehören als Art das Baktrische Kamel oder Trampeltier, das sich durch zwei Höcker auszeichnet, und das Dromedar, das nur über einen Höcker verfügt. Das Baktrische Kamel hat zwei Höcker und ist ein robustes Kamel kalter Klimate, während Dromedare einen Höcker haben und Wüstenbewohner sind.
Das Dromedar (Camelus dromedarius) mit nur einem Höcker lebt in Afrika (bis ca. 1° südlicher Breite), auf der arabischen Halbinsel und in Zentralasien. Das Dromedar existiert heute nur als Nutztier. Es ist noch nicht geklärt, ob es eine Wildspezies des Dromedars gab oder ob es einen gemeinsamen Vorgänger von Trampeltier und Dromedar gab.
Das Trampeltier (Camelus bactrianus) ist an seinen zwei Höckern sofort vom Dromedar unterscheidbar. Da der Name „Kamel“ zoologisch heute als Oberbegriff für alle Kamelarten, also Trampeltier, Dromedar, Guanako, Lama, Vicunja und Alpaka benutzt wird, ist eine Benennung des baktrischen Kamels als Trampeltier üblich und bezeichnet die zweihöckerigen Kamele.
Trampeltiere sind tagaktiv und bilden Herden, die aus 6-20 Tieren bestehen. Trampeltiere haben eine Kopf-Rumpf-Länge von 225-350 cm, eine Schulterhöhe von 160-180 cm und messen bis zur Spitze ihrer Höcker 230-250 cm. Ihr Schwanz wird 35-55 cm lang. Das Gewicht liegt zwischen 450 und 1.000 kg. Die männlichen Tiere sind größer und schwerer. Trampeltiere haben im Winter ein dichtes Winterfell. Im Frühjahr fällt es in großen Fetzen ab, wodurch sie sehr zerlumpt aussehen.
Die Ähnlichkeit der Wüste und des Meeres in ihrer Weite und Lebensfeindlichkeit sowie das Schaukelnde seines Gangs bescherte dem Kamel den Beinamen Wüstenschiff, da man lange Zeit nur mit Kamelen als Transportmittel in der Lage war, die Wüste zu bereisen.
Um großflächige wasser- und nahrungslose Wüstengebiete durchqueren zu können, müssen Kamele entsprechend große Mengen an Wasser und Nahrung speichern können.In ihren Höckern lagern die Tiere für Hungerperioden Fett ein, mit dessen Hilfe sie bis zu 30 Tage ohne Nahrung auskommen. Ihren Wasservorrat, der zwischen ca. 100 und 150 l betragen kann und für eine Durstperiode von bis zu 2 Wochen ausreicht, speichern sie im Magensystem. Sie schaffen es, innerhalb von zehn Minuten über 100 Liter Wasser auf einmal zu trinken und einzulagern.
Altweltkamele verhindern eine drohende Überhitzung ihres Körpers, wie andere warmblütige Tiere auch, grundsätzlich durch die Verdunstung von Wasser. Um den dabei unvermeidlichen Wasserverlust so gering wie möglich zu halten, verfügen die Altweltkamele über zusätzliche Anpassungen an ihren Lebensraum. Hierzu gehört insbesondere ihre für warmblütige Tiere ungewöhnliche Fähigkeit, ihre Körpertemperatur bis zu einem gewissen Grade zu ändern.
Nachts kann ein Kamel, ohne dafür Wasser verdunsten zu müssen, Wärmeenergie direkt an die kalte Nachtluft abgeben und auf diese Weise seine Körpertemperatur bis auf 34°C absinken lassen. Tagsüber lässt es seine Körpertemperatur wieder auf bis zu 41°C ansteigen, dies entspricht für ein 500 kg schweres Kamel einer Wärmemenge von ungefähr 12000 kJ (ca. 3000 kcal).
Auch sein Fell hilft dem Kamel, Wasser zu sparen. Die tagsüber starke Sonnenstrahlung wird größtenteils in den äußeren Fellschichten absorbiert und in Wärme umgewandelt. Deshalb verliert ein geschorenes Kamel ca. 50% mehr Wasser durch Schwitzen als ein ungeschorenes.
Als weitere Mechanismen zur Minimierung des Wasserverlusts sind zu erwähnen eine besonders starke Eindickung des Urins durch die Nieren und ein besonders starker Wasserentzug aus dem Kot im Enddarm.
Plausibler sind Berichte, denen zufolge die roten Blutkörperchen der Kamele, abweichend von der sonst üblichen Form, etwa wie Rugbybälle geformt sind. Man vermutet, dass hierdurch die Fließfähigkeit des Blutes bei starker Eindickung infolge von Wassermangel besser erhalten bleibt.
In den Wüstengebieten gibt es keine große Auswahl an Nahrung, was z.B. uns Menschen zu schaffen machen würde. Das Kamel aber,kann auch mit wenigen Kräutern und Gräsern überleben, da es sich auch von den Dornenbüschen ernähren kann. Kamele sind in der Lage, dornenreiche und salzhaltige Pflanzen als Nahrung zu nutzen.
Neben der extremen Trockenheit sind es hier vor allem die Temperaturen, die ihr Leben erschweren. Im Sommer steigen sie auf bis zu 50 °C, im Winter liegen sie häufig bei bis zu -40 °C. Kamele schützen sich vor der Kälte durch einen dicken Winterpelz, den sie im Frühjahr wieder verlieren.
Selbst die Füße des Kamels sind genau auf ihren Lebensraum abgestimmt. Sie sind groß und tellerförmig. Diese Form verhindert das Einsinken im feinen Wüstensand.
Die Paarungszeit der Trampeltiere fällt auf die Wintermonate von Januar bis März. Nach einer Tragzeit von 12-14 Monaten kommt ein Kalb zur Welt, meistens im März oder April. Bei seiner Geburt ist ein Kalb bereits 30-40 kg schwer. Es kann innerhalb weniger Stunden stehen und laufen. Zu Beginn hat es noch keine Höcker, denn die wachsen erst mit der Zeit. Das Kalb wird 18 Monate von der Mutter gesäugt und bleibt insgesamt 3-4 Jahre ganz eng mit ihr zusammen.
Trampeltiere haben einen ausgezeichneten Geruchssinn. Es ist ihr wichtigster Sinn. Trampeltiere können wochenlang ohne Wasser auskommen - aber nur, wenn sie genügend Feuchtigkeit aus Pflanzen aufnehmen können. Wenn sie durstig sind, trinken sie in kürzester Zeit eine riesige Menge Wasser. Sie können über 150 Liter Wasser auf einmal trinken - und das innerhalb von 10 Minuten.
Die Körpertemperatur von Trampeltieren schwankt zwischen 34 und 42 Grad, um sich ihrer Umgebung anzupassen und weniger Energie verlieren. Sie schwitzen zum Beispiel erst ab einer Körpertemperatur von 41 Grad.
So groß und schwer wie sie aussehen, traut man es ihnen nicht zu, aber: Trampeltiere können bis zu 65 km/h schnell sein. Das machen sie aber nur, wenn sie vor einem Raubtier fliehen. Ansonsten sind sie deutlich langsamer, oder trotten mit 40 km/h vor sich hin. Übrigens: Trampeltiere haben eine besondere, energiesparende Gangart, den sogenannten Passgang.
Trampeltiere gelten als friedlich und freundlich. Wie alle Kamele kann auch das Trampeltier spucken.
Da es gerade in Wüstengebieten immer wieder zu Sandstürmen kommt, müssen sich die Tiere auch vor diesen Bedingungen schützen. Sie haben extrem lange Wimpern, die die Augen überdecken und so den Sand abhalten. Außerdem sind ihre Ohren mit langen Haaren bewachsen und sie können die Nasenlöcher schließen, sodass auch hier kein Sand eindringen kann.
Kamele haben schlitzförmige Nasenlöcher, die sie bei einem Sandsturm einfach schließen können, damit keine Sandkörnchen an die empfindlichen Schleimhäute gelangen. Die langen Wimpern bieten bei Stürmen Schutz vor herumfliegendem Sand. Auch die Nasenlöcher kann das Kamel dann verschließen.
Durch ihren Passgang, bei dem sie beide Beine einer Seite immer gemeinsam bewegen, und ihre sehr breiten Fußflächen können sie sich auch auf tiefem, weichem Sand gut fortbewegen.
All diese Eigenschaften der Kamele sind natürlich auch für die Menschen der Wüstenregionen von Vorteil. So verwundert es nicht, dass beide Altweltkamelarten bereits vor über 5.500 Jahren domestiziert wurden und der Mensch sie seitdem als Haustiere nutzt. In den Emiraten reicht die Nutzung von Kamelen nachweislich bis 2600 v. Chr. zurück. Sie dienen als „Wüstenschiffe“, also als Reit- und Lasttiere in den Trockengebieten. Daneben werden ihr Fleisch, Fett, Milch, Wolle und Leder genutzt. Sogar ihr Mist dient, getrocknet, in der rohstoffarmen Umgebung als Brennmaterial.
Obwohl die Altweltkamele in Asien und Afrika beheimatet sind, tauchen sie bereits seit dem frühen Mittelalter in der Bildenden Kunst der westlichen Welt auf.
Ohne dessen hervorragende Anpassung an die klimatischen Verhältnisse wäre ein Überleben der Menschen in den Wüstengebieten unmöglich gewesen, und es hätte keine großen Handelswege wie die Weihrauch- oder Seidenstraße gegeben.
| Merkmal | Funktion |
|---|---|
| Lange Wimpern | Schutz der Augen vor Sandstürmen |
| Verschließbare Nasenlöcher | Verhindern das Eindringen von Sand |
| Fettreserven in den Höckern | Energiespeicher für lange Durststrecken |
| Besondere Nierenfunktion | Minimierung des Wasserverlusts durch stark konzentrierten Urin |
| Fähigkeit zur Veränderung der Körpertemperatur | Reduzierung des Wasserverlusts durch Verdunstung |
| Breite Füße | Verhindern das Einsinken im Sand |
| Oval geformte rote Blutkörperchen | Bessere Fließfähigkeit des Blutes bei Wassermangel |
Ein Dromedar in der Wüste. (Quelle: Wikimedia Commons)
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