Warum haben Fische Schuppen? Funktion und Artenvielfalt

Fast alle Fische haben Schuppen, die sich auf der Außenhaut befinden. Sie dienen den Tieren in der Regel zum Schutz vor Verletzungen. Doch die Funktion der Schuppen ist bei allen Fischen dieselbe, aber Aussehen und Design des Schuppenkleids sind höchst verschieden.

Die kleinen Knochenplatten sitzen auf der Haut, schützen vor Bissen anderer Fische, verhindern, dass sich Parasiten festsetzen können und bilden eine wirksame Barriere gegen Krankheitserreger. Dr. Ralf Thiel vom Zoologischen Museum der Universität Hamburg erklärt: "Die Schuppen dienen als Schutz vor mechanischen Schäden und Krankheitserregern. Ohne Schutz würde der Kontakt zwischen einem Stein und der zarten Fischhaut bleibende Schäden hinterlassen." Über den Schuppen liegt eine dünne Schleimschicht, die auch das Eindringen von Krankheitserregern verhindert.

Die Substanz der Schuppen ist knorpelig bis knöchern, dennoch aber biegsam. Jeder Fisch besitzt sein ganz eigenes Schuppenkleid, das sich von anderen Schuppen in Größe, Aussehen und Farbe unterscheidet. Die Beschuppung wird im jugendlichen Alter der Fische angelegt. Die Schuppen wachsen im jahreszeitlichen Wechsel mit dem Fisch mit - im Sommer schneller als im Winter - und bleiben in Anordnung und Anzahl lebenslang erhalten.

Dabei bilden sich auf den Schuppen Jahresringe, die - vergleichbar mit den Jahresringen einer Baumscheibe - bei der Art- und Altersbestimmung helfen können. Verlorene Schuppen können nachgebildet werden.

Angeordnet sind sie dachziegelartig übereinander, vom Kopf bis zur Schwanzwurzel. Nicht nur links und rechts auf den Körperflanken, sondern auch auf der Rückenkante und um die Flossen und an der Bauchseite. Kopf und Flossen sind nicht beschuppt.

Die Schuppen stecken in der Lederhaut des Fisches und sind wie Ziegel auf einem Dach angeordnet: Sie überlappen einander. Wenn dem Fisch eine Schuppe ausfällt, macht das den Fisch verletzlich.

Es gibt jedoch auch Fische ohne Schuppen. Wenn bei einem Fisch die Haut weder durch Schuppen noch durch Knochenplatten geschützt ist, verfügt diese oft über eine stabilere Hautstruktur und eine dickere Schleimschicht. So ist der Flusswels (Silurus glanis) durch eine besonders dicke und zähe Schleimschicht gegen Verletzungen und Parasiten geschützt. Der Nacktkarpfen, ein Speisefisch, hat nur ganz wenige Schuppen.

Die Schleimhaut, auch Oberhaut genannt, besteht aus Schichten und wird in Schleimdrüsen produziert. Gegen Außenparasiten und Krankheitserreger sind spezielle Abwehrstoffe in der Schleimschicht enthalten. Eine unversehrte Oberhaut ist sehr wichtig. Fische deshalb nie mit trockenen Händen oder Gegenständen berühren. Durch die Schleimhaut wird auch der Reibungswiderstand im Wasser verringert.

VIELFALT DER FISCHE | Biologie | Biologie der Tiere (Mittelstufe)

Arten von Fischschuppen

Die Schuppen lassen sich in verschiedene Typen unterscheiden, die jeweils spezifische Funktionen und Merkmale aufweisen:

  • Elasmoidschuppen:

Elasmoidschuppen sind die Schuppen der Echten Knochenfische (Teleostei). Es handelt sich um plattenförmige Knochenbildungen, die von der Epidermis (Oberhaut) bedeckt werden. Typischerweise sind sie dachziegelförmig angeordnet, wodurch mechanischer Schutz gewährt wird, ohne Wachstum und Beweglichkeit des Fisches zu behindern. Sie können zur Art- und Altersbestimmung herangezogen werden. Bei Verlust werden sie ersetzt. Elasmoidschuppen werden in taschenartigen Spalträumen im Bindegewebe (Stratum laxum) der Lederhaut, den so genannten Schuppentaschen gebildet. Sie sind aus zwei Schichten mit unterschiedlicher Feinstruktur und Kalkgehalt aufgebaut. Die obere Lage besteht aus Knochengewebe mit Einlagerungen aus Hydroxylapatit.

Es gibt zwei Grundformen von Elasmoidschuppen:

  • Rundschuppen (Cycloidschuppen):

Die ursprünglichere Rundschuppe ist nahezu kreisförmig und glattrandig, wie z. B. bei Hering, Forelle, Hecht und Aal.

  • Kammschuppen (Ctenoidschuppen):

Rundschuppen sind nahezu kreisförmig und haben einen glatten Rand. Die stammesgeschichtlich hiervon abgeleitete Kammschuppe ist dagegen am Hinterrand kammartig gezahnt, wie z. B. bei Zander und Barsch. Beide Formen bilden konzentrische Wachstumsringe (Anulli) aus.

Anzahl und Besonderheiten der Schuppen sind von großer Bedeutung in der Taxonomie und werden in der Schuppenformel erfasst.

Rundschuppen eines Karpfens

  • Ganoidschuppen:

Ganoidschuppe oder Schmelzschuppe ist eine urtümliche Schuppenart, die bei Knorpelganoiden, Knochenhechtartigen und Kahlhechtartigen vorkommt. Ganoidschuppen sind von rhombischer Form und bestehen aus einer knöchernen Unterlage, die mit einer perlmuttartig glänzenden Schicht aus Ganoin überzogen ist - einer zahnschmelzähnlichen Substanz, die in der Lederhaut gebildet wird. Danach folgt bei einigen Arten eine Schicht aus Dentin. Stammesgeschichtlich lassen sich die Ganoidschuppen von Schuppenformen fossiler Arten herleiten, die einen größeren Dentingehalt sowie weniger Ganoin enthalten. Die Ganoidschuppe entwickelte sich aus dem gemeinsamen Vorläufer wie die Kosmoidschuppe, die aber unter den rezenten Arten nur noch beim Quastenflosser zu finden sind.

  • Placoidschuppen:

Der Schuppenpanzer der Knorpelfische (Chondrichthyes) besteht aus Placoidschuppen. Placoidschuppen sind schuppenartige Hautzähnchen, die bei den Knorpelfischen auftreten und meist deren ganzen Körper bedecken. An den Kieferrändern sind sie zu Zähnen umgebildet, die den Zähnen der übrigen Wirbeltiere homolog sind. Bei den Haien bilden die Placoidschuppen ein geschlossenes Exoskelett, durch das die Haut eine extreme Festigkeit erhält. Eine Placoidschuppe besteht aus einer Basalplatte aus zellfreiem Knochenmaterial, welche durch Knochenfasern, den Sharpeyschen Fasern, in der Lederhaut verankert ist. Die Basalplatte geht in die eigentliche, zahnförmige Schuppe über. Diese besteht im Halsbereich vollständig aus Dentin und ist an seiner Oberfläche, der Krone, mit einer dem Zahnschmelz ähnlichen Substanz, dem Fischschmelz, überzogen. Im Innern des Zähnchens befindet sich eine Pulpahöhle mit Bindegewebe und Blutgefäßen.

Die Spitzen der Zähne weisen bei den meisten Arten der Knorpelfisch nach hinten, also zum caudalen Ende hin. Dadurch bilden sie keinen Strömungswiderstand, wenn das Tier sich im Wasser fortbewegt - streicht man mit der Hand in diese Richtung über die Haihaut fühlt sich diese glatt an. In der Gegenrichtung ist die Haut rau und sehr scharf wie Schmirgelpapier.

Die Größe der Krone liegt artspezifisch zwischen 0,12 und 1,32 Millimetern, im Schnitt bei etwa 0,4 Millimetern. Die Form der Schuppen ist bei den Haien sehr vielgestaltig und abhängig von der betrachteten Art. Die Schuppen können sowohl pflasterartig stumpf, dachziegelartig oder spitz zulaufend sein. Bei den Haien bedecken sie den gesamten Körper und geben der Haut entsprechend als Exoskelett eine starke Festigkeit. Die Ausgestaltung ist dabei vor allem abhängig von den ökologischen Ansprüchen der Arten.

Placoidschuppen eines Hais

Sonderformen der Placoidschuppen

Zu den Sonderformen der Schuppen gehören vor allem die Zähne des Haigebisses, die in mehreren Reihen hintereinander im Gebiss des Haies stehen. Auch die Flossendorne der Dornhaie und die Säge der Sägefische und Sägerochen sind Sonderformen der Placoidschuppe.

Einige Fische haben gar keine Schuppen, wie der Flusswels. Bei manchen ist das von Natur aus so, bei anderen wurden sie weggezüchtet. Fische ohne Schuppen haben stattdessen manchmal einen Knochenschild. Beim Stör und beim Stichling bildeten sich zum Beispiel aus den Schuppen Knochenplatten heraus.

Schuppen als Glücksbringer

Schuppen vom Weihnachtskarpfen gelten mancherorts traditionell als Glücksbringer. Eine Fischschuppe, gewaschen, getrocknet, gepresst, z. B. vom Weihnachtskarpfen ist bei vielen als Glücksbringer bekannt.

tags: #warum #haben #fische #schuppen #funktion

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen