Jeder zweite Mann leidet unter mehr oder weniger starkem Haarausfall. Erfolg versprechende Therapien gibt es kaum - trotz eines unübersehbaren Angebots an obskuren Wässerchen und Tinkturen.
Dass die Erbanlagen bei der Entstehung des Haarausfalls eine Rolle spielen, wird schon lange vermutet. Bisher war aber unklar, welche Gene beteiligt sind.
Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass genetisch bedingter Haarausfall ausschließlich von der mütterlichen Seite vererbt wird. Tatsächlich können die Gene von beiden Elternteilen eine Rolle spielen.
Genetischer Haarausfall wird oft als polygenetisch beschrieben, was bedeutet, dass mehrere Gene zur Entstehung beitragen. Frauen haben zwei X-Chromosomen, eines von der Mutter und eines vom Vater.
Obwohl das X-Chromosom des Vaters ein Faktor ist, können Gene auf anderen Chromosomen, die sogenannten Autosomen, ebenfalls Einfluss nehmen.
Mit fortschreitender Wissenschaft werden immer mehr genetische Marker identifiziert, die mit Haarausfall in Verbindung stehen. DNA-Tests können heute dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit von Haarausfall zu bestimmen, indem sie die individuellen genetischen Anlagen analysieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass neben der genetischen Veranlagung auch andere Faktoren wie Hormone, Alter und Gesundheitszustand eine Rolle spielen. Hormonelle Veränderungen, insbesondere während der Menopause, können bei Frauen zu einer Verdünnung der Haare führen.
Für diejenigen, die genetisch bedingten Haarausfall erfahren, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Medikamente wie Minoxidil und Finasterid können helfen, den Haarausfall zu verlangsamen oder zu stoppen.
Zusammenfassend ist es eine Kombination aus genetischen Faktoren beider Elternteile, die das Risiko für weiblichen Haarausfall beeinflussen. Während die Wissenschaft fortschreitet, eröffnen sich neue Wege zur Prävention und Behandlung.
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Diesen Effekt kann es geben, und man kann es sogar noch genauer sagen: Es geht in diesen Fällen immer um die Opas mütterlicherseits. Dieser Zusammenhang ist als Erfahrungswert seit Jahrzehnten bekannt. Eine Studie von 2005 liefert die Erklärung.
Warum hat der Opa eine Glatze, die Mutter aber nicht, ihr Sohn aber dann doch wieder? Der Zusammenhang ist folgender: Der frühzeitige Haarausfall ist in der Regel hormonell bedingt und wird durch Androgene ausgelöst - eine bestimmte Sorte von männlichen Sexualhormonen.
Das besagte Gen fördert die Rezeptoren für diese Hormone in der Kopfhaut. Ich habe schon gesagt, dass dieses Gen auf dem X-Chromosom liegt.
Wir erinnern uns: Das X-Chromosom ist das, wovon biologische Frauen zwei haben. Nehmen wir also an, Opa hat dieses Glatzen-Gen.
Szenario 1: Opa zeugt mit Oma einen Sohn. Der Sohn hat typischerweise ein Y- und ein X-Chromosom in seinen Zellen. Das X-Chromosom bekommt er von der Mutter, vom Vater bekommt er das Y-Chromosom.
Opas Sohn, nennen wir ihn "Papa", bekommt dieses Glatzen-Gen also gar nicht erst und kann es entsprechend auch nicht an seine eigenen Kinder weitervererben.
Szenario 2: Opa zeugt mit Oma eine Tochter. Die Tochter, nennen wir sie Mama, bekommt zwei X-Chromosomen vererbt - eins von Oma und eins von Opa.
Auf dem X-Chromosom von Opa sitzt nun das Glatzen-Gen. Das macht sich aber bei Mama nicht bemerkbar, weil Mama gar nicht so viel von diesen männlichen Sexualhormonen produziert, die für den Haarausfall verantwortlich sind.
Bekommt Mama aber einen Sohn, vererbt sie eins ihrer beiden X-Chromosomen. Auf einem davon sitzt das Glatzen-Gen.
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50:50 vererbt Mama dieses Chromosom an ihren Sohn, also an Opas Enkel. Dort entfaltet das Gen dann seine Wirkung und macht sich in Form von verfrühtem Haarausfall bemerkbar.
Was aber, wenn Mama eine Tochter bekommt und die dann erst in der nächsten Generation einen Sohn? Auch bei diesem Urenkel kann sich die genetische Veranlagung zu frühzeitigem Haarausfall durchschlagen - dann aber nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent.
Und so geht es weiter. Jetzt muss man sagen: Dieses Gen ist zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor, der für vorzeitigen Haarausfall verantwortlich ist.
Die Ursache für androgenetische AlopezieAndrogenetische Alopezie bedeutet sinngemäß „Haarausfall im Zusammenhang mit männlichen Hormonen (Androgene)“, die sowohl bei Männern als auch bei Frauen vorkommen.
Verantwortlich für den erblich bedingten Haarausfall ist das körpereigene Hormon DHT (Dihydrotestosteron). Es ist ein Umwandlungsprodukt von Testosteron und bei dieser Art des Haarausfalls reagieren die Haarfollikel überempfindlich auf DHT.
Die Veranlagung zu dieser Überempfindlichkeit des Haarfollikels kann von jeder Elternseite vererbt werden.
Welche Gene im Erbmaterial den Haarausfall verursachen, ist bislang wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.
Die Folgen sind jedoch bekannt:Was passiert beim erblich bedingten Haarausfall?Die Blutgefäße, die die Haarfollikel mit den für das Haarwachstum notwendigen Nährstoffen versorgen, bilden sich zurück.
Durch diese verringerte Versorgung verkümmern die Follikel immer mehr. Zudem wird die Wachstumsphase der Haare verkürzt und die Ruhephase verlängert, wodurch der Haarzyklus von Mal zu Mal kürzer wird.
Neue Haare wachsen als Resultat kürzer und weniger kräftig nach und fallen eher aus.Dieser Prozess wiederholt sich über viele Jahre.
Von Zyklus zu Zyklus bilden sich immer dünnere Haare, bis keine Haare mehr sichtbar sind. Dass die Gene eine Rolle dabei spielen, ob ein Mann Geheimratsecken und schließlich eine Glatze bekommt, vermuteten Forscher seit langem.
Einem Team der Universitäten Bonn und Düsseldorf ist es nun erstmals gelungen, eine der verantwortlichen Erbanlagen zu identifizieren.
Jahrelang hatten die Genetiker bundesweit nach Familien gefahndet, in denen mehrere Generationen von Männern von einem verstärkten Haarausfall betroffen sind, und nahmen von ihnen Blutproben.
Beim Vergleich fanden die Genetiker eine auffällige Gemeinsamkeit: Bei den meisten Männern mit Glatze taucht ein Defekt in der Bauanleitung ihrer Androgen-Rezeptoren auf.
Durch den Defekt bildeten sich entweder mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut oder die Rezeptorvariante sei stabiler, meinen die Forscher. In jedem Fall würde die Wirkung der Androgene verstärkt, so dass es zum Haarausfall komme.
Die Erbanlage für den Androgen-Rezeptor wiederum liege auf dem X-Chromosom und könne daher nur von der Mutter weitervererbt werden.
Allerdings trägt nicht nur ein Gen zu der verfrühten Glatzenbildung bei. "Wir haben Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden", betonte der Leiter der Arbeitsgruppe, Markus Nöthen.
Gefürchtet und denoch meist unvermeidlich: Der Haarausfall. Wissenschaftler fahnden schon seit den 1990er Jahren nach Stellen im Erbgut des Menschen, die bei Männern zu Glatzenbildung führen.
Inzwischen haben sie über hundert Gene gefunden, die beim Haarausfall mitspielen. Schon seit den 1990er Jahren suchen Wissenschaftler am Institut für Humangenetik der Universität Bonn Stellen im Erbgut des Menschen, die bei Männern zu Glatzenbildung führen.
Inzwischen haben sie über hundert Gene gefunden, die beim Haarausfall mitspielen. Und für den Laien überraschend stammen mehr davon von der Mutter als vom Vater, erklärt die Humangenetikerin Stefanie Heilmann-Heimbach.
"Da gibt es beim Haarausfall die Besonderheit, dass es Gene gibt die auf dem X-Chromosom liegen, auf dem Geschlechtschromosom. Dieses wird tatsächlich nur von der Mutter an die Söhne vererbt. Damit die Haare tatsächlich ausfallen, müssen viele genetische Faktoren zusammenkommen von Mutter und Vater.
"Letztendlich ist zu erwarten, dass diese Gene in bestimmten Signalwegen zusammenwirken. Die können in großen Netzwerken ganz viel miteinander agieren. So kann man sich das vorstellen.
Statt um das Finden zuständiger Gene oder bestimmter Bereiche im Erbgut geht es in der aktuellen Forschung um das Verstehen der Signalwege und möglicher Netzwerke.
Wer arbeitet wann, mit wem und wie zusammen. Erst wenn die Forscher dieses System im Detail verstehen, können sie Hinweise finden, wie es sich beeinflussen lässt - so dass die Haare vielleicht nicht ausfallen.
Dabei sind die einzelnen Systeme keinesfalls isoliert. So erforscht Stefanie Heilmann-Heimbach den Zusammenhang zwischen Haarausfall bei Männern und dem Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen. Epidemiologische Studien hatten ein Zusammenwirken nahegelegt.
Die gleichen genetischen Netzwerke scheinen allerdings nicht am Werke zu sein, so zeigen es die ersten Ergebnisse. Trotz der vielen beteiligten Gene ist Haarausfall ein vergleichsweise einfaches, rein genetisches Merkmal.
Die Forscher hatten das Erbgut von knapp 300 Männern mit starkem Haarausfall genauer unter die Lupe genommen. Dazu untersuchten sie mehr als 500.000 Informationsschnipsel im Genom ihrer Probanden.
An zwei Stellen stimmte die Erbinformation bei kahlköpfigen Männern auffällig häufig überein - ein deutlicher Hinweis darauf, dass die dort liegenden Gene etwas mit dem Haarverlust zu tun haben.
"In einer dieser auffälligen Regionen liegt das Gen für den Androgen-Rezeptor", erklärt Dr. Axel Hillmer vom Bonner Forschungszentrum Life&Brain.
"Wir wussten bereits aus einer vorherigen Studie, dass der Rezeptor beim Haarverlust eine Rolle spielt. Es ist erst die zweite Erbgut-Region, die zweifelsfrei mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden kann.
"Wir versuchen nun herauszufinden, welche Funktion das betroffene Gen beim Haarwachstum übernimmt", sagt der Bonner Wissenschaftler Dr. Felix Brockschmidt.
An der Untersuchung waren die Arbeitsgruppen von Professor Dr. Markus Nöthen (Institut für Humangenetik und Life & Brain-Zentrum der Universität Bonn) sowie Privatdozent Dr. Roland Kruse (Universitätsklinikum Düsseldorf) beteiligt.
Über mehrere Jahre hatten die Wissenschaftler bundesweit Blutproben von Betroffenen gesammelt. Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Gene an der Entwicklung des männlichen Haarausfalls beteiligt sind.
Interessant sind die Befunde auch für die Vererbungswege: So liegt das zuvor einzige bekannte Risiko-Gen für den Androgenrezeptor auf dem X-Chromosom. Es wird also von der Mutter vererbt - daher schlagen Männer in punkto Haarausfall oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits.
Das neu entdeckte Gen liegt dagegen auf Chromosom 20 und kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden.
Die Wissenschaftler vermuten, dass für den vorzeitigen Haarverlust noch weitere Gene verantwortlich sind. Für die Fortsetzung ihrer Studie suchen sie nach weiteren Probanden.
"Teilnehmen können Männer unter 40 Jahren mit weit fortgeschrittenem Haarausfall", sagt Privatdozent Dr. Kruse. "Als Kontrollen suchen wir zudem Männer über 60 Jahre mit vollem Haar. Alle Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung."
Die Forschung von Professor Nöthen und Dr. Kruse wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt. Prof. Nöthen ist Inhaber des Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Lehrstuhls für Genetische Medizin.
Wissenschaftler aus Bonn und Düsseldorf haben ein neues wichtiges Haarausfall-Gen entdeckt, das die Ähnlichkeiten in der Hauptbehaarung zwischen Vater und Sohn erklärt. Die Forscher untersuchten in ihrer Studie mehr als 500.000 Stellen im menschlichen Erbgut.
Dabei stießen sie auf eine Genvariante, die bei kahlköpfigen Männern deutlich häufiger vorkommt als bei Kontrollpersonen. Die Forscher haben im Rahmen ihrer Untersuchung das Erbgut von knapp 300 Männern mit starkem Haarausfall genauer unter die Lupe genommen.
„In einer dieser auffälligen Regionen liegt das Gen für den Androgen-Rezeptor“, erklärt Dr. Axel Hillmer vom Forschungszentrum Life&Brain der Universität Bonn.
„Wir wussten bereits aus einer vorherigen Studie, dass der Rezeptor beim Haarverlust eine Rolle spielt. Es ist erst die zweite Erbgut-Region, die zweifelsfrei mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden kann.
„Wir versuchen nun herauszufinden, welche Funktion das betroffene Gen beim Haarwachstum übernimmt“, sagt der Bonner Wissenschaftler Dr. Felix Brockschmidt.
London - Die Formenvielfalt menschlicher Haare ist, nicht immer zur Freude des Besitzers, genetisch festgelegt. Ein internationales Forscherteam hat in einer genom-weiten Assoziationsstudie gleich zehn neue Gene entdeckt, die Form und Fülle der Haare beeinflussen.
Darunter ist laut der Publikation in Nature Genetics (2016; doi: 10.1038/ncomms10815) das erste Gen für das vorzeitige Ergrauen im Alter.
In den letzten Jahren wurden bereits Gene entdeckt, die die Haarfarbe festlegen oder den vorzeitigen Haarausfall fördern. Es war aber klar, dass auch Form und Dichte des Haupthaares genetisch determiniert sind.
Die Variationsbreite reicht vom ausnahmslos glatten Haar der Ostasiaten über das gekräuselte Haar des Afrikaners bis zum lockigen Haar, das weitgehend auf Menschen europäischer Herkunft beschränkt ist.
Die größte Vielfalt von Haarformen gibt es derzeit in Südamerika, dessen Bevölkerung sowohl europäische und afrikanische als auch indigene Vorfahren hat.
Hier siedelten Kaustubh Adhikari vom University College London deshalb ihre genomweite Assoziationsstudie (GWAS) an, die bei 6.300 Menschen aus Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru Merkmale der Kopfhaare (Form, Farbe, Ergrauung) und der Gesichtsbehaarung (Dichte von Bart und Augenbraue, Monobraue) mit über mehr als 700.000 Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) in Verbindung setzte.
Das Unternehmen war erfolgreich. Die Forscher fanden 18 signifikante Assoziationen, von denen zehn bisher nicht bekannt waren.
Dazu zählt auch die erste Genvariante, die das Ergrauen der Haare im Alter beschleunigt. Sie befindet sich im Gen IRF4 (für: interferon regulatory factor 4), das auch einen Einfluss auf die Haarfarbe hat.
Wie genau IRF4 zum frühzeitigen Ergrauen der Haare führt, ist nicht bekannt. Das Gen beeinflusst jedoch die Aktivität von Tyrosinase, ein Schlüsselenzym für die Produktion des Pigments Melanin.
Der frühzeitige Ausfall der Melaninproduktion führt zwangsläufig zu farblosen Haaren.Die Kräuselung des Haares wird durch die Aktivität von PRSS53 (für: Protease Serine S1 family member 53) beeinflusst.
Dieses Enzym ist in der Haarwurzel aktiv, wo es offenbar die Form des wachsenden Haares beeinflusst. Die glatten Haare von Indios und Ostasiaten sind mit bestimmten Varianten assoziiert, die die Aktivität des Enzyms offenbar herabsetzen.
Ein Wirkstoff, der PRSS53 hemmt, könnte ebenfalls die Haare glätten, vermutet Adhikari, der darin einen möglichen Ansatzpunkt für kosmetische Produkte sieht (deren Sicherheit aber fraglich ist, zumal PRSS53 Ähnlichkeit zu anderen Enzymen, etwa den Kallikreinen, hat).
Das Gen EDAR (für ectodysplasin A receptor) beeinflusst laut den Studienergebnissen die Dichte des Barthaares. Varianten könnten klären, warum es bei Indios und bei vielen Menschen in Ostasien nur zu einem spärlichen Bartwuchs kommt.
Das Gen FOXL2 („forkhead box L2“) bestimmt beim Menschen die Dichte der Augenbrauen. Mutationen in diesem Gen sind Ursache des Blepharophimose-Syndroms, bei dem eine Lidspalte zur Ptosis, dem Herabhängen eines oder beider Augenlider führt.
Eine Variante in der Nähe des Gens PAX3 (für: paired box gene 3) war in der GWAS mit einer Monobraue (Synophrys) assoziiert, bei der die Glabella, die Hautregion zwischen den Augenbrauen mehr oder weniger stark behaart ist.
Die männlichen Geschlechtshormone spielen wohl tatsächlich eine entscheidende Rolle beim Haarausfall von Männern, haben Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Düsseldorf festgestellt.
Demnach können bestimmte Veränderungen in der genetischen Bauanleitung des Androgen-Rezeptors eine frühe Glatzenbildung zur Folge haben. Das betroffene Gen liegt auf dem X-Chromosom und wird daher von der Mutter vererbt.
Es beginnt mit Geheimratsecken, die Stirn wird höher, das Haar am Hinterkopf immer dünner.
Die Forscher um Markus Nöthen von der Universität Bonn sowie Roland Kruse vom Universitätsklinikum Düsseldorf scheinen nun erstmals eine der verantwortlichen Erbanlagen identifiziert zu haben.
Über mehrere Jahre hatten die Forscher bundesweit nach Familien gesucht, bei denen mehrere Männer vom Haarausfall betroffen. In Blutproben der Freiwilligen suchten sie dann nach Kandidatengenen - und wurden schließlich fündig: In einem ersten Schritt gelang es dem Team, die Suche auf eine Reihe von Regionen auf verschiedenen Chromosomen einzugrenzen.
In einer Region, die den stärksten Beitrag vermuten ließ, lag die Erbanlage für den Androgen-Rezeptor. Eine Variante dieses Gens fand sich unter Männern, die schon früh unter Glatzenbildung litten, sehr viel häufiger als bei Männern, die im Alter von über 60 Jahren noch volles Haar hatten", erklärt Nöthen.
Wahrscheinlich führt die Genvariante zu mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut. Zwei Erklärungen dafür sind möglich: Entweder werden bei den Betroffenen tatsächlich insgesamt mehr Androgen-Rezeptoren gebildet, oder die Rezeptorvariante, die auf Grund der Genveränderung entsteht, ist stabiler und wird nicht so schnell abgebaut.
Durch beide Mechanismen kann es zu einer stärkeren Wirkung der Androgene kommen, was dann wiederum zum Haarausfall führt, erläutern die Forscher.
Da das Gen auf dem X-Chromosom liegt, schlagen Männer in vielen Fällen beim Thema Haarausfall eher nach ihrem Großvater mütterlicherseits als nach ihrem Vater.
Zu der Erkrankung trägt aber nicht nur eine Erbanlage bei, betonen die Wissenschafter: Sie haben Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden.
Mitunter vererbt sich die Veranlagung daher auch direkt vom Vater auf den Sohn. Um noch mehr beteiligte Erbanlagen zu identifizieren, sucht das Forscherteam weiter nach Betroffenen.
An der Studie können Männer unter 40 Jahren mit weit fortgeschrittenem Haarausfall teilnehmen. Sollten zusätzlich ein Bruder betroffen und die Eltern ebenfalls zur Entnahme einer Blutprobe bereit sein, umso besser, sagt Kruse.
Tabelle: Zusammenfassung der genetischen Faktoren beim Haarausfall
| Faktor | Beschreibung |
|---|---|
| X-Chromosom | Trägt das Gen für den Androgen-Rezeptor, oft von der Mutter vererbt. |
| Androgene | Männliche Geschlechtshormone, die eine entscheidende Rolle beim Haarausfall spielen. |
| DHT | Ein Hormon, auf das die Haarfollikel bei erblich bedingtem Haarausfall überempfindlich reagieren. |
| Gen IRF4 | Beeinflusst die Haarfarbe und beschleunigt das Ergrauen der Haare. |
| Gen PRSS53 | Beeinflusst die Kräuselung des Haares. |
| Gen EDAR | Beeinflusst die Dichte des Barthaares. |
| Gen FOXL2 | Bestimmt die Dichte der Augenbrauen. |
| Gen PAX3 | Assoziiert mit einer Monobraue. |
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