Die ARD-Talkshow "Hart aber fair" hat eine Überarbeitung erfahren, die sich nicht nur im neuen Konzept, sondern auch in Louis Klamroths Frisur widerspiegelt. Doch was hat sich außer Louis Klamroths Frisur noch verändert?
Nach dem Abschied von Frank Plasberg übernahm Louis Klamroth die Moderation der politischen Talkshow "Hart aber fair". Mit neuem Team, neuer Kulisse und neuem Konzept sollte frischer Wind in die Sendung gebracht werden. Doch so sehr unterschied sich der neue Polittalk nicht vom alten.
Louis Klamroth im Studio von „Hart aber fair“ (Quelle: Tagesspiegel)
Das neue Studio in Blautönen mit zwei getrennten Tresen für Politiker und Bürger soll für den Dialog auf Augenhöhe sorgen und ist insofern eine gute Idee. Ebenso die Funktion des Moderators, der sich frei im Raum bewegt und so die Diskussion noch aktiver steuern kann. Louis Klamroth ist dafür prädestiniert, er bespielte die Arena am Montagabend vor 2,43 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern souverän.
Die Macher versprachen: „Die Stimmen der Bürgergäste bekommen einen noch größeren Stellenwert“. Das funktioniert, sofern die den Profis rhetorisch gewachsen sind. Nur einmal traf, dem alten Motto gemäß, „Politik auf Wirklichkeit“.
Und die Politiker? Agierten erwartbar und gemäß dem Thema „Wut, Proteste, neue Parteien - Wer hält unser Land noch zusammen?“ Für SPD-Mann Carsten Schneider als Vertreter einer Regierungspartei ist, was sonst, „die Lage besser als die Stimmung“, CDU-General Carsten Linnemann signalisierte, was sonst, er nehme die Sorgen der Friseurmeisterin ernst, forderte, ganz Oppositionspolitiker, Reformen beim Bürgergeld und „Bürokratieabbau“.
Klamroth tat’s, unterbrach sie öfter als die anderen beiden und schien damit ein bisschen sein Gewissen beruhigen zu wollen, sie eingeladen zu haben. Im Clinch mit der frischgebackenen Parteigründerin zeigte der 34-Jährige zumindest punktuell, wie’s geht - und auch Linnemann ließ er mal kurz schlecht aussehen.
Erkenntnisgewinn? Am ehesten durch den Soziologen Nils Kumkar und die Aktivistin Maria Fichte. Es könne doch auch sein, so Fichte mit Blick auf Wagenknechts Deutung als Aufstand der Abgehängten, dass die vielen Demonstranten in diesen Tagen nicht gegen, sondern für etwas seien - für Vielfalt beispielsweise, für die Bereitschaft, Politik mitzugestalten.
Bei seinem Debüt leistete sich der neue Gastgeber direkt einen peinlichen Patzer. Wie T-Online berichtet, tat sich Louis Klamroth bei seinem ersten „Hart aber fair“-Auftritt beim Kopfrechnen ein wenig schwer. Aufmerksamen TV-Zuschauern fiel dieser Rechenpatzer natürlich direkt auf.
Für einige Zuschauer der Talkshow ähnelte Louis Klamroth ohnehin zu sehr seinem Vorgänger. Dabei konnte der Nachfolger von Frank Plasberg auch mit seiner Art während der Diskussion punkten. Die ARD-Talkshow „Hart aber fair“ hat eine Überarbeitung erfahren.
Wenn einer in Fußstapfen eines anderen treten will, sollte er mindestens die gleiche Schuhgröße haben. Das ist für mich bei Louis Klamroth nicht der Fall: Ihm fehlt die Souveränität und Ausstrahlung, die dramaturgischen Sequenzen der Sendung zu einem interessanten Erlebnis zusammenzufügen. Dabei spielt er zu sehr mit Effekten wie bei den Privatsendern. Seine Fragen wirken teils hektisch herübergeworfen oder auf Ja/Nein gepresst.
Ein etabliertes TV-Format zu übernehmen ist eine besondere Herausforderung: Die Messlatte ist immer der Vergleich mit dem Vorgänger und es gibt - egal was sie machen - immer nur Kritik oder Lob. Das hat Louis Klamroth für 2024 gewählt und dabei Brücken eingerissen.
Klamroth versteht sein Handwerk - keine Frage. Ob sie den Ansprüchen einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt genügt, müssen andere entscheiden und natürlich die Quoten.
Laut ARD-Homepage soll sich die Überarbeitung des Formats in folgenden Punkten zeigen:
Der Moderator Louis Klamroth sagt zum Neustart seiner Talksendung: „hart aber fair“ wird nicht nur im neuen Gewand daherkommen, sondern auch inhaltlich neue Akzente setzen und digitaler werden. Wir werden viel ausprobieren, darauf freue ich mich!“
Der Konflikt zwischen den beiden entstand hauptsächlich durch die Übernahme der Sendung durch Klamroth und die damit verbundene Änderung in der Produktionsfirma. Diese Entscheidung führte zu Spannungen zwischen den beiden.
Plasberg äußerte seine Enttäuschung über Klamroth, in dem er sagte, er habe sich in Klamroth getäuscht. Klamroth wiederum betonte, dass es keinen spezifischen Zeitpunkt für die Entscheidung gab, sondern dass es nach langen Diskussionen mit Ansager & Schnipselmann klar wurde, dass eine gemeinsame Fortführung der Sendung nicht möglich sein würde. Insgesamt scheint der Konflikt zwischen Plasberg und Klamroth eine Mischung aus geschäftlichen Entscheidungen und persönlichen Differenzen zu sein, die in der Übergangsphase der Sendung auftraten.
Kommentare wie „Endlich ein neues Studiodesign“ oder „Die neue Optik im Studio sieht gut aus“ bestätigten den gewünschten optischen Effekt. Die Sendung erreichte zum Auftakt der neuen Staffel fast zweieinhalb Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, was die höchste Reichweite seit September 2023 darstellt, und die Durchschnittsreichweite des Vorjahres übertrifft.
Am Tag danach steht eine Version 37-minütige „TOGO“ Zusammenschnitt zur Verfügung. Es scheint keine klare Zielgruppe zu haben: Es sind Wiederholungen aus der Live-Sendung und wenige neue Sichtweisen und Hintergrundinformationen.
Diskussionen bei "Hart aber fair" (Quelle: RND)
Die ARD-Sendung „Hart aber fair“ kehrte am Montag (29. Januar) aus der Winterpause zurück - und das mit einem stark verändertem Konzept. Moderator Louis Klamroth präsentierte sich runderneuert im umgestalteten Studio, mit neuer Frisur und neuer Gäste-Auswahl. Thema der Sendung: „Wut, Protest, neue Parteien: Wer hält unser Land noch zusammen?“ Nur noch drei Politiker debattierten am Montagabend an Klamroths Tisch. Ampel-Politiker Carsten Schneider (SPD) machte dabei ein erstaunlich offenes Geständnis.
Um die Bürgerinnen und Bürger von steigenden Kosten durch die CO₂-Bepreisung zu entlasten, plant die Ampel die Einführung eines Klimagelds. Vor der Auszahlung müssen organisatorische und technische Hürden überwunden werden. Moderator Klamroth wollte von Schneider wissen, ob das Klimageld noch vor der Bundestagswahl 2025 eingeführt wird.
Schneider sagte: „Das Klimageld wird kommen, aber erst in den nächsten Schritten der Erhöhung in der nächsten Legislaturperiode“. Der Grund dafür: „Ich wollte zur Finanzlage ein paar ehrliche Worte sagen: Wir haben einfach kein Geld mehr“. Es ist jetzt der Zeitpunkt der Rückzahlung“, so Schneider.
„Erstmal müssen wir uns um unsere Leute kümmern. Deutschland muss stark bleiben, damit es anderen helfen kann“, sagte Visnijc und spielte auf die Debatte um Entwicklungshilfen der Bundesregierung an. Schneider konterte: „Ich glaube, dass dieses Land deutlich stärker ist, als es gemacht wird.“
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann griff die Ampel an: „Ich nehme erst als Staat das Geld den Bürgern weg, und dann sage ich: Ich habe jetzt kein Geld mehr, ihr kriegt es nicht zurück!“, sagte Linnemann.
Die Mühe, es dennoch passend zu machen und vor allem das Stammpublikum bloß nicht mit allzu viel Neuem zu verschrecken, ist denn auch beim neuen alten "Hart aber fair" unübersehbar - und spiegelt sich nicht zuletzt in Klamroths Frisur. Brav gescheitelt präsentiert sich der 33-Jährige neuerdings; bei seinen Privatfernsehen-Einsätzen zuvor, in der "ProSieben Politik Show", war sein Look noch struwwelig-lockig und wohl zu wild für das eher gesetzte ARD-Publikum.
Formal hat sich nicht viel verändert. Eine auffällige Abweichung vom Plasberg-Original, die man sich nun leistet, ist verschiedene Formen der Gästevorstellung auszutesten. Ansonsten ist im Prinzip alles, wie es war. Selbst auf Plasbergs typische "Signature-Moves", also das Zustürmen auf den Gast, um ihn/sie im Redefluss zu stoppen, wenn Worte nicht mehr helfen, oder das Zusammenfalten der Hände vor der Brust, muss man nicht verzichten. Sein Nachfolger hat sie verinnerlicht.
Mit jeder Sendung wurde Hallaschka ein Stück souveräner und manchmal auch rangelfreudiger im Umgang mit seinen Gästen als sein Vorgänger. Jauch wird bei "Stern TV" längst nicht mehr vermisst. Das ist eine Perspektive, auf die Louis Klamroth bei "Hart aber fair" noch kräftig zuarbeiten muss. Plasbergs Quotenniveau konnte er, nach anfänglicher Neugier, nicht halten.
Die Schlagfertigkeit, die Louis Klamroth zu seinen TV-Anfängen auf NTV im One-on-One bei "Klamroths Konter" bewiesen hatte, diese Furchtlosigkeit und Freude, Spitzenpolitiker vor der Kamera zu grillen und die den Gewinner des Deutschen Fernsehpreises (2018) wohl für den ARD-Job empfahl - wo ist sie geblieben? Streckenweise wirkt der Gastgeber wie ein Gast in der eigenen Sendung. Er, der beinahe Fußballprofi geworden wäre, lässt laufen, statt hineinzugrätschen. Blättert in seinen Notizen, während die anderen sprechen. Hört zu und lässt ausreden. Das ist, einerseits, löblich.
Redaktionelle Vorarbeit fließt jetzt, und das ist die andere auffällige Neuerung neben der Gästevorstellung, in Kurzfilme von Brigitte Büscher. Ihre Routine und Selbstsicherheit geht Louis Klamroth bei "Hart aber fair" noch ab. Dass er wie mit angezogener Handbremse durch die Sendung führt, liegt womöglich nicht nur an der Nervosität, die jedem Neuanfang innewohnt.
So was drückt, so was hemmt. Auch ohne diese spezielle Bürde gilt: Jeder Nachfolger muss laufen lernen und seine eigene Handschrift entwickeln. Kommt Zeit, kommen die wahren Qualitäten des Louis Klamroth wieder zutage. Bis Ende 2023 läuft sein Vertrag. Da geht noch was.
Louis Klamroth produziert sich jetzt selbst. In seinem zweiten "Hart aber fair"-Debüt sieht er auch gleich wie neu aus. Der Beifall beim Studiopublikum ist enden wollend.
Klamroth, wer wollte es ihm verdenken, nutzte den eingeräumten Platz zur Werbung für das umgekrempelte und jetzt von ihm mitproduzierte "Hart aber fair".
Am Ende sprach dann "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga bei der Schalte ins Nachrichtenstudio den Einstand ihres neuen Kollegen an und gratulierte zur "erfolgreichen Premiere". Guter Start!", urteilte ein Nutzer. "Das war ein gelungener Einstand. Das Sendeformat hat mit Ihnen eine Zukunft, weil erkennbar Erkenntnisgewinn oder Faktensicherung bei 'Hart aber fair' weiter im Zentrum steht", lobte ein anderer.
Genau das fehlte anderen Zuschauerinnen und Zuschauern hingegen. Sie kritisierten, dass sich der Moderator zu sehr an seinem Vorgänger orientiere.
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