Ist Haarausfall bei Frauen überhaupt ein Thema? Auch wenn Haarverlust bei Männern deutlich bekannter ist, leiden auch fast 50 Prozent aller Frauen unter Haarausfall. Weil eine volle Haarpracht insbesondere beim weiblichen Geschlecht als Zeichen von Eleganz, Attraktivität und Schönheit gilt, leiden Frauen besonders stark unter auftretendem Haarverlust. Im Folgenden klären wir auf: Welche Ursachen hinter dem Haarausfall bei Frauen liegen, wie die Diagnose erfolgt und welche Behandlungen wirklich helfen.
Die Arten des Haarverlusts sind grundsätzlich ähnlich wie bei Männern, jedoch sind hormonelle Ursachen deutlich häufiger vertreten. Bei Frauen ist meist ein generalisiertes Ausdünnen des Haars zu beobachten, das sich vor allem durch einen lichten und breiter werdenden Mittelscheitel äußert.
Je nach Haarfarbe befinden sich auf dem Kopf etwa 100.000 bis 150.000 Haare. Das Haar durchläuft drei Zyklusphasen - die Wachstumsphase, die Übergangsphase und die Ruhephase. In der Wachstumsphase werden die Haare in einem Zeitraum von etwa zwei bis sechs Jahren immer länger und dicker. Irgendwann geht das Haar in einen Umbauprozess über, in dem innerhalb einiger Wochen die Haarwurzel nicht mehr mit Nährstoffen versorgt wird und verkümmert.
Bei Frauen kommen neben dem erblich bedingten Haarausfall zwei weitere Ursachen besonders häufig vor. Frauen leiden deutlich häufiger als Männer unter Autoimmunerkrankungen, die mit Haarverlust einhergehen (wie der Alopecia areata).
Auch bei Frauen ist die mit Abstand häufigste Ursache für Haarausfall der erblich bedingte Haarverlust - in 90 Prozent der Fälle. Wesentlich seltener, bei etwa einem Prozent der Frauen, kommt der kreisrunde Haarausfall vor. Gründe für eine weitere Form, den diffusen Haarausfall, gibt es viele - von Nährstoffmangel über Stress bis zu hormonellen Störungen.
Der anlagebedingte Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, ist bei den meisten Frauen die Ursache für übermäßigen Haarverlust. Sichtbar wird der Haarausfall meistens nach den Wechseljahren. Der erblich bedingte Haarausfall zeigt bei Frauen klassischerweise ein anderes Muster als sein Pendant bei den Männern.
Meistens lichtet sich das Haar im Scheitelbereich und wird zunehmend dünner. Dadurch schimmert die Kopfhaut immer mehr durch und der Scheitel erscheint immer breiter. Manchmal lichtet sich das Haar auch zunehmend an der Stirn, zu den Seiten hin und nach hinten. Eine Glatze entsteht bei Frauen in der Regel nicht.
Neben dem lokalen Überschuss männlicher Geschlechtshormone an den Haarfollikeln gibt es auch hormonelle Störungen, die im gesamten Körper für ein Übermaß an Androgenen sorgen. Beim adrenogenitalen Syndrom handelt es sich um einen Enzymdefekt in der Nebennierenrinde. Das PCO-Syndrom steht für Polyzystisches-Ovar-Syndrom. Neben ausgeprägter Zystenbildung in den Eierstöcken kommt es zu einem Überschuss männlicher Hormone. Durch beide Erkrankungen kann der erblich bedingte Haarausfall bei Frauen deutlich verstärkt werden.
Dadurch werden die Haarwurzeln zerstört und es kommt zu Haarausfall. Es entstehen einzelne komplett kahle, runde Stellen auf der Kopfhaut. Die Stellen sind nicht gerötet oder schuppig und nicht schmerzhaft. Es kann eine komplette Glatze, im Extremfall auch ein Verlust der gesamten Körperbehaarung entstehen. Diese Form ist besonders belastend für betroffene Frauen.
Denn häufig wird man bei Verlust von Kopfhaar, Wimpern und Augenbrauen von Fremden für krebskrank gehalten. Meist heilt die Erkrankungen innerhalb mehrerer Monate von selbst aus, kann jedoch im Laufe des Lebens immer wieder auftreten. Eine Therapie, die die Erkrankung ursächlich heilen kann, wurde noch nicht gefunden. Auch die bisher bekannten Therapien zeichnen sich durch eine eher mäßige Wirksamkeit und eine hohe Rückfallquote aus.
Bei diffusem Haarausfall gibt es kein charakteristisches Muster des Haarausfalls wie bei der androgenetischen Alopezie oder der Alopecia areata. Das Haar wird insgesamt dünner und lichter. Teilweise wird auch nur die Haarqualität schlechter, was sich in mattem, glanzlosem, sprödem Haar zeigt, das zu Spliss und Haarbruch neigt.
Wer unter diffusem Haarausfall leidet, sollte sich zunächst zur Basisdiagnostik an seinen Hausarzt oder Dermatologen wenden. Neben einer genauen Anamnese inklusive Familienanamnese gehört eine ausführliche körperliche Untersuchung dazu. Auch die aktuelle Dauermedikation des Patienten sollte kritisch überprüft werden, um einen Haarausfall als Medikamentennebenwirkung zu erkennen. Zusätzlich wird eine Blutentnahme durchgeführt, um sowohl Hormonspiegel zu bestimmen als auch Vitamin- oder Nährstoffmangelzustände erkennen zu können.
Zusätzlich zu den organisch bedingten Formen des Haarausfalls gibt es Gründe für Haarverlust, die durch äußere Einflüsse entstehen. Bei der Trichotillomanie reißen sich Betroffene selbst die Haare aus. Dadurch entstehen unscharf begrenzte lichte Stellen auf dem Kopf. Wer von Trichotemnomanie betroffen ist, schneidet sich einzelne Haarsträhnen selbst ab, wodurch Stellen mit kurzen Haarstoppeln entstehen.
Gerade bei Frauen mit langen Haaren ist die sogenannte Traktionsalopezie eine nicht zu unterschätzende Ursache für Haarverlust. Ursächlich ist eine längerfristige Zugbelastung des Haars. So schön ein Dutt oder ein fest geflochtener Zopf beim Sport, in der Schule oder auf der Arbeit sind - auf Dauer sind sie eine hohe mechanische Belastung für das Haar. Die Traktionsalopezie beginnt oft damit, dass Haare abbrechen und sich viele kurze Haare aus der Frisur lösen und vom Kopf abstehen. Im Verlauf fallen die Haare an besonders stark beanspruchten Stellen aus - meist am Haaransatz.
Viele weitere Styling-Fehler können ebenfalls für Haarausfall sorgen. Eine starke Hitzeeinwirkung beim Föhnen, Glätten oder einer Dauerwelle macht das Haar trocken und spröde. Neben festen Frisuren können auch andere Arten von Zugbelastung dem Haar schaden, zum Beispiel die Befestigung von Extensions am Haaransatz, Dreadlocks, Cornrows, Lockenwickler oder starkes Ziehen beim Kämmen. Insbesondere Extensions können irreversible Schäden der Haarwurzel verursachen. Gerade bei Frauen mit dünnem Haar ist die Haarwurzel das verhältnismäßig hohe Gewicht der Extensions nicht gewohnt, das Haar kann abbrechen oder komplett ausfallen.
Bei Frauen schwankt der Spiegel der Geschlechtshormone deutlich mehr als bei Männern. Grundsätzlich sorgt das weibliche Geschlechtshormon Östrogen dafür, dass die Haare lang wachsen und gesund aussehen. Insbesondere in Phasen eines verminderten oder abfallenden Östrogenspiegels kann es daher zu Haarausfall bei Frauen kommen. Nach dem Absetzen der Anti-Baby-Pille kommt vermehrter Haarausfall häufiger vor. Ähnlich ist es im Rahmen einer Schwangerschaft.
Schwangere Frauen wirken oft besonders attraktiv, da sie volles, gesund glänzendes und kräftig wachsendes Haar sowie frisch und rosig wirkende Haut haben. Nach der Entbindung kommt es zu einer enormen Hormonumstellung, bei der unter anderem der Östrogenspiegel abfällt - es kann zu Haarausfall kommen. Teilweise kommt es bereits in der Schwangerschaft zu Haarausfall. Später in den Wechseljahren nimmt die Östrogenproduktion der Eierstöcke ab. Meistens passiert das zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Als bekannteste Wirkungen dieses Hormonumschwungs zählen Hitzewallungen, Reizbarkeit oder Schlafstörungen.
Vor der Therapie eines Haarausfalls steht die richtige Diagnose. Um diese herauszufinden, gehört neben einer Anamnese und einer körperlichen Untersuchung eine Blutentnahme dazu, um beispielsweise eine Blutarmut oder hormonelle Schwankungen nachzuweisen. In manchen Fällen wird auch eine Biopsie der Kopfhaut entnommen, um eine Entzündung oder eine infektiöse Erkrankung (zum Beispiel einen Pilzbefall) auszuschließen.
Glücklicherweise gibt es heute eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, die Frauen helfen können, den Haarausfall zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Die eigenmächtige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, vor allem Eisen, sollte man vermeiden und erst nach ärztlicher Rücksprache durchführen, wenn wirkliche Nährstoffmangelzustände gesichert wurden.
| Behandlung | Beschreibung |
|---|---|
| Minoxidil | Wirksamstes Mittel bei erblich bedingtem Haarausfall. Weitet die Gefäße und verbessert die Versorgung der Haarwurzeln. |
| Antiandrogene | Tabletten, die die Wirkung der männlichen Sexualhormone (Testosterone) aufheben. |
| Kortison | Wird als Salbe oder Creme direkt auf die kahlen Stellen am Kopf aufgetragen. |
| Dithranol | Wirkstoff, der normalerweise zur Behandlung einer Schuppenflechte verschrieben wird. |
| Topische Immuntherapie | Provoziert eine Reaktion des Immunsystems auf der Kopfhaut, um das Haarwachstum anzuregen. |
Es gibt eine Reihe von Hausmitteln, die Frauen bei der Behandlung von Haarausfall helfen können.
Hausmittel können bei bestimmten Ursachen von Haarausfall wie Nährstoffmangel oder trockener Kopfhaut durchaus hilfreich sein. Sie können die Kopfhaut pflegen, die Durchblutung fördern und wichtige Nährstoffe für ein gesundes Haarwachstum liefern. Ist der Haarausfall jedoch, wie bereits erwähnt, auf genetische Faktoren, hormonelle Veränderungen oder gar Krankheiten zurückzuführen, reichen Hausmittel allein nicht aus, um den Haarausfall zu stoppen. Hausmittel helfen nur dann, wenn sie auch die Ursache des Haarausfalls bekämpfen.
Shampoos können bei der Behandlung von Haarausfall bei Frauen helfen. Entscheidend ist, dass die Inhaltsstoffe des Shampoos auf die Ursache des Haarausfalls abgestimmt sind.
Haarausfall bei Frauen kann verschiedene Ursachen haben, wie oben beschrieben.
Gegen erblich bedingten Haarausfall hat sich der Wirkstoff Minoxidil bewährt. Das Medikament ist eigentlich zur Behandlung von Bluthochdruck zugelassen, kann aber lokal als Lösung oder Shampoo (unter dem Namen Regaine) auf der Kopfhaut angewandt einem Haarverlust entgegenwirken. Das bei Männern teilweise angewandte Medikament Finasterid gegen androgenetisch bedingten Haarausfall ist bei Frauen immer noch sehr umstritten. Die Studienlage ist nicht eindeutig und auch die Nebenwirkungen sind bei Frauen nicht vollständig erforscht. Sollte das Medikament für Frauen genutzt werden, dann primär nach der Menopause.
Um systemische Nebenwirkungen zu reduzieren, gibt es auch topische Lösungen mit Finasterid, die allerdings in Deutschland nicht erhältlich sind. Die Wirksamkeit ist stark schwankend, kann aber durch eine zusätzliche Lokaltherapie mit Minoxidil gesteigert werden.
Infrage zur Behandlung einer Alopecia areata kommen eine lokale Therapie mit Cortison, gegebenenfalls auch eine systemische Therapie mit Tabletten. Auch eine Lokaltherapie mit Dithranol ist möglich. In Fällen mit größeren kahlen Stellen auf dem Kopf kommt eine topische Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon in Betracht.
Diffuser Haarausfall bessert sich in der Regel, wenn die zugrunde liegende Erkrankung oder der Mangel behandelt wird. Medikamente können, müssen aber nicht Teil des Behandlungsplans sein. Oft genügt es, einen Nährstoffmangel durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
Jedes Medikament kann verschiedene Nebenwirkungen haben. Sie müssen nicht auftreten und jeder Mensch reagiert anders.
Bitte besprechen Sie dieses Thema unbedingt auch mit dem behandelnden Arzt, in Bezug auf Ihre Situation.
Die Art der Einnahme: Bei der topischen Anwendung werden die Medikamente direkt auf die Kopfhaut aufgetragen, so dass die Nebenwirkungen in der Regel geringer sind und meist nur lokal auftreten. Bei der oralen Anwendung werden die Medikamente in Form von Tabletten oder Kapseln eingenommen und über den Blutkreislauf im Körper verteilt, unter anderem bis zu den Haarwurzeln.
Die Dosierung des Wirkstoffs ist ebenfalls wichtig, da eine zu hohe Dosierung das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann. Außerdem muss eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Dabei sind das Alter usw. zu berücksichtigen.
tags: #Ursachen #Haarausfall #Frauen
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