Ein Teratom ist eine spezielle Form von Tumor, der aus fehlentwickelten Keimzellen entsteht. Die meisten sind gutartig, können aber auch bösartig werden. Dank Operation und Chemotherapie ist oft eine vollständige Heilung möglich.
Es handelt sich um eine der gefürchtetsten Krankheiten der Welt. Nicht etwa wegen seiner Häufigkeit, sondern wegen der bekannten Symptome: Geschwülste mit Zähnen, Haaren, Häuten...
„Teratome sind gut- oder bösartige Tumore, welche von den Keimzellen ausgehen. Sie werden daher zu den Keimzelltumoren gerechnet. Sie enthalten meist Gewebe aller drei Keimblätter und können somit verschiedenste Gewebe des menschlichen Körpers wie z. B. Haare oder Zähne bilden.", erklärt uns PD Dr. med. Paul Buderath, Leitender Oberarzt der gynäkologischen Onkologie an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsmedizin Essen.
Haare oder Zähne?! Das hört sich zunächst gruselig an, kann aber in seltenen Fällen passieren. Doch meist sind Teratome bei Frauen gutartig. Bösartige Tumore kommen in dieser Form nur selten vor.
Die Fähigkeit der Zellen, sich quasi beliebig zu entwickeln, sorgt letztlich dafür, dass es zu einer Geschwulst kommen kann, die ein kleines Gehirn enthält oder Zähne hat. Fast immer sind auch Haare an den Tumoren zu finden, manchmal auch hautähnliche Strukturen.
Ein Teratom besteht aus einem zystenartigen Hohlraum, der mit einer milchigen oder schleimigen Flüssigkeit und Haaren gefüllt ist. Platzt ein Teratom im Bauchraum auf, kann es zu Bauchfellentzündungen führen.
"Man unterscheidet reife von unreifen Teratomen. Während reife Teratome als gutartig gelten und in der Regel aus reifen, also fertig ausdifferenzierten Geweben der verschiedenen Keimblätter bestehen, sind die viel selteneren unreifen Teratome als bösartig einzustufen.", so Dr. Buderath.
"Die häufigsten Entstehungsorte bei Erwachsenen sind die Eierstöcke und Hoden. Reife Teratome machen etwa 15 bis 20 Prozent der gutartigen Eierstockstumore aus."
Können Teratome auch bei Kindern entstehen? "Ja, das reife Teratom gilt sogar als der häufigste Eierstocktumor im Kindesalter."
Doch der Experte gibt auch Entwarnung: "Dennoch ist es mit einem Fall pro 20.000 - 40.000 Neugeborene sehr selten."
Teratome sind meist gutartige Tumore, die aus fehlentwickelten Keimzellen entstehen. Sie gehören zu den sog. Keimzelltumoren und können in verschiedenen Bereichen des Körpers vorkommen, oft jedoch an Kreuzbein, Steißbein, in den Eierstöcken oder Hoden. In ihrem Inneren können sich verschiedene Gewebeformen herausbilden, sogar Haare, Knochen oder Zähne. Oft fallen Teratome schon vor der Geburt des Kindes in einer der routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen auf. In eher seltenen Fällen entwickeln sich Teratome zu bösartigen Tumoren, die dann auch Metastasen bilden können.
Reifes zystisches Teratom.
Teratome entwickeln sich am häufigsten an Eierstöcken (ovarielle Teratome) oder im Hoden (testikuläre Teratome).
Handelt es sich bei einer Zyste am Eierstock um ein Teratom, so enthält diese aufgrund der Entwicklung der Keimzellen zum Beispiel Haare oder Knorpel. Bei einem reifen Teratom an den Eierstöcken spricht man auch von einer Dermoidzyste. Ovarielle Teratome werden häufig zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. In seltenen Fällen haben die betroffenen Frauen Schmerzen oder Blutungen.
Auch am Hoden können Teratome auftreten, die häufig bösartig sind. Bemerkbar machen sich die testikulären Teratome meist durch eine Verhärtung des Hoden oder einen harten Knoten am Hoden. Daher ist es wichtig, diese regelmäßig abtasten bzw. untersuchen.
Weitere, seltenere Körperstellen für Teratome sind zum Beispiel:
Theoretisch können Teratome jedoch an jeder Körperstelle entstehen.
"Hierbei handelt es sich um eine veraltete Bezeichnung, welche der fehlerhaften Annahme zugrunde liegt, bei dem Teratom handle es sich um einen Zwilling, der sich nicht richtig entwickelt habe.
Tatsächlich gibt es seltene Fälle, in denen sich in einer Geschwulst ein fehlentwickelter Fötus findet (Fetus in Fetu). Die genaue Entstehung dieses Phänomens ist nicht geklärt."
Die ersten Zellen in der Entwicklung eines Embryos sind die Keimzellen. Aus ihnen bilden sich die unterschiedlichen Gewebe und Organe des Körpers. Ein Teil der Keimzellen wandert auch in die Keimdrüsen, bei Mädchen in die Eierstöcke, bei Jungen in die Hoden. Kommt es dabei zu Störungen, können aus fehlentwickelten Keimzellen Teratome entstehen.
Teratome sind in der Regel angeboren, kommen aber häufig erst im Erwachsenenalter zum Vorschein. Nur selten wird ein Teratom schon im Säuglingsalter erkannt.
"Symptome entstehen meist durch das Größenwachstum der Tumore, also zum Beispiel als Druckgefühl oder Schmerzen im Unterbauch bei Teratomen der Eierstöcke. Sehr häufig werden Teratome jedoch auch als Zufallsbefund bei gynäkologischen Ultraschalluntersuchungen entdeckt."
Beschwerden entstehen durch das rasche Wachstum von Teratomen. Sie können je nach Ort des Auftretens jedoch unterschiedlich ausfallen:
Weitere Symptome von Teratomen können z. B. sein:
Teratome kommen relativ selten vor. Allerdings kann man sich vor einem Teratom nicht schützen, da es spontan entsteht. Keimzelltumoren insgesamt machen etwa 4 % der Tumore im Kindesalter aus. Überwiegend treten sie bei Neugeborenen auf, sind dann aber weit überwiegend gutartig. Zu einem leichten Anstieg der Fälle kommt es noch einmal in der Pubertät, wobei dann häufiger bösartige Geschwulste entdeckt werden.
Ein Hinweis auf ein Teratom ergibt sich oft zufällig bei Ultraschalluntersuchungen in der Haus- oder Kinderarztpraxis aufgrund von Schmerzen an der betreffenden Stelle oder durch eine Hodenschwellung. Teratome werden durch medizinisches Abtasten, Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen erkannt und durch eine histologische Untersuchung einer Gewebeprobe (lokale Betäubung) bestätigt. Auch Blutuntersuchungen können auf Teratome hinweisen, etwa durch einen erhöhten Wert der Tumormarker.
Bei einem Verdacht werden die Betroffenen zu Spezialist*innen für die Kinderkrebsmedizin (Kinderonkologie) überwiesen. Dort wird das Blut auf das Vorhandensein von Tumormarkern untersucht. Je nach Lage, Größe und Ausbreitung der Geschwulst kommen dann unterschiedliche bildgebende Verfahren zum Einsatz wie Sonografie, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Skelettszintigrafie oder PET-CT. Bestätigt sich der Verdacht auf ein Teratom, wird das Kind in eine spezialisierte kinderonkologische Klinik eingewiesen.
Ziel der Therapie ist die vollständige chirurgische Entfernung des Teratoms, unterstützt ggf. durch eine Chemotherapie.
Von Teratomen betroffene Organe sollen möglichst erhalten bleiben. Das ist jedoch nicht immer möglich ist, da eine vollständige Entfernung der Geschwulst sehr wichtig ist, damit sich verbleibende Anteile nicht bösartig entwickeln können. So wird etwa bei einem Teratom am Steißbein auch das Steißbein selbst mit entfernt.
Eine Chemotherapie kann vor der Operation oder auch danach zum Einsatz kommen, wenn das Teratom bösartig ist und der Tumor nicht vollständig entfernt werden kann oder konnte. Eine Strahlentherapie wird bei Kindern und Jugendlichen kaum eingesetzt, da sie sehr negative Auswirkungen auf das Wachstum und die Zeugungsfähigkeit hat.
Wird ein Teratom frühzeitig erkannt und kann es vollständig entfernt werden, so ist die Prognose sehr gut. Allerdings gibt es das Risiko eines Rückfalls (Rezidiv): Bei sog. reifen (gutartigen) Teratomen, die aus langsam wachsendem Gewebe bestehen, liegt es bei 10 %. Bei sog. unreifen (bösartigen) Teratomen, die aus eher schnell wachsendem Gewebe bestehen, liegt es bei 30 %.
Nach jeder Behandlung erfolgt eine engmaschige Nachsorge, um Rezidive und mögliche Folgeschäden der Therapie frühzeitig zu erkennen.
tags: #Tumor #mit #Haaren #Ursachen
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.