Viele Menschen haben die Gewohnheit, sich ständig durch die Haare zu fahren. Ob es sich um eine unbewusste Geste, ein Zeichen von Nervosität oder ein Ausdruck von Stress handelt, das ständige Berühren der Haare kann verschiedene Ursachen haben. In einigen Fällen kann es sich jedoch auch um ein Symptom einer tieferliegenden psychischen Störung handeln.
Strähnchen drehen, Pony aus der Stirn wischen - diese Gesten sagen mehr über uns aus, als wir denken! Für manche ist dies eine Art Stressbewältigung, fast wie ein nervöser Tick. Die wiederkehrende Bewegung hilft uns, zu entspannen. Andere versuchen, sich hinter ihrem Haar regelrecht zu verstecken. Unsere Haare zu berühren, entspannt uns.
Wenn wir unsere Haare berühren, werden Impulse ans Gehirn gesendet, die uns helfen ruhig zu sein. Ein bewusstes Anfassen ist eine beruhigende Geste. Befinden wir uns in Stresssituationen, berühren wir das Haar häufiger.
Ein kleines Mädchen wickelt zum Einschlafen seine Haare um den Finger, immer und immer wieder. Ein Gefühl von Geborgenheit gebe ihr das, sagt Ines. Ihre Atmung werde langsamer und tiefer, und nach ein paar Minuten sei sie wieder ruhig genug, um sich jedweder Stresssituation anzunehmen.
In einigen Fällen kann das ständige Berühren der Haare jedoch auch ein Symptom einer psychischen Störung namens Trichotillomanie sein. Trichotillomanie ist eine Zwangsstörung, bei der sich Betroffene wiederholt die eigenen Haare ausreißen - meist unbewusst und oft bis zur sichtbaren Schädigung der Kopfhaut, Augenbrauen oder Wimpern.
Der Drang entsteht meist in stressigen Situationen oder aus innerer Unruhe heraus. Ob im Büro unter Druck, beim Lernen in der Nacht oder aus purer Anspannung - die Auslöser sind vielfältig. Was mit einem harmlosen Zupfen beginnt, kann zu kahlen Stellen und tiefem Leidensdruck führen.
Wusstest du, dass der Begriff „Trichotillomanie“ schon über 100 Jahre alt ist? 1889 wurde er vom französischen Dermatologen François Henri Hallopeau geprägt - aus den Wörtern für Haar, Ziehen und Zwang. Wer darunter leidet, reißt sich oft ungewollt die Haare aus - am Kopf, an den Augenbrauen oder Wimpern. Häufig geschieht das in stressigen Momenten oder völlig nebenbei, ohne es richtig zu merken.
Die deutlichste negative Auswirkung des Haare ausreißens ist der sichtbare Haarverlust oder das Fehlen der Augenbrauen und Wimpern. Auch wenn Betroffene um diese Auswirkungen wissen, können sie das Ausreißen nicht einfach sein lassen.
Eine alleinige Ursache für die Erkrankung gibt es nicht. Neurobiologische Faktoren, z.B. Belastende traumatische Erlebnisse, wie u. a. nach Missbrauch, Mobbing oder Gewalt können Auslöser für die Erkrankung sein.
Wenn Menschen sich wiederholt die Haare ausreißen, steckt dahinter nicht bloß ein Tick - oft ist es eine Reaktion auf seelische Überforderung. Trichotillomanie ist dabei nicht selten ein Ventil, um mit innerem Druck umzugehen.
Bei der Trichotillomanie gibt es keine objektiven Diagnosekriterien. Die Erkrankung muss also nicht beispielsweise durch kahle Stellen sichtbar sein. In einem persönlichen Gespräch finden Mediziner und Medizinerinnen heraus, wie Betroffene die Situation beim Haareausreißen erleben, wie hoch ihr Leidensdruck ist und ob sie Beeinträchtigungen im Alltag wahrnehmen.
Hier gibt es zwei Möglichkeiten: entweder die Psychotherapie oder die medikamentöse Therapie. Die kognitive Verhaltenstherapie ist besonders erfolgsversprechend. Sie setzt bei der Trichotillomanie beispielsweise auf das Habit-Reversal-Training, zu Deutsch Gewöhnungsumkehr-Training.
Dabei geht es darum, Betroffene zunächst so anzuleiten, dass sie sich selbst beobachten können. So finden sie heraus, in welchen Situationen sich der Drang ergibt. Mit einem Protokoll halten sie fest, welche Gedanken und Gefühle in dem Moment bestehen.
Im nächsten Schritt trainieren sie eine motorische Gegenreaktion - immer wenn sie den Drang verspüren, können sie beispielsweise die Fäuste ballen oder kleine Objekte wie Kastanien in der Hand hin und her bewegen. Führen Betroffene diese Gegenreaktion beim Drang für mindestens zwei Minuten durch, kann es zu einer Entkopplung kommen - das Gefühl, sich die Haare ausreißen zu müssen, kann dann nachlassen.
Natürlich ist es wichtig, nicht nur Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sondern auch die Auslöser zu berücksichtigen. Bei sozialen Ängsten helfen beispielsweise das Trainieren sozialer Kompetenzen und bei ausgeprägten familiären Konflikten Familiengespräche.
Neben dem Fäusteballen oder anderen Ablenkungen ist es sinnvoll, ein Impulstagebuch zu führen. Darin können Betroffene notieren, wann sie den Drang verspüren - so schärfen sie ihre Wahrnehmung für das Problem und für die auslösenden Faktoren. Außerdem sind Entspannungstrainings wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training oft hilfreich. Dadurch können Betroffene Stress und Anspannung reduzieren - mögliche Auslöser werden so im Vorhinein beseitigt.
Viele Betroffene und ihre Angehörigen fühlen sich mit Trichotillomanie oft allein gelassen. Mit Freunden oder Familienmitgliedern trauen sich die Betroffenen oft nicht zu sprechen, weil sie sich zu sehr schämen. Ein Besuch einer Selbsthilfegruppe, auch online, in der man auf Gleichgesinnte und Verständnis trifft, kann eine gute Unterstützung und Ergänzung zur Therapie sein.
Für Angehörige und Freunde ist das Haare ausreißen meist unverständlich und schwer auszuhalten. Fördern Sie die Stärken und gesunden Fähigkeiten des betroffenen Familienmitgliedes oder Freundes. Unternehmen Sie schöne Dinge miteinander.
Neben dem zwanghaften Ausreißen der Haare gibt es auch die Angewohnheit des Haarzwirbelns, bei der die Haare um den Finger gewickelt werden. Auch diese Angewohnheit kann in stressigen Situationen auftreten und zu Haarschäden führen.
Trichologin Stephanie Sey ist sich allerdings sicher, dass beides Hand in Hand gehen kann. „Manche eine*r zwirbelt und spielt mit den Haaren, bevor er oder sie sich dann eines zum Ausreißen aussucht“, sagt Stephanie.
Laut Simone fällt es vor allem Erwachsenen schwer, sich das Zwirbeln abzugewöhnen - vor allem, wenn sie es schon ihr ganzes Leben lang tun. Sie empfiehlt, dem eigentlichen Auslöser auf die Schliche zu kommen. Liegt es am Stress, an innerer Unruhe? Simone und Stephanie sind sich einig: Eine Psycho- oder Verhaltenstherapie wäre in diesem Fall ein empfehlenswerter erster Schritt. Wende dich davor an deinen Arzt oder deine Ärztin, um dir professionellen Rat und eine entsprechende Überweisung einzuholen.
Viele Menschen leiden unter einer gesteigerten Empfindlichkeit der Kopfhaut, Trichodynie genannt. Kopfhaut oder Haarwurzeln schmerzen, Berührungen werden als unangenehm oder schmerzhaft empfunden, auch schmerzhaftes Brennen der Kopfhaut wird uns in unserer Hautarztpraxis in München häufig geschildert. Sehr oft wird auch das Kämmen der Haare und/oder jede Lageveränderung der Haare als sehr unangenehm empfunden.
Die Ursachen der Trichodynie sind vielfältig, aber noch immer nicht gut genug erforscht. Wie immer steht vor der Behandlung die Ursachenklärung. Die Therapie richtet sich dann nach der Ursache. Oft kann man den Auslöser finden und dann ausschalten. Es gibt aber auch für schwierige Fälle viele gute Behandlungsmöglichkeiten, sodass wir fast immer eine gute Besserung der Beschwerden erzielen können.
Die Psychologie der Haarveränderung ist faszinierend und bietet Einblicke in die tiefen Verbindungen zwischen unserem äußeren Erscheinungsbild, unserem Selbstbild und der Wahrnehmung durch andere. Psychologen erklären dies oft mit dem Bedürfnis nach Kontrolle und dem Verlangen, sich selbst neu zu definieren.
Außerdem kann eine Haarveränderung auch auf innere Veränderungen hinweisen. Ein neues Kapitel im Leben, ein neues Selbstbewusstsein oder einfach der Wunsch, sich von alten Gewohnheiten zu lösen. Die Gründe können vielfältig sein, und oft merken wir erst im Nachhinein, wie stark eine Haarveränderung mit inneren Prozessen verbunden ist.
Eine bewusste Haarveränderung kann auch eine heilende Wirkung auf die Seele haben. Der Prozess des Friseurbesuchs, die Pflege der Haare und die positive Rückmeldung aus dem Umfeld können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl zu stärken und das emotionale Wohlbefinden zu verbessern.
| Ursache | Symptome | Behandlung |
|---|---|---|
| Nervosität und Stress | Unbewusstes Spielen mit den Haaren | Entspannungstechniken, Stressmanagement |
| Trichotillomanie | Zwanghaftes Ausreißen der Haare, sichtbarer Haarverlust | Verhaltenstherapie, Medikamente, Selbsthilfegruppen |
| Trichodynie | Kopfhautschmerzen, Empfindlichkeit bei Berührung | Vermeidung von Reizungen, Entspannung, Muskelrelaxantien |
| Haarzwirbeln | Haare werden um den Finger gewickelt | Psychotherapie, Ablenkung, Stressabbau |
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