Etwa die Hälfte aller Frauen sieht sich im Laufe ihres Lebens mit erblich bedingtem Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, konfrontiert. Während bei Männern der Haarausfall im Alter gut bekannt ist, wurde dieses Thema bei Frauen lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Doch es gibt Therapien, die auch Frauen gegen lichteres Haar am Scheitel Abhilfe verschaffen können. Eine dieser Optionen ist Spironolacton.
Spironolacton ist seit Jahrzehnten als Medikament bekannt - ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz. In der Haarmedizin wird es wegen seiner antiandrogenen Wirkung bei Frauen mit hormonell bedingtem Haarausfall eingesetzt. Inzwischen wird es zunehmend durch LDOM (Low-Dose-Orales Minoxidil) ersetzt.
Spironolacton gehört zu den kaliumsparenden Diuretika. Es wird verwendet, um die Flüssigkeitsmenge in Ihrem Körper zu reduzieren, ohne das Kalium zu reduzieren. Es wird auch zur Behandlung von Hypertonie (Bluthochdruck), Ödemen (Schwellungen), Kaliummangel und Hyperaldosteronismus (Hormonstörungen) angewendet.
Androgenetischer Haarausfall ist stark mit dem Hormonhaushalt verbunden. Da sich vor allem im Zuge der Wechseljahre die Hormonspiegel verändern, sind viele Frauen nun anfälliger für diese Art von Haarverlust. Bei androgenetischem Haarausfall ist das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) das größte Problem. Es bindet an die Androgenrezeptoren der Haarfollikel und sorgt dort dafür, dass die Haare immer dünner und schwächer werden: Lichteres Haar entsteht.
Spironolacton hemmt die Wirkung männlicher Hormone (Androgene), die eine zentrale Rolle bei der androgenetischen Alopezie spielen. Indem es für weniger Androgene sorgt (also auch weniger DHT) und zusätzlich die Androgenrezeptoren blockiert (DHT hat somit quasi einen starken Mitbewerber um den Platz auf den Rezeptoren), kann es die Haarfollikel schützen. Es wird daher bereits über 30 Jahre bei erblich bedingtem Haarausfall bei Frauen eingesetzt - allerdings off-label, das heißt, es gibt keine offizielle Zulassung für Spironolacton bei Haarausfall.
Diese Wirkung zeigt sich insbesondere bei Patientinnen mit:
Bisherige Studien zu oralem Spironolacton haben sehr unterschiedliche Ergebnisse geliefert. Das lässt vermuten, dass die Wirkung individuell sehr verschieden ist. Kurz gesagt - bei der einen hilft es, bei der anderen nicht. Allerdings sind zumindest folgende Dinge klar: Eine längere Behandlung erzielt bessere Ergebnisse (12 vs. 6 Monate) und Spironolacton wirkt vor allem in Kombination mit anderen Therapien gut gegen Haarausfall.
Spironolacton kann androgenetischen Haarausfall bekämpfen, indem es die Produktion des Hormons Dihydrotestosteron (DHT) hemmt und dessen schädigende Wirkung auf Haarfollikel blockiert. Die Wirksamkeit variiert individuell, doch es zeigt sich, dass eine längere Anwendung und die Kombination mit anderen Behandlungen, wie Minoxidil, vielversprechend sind.
Die von Dermatologen empfohlene mittlere Tagesdosierung beträgt 50-100 mg. Die empfohlene Dosis bei Frauen reicht je nach individueller Situation von 12,5 mg bis 200 mg täglich. Dabei gilt: Weniger ist oft mehr, besonders bei älteren Patientinnen. Studien zeigen, dass auch niedrige Dosen bei Frauen über 60 Jahren wirksam sein können - bei gleichzeitig geringerer Nebenwirkungsrate. In dieser Altersgruppe ist besondere Vorsicht geboten, da das Risiko für Hyperkaliämie oder leichte Nierenschädigungen steigt.
Es gibt Spironolacton nicht nur als Tablette, die oral eingenommen wird, sondern auch topisch, also in einer Formulierung, die auf die Haut aufgetragen wird. Topische Anwendungen sind meist besser verträglich - so auch bei Spironolacton. Es werden lediglich minimale Nebenwirkungen, wie Juckreiz, berichtet. Allerdings ist die Studienlage zu topischem Spironolacton noch spärlich und aktuelle Formulierungen unterliegen dem äußerst gut untersuchten topischen Minoxidil.
Mittlerweile gibt es immer mehr Untersuchungen, die sich auf eine Kombinationstherapie mit Spironolacton konzentrieren - insbesondere in Kombination mit Minoxidil. Da Spironolacton und Minoxidil nämlich völlig unterschiedliche Wirkmechanismen haben, kann eine Kombination der beiden Wirkstoffe eine potente Lösung darstellen: Spironolacton bekämpft die hormonelle Ursache (DHT), während Minoxidil das Haarwachstum anregt.
In der klinischen Praxis hat sich die Kombination aus oralem Minoxidil (0,25 mg) und Spironolacton (25 mg) als sehr effektiv erwiesen. Bei Patientinnen mit Hirsutismus oder ausgeprägtem Haarwuchs an unerwünschten Stellen (z. B. im Gesicht, am Rücken) kann eine zu hohe Minoxidildosis problematisch sein, da sie auch nicht-kopfhautbezogenes Haarwachstum fördern kann.
Mehrere Studien haben sich mit der Kombination von oralem Spironolacton und topischem Minoxidil auseinandergesetzt. Dabei wurde Folgendes festgestellt:
In Europa wird Minoxidil in der oralen Formulierung noch kaum gegen Haarausfall eingesetzt (in erster Linie aufgrund potenzieller Nebenwirkungen). Die Forschung sieht jedoch, insbesondere in niedrig dosiertem oralem Minoxidil, Potenzial.
Eine der Nebenwirkungen von oralem Minoxidil ist eine Zunahme der gesamten Körperbehaarung. Es wachsen also nicht nur die Haare auf dem Kopf stärker, sondern alle Haare am Körper - ein besonders unerwünschter Effekt bei Frauen. Eine Kombination mit Spironolacton kann helfen, den an gewissen Stellen unerwünschten Haarwuchs effektiv abzuschwächen.
Damit könnte die Kombination von oralem Spironolacton und oralem Minoxidil eine äußerst wirksame und strategisch kluge Therapie bei fortgeschrittenem androgenetischem Haarausfall sein, da sie nicht nur synergistisch das Haarwachstum fördert, sondern auch eine wesentliche Nebenwirkung des Minoxidils gezielt abschwächen kann.
Wie immer gilt: keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Doch gerade bei Spironolacton werden Nebenwirkungen befürchtet, die meist unnötige Sorgen machen.
Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen von oralem Spironolacton sind Menstruationsstörungen, Brustspannen, Juckreiz und Schwindelgefühl. Menstruationsstörungen treten etwa bei einem Drittel auf.
Spironolacton darf in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es das ungeborene Kind schädigen kann (Antiandrogenwirkung). Vor Beginn der Behandlung ist daher eine sichere Verhütungsmethode essenziell.
Spironolacton ist ein harntreibendes Medikament, das dafür sorgt, dass der Körper Wasser und Salz ausscheidet, dabei aber Kalium im Körper behält. Es verhindert, dass zu viel Kalium über die Nieren verloren geht. Dadurch kann es potenziell mit Spironolacton zu einem zu hohen Kalium-Spiegel im Körper kommen (Hyperkaliämie). Daher ist es ratsam, eine Kontrolle des Kalium-Spiegels mittels eines Blutbildes vornehmen zu lassen.
Eine Hyperkaliämie kommt bei Spironolacton in geringen Dosen jedoch nur sehr selten vor. In erster Linie sind davon Menschen betroffen, die weitere Medikamente mit derselben potenziellen Nebenwirkung einnehmen. So entwickelten in einer Studienpopulation von Frauen über 65 Jahren (hier besteht eine erhöhte Anfälligkeit) 10% der Teilnehmerinnen eine Hyperkaliämie - allerdings hatte mehr als die Hälfte der betroffenen Frauen bereits grenzwertig erhöhte Kalium-Werte und mehr als ein Drittel der Teilnehmerinnen nahm zeitlich weitere Medikamente zu sich, die eine Hyperkaliämie verursachen können.
Die ursprüngliche Funktion von Spironolacton ist eine Senkung des Blutdrucks. Bei einer Einnahme von Spironolacton gegen Haarausfall wäre ein Abfall des Blutdrucks jedoch meist eine unerwünschte Nebenwirkung. Wie verändert sich also der Blutdruck bei Frauen mit normalem Blutdruck, die Spironolacton für dermatologische Zwecke einnehmen? Eine große Studie mit mehr als 2000 Teilnehmerinnen kann hier Entwarnung geben - Spironolacton verursacht keine signifikante Änderung des Blutdrucks, unabhängig von der eingenommenen Spironolacton-Dosis. Dennoch ist es ratsam, zu Beginn einer Therapie mit Spironolacton gegen Haarausfall deinen Blutdruck zu messen. Eine ständige Kontrolle ist aber nicht notwendig. Nach 7 Wochen ist der maximale Effekt auf den Blutdruck zu erwarten.
Lange Zeit gab es die Befürchtung, dass Medikamente mit antiandrogener Wirkung wie Spironolacton das Risiko für Brustkrebs erhöhen könnten. Diese Ängste wurden längst widerlegt und auch ganz aktuelle, groß angelegte Studien bestätigen das: Spironolacton wird selbst bei Menschen mit hohem Risiko für Brustkrebs als sicher gewertet.
Es gibt verschiedene Medikamente, die derzeit für die Behandlung von Haarausfall bei Frauen verwendet werden. Einige dieser Medikamente sind nicht von der FDA für diesen Fall zugelassen, aber sie werden für die Behandlung von Haarausfall verwendet:
Wenn sich an einem Tag ein paar mehr Haare in der Bürste wiederfinden, ist dies noch kein Grund einen Spezialisten aufzusuchen. Bei anhaltendem Verlust von deutlich mehr als 100 Haaren täglich, wenn die Haare in Büscheln ausfallen oder sich einfach und schmerzfrei aus der Haut ziehen lassen, sollte ein Hautarzt oder eine Hausärztin konsultiert werden. Zur weiteren Diagnose werden Haare entnommen. Ergänzend kann ein Bluttest gemacht werden. In vielen Fällen ist ein Dermatologe oder eine Dermatologin der richtige Ansprechpartner bzw. die richtige Ansprechpartnerin. Ist eine hormonelle Störung als Ursache ausgemacht, kann es sinnvoll sein, einen Endokrinologen bzw. eine Endokrinologin aufzusuchen.
Ärzte lehnen die Verwendung von systemischen Medikamenten zur Behandlung von Haarausfall ab (Pillen oder andere Formen der systemischen Behandlung, die den ganzen Körper betreffen), außer sie wissen, dass Haarausfall durch Androgenüberschuss oder Androgenüberempfindlichkeit (erhöhte Reaktion) auf normale Androgenmengen im Körper verursacht wird, da diese systemischen Behandlungen die Androgenspiegel im Körper reduzieren können.
Dieser Artikel wurde verfasst von Dr. C.M. K. G.S.
Für Spironolacton sind bisher noch keine Indikationen durch die FDA/EMEA bestätigt worden. Dennoch wird es „off-label“ eingesetzt, unter anderem zur Behandlung von Akne und Haarausfall bei Frauen, Hidradenitis suppurativa und Hirsutismus. Dies liegt in seinem Wirkmechanismus begründet. Spironolacton beeinflusst die hormonkontrollierte Talg- und Schweißsekretion und androgenstimuliertes Haarwachstum.
Die Anwendung von Antiandrogenen nach längerem Haarausfall wird Ihnen zumindest helfen, mehr Haarausfall zu verhindern und das Nachwachsen einiger Haare aus diesen schlafenden, aber noch lebensfähigen Follikeln stimulieren. Wenn die Androgene auf andere Weise nicht unter Kontrolle gehalten werden, führt dies zu einem erneuten Haarausfall.
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