Der Schweizer Autor Peter Stamm breitete dieses Gedankenspiel in seinem bereits 1998 veröffentlichten Debütroman aus. Das tückisch fragile Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion im literarischen Schöpfungsprozess wurde im Kino schon oft ausgelotet, zuletzt etwa in der tragisch gefärbten Komödie »Ruby Sparks«.
Zum ersten Mal fällt Walter (Stephan Kampwirth) die junge Frau (Odine Johne) in einer Düsseldorfer Bibliothek auf, wo er für ein Sachbuch recherchiert. Agnes wirkt spröde und sperrig, und gerade darum anziehend und geheimnisvoll auf ihn. Als er sie später in der U-Bahn anspricht, konfrontiert sie ihn mit brüsken Feststellungen und Reaktionen.
»Was ist, wenn man stirbt, bevor man müde ist? Hast du darüber schon mal nachgedacht?«, blafft sie ihn an, als er in ihren Augen zu indifferent auf den Anblick einer jungen Frau reagiert, die auf dem Trottoir tot zusammengebrochen ist. Dieses Zitat verdeutlicht Agnes' komplexe Persönlichkeit und ihre Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen.
Wenn er sich künstlerische Freiheiten nimmt, fordert sie Wirklichkeitstreue, so ähnlich wie die realen Menschen von den Schauspielern in dem ausufernd autobiografischen Theaterprojekt, das Philip Seymour Hoffman in Charlie Kaufmanns »Synecdoche New York« inszenierte. Realität und Fiktion, Beobachtung und Interpretation beginnen zu changieren.
Kaum merklich unterscheiden sich die beiden Welten in Lichtgebung und Farbspiel, Kostümen und Frisuren, so dass man auch als Zuschauer immer wieder auf die literarische Fantasie hereinfällt. Die subtilen Unterschiede in Frisuren und Kostümen tragen dazu bei, die Grenze zwischen Realität und Fiktion zu verwischen.
Mal virtuos, mal augenzwinkernd spielt der Regisseur die Möglichkeiten des Kinos aus. Wenn Walter beispielsweise eine Passage, mit der Agnes unzufrieden war, löscht, läuft der Film rückwärts. Im Kino sind Walters Vorstellungen ganz real zu sehen, weshalb sich irgendwann die Frage stellt, ob es diese Agnes überhaupt gibt.
»Das Glück macht keine gute Geschichte«, konstatiert der Autor einmal, und es wirkt fast wie Trotz, als Agnes kurz darauf schwanger wird. Die Aussage des Autors über das Glück in Geschichten wirft ein interessantes Licht auf die Handlung und die Entwicklung der Charaktere.
Wenn die literarische Agnes gefragt wird, ob sie zu ihm ziehen wolle, will die echte Agnes wissen, ob er das wirklich meine. Ihre enigmatische Unnahbarkeit macht sie zur perfekten Projektionsfläche, nur leider beginnt sie sich zu wehren.
Als er dann tatsächlich beginnt, über ihre gemeinsame Geschichte zu schreiben, hakt sie immer wieder nach, ob er dieses oder jenes wirklich so empfunden oder gemeint habe. »Sie sah mich dankbar an«, schreibt er.
»Du könntest über mich schreiben«, schlägt die Physikstudentin Agnes dem Sachbuchautor Walter vor, ohne zu ahnen, was für einen teuflischen Mechanismus sie damit in Gang setzt: Was passiert mit der Liebe, wenn man über sie schreibt? Wenn man sie schon dokumentiert, während man sie noch lebt? Ja, wenn man Eingriffe in die Wirklichkeit vornimmt, sie nach eigenen Vorstellungen und Wünschen verändert und manipuliert?
Damals stand die Romanheldin des unter Schreibblockade leidenden Autors eines Tages ganz leibhaftig, für alle sichtbar in seinem Leben und strahlte mit ihrer kapriziösen Quirligkeit eine ansteckende Lebensfreude aus.
Im Kontext von Sonja Baums Frisuren lässt sich festhalten, dass diese ein subtiles, aber wirkungsvolles Mittel sind, um die Charaktere zu definieren und die Übergänge zwischen Realität und Fiktion zu gestalten. Die Frisuren spiegeln die innere Welt der Charaktere wider und tragen zur visuellen Erzählung bei.
Die folgende Tabelle zeigt, wie verschiedene Elemente, einschließlich Frisuren, zur Darstellung von Realität und Fiktion beitragen:
| Element | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| Frisuren | Darstellung der Persönlichkeit und des Wandels | Agnes' Frisur verändert sich mit ihrer Entwicklung |
| Kostüme | Unterstützung der visuellen Erzählung | Subtile Unterschiede zwischen realer und fiktiver Agnes |
| Lichtgebung | Schaffung von Atmosphäre und Unterscheidung zwischen Welten | Unterschiedliche Lichtstimmungen in Realität und Fiktion |
| Dialoge | Enthüllung der inneren Konflikte | Agnes' Fragen nach Walters wahren Gefühlen |
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