Viele werdende Mütter fragen sich, ob das Haarefärben während der Schwangerschaft ein Risiko darstellt. Es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen, von den Inhaltsstoffen der Haarfärbemittel bis hin zur Art der Anwendung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die aktuellen Empfehlungen und potenziellen Risiken, damit Sie eine informierte Entscheidung treffen können.
Was sagen Experten und Behörden?
Behörden und Fachverbände sind sich einig, dass bei sachgemäßer Anwendung keine Gefahren für Schwangere, Ungeborene oder Friseurinnen mit Kinderwunsch bestehen. Die Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln und Dauerwellflüssigkeiten stellen keine gesundheitliche Gefährdung für eine werdende Mutter und/oder das ungeborene Kind dar. Haarfärbemittel und Dauerwellflüssigkeiten sind nach der Kosmetikverordnung nach vorausgegangener strenger wissenschaftlicher Evaluierung ausdrücklich zugelassen worden.
Haare färben in der Schwangerschaft - Tipps und Ratschläge von Hebamme Agnes Ostermayer
Die Rolle der EU-Kommission und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)
Seit einigen Jahren führt der wissenschaftliche Kosmetikausschuss der Europäischen Kommission eine Liste zulässiger Stoffe in Haarfärbemitteln. Zahlreiche gesundheitsgefährdende und nachweislich krebserregende Stoffe dürfen seitdem in Haarfärbemitteln nicht mehr verwendet werden. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) liegen daher derzeit keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken durch Haarfärbemittel vor. Das gilt laut BfR auch für die Verwendung chemischer Haarfärbemittel in der Schwangerschaft und Stillzeit.
Chemische Haarfärbemittel: Was ist zu beachten?
Dauerhaftes Haarefärben geht nur mit chemischen Haarfärbemitteln, sogenannten Oxidationshaarfarben. Sie öffnen die Schuppenschicht der Haare und dringen tief ein. Auch sogenannte semipermanente Haarfarben oder Tönungen (sie halten 8 bis 10 Haarwäschen), bei denen sich die Farbstoffe nur außen am Haar anheften, enthalten in der Regel eine Vielzahl von Chemikalien.
Umstrittene Inhaltsstoffe
Nach wie vor sind jedoch einige Stoffe in chemischen Haarfarben enthalten, die in bestimmten Konzentrationen erlaubt, bei Fachleuten aber umstritten sind, zum Beispiel P-Phenylendiamin (PPD) oder aromatische Amine. Unbestritten ist, dass etliche in chemischen Haarfärbemitteln verwendete Stoffe Hautreizungen und Allergien auslösen können. Die Hersteller sind deshalb verpflichtet, entsprechende Warnhinweise auf den Packungen anzubringen.
Pflanzliche Haarfärbemittel als Alternative?
Eine Alternative zu chemischen Haarfärbemitteln können Pflanzenfarben sein. Die meisten Pflanzenfarben enthalten Henna. Für die charakteristische gelb-rote Farbe von Henna ist der Farbstoff Lawson verantwortlich.
Vorsicht bei Naturprodukten
Trotzdem ist auch bei „Naturhaarfärbemittel“ auf der Basis von Henna Vorsicht geboten, denn die Begriffe „Naturhaarfarbe“ oder „Pflanzenhaarfarbe“ sind nicht gesetzlich geschützt. Von Produkten, denen eine Liste der Inhaltsstoffe fehlt, ist abzuraten. Zertifizierte Naturkosmetik-Produkte garantieren bestimmte Standards im Hinblick auf die Inhaltsstoffe und Produktionsbedingungen, zum Beispiel den ökologischen, pestizidfreien Anbau der Henna-Pflanzen.
Henna und Lawson
Dem Farbstoff Lawson wurde früher eine erbgutschädigende Wirkung nachgesagt, was vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) widerlegt wurde. Rein pflanzliche Haarfarben aus Henna oder Indigo gelten auch in der Schwangerschaft als sicher.
Empfehlungen für die Anwendung von Haarfarben in der Schwangerschaft
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1. Trimester: Besonders in den ersten Schwangerschaftswochen empfiehlt sich jedoch Zurückhaltung. Frauenärzte empfehlen, vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft (1. Trimester) auf das Färben der Haare zu verzichten.*
2. und 3. Trimester: Ab dem 2. Trimester scheinen die Risiken zu sinken. Im 2. und 3. Trimester ist das Ungeborene in der Regel weniger anfällig dafür, in seiner Entwicklung durch Chemikalien geschädigt zu werden.*
Allergierisiko: Generell haben die Inhaltsstoffe insbesondere von dauerhaften Colorationen ein hohes Allergiepotenzial. Für schwangere Frauen sind allergische Reaktionen unter Umständen besonders gefährlich, weil gängige Allergiemedikamente während der Schwangerschaft oft nicht infrage kommen.
Tipps zur sicheren Anwendung
* Verwenden Sie Produkte mit möglichst natürlichen Inhaltsstoffen und meiden Sie Ammoniak.* Es ist auch ratsam, Strähnchen-Techniken zu verwenden, bei denen die Farbe nicht direkt auf die Kopfhaut aufgetragen wird.* Rein pflanzliche Haarfarben sind eine sichere Alternative zu chemischen Haarfarben.
Professionelle Beratung
Wenn Sie sich unsicher sind, wie Sie Ihre Haare während der Schwangerschaft sicher färben können, suchen Sie am besten die Hilfe eines professionellen Friseurs. Viele Friseure sind erfahren darin und können Produkte empfehlen, die sicher und schonend sind.
Haare tönen in der Schwangerschaft
Für das Haare tönen in der Schwangerschaft gibt es Produkte, die als sicher gelten. Produkte ohne Ammoniak, Peroxide oder Parabene sind zu bevorzugen. Auch bei Tönungen gehen nach derzeitigem Kenntnisstand kaum Inhaltsstoffe über die Haut in den Körper über. Daher gelten sie auch in der Schwangerschaft als gesundheitlich unbedenklich. Schwangere sollten mit einer Tönung sicherheitshalber trotzdem bis zum 2. Trimester warten.
PH-neutrale oder physikalische Tönungen
Es gibt auch PH neutrale oder Physikalische Tönungen, die nicht so tief in den Haarschaft eindringen oder das Haar strapazieren. Zum Beispiel mit Tönungen, diese kommen komplett ohne H2O2 aus und funktionieren physikalisch, ähnlich wie Farbmasken.
Farbtechniken zur Minimierung des Risikos
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Strähnentechnik: Oft verbindet man damit Blondtöne. Aber wenn du schon die ersten grauen Haare hast, lassen auch die sich mit einem passenden Farbton in der gewünschten Haarfarbe mittels einer Strähnentechnik kaschieren.*
Balayage: Dabei werden weiche Übergänge mit dem Pinsel gezeichnet. Sie wächst dann mit raus und es gibt keine harte Kante. Auch hier lassen sich nicht nur Blondtöne kreieren.
Zusätzliche Aspekte und Überlegungen
Während der Schwangerschaft kann der Körper empfindlicher auf kosmetische Produkte reagieren. Auch Haarfärbemittel können Hautreizungen oder allergische Reaktionen verursachen. Deshalb ist eine Rücksprache mit dem Hautarzt oder Friseur bei Unsicherheiten sinnvoll.
Veränderungen der Haarstruktur
In der Schwangerschaft verändert sich durch die Hormonumstellung der ganze Körper - bis in die Haarspitzen, denn Hormone beeinflussen die Haarstruktur. Die Haarfarbe fällt also mitunter anders aus, als Sie es vielleicht vorher gewohnt waren. Auch bei einer Tönung müssen Schwangere damit rechnen, einen anderen als den erwarteten Effekt zu erzielen.
Alternative Styling-Optionen
Für diejenigen, die eine Veränderung suchen, ohne ihre Haare zu färben, können unkomplizierte frisuren mittellang eine attraktive und pflegeleichte Option sein. Diese Frisuren bieten eine schöne Alternative, um Ihr Aussehen zu erfrischen, ohne die Notwendigkeit chemischer Behandlungen.
Checkliste: Tipps zum Färben und Blondieren in der Schwangerschaft
Wenn Sie nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu Färbemitteln greifen möchten, können Sie einiges tun, um die Sicherheit für Mutter und Kind zu erhöhen.* Besuchen Sie einen Friseursalon, wenn Sie Ihre Haare in der Schwangerschaft färben oder blondieren möchten.* Kaufen Sie Haarfärbemittel, die den Vorgaben der EU oder Schweizer Behörden entsprechen.* Färben Sie Ihre Haare nur dann, wenn Ihre Kopfhaut gesund und unverletzt ist.* Reduzieren Sie den Hautkontakt auf ein Minimum.* Tragen Sie undurchlässige Gummihandschuhe.* Wenden Sie die Haarfarbe in gut belüfteten Räumen an.* Lassen Sie das Mittel nicht länger als nötig einwirken.* Spülen Sie die Farbe gründlich aus.* Bleichen Sie nicht das komplette Haar, sondern beschränken Sie sich auf Strähnchen oder kopfhautferne Haarpartien.
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