Die Ärzte: Eine Hommage an die Haare – Die Bedeutung hinter "Le Frisur"

Im Jahr 1996 veröffentlichten Die Ärzte ihr Album "Le Frisur", ein Konzeptalbum, das sich ausschließlich dem Thema Haare und Frisuren widmet. Was zunächst als "Schnapsidee" abgetan wurde, entwickelte sich zu einem einzigartigen Werk, das bis heute polarisiert und fasziniert. Enstanden ist das Album in nur 14 Studiotagen.

Eigentlich als kleine Spaß-EP zwischendurch geplant, sind es am Ende 17 Songs über Haare. Warum? Weil es die Idee gibt. Weil es keinerlei Sinn macht.

Die Ärzte zeigen mit "Le Frisur", dass sie unberechenbar sind und sich nicht scheuen, auch vermeintlich banale Themen aufzugreifen.

Vor mittlerweile 22 Jahren veröffentlichten Die Ärzte ihr Album “Le Frisur”. Da sich die Songs nicht, wie sie es von anderen Alben der Band taten, bis heute in allen Radio-Rotationen des deutschsprachigen Raums gehalten haben, gilt es nicht als eines der wichtigsten.

Geht es um tolle Alben, nenne ich gerne “Le Frisur” von Die Ärzte. Es ist nicht ganz das beste Album der Berliner Kultband und auch nicht ganz mein persönliches Lieblingsalbum aller Zeiten, da gibt es einfach zu viele.

Aber ein sehr gutes und spannendes, das auch Jahre nach Kennenlernen noch viel Freude bereitet und dabei so eigen ist, dass es die meisten beim ersten Durchgang verstören mag.

Die Ärzte live beim Rock im Park 2019

Die Hintergründe und Entstehung von "Le Frisur"

Die Band stoppte gleich den Verkauf beider Platten, indem sie das Publikum mit einem weiteren Album übersättigten. Auch auf musikalischer Ebene ist “Le Frisur” zweifelsohne nur ein Produkt für Liebhaber gewesen.

Binnen zweier Wochen nehmen sie 17 Titel auf und präsentieren ihrer moderat begeisterten Plattenfirma ihre irrwitzige Idee, ein Konzeptalbum zum Thema Haare zu schreiben.

„Unsere Firma dachte damals, dass wir mit Le Frisur totalen Mist gebaut hatten, weil sie sich weniger gut verkauft hatte. Aber darum geht‘s doch gar nicht. Wenn es nur darum ginge, wäre Dieter Bohlen der beste Musiker der Welt. Ist er aber nicht!“, so resümierte Farin Urlaub 2003.

Also gönnen sie sich einen unfassbar sinnfreien Spaß, der es irgendwie sogar schafft, das altgediente Punk-Mantra No Future auf den Verzicht eines Friseursalonbesuchs zu münzen.

Ihr nächstes Album 13, veröffentlicht drei Jahre nach ihrem Frisurenfiasko, erscheint erstmals bei ihrem eigenen Label Hot Action Records. Es sollte ihre bislang erfolgreichste Platte werden.

Die Songs von "Le Frisur": Eine Reise durch die Welt der Haare

Das Album ist musikalisch vielfältig und bedient sich verschiedener Genres. Ihr typischer Punkrock der Neunziger mischt sich mit Crossover-Versatzstücken (Haare), tiefgestimmtem Metal-Gebolze (Dauerwelle vs. Minipli), loungiger Barber-Shop-Pausenmusik (Der Afro von Paul Breitner), Surf-Pop (Drei-Tage-Bart), Ska (Motherfucker 666), Tavernen-Folk (Kaperfahrt) und jeder Menge Raum für ihren textlichen Wahnsinn und Humor.

Weia, es gibt nicht wenige Männer, insbesondere in der Metal-Welt, denen schon mal ähnliche Gedanken durch den (noch) behaarten Kopf gingen. Die Ärzte haben sogar das erkannt und feinfühlig in Songs gepackt, die erschreckenderweise besser gealtert sind als viele andere ihrer liederlichen Exempel der Neunziger.

Man merkt schon: Bela, Farin, Rod haben hier wirklich nichts unversucht gelassen, um das weite Feld der Frisurenwitze vollständig abzugrasen.

Hier eine kleine Auswahl der Songs und ihre Bedeutung:

  • 3-Tage-Bart: In ihrem Song „3-Tage-Bart“, zu finden auf dem 1996er Konzeptalbum „Le Frisur“, machen sich Die Ärzte über jene Bartstoppeln am männlichen Kinn lustig, die als besonders cool gelten.
  • Dauerwelle vs. Minipli: Der Text von “Dauerwelle vs. Minipli” beschränkt sich auf “Dauerwelle, Minipli”, natürlich unangenehm oft wiederholt.
  • Straight Outta Bückeburg: Die Stadt Bückeburg ist vor 25 Jahren in der deutschen Punkrockszene zu nie gekannter Berühmtheit gelangt: Auf der 1996 neu herausgebrachten CD der Ärzte „Le Frisur“ gab es einen Titel namens „Straight outta Bückeburg“ - sinngemäß: „Bloß raus aus Bückeburg“.

Die Bedeutung von "Le Frisur" heute

Im Pandemiejahr 2021 erlagt Le Frisur einen ganz anderen Symbolwert - ganz zufällig 25 Jahre nach der ersten Veröffentlichung. Deutschland trägt Matte, die Farbe rausgewaschen, die Dauerwelle hängt auf Halbmast, Ponys baumeln wie Gardinen vor den Augen, kurz: Nie war ein Land schlechter frisiert als Ende Februar 2021.

Denn eines scheint ja festzustehen: Ohne den Friseursalon geht in diesem Land wenig bis gar nichts.

Friseursalons sind am Ende des Tages vielleicht sogar der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft vor der Schwelle des Wahnsinns bewahrt - und Le Frisur ist der ultimative Soundtrack für fallende Locken, gefärbte Strähnen und gepflegte Moustaches.

Die Ärzte schienen schon vor 25 Jahren um die Relevanz dieses Themas zu wissen.

Fazit

Obwohl "Le Frisur" bei seiner Veröffentlichung nicht den kommerziellen Erfolg anderer Ärzte-Alben erreichte, hat es sich zu einem Kultalbum entwickelt, das für seinen einzigartigen Humor und seine musikalische Vielfalt geschätzt wird. Es ist ein Beweis dafür, dass Die Ärzte sich nicht scheuen, Risiken einzugehen und auch unkonventionelle Ideen umzusetzen.

Die Ärzte pfeifen hier weitestgehend auf ihren üblichen Sound und damit auf die Erwartungen der Fans. Deshalb ist "Le Frisur" auch so unbeliebt. Dabei macht gerade das dieses Album so schön.

Ich finde das Album völlig unterschätzt - es ist sehr unterhaltsam.

Abgedrehter als auf "Vokuhila Superstar", "No future", "Haar" oder "Kaperfahrt" klangen sie wirklich nie. Dazu noch der lockere Ska-Punk von "Motherfucker 666", der Comedian-Ha(a)rmonists-Schnitt "Monika" und natürlich der Pseudeo-Deathmetal von "Dauerwelle vs. Minipli", und fertig ist das vielleicht am wenigsten zugängliche, aber beste Ärzte-Album.

Straight outta Bückeburg (Le Frisur - 1996) - EIN LIED FÜR DICH #90

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