Schuppen Eins: Eine Erfolgsgeschichte von Wohnen und Automobilkultur in Bremen

In der Bremer Überseestadt, einem der größten städtebaulichen Entwicklungsgebiete Europas, ist mit dem Schuppen Eins ein einzigartiger Ort entstanden, der Automobilkultur, Mobilität, Wohnen und Arbeiten auf innovative Weise vereint. Dieses unter Denkmalschutz stehende ehemalige Stückgutumschlagsgebäude hat eine bemerkenswerte Transformation erfahren, die Hafen- und Automobilgeschichte in einer einzigartigen Atmosphäre wieder aufleben lässt.

Schuppen Eins in Bremen. Quelle: Westphal Architekten

Die Geschichte des Schuppen Eins

Der Schuppen Eins wurde 1959 unter der Leitung von Oberbaurat Helmut Jung errichtet und diente als zweigeschossiger Stückgutschuppen direkt an der Kaimauer des Europahafens. Hier wurden Frachten vom Schiff auf Eisenbahnwaggons verladen. Mit einer Länge von 405 Metern und einer Nutzfläche von 36.570 m² war er bei seiner Fertigstellung der größte Hafenschuppen Bremens.

Nach der Aufgabe des Hafens wurde der Schuppen als Lager genutzt, später füllte die Firma Dittmayer dort Fruchtsäfte ab, bevor das Gebäude leer stand. Im Jahr 2007 erwarben zwei Investoren den Schuppen je zur Hälfte und initiierten umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen.

Umbau und Sanierung

Der nordwestliche Teil des Schuppens wurde vom Bremer Büro Westphal Architekten saniert und in ein Technik- und Erlebniszentrum für Oldtimer-Fans umgewandelt. Eine Art „Tisch“ aus Stahlbeton überbrückt das 9 m hohe Erdgeschoss. Den Tisch tragen pro Achse je fünf T-förmige Stützen im Abstand von 12,5 m, die wie Ampelmännchen zum Stützenkopf hin breiter werden und so den Kräfteverlauf nachzeichnen: An den breitesten Stellen sind sie bis zu 2,5 m dick.

Das Betontragwerk war innen wie außen in einem verhältnismäßig guten Zustand. Lose, durch Frost abgeplatzte Stellen stemmten die Handwerker weg und entfernten den Stahlrost mit dem Sandstrahler. Anschließend beschichteten die Betonbauer die gestrahlten Eisen mit einem mineralischen Korrosionsschutz. Der schalungsraue Sichtbeton wurde innen mit weißer und am Sockel mit schwarzer Dispersionsfarbe gestrichen.

Auch die Sohlplatte wurde erneuert und statisch ertüchtigt, da sie an manchen Stellen nur noch aus losen Betonbrocken bestand. Als Bewehrung verlegten die Betonbauer einlagig hochduktile Stahlmatten, verschnürten sie mit Rödeldraht und betonierten die rund 10 000 m2 große Fläche in vier Abschnitten. 6 cm Splitbeton, darüber 3,5 cm benzinbeständigen, anthrazit eingefärbten Basaltbeton. Diesen glätteten sie nach dem Anziehen mit Flügelglättern.

Das historische Dachtragwerk blieb erhalten, wurde aber an mehreren Stellen verstärkt und erneuert. Die Sanierung war extrem aufwendig, da die Träger je nach Belastung unterschiedlich gebaut wurden und fast jeder Träger eine andere Verstärkung benötigte.

Innenansicht des Schuppen Eins. Quelle: Westphal Architekten

Nutzungskonzept

Im Erdgeschoss des Schuppen Eins befindet sich ein durchgehender, neun Meter hoher Boulevard, der vielfältige Dienstleistungen rund um klassische Automobile und aktuelle Mobilitätslösungen bietet. Abwechslungsreiche Gastronomiekonzepte, Einzelhändler, eine Kunstgalerie sowie Eventflächen runden das Angebot ab. An verschiedenen Stellen im Gebäude sind Büroflächen zur Vermietung entstanden.

Der 150 Meter lange und 9 Meter hohe Boulevard im Erdgeschoss ist gleichermaßen Flaniermeile für die ganze Familie wie auch Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche. Die Passage bildet den Rahmen für das Oldtimer-Kompetenzzentrum mit Dienstleistungen wie Handel, Wartung, Pflege und Restauration von Oldtimern und Liebhaberfahrzeugen.

Halbtransparente Gussglaswände trennen Werkstätten, Shops und Büros von der Passage ab. „Dank des Gussglases bleibt die Stahlbetonkonstruktion des Bestands ablesbar. Gleichzeitig filtern die Scheiben Tageslicht in das 50 m tiefe Gebäude“, sagt Architekt Jost Westphal. Das Profilbauglas weckt Neugierde, da nur unscharfe Umrisse aus den Werkstätten durchschimmern.

Autoaufzüge und eine Wohnstraße unter freiem Himmel führen zu den Wohnlofts im Obergeschoss. Dank zweier Autoaufzüge können die Bewohner der Maisonetten mit dem Oldtimer bis vor die Haustür rollen. Ein kluger Marketing-Schachzug, der den Verkauf der Wohnungen beschleunigte.

Wohnen im Schuppen Eins

Im Obergeschoss sind 20 schnörkellose Lofts mit jeweils zwischen 190 bis 380 Quadratmetern Fläche, Galerie und Terrasse zum Hafenbecken entstanden. Die Wohneinheiten sind als Maisonettes mit Galerie unter der historischen Tragstruktur ausgebaut, jeweils mit eigenem Eingang und eigener Garage. Ihr Achsmaß beträgt satte 9,40 Meter, die Grundfläche rund 160 Quadratmeter. Als Reminiszenz an das „Bremer Haus“ haben sie einen Erker zum Boulevard und sich nach außen öffnende Fenster.

Die Fassaden der Nutzungseinheiten im oberen Geschoss bleiben nach außen hin als mit Ziegeln ausgefachtes Stahlbetonskelett erhalten. Glas spielt eine wesentliche Rolle: Rundum in die Fassaden eingesetzt, gewährleistet es die thermische Trennung zum Außenraum und ermöglicht, dass Tageslicht in die gesamte Tiefe des Gebäudes gelangt.

Für den Schuppen Eins besonders charakteristisch: Der Materialwechsel stellt das historische Original markant heraus. SCHOLLGLAS stattete sämtliche Fassaden mit GEWE-therm® sun Gläsern aus, die Wärmebrücken minimieren und den Komfort in Fensternähe erhöhen. Für die Brüstungen der Galerieebenen in den Maisonette-Wohnungen sorgen GEWE-safe® Verbund-Sicherheitsgläser für maximale Sicherheit.

Wohnungen im Schuppen Eins. Quelle: Weser Kurier

Bedeutung für die Überseestadt

Der Schuppen Eins ist ein prägnantes Beispiel für die gelungene Einbindung industriellen Erbes in die moderne Stadtentwicklung. Bis 2025 sollen in der Bremer Überseestadt rund 450 Unternehmen angesiedelt, 9000 Arbeitsplätze und exklusive Wohnungen geschaffen werden. Bremen setzt dabei auf eine behutsame Einbindung seines industriellen Erbes, zu dem auch der denkmalgeschützte Schuppen Eins zählt.

Die Umnutzung des Schuppen Eins ist beispielhaft für den Umbau einer Großform in ein hybrides Gebäude, dessen mannigfache Nutzungen sich nach innen entfalten. Mit konsequenter Gliederung und zurückhaltender Gestaltung gelang es, die spezifischen Merkmale der Großform zu erhalten.

Der Schuppen Eins hat trotz Umbau- und Sanierungsmaßnahmen seinen ganz eigenen Charme behalten. Gekonnt schlägt der ehemalige Stückgutumschlagschuppen am Bremer Europahafen mit seinem ungewöhnlichen Nutzungskonzept und der am Original orientierten Architektur eine Brücke zwischen gestern und heute.

Merkmal Details
Baujahr 1959
Länge 405 Meter
Nutzfläche 36.570 m²
Architekt Helmut Jung (ursprünglich), Westphal Architekten (Umbau)
Nutzung Automobilkultur, Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Einzelhandel
Besonderheiten Denkmalschutz, Lofts mit Autoaufzug, Oldtimer-Kompetenzzentrum

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der neue Schuppen Eins als Kulisse eines von Radio Bremen produzierten Kriminalfalls dient, in dem wertvolle alte Autos eine wichtige Rolle spielen.

tags: #Schuppen #Eins #Wohnungen #Geschichte

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