Seit einem halben Jahrhundert steht er auf der Bühne und hat 50 Millionen Tonträger verkauft. Heino ist Liebling und Hassfigur der Deutschen schlechthin. Von manchen als "Brechmittel von Generationen" verdammt, blieb er ein deutsches Phänomen ohnegleichen. Doch was steckt hinter der Kunstfigur Heino, seinen Markenzeichen und seiner polarisierenden Persönlichkeit?
Heino, bekannt für seine Sonnenbrille und sein blondes Toupet (Quelle: Wikimedia Commons)
Heino, geboren als Heinz-Georg Kramm in Düsseldorf, schlug sich nach einer Konditorlehre zeitweilig als Schrottsortierer und Toilettenpapierverkäufer durch. 1961 gründete er ein Gesangstrio. Seit 1971 trägt er Sonnenbrille und meistens einen Rolli, dazu Toupet und zentimeterdick Schminke. All das hat sich ganz langsam entwickelt.
Die blonden Haare habe ich von meiner Mutter geerbt. Der Rollkragenpullover kam hinzu, nachdem wir Marktanalysen gemacht hatten. 1971 bekam ich dann eine Schilddrüsenüberfunktion, durch die das eine Auge hervortrat. Das bedeutete: Dunkle Brille. Es war kein Marketing-Gag, nicht einmal eine Rolle.
1964 wollte Heino klassischer Sänger werden. Bei der Electrola habe ich eine Platte mit Nicolai Gedda, Hermann Prey und Anneliese Rothenberger gemacht. Da war ich bereits das Zugpferd. Ich habe so Sachen gesungen wie "Ich bete an die Macht der Liebe", das gleiche Repertoire wie meine klassischen Kollegen. Aber dann habe ich mich kommerziell entschieden.
Karajan hat geäußert, ich hätte eine ganz schöne Stimme, aber er könne mich nicht brauchen, wegen der Brille. Ich war kein ehrgeiziger Typ, ich habe in den Tag hinein gelebt. Ich wollte Volkslieder singen, wofür mich die einen belächelt, die anderen beschimpft haben. Ich habe Texte gelernt, geübt, gesungen.
Heino hat die Erfahrung gemacht, zu polarisieren. Ich bin gut damit klargekommen, denn ich hatte ein gutes Umfeld. Mein Texter war Gerichtspräsident, mein Produzent Volkswirt, mein Pianist kam vom Funk. Auf die habe ich gehört. Ich wusste, dass die Lieder, die ich singe, nicht aus der Nazizeit stammen, sondern älter sind. Wenn ich zu allen hätte nett sein wollen und auf die Presse gehört hätte, wäre meine Karriere in zwei Jahren vorbei gewesen.
Er polarisiert gern. Trotzdem hatten diese Titel von meiner Seite aus keine politische Botschaft. Es waren Fahrtenlieder, die ich aus der Schule kannte, also aus der Zeit nach 1945. Warum sollte ich über etwas nachdenken, was ich als Kind schon kannte?
Man hat Lieder wie "Schwarzbraun ist die Haselnuß" mit mir in Verbindung gebracht, bevor ich sie überhaupt gesungen hatte. Wir haben sie daraufhin, nicht etwa früher ins Programm aufgenommen. Und auch dieses Lied stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Ich wollte ganz anders sein als die anderen. Das war mein Erfolg. Der einzige in meinem Bereich, der eine Weile in Mode war, aber dann mit der Mode nicht mitgewachsen ist, war mein lieber Kollege Rex Gildo. Ihm fehlte das Umfeld. Er dachte, mit 60 Jahren sei er noch derselbe wie mit 30. Übrigens finde ich: Mein Repertoire ist ganz klug. Ich habe Texter wie Heinrich Heine und Ludwig Uhland.
Ich weiß auch, dass der "Blaue Enzian" nicht klug sein muss. Eigentlich ein kluger Satz. "Die schwarze Barbara" hat keinen Anspruch. Es ging mir nie darum, was ganz Tolles zu machen.
Heino ohne Sonnenbrille ist für viele Fans ein ungewohnter Anblick. Tatsächlich begann der Sänger seine Karriere noch ohne sein späteres Markenzeichen. Mit Gitarre, hellem Haar und strahlenden Augen sorgte er in den Sechzigern für Stimmung und eroberte die deutschen Bühnen.
Wenige Jahre später erkrankte er aber an Morbus Basedow, einer Schilddrüsenüberfunktion. Diese führt bei Betroffenen häufig zu Augenbeschwerden wie Tränenfluss, unscharfem Sehen, Brennen und Fremdkörpergefühl. Außerdem verändert sich das Gewebe, wodurch die Augäpfel so weit hervortreten können, dass das Augenweiß und die Iris sichtbar werden.
Mittlerweile braucht Heino die Brille aber nicht mehr. Seine Augen seien „längst wieder okay.“ Auftritte ohne Brille sind einfach nicht mehr vorstellbar. „Das geht doch nicht. Die habe ich seit 30 Jahren, sie sind mein Markenzeichen geworden. Ohne erkennt mich doch keiner“, hielt er vor ein paar Jahren fest.
Auch um seine blonde Perücke bekannt ist Heino: „Ich hab’ die Haare so wie sie sind. Das sind echte Haare. Auch um seine Kinder Uwe (alkoholkrank) und Petra (beging Selbstmord) ging es in der Maischberger-Sendung.
Schlagerbarde Heino und sein Haarteil sind unzertrennlich. Ich schlafe sogar mit dem Haarteil. Juckt nicht", sagte der 66-Jährige der Zeitung „Welt Kompakt“ vom Mittwoch. Er trage seine Perücke, die aus echtem Haar aus Skandinavien bestehe, seit 40 Jahren. Auch seine schwarze Sonnenbrille setze er selbst beim Fernsehen nicht ab.
Seit 40 Jahren trägt er falsche Haare. Ich sagte: "So eins will ich auch haben." Ich fühlte mich toll damit. Durch das ständige Ankleben fielen dann meine eigenen Haare mit aus. Wenn man mich heute fragt, ob die Haare echt sind, sage ich: Ja. Es sind echte Haare. Sie kommen aus Skandinavien. Die bestellt mein Düsseldorfer Friseur, ein alter Schulfreund. Ich schlafe sogar mit dem Haarteil. Juckt nicht! Und eins davon habe ich immer in Reserve.
Nach seinem Abschied von der Bühne wolle er sowohl Toupet als auch Brille weiter tragen.
Heino in jungen Jahren ohne Sonnenbrille (Quelle: infranken.de)
Ich bin eben Heino. Das einzige, was mich privat von der Bühne unterscheidet, ist die rote Jacke.
Freiwillig höre ich überhaupt keine Musik. Wenn ich zu Hause bin, hole ich mir schon mal ein Paar Klassiker raus, Mozart, Schubert, Bach. Auch bei Mantovanis "Charmaine" bin ich zerflossen. (Singt "Charmaine") Viele sagen: schnulzig, ich sage: Ist das schön! Kürzlich bin ich nachts in die Übertragung von "La Traviata" mit Anna Netrebko reingezappt: Ich bin nicht mehr davon losgekommen. Ansonsten stehe ich sehr auf Satzgesang wie bei "Manhattan Transfer". Großartig!
Ich habe alle Verträge eingehalten in meinem Leben, außer ich war krank. Darauf lege ich sehr großen Wert.
Die Hallen sind voll, das macht mich glücklich. Der Gedanke, dass es bald vorbei sein wird, macht mich aber auch jeden Augenblick traurig. Ruhm und Geld sind nicht alles. Ich will das Leben mit Hannelore noch einmal genießen. Das Geld gehört in die Wirtschaft, da will ich es wieder hinbringen. Und ein schönes Auto will ich auch haben.
Die Brille wird bleiben. Ich habe mich so dran gewöhnt.
Die Hannelore sagt auch immer: Zieh' doch mal, wenn du nachts Auto fährst, eine hellere Brille an. Aber auch das ist Gewohnheit. Wenn ich die Brille absetze, sehe ich genauso wie mit.
Es ist seine erste Deutschland-Tournee seit 20 Jahren, doch demnächst will Heino seine Karriere beenden.
Ich bin im Reinen mit mir, weil ich nie jemanden betrogen habe. Ich habe gemacht, wozu ich angestoßen wurde. Aber noch heute sehe ich mich nicht gern im Vordergrund. Meine Karriere hat sich verselbständigt, ich bin mitgezogen.
Ich möchte nicht tot umfallen auf der Bühne.
Ich bin so reingewachsen in den Beruf. Heute bin ich so drin, dass mir nur noch zu Musik was einfällt. Zu Politik und Zeitgeschehen weiß ich fast nichts.
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