Wie innerlich zerrissen Hans Hölzel, besser bekannt als Falco, war, zeigte sich besonders deutlich im Moment seines größten Erfolgs. Am Abend des 29. März 1986 saß Falco mit Freunden und Kollegen im Wiener Restaurant "Oswald & Kalb". Falcos damaliger Bandleader Peter Vieweger erzählte in der Arte-Dokumentation "Too young to die: Falco": "I hab gesagt: 'Feiern, feiern, feiern', und er hat g'sagt: 'Naa, i bin scheiße drauf'." Während alle um ihn herum jubelten, fühlte sich Falco, der gerade zum Weltstar aufgestiegen war, von den Erwartungen erdrückt. "Des schoff i nie wieder. Jetzt is' aus."
Hans Hölzel beherrschte es wie kein Zweiter, im Guten auch immer das Schlechte zu sehen und zwischen extremen Gemütszuständen zu schwanken. In der öffentlichen Wahrnehmung war er die Exaltiertheit in Person, beinahe der größte Star aller Zeiten.
Seine erste allgemeine Verunsicherung begann mit dem ersten großen Erfolg. Bereits 1982 wurde die Debütsingle des damals 25-Jährigen gleich ein Welthit. "Der Kommissar" war in 27 Ländern in den Charts, oft auf Platz eins. Thomas Rabitsch, Falcos späterer Bandleader, schilderte in einem Interview, wie der noch unbekannte Hans Hölzel ihm bei Songs im Autoradio prophezeite: "Du wirst sehn Thomas, die werden des olle net schaffen - i werd des mochen." Horst Bork notierte in seiner Biografie, Falco habe sich auf die Fahnen geschrieben, nichts anderes als der größte Star aller Zeiten zu werden.
Tatsächlich standen die Zeichen bereits auf Weltkarriere, als 1982 "Der Kommissar" Platz 72 in den USA erreichte und der weltberühmte DJ Afrika Bambaataa den Song regelmäßig in seinem Klub und seiner Radiosendung spielte. Falcos Sprechgesang wurde in den USA als Rap eingestuft, und er gilt dort bis heute als Urvater des weißen Rap. Mit "Rock me Amadeus" schaffte er es als erster Weißer in die Billboard-R&B-Singles-Charts. Seinen sechsten Platz übertraf erst Eminem im Jahr 2002. Es wäre sogar mehr drin gewesen, wenn Falco seinen "Kommissar" auch auf Englisch aufgenommen hätte, was er jedoch ablehnte.
Gemeinsam mit Robert Ponger, der schon das phänomenale Debütalbum "Einzelhaft" produziert hatte, arbeitete Falco danach an "Junge Roemer". Gemessen am Erfolg des Erstlings wurde das Album ein Flop, gemessen an Falcos Großtönerei sogar ein Desaster. 30 Jahre später gilt "Junge Roemer" als rehabilitiert und seiner Zeit voraus. Mit dem sturen Robert Ponger hatte sich Falco heillos zerstritten.
Horst Bork suchte einen neuen Produzenten und wurde im holländischen Hilversum fündig. Rob und Ferdi Bolland hatten mit "In The Army Now" einen internationalen Hit für Status Quo produziert. Die Bollands schickten einige fast fertig produzierte Demos, darunter "Vienna Calling", "Jeanny" und einen Song mit dem Arbeitstitel "Amadeus", das Resultat eines Filmabends. Rob Bolland hatte Milos Formans "Amadeus" gesehen und daraufhin "(Rock me) Amadeus" komponiert. Horst Bork wusste sofort, dass ihm die Post einen Welthit zugestellt hatte.
Falco weigerte sich zunächst, "Rock me Amadeus" einzusingen. Er empfand ein Lied über Mozart als Leichenfledderei und es passte ihm nicht, sich als Wiener den gebürtigen Salzburger anzueignen. Wochen vergingen, bis Falco weichgeklopft war. Noch in der Aufnahmekabine schrie der damals 27-Jährige: "Ich singe diesen Titel nur unter größtem Widerstand und auf Druck meines Managements!" Falco war, nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal, sturzbetrunken im Tonstudio.
Trotzdem waren Horst Bork und die Bolland-Brüder hingerissen von dem, was die besoffene Diva aus Wien abgeliefert hatte. Die exzellente Vorlage hatte Falco mit seiner Stimme, seinem Wienerisch, seinem unglaublichen Drive und Groove noch vergoldet. Wer hätte das r in "Rrrrrockidol" schöner zurechtrollen, wer die Zeile "Come on rock me Amadeus" besser phrasieren können?
Beim Videodreh zickte Falco erneut. Regisseur Rudi Dolezal sagte, er habe sich vor allem gegen die bunte Perücke gewehrt, die ihn zum Musik-Punk Mozart machte. "I bin kaa Woama", habe Falco immer wieder gesagt, was übersetzt bedeutet: "Ich bin kein warmer Bruder."
Um die US-Charts zu erobern, forderte die amerikanische Plattenfirma eine coolere Version, da das Original ihr zu "cheesy" war. Stattdessen bekam der Song ein neues Intro: Eine holländische Sängerin jauchzte "Ooh, Rock me Amadeus!"; eine seriöse Männerstimme sagte Mozarts wichtigste Lebensdaten auf und endete mit dem Satz: "1985 - Austrian rock singer Falco records Rock Me Amadeus". Das Deutschsprachige an der einzigen deutschsprachigen Nummer eins in den USA beschränkt sich auf nur noch wenige Worte wie "Punker" und "wunderbar".
Am 29. März 1986 erreichte "Rock me Amadeus" die Spitze der Billboard-Charts und blieb für drei Wochen die Nummer eins, danach auch in Großbritannien. Wiederholen konnte Falco seinen Welterfolg nicht mehr. Die Nachfolge-Single "Vienna Calling" holte Platz 18 in den US-Charts, das Album "Falco 3" wurde ebenfalls ein Erfolg, "The Sound of Musik" von Falcos viertem Album "Emotional" schaffte es noch einmal auf Platz 13 in den USA.
Um in den USA dauerhaft erfolgreich zu sein, hätte Falco nach Ansicht seines Managers dort leben und regelmäßig Promotion machen müssen. Horst Bork hatte ihm bereits eine passende Villa ausgesucht - doch dann machte Falco wie so oft einen Rückzieher. Mit der Absage an die USA machte Falco aber seiner von ihm so gehassten wie geliebten Heimat eine Liebeserklärung: "Das Schönste an der amerikanischen Fahne sind die rot-weiß-roten Streifen."
Am 6. Februar 1998 starb Hans Hölzel bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Rund 10.000 Fans und Freunde sahen zu, als der Sarg von Mitgliedern der Wiener Motorradrocker „Outsider Austria“ auf dem Wiener Zentralfriedhof zu Grabe getragen wurde.
Falco am Donauinselfest 1993
Seine großen Hits wie „Der Kommissar“ oder „Rock Me Amadeus“ waren nur noch Kuriositäten. Auch die vielen Freunde, die sich so zahlreich um sein Grab scharten, hatten Falco lange nicht gesehen. Zu Hans Hölzel, dem gescheiterten Popstar, der vor seinen eigenen Ansprüchen an Ruhm, Kunst und sich selbst ins Exil geflohen war, wollten die sogenannten Freunde nicht kommen. Dem komplizierten Falco, dem Künstler, wollten die Fans nicht folgen.
Schon in seinem ersten selbstkomponierten Stück steckte alles, was Falco ausmachte. Er tourte als Bassist der Performance-Kunst-Punk-Kombo Drahdiwaberl und sein Song „Ganz Wien“ war eigentlich nur ein Pausenfüller. Trotzdem verfiel er bei seinen Zeilen bereits immer wieder in die für ihn so typische Rap-Rhythmik und wienerte so affektiert, wie es die Massen später bei seinen Hits „Der Kommissar“ und „Rock Me Amadeus“ so liebten.
Er war der überdrehte Mozart mit Punk-Perücke, der irre Vergewaltiger in der Gummizelle, der junge Römer. Er nahm den deutschen HipHop vorweg und inspirierte damit Rap-Gruppen wie Fettes Brot und die Fantastischen Vier. Er rrrrollte das „r“ schon herrlich bedrohlich, als der Sänger von Rammstein noch mit seiner Punk-Band First Arsch im Hobbykeller dilettierte. Und nach dem Besuch einer Disco am Wörthersee adaptierte er mit „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ ohne Berührungsängste den Techno.
Trotz aller Tiefschläge hatte Falco sich aber noch lange nicht aufgegeben, als er am 6. Februar 1998 auf dem Parkplatz der „Turist Disco“ das Gaspedal seines schwarzen Pajero durchtrat. Eine Stunde lang soll er zuvor allein in seinem Auto gesessen haben. Manche vermuten, er habe sich in dieser Zeit sein Album „Out Of The Dark (Into the Light)“ noch einmal durchgehört, das bald erscheinen sollte - denn er feilte noch an der perfekten Reihenfolge der Songs.
Mit seinem Tod hat sich die Prophezeiung erfüllt, dass Wien ihn erst lieben würde, wenn er stirbt. Death sells. Folgerichtig rotierten schon während seiner Beisetzung die CD-Pressen auf Hochtouren. Eine Woche später stand die Falco-Single „Out Of The Dark (Into The Light)“ in den Regalen.
1985 veröffentlichte der österreichische Künstler Falco einen Song, der Sprachbarrieren überwand und Chartgeschichte schrieb: „Rock Me Amadeus“. Inspiriert vom Oscar-prämierten Film Amadeus und dem wilden Leben von Wolfgang Amadeus Mozart verwandelte Falco eine klassische Hommage in ein Synthie-Pop-Spektakel.
„Rock Me Amadeus“, produziert von den niederländischen Brüdern Rob und Ferdi Bolland, verbindet Neue Deutsche Welle, Pop-Rap und Synthie-Pop zu einem eigenwilligen, langsamen Groove. Falcos Vortrag ist teils Spoken-Word, teils großspuriger Gesang, wobei der ikonische „Amadeus, Amadeus“-Hook den Track verankert. Falco interpretiert Mozart als Punk-Rebellen: von Frauen verehrt, in Schulden ertrinkend und ein galoppierendes Leben führend.
Zeilen wie: „ Er war ein Superstar / Er war populär…“ ziehen Parallelen zwischen dem Komponisten des 18. Jahrhunderts und modernen Pop-Idolen. Unter der Regie von Rudi Dolezal und Hannes Rossacher ist das Video ein surrealer Mix aus verschiedenen Epochen. Falco kommt im Smoking in einer Pferdekutsche zu einem Maskenball. Später feiert er mit einer regenbogenfarbenen, gepuderten Perücke mit Bikern in Lederkleidung, die ihn auf ihre Schultern heben.
Am 29. März 1986 erreichte es als erster deutschsprachiger Song Platz 1 der Billboard Hot 100 - ein Erfolg, der bis heute unerreicht ist. Falcos Single erreichte in 25 Ländern die Charts, darunter Großbritannien, Kanada, Deutschland, Österreich, Irland, Spanien, Schweden und Neuseeland.
Es bewies, dass Sprache kein Hindernis für weltweiten Erfolg darstellt und dass klassische Referenzen auch in den wildesten Ecken des Pops ihren Platz finden.
Falco wurde mit Rock Me Amadeus 1986 der zweite Österreicher, der es in die Billboard- und Cashbox-Charts der USA und dem Vereinigten Königreich schaffte. Bei Falcos Manager landet die Demo-Version von „Rock me Amadeus“.
Die Rokoko-Perücke mit seitlichen Locken und Zopf wurde durch Falco und "Rock Me Amadeus" noch populärer!
Rokoko Perücke
All die Prinzen und Prinzessinnen, der Landadel, das gehobene Bürgertum, Edelmänner, venezianische Kaufmänner und natürlich die hübschen Hofdamen - wenn der König und die Königin in Ihren Rokoko-Kleidern und den Rokoko-Perücken bei Hofe empfangen werden, dann möchte natürlich ein jeder dabei sein.
Auch gruselige Vampire und schauderhafte Gruselgestalten peppen mit dieser einzigartigen Rokoko Perücke ihr Halloween Kostüm auf. Und auch gebildete Gelehrte, barocke Könige, elegante Edelmänner und reiche, venezianische Kaufleute machen mit dieser Perücke Barock eine gute Figur.
Die folgende Tabelle zeigt die bemerkenswerten Chartplatzierungen und Auszeichnungen von "Rock Me Amadeus":
| Chart | Höchstplatzierung |
|---|---|
| Billboard Hot 100 (USA) | 1 |
| UK Singles Chart (Vereinigtes Königreich) | 1 |
| Deutschland | 1 |
| Österreich | 1 |
| Kanada | 1 |
| Schweiz | 2 |
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