Feste Haarshampoos liegen aktuell im Trend, und die Auswahl ist in kurzer Zeit so groß geworden, dass es viele Testkandidaten gibt. Bei beiden handelt es sich um alles andere als Innovationen. Vielmehr geht man zugunsten der Umwelt »back to the roots« - ein minimalistischer Ansatz, der auch Kompromisse einfordert. Vermehrt sind Verbraucher bereit, Anwendungskomfort und nur geringe Vorteile zugunsten ökologischen Konsums hinzunehmen und dafür sogar ein bisschen mehr zu bezahlen. Allerdings ist der Anteil milder formulierter Produkte im Vergleich zu konventionellen Shampoos deutlich höher.
Ein festes Shampoo ist ein seifenfreies Waschstück - auch als Syndet bekannt. Es besteht aus Tensiden, wie sie auch in flüssigen Produkten angewendet werden und kann als Shampoo-Konzentrat verstanden werden. Durch die wasserfreie Formulierung bedarf es keiner zusätzlichen Konservierungsstoffe.
Bei Naturseifen, die oft in Manufakturen gefertigt werden, achtet man dabei auf eine Auswahl hochwertiger Pflanzenöle, von denen ein Teil nicht verseift wird (Rezeptur angepasst). Industriell gefertigte Seifen bestehen oft aus Palmöl oder Glycerin und es wird kein Überschuss einkalkuliert. Die Seifenmasse wird als Zutat verwendet, mit anderen Inhaltsstoffen gemischt und entsprechend »fertig« unter den Inhaltstoffen gelistet, z. B. Bei Naturkosmetik hingegen werden die Ausgangszutaten gelistet. Neben besagten Pflanzenölen das verwendete Wasser (Aqua) und die Lauge (meist Natriumhydroxid/NaOH/Sodium Hydroxide/Ätznatron, bei Kernseife Kaliumhydroxid/KOH). Bei der Grüne Valerie Aleppo-Seife wird nur in der Artikelbeschreibung »Lauge« erwähnt.
Erfreulich zu beobachten ist, dass die meisten (aber nicht alle) festen Shampoos auf mildere Tenside setzen als ihre flüssigen Pendants. Der Kompromiss für diese nachhaltigere Darreichungsform ist ein Produkt ohne moderne Zusätze und Technologien.
Durch die mehrmonatigen Tests haben wir zudem beobachtet, dass die chemisch dunkler gefärbten Haare unserer Testerin in diesem Zeitraum deutlich verblassten.
Ob eine Seife aus Palmöl oder einem »besseren« Pflanzenöl besteht, ist unerheblich dafür, dass das Ergebnis der Verseifung ein überaus reizendes Tensid ist, das die Haut austrocknen und die Hautbarriere schwächen kann. Die Aleppo-Seife wird damit beworben, dass durch den mehrjährigen Reifungsprozess der pH-Wert niedriger wurde, und betont damit selbst, dass es von Vorteil ist.
Ein Nachteil von Seife ist, dass sie Rückstände auf den Haaren hinterlassen kann, der sich mit jeder Wäsche akkumuliert. Insbesondere bei hartem Wasser ist das Risiko für die sogenannte Kalkseife erhöht. Unsere Autorin hat in Vergangenheit selbst Seife gesiedet und lange Zeit für Haut und Haar (inklusive saurer Rinse) verwendet. Die positiven Effekte beschränkten sich auf die Freude am Hobby, bunte Farben und schöne Gerüche.
Man spricht stets davon, Haare (und Nägel) seien totes Gewebe, darum ließe es sich nicht »gesund pflegen«. Einzig die Haarwurzeln sind an den Blutkreislauf angeschlossen und werden mit Nährstoffen versorgt, die einen gesunden Haarwachstum gewährleisten. Für gesundes Haar ist nicht Shampoo verantwortlich, sondern ein gesunder, genährter Körper.
Haarshampoo, flüssig oder fest, dient in erster Linie der Reinigung des Haares. Talg, Schmutz, Schweiß, Schüppchen und Styling-Rückstände sollen entfernt werden. Pflegestoffe in Shampoo kann man im Zweifelsfall als zweitrangig betrachten. Es lohnt sich nicht, Geld für diese oft werbeträchtigen Extras auszugeben, weil die meisten sowieso im Ausguss landen. Enthaltene Öle und Fette, die auf dem Haar verbleiben, wirken konditionierend und sorgen für Geschmeidigkeit und Schutz, müssen aber nicht teuer sein.
Eine Ausnahme sind Schuppen-Shampoos. Sie wirken, indem sie den Stoffwechsel von Mikroorganismen stören, insofern die Schuppen durch sie verursacht wurden. Um Schuppen vorzubeugen, empfiehlt es sich, doppelt auf ein mildes Waschtensid zu achten.
Festes Shampoo wird ebenso wie Seife mit Wasser aufgeschäumt. Grundsätzlich kann man mit dem Waschstück über das nasse Haar streichen - gerade bei kurzem Haar schäumt es dann schnell auf - wir raten jedoch zum Aufschäumen in der Hand. So lässt sich die Menge viel besser im Auge behalten und man überdosiert nicht so schnell. Das konzentrierte Tensid ist austrocknend und könnte dann im Dauereinsatz die Kopfhaut stark irritieren.
Als effektiv hat es sich erwiesen, Hände und Waschstück einige Sekunden unter lauwarmem Wasser zunächst anzuweichen, aufzuschäumen und dann noch einmal einige Milliliter Wasser unterzumischen.
Tenside sind die waschaktiven Substanzen, die Haut und Haare reinigen, zugleich aber auch austrocknend und irritierend sein können. Je milder, umso besser - dennoch sollte man eine effektive Reinigung nicht hinten anstellen. Während man noch vor einigen Jahren eher Kombinationen aus SCS und einem der beiden anderen Tenside in den Regalen sah, geht der Trend derzeit bedauerlicherweise in die Richtung, SCS als alleinige waschaktive Substanz einzusetzen.
Ein »Coco« im Namen vermittelt eventuell einen natürlichen, gar sanften Touch. Dahinter verbirgt sich allerdings eines der aggressivsten Tenside, die man für die Reinigung verwenden kann. Vereizelt findet man sogar festes Shampoo auf Basis von SLS allein. Erfreulicherweise haben die beiden Hersteller in unserem Test, die exklusiv auf SLS setzten, ihre Produkte überarbeitet. Schließlich waren sie als festes Waschstück ein problematisches Konzentrat, das zu Juckreiz, Schuppen oder gar Schlimmerem führen kann.
Shampoo Bars mit milden Tensiden - allein oder in Kombination - sind deswegen in der Regel begrüßenswert. Sie dienen der Feinjustierung der Textur, können aber auch dem negativen Effekt reizender Tenside puffern. Ihr Nachteil ist eine geringere Waschleistung und was Kunden oft vermissen: ausgiebigen Schaum. Eine Kombination macht aber gerade bei fettiger Kopfhaut durchaus Sinn. Nicht unerheblich für den nachteiligen Effekt ist die Konzentration von SCS. Die Vorteile von SLS, SCS und SLES (Sodium Laureth Sulfate, in unserem Duschgel-Test thematisiert) sind ihre hohe Reinigungsfähigkeit und starker Schäumung. Das kann man sich in kleineren Dosen durchaus zu Nutze machen.
Lockiges und welliges Haar hat ganz besondere Bedürfnisse - es ist oft trockener, anfälliger für Frizz und benötigt spezielle Pflege, um seine natürliche Schönheit zu entfalten. Gute Locken-Shampoos können hier den Unterschied machen: Sie spenden dem Haar Feuchtigkeit, definieren die Locken und schützen sie vor äußeren Einflüssen.
Reguläre Shampoos sind darauf ausgelegt, das Haar mittels stärkeren Tensiden gründlich zu reinigen - und oft sind sie nur für glattes oder normales Haar konzipiert. Gerade diese Tenside können aber lockiges Haar austrocknen und die natürliche Locke schwächen - Frizz und weniger Definition sind die Folge. Beinhaltene Silikone beschweren zusätzlich.
Locken-Shampoos dagegen sind speziell für die Bedürfnisse dieses Haartyps entwickelt. Lockiges Haar ist von Natur aus trockener und spröder, weil die Talgverteilung der Kopfhaut erschwert ist. Locken-Shampoos enthalten daher besonders viele feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe wie Glycerin, Aloe vera, Arganöl oder Sheabutter. Sie verzichten auch oft auf Sulfate, Silikone und Alkohole, die das Haar unnötig austrocknen oder beschweren könnten.
Milde Tenside im Shampoo reinigen sanft, während spezielle Proteine wie Kollagen, Kreatin oder Haferprotein das Haar stärken, definieren und vor Frizz bewahren.
Empfehlenswerte Locken-Shampoos:
Inhaltsstoffe, auf die Sie beim Kauf achten sollten:
Der Duft der Bars bei der Anwendung ist in vielen Fällen anders als im Karton - mal deutlich angenehmer, mal ernüchternd. Eine gute Spülung ist essenziell, um die Herausforderungen durch das Shampoo auszugleichen. Hier ist ein Mehrbetrag besser investiert. Auf viele wirkt es wie ein optionaler Schritt, dabei ist es wie eine Creme für die Haut nach dem Waschen. Es hilft den pH-Wert wieder zu normalisieren (Spülungen sind in der Regel sauer formuliert) und bringt wieder positiv geladene Ionen ins Spiel.
Leave-In-Produkte nach dem Waschen, z. B. mit Silikonölen, lassen das Haar nicht nur glänzen und leichter durchkämmen, sie schützen es auch zugleich vor mechanischen und hitzebedingten Schäden (z. B. Gelegentliche Haarmasken mit ausreichend Wirkungszeit (mindestens eine halbe Stunde) und gegebenenfalls zusätzliche Wärmeeinwirkung, können Schäden vorbeugen. Nicht alle Öle schaffen es aufgrund ihrer Molekülgröße tatsächlich in das Haar einzuziehen (hier eine Liste), vom beliebten Kokosöl ist es jedoch bekannt.
Die gute Nachricht im Fall der Shampoo Bars ist daher, dass das, was ihnen im Vergleich zu flüssigen Shampoos fehlt, eine Spülung sowieso viel besser hinbekommt. Für sensible und trockene Kopfhaut könnten Konzentrate zu austrocknend sein und langfristig für Jucken und Schuppen sorgen. Bei coloriertem Haar empfiehlt es sich, genau zu beobachten, ob die Farbe schneller verblasst und gegebenenfalls ein milderes Produkt zu wählen. Wer schwieriges Haar hat, bei dem nur bestimmte Produktkonstellationen zu einem gewünschten Ergebnis führen, wird feste Shampoos vermutlich sowieso nicht ins Visier nehmen, es dürfte hier aber noch schwieriger sein, das Haar zu bändigen. In jedem Fall spricht angesichts des Preises nichts gegen einen Versuch.
Milde Tenside sind zwar erfreulich, ihre Waschleistung fällt aber geringer als die von aggressiveren aus. Sie sind nicht für alle Haartypen und Vorlieben geeignet. Gegen sehr fettiges Haar oder wenn man viele hartnäckige Styling-Produkte benutzt, kommen sie eventuell nicht an. Muss man zweimal schäumen, verflüchtigt sich sowohl der ökologische als auch hautfreundliche Vorteil, weil man mehr Wasser verbraucht und die Haare länger als nötig dem Schaum aussetzt. Tendenziell nutzen Anwender mehr Produkt, als tatsächlich nötig wäre.
Eine kleinere Menge flüssiges Shampoo mit etwas Wasser bereits in der Hand ordentlich aufzuschäumen, ist schon der halbe Weg zu gut verteiltem Shampoo. Auch die Häufigkeit des Haarewaschens kann man reduzieren. Nur ein oder zweimal pro Woche ist auch gesünder für Haar und Kopfhaut. Der Wasserverbrauch ist der größte Umweltfaktor bei der Haarwäsche und der ist bei festem Shampoo nicht geringer. Entsprechend ist auch die Ergiebigkeit von festem Shampoo relativ. Viele Hersteller sprechen von einem Äquivalent zu zwei Flaschen Shampoo (meist werden 30 bis 35 Gramm auf 200 Milliliter umgerechnet).
Diesen Vorteil lassen sie sich aber auch äquivalent bezahlen: Die Produkte kosten ein Vielfaches eines flüssigen Produktes selber Marke. Die Produktion fester Shampoos ist durchaus aufwändiger und teurer als die von flüssigen. Dass man Syndets aber schon seit Jahren für ein bis zwei Euro pro Stück kaufen kann, zeigt, dass man hier vor allem einen Trend mitfinanziert. Ob Waschstücke im Alltag praktischer sind, ist individuell. Nicht alle Produkte haben eine Kordel, um rundum zu trocknen und keine Rückstände zurückzulassen. Man munkelt, wenn ein Waschstück nicht mindestens einmal pro Dusche heruntergefallen ist, sei man noch nicht sauber genug. Keine Scheu ein Stück einfach durchzuschneiden, sodass es besser in der Hand liegt! Bei den meisten Syndets ist es unproblematisch, insofern man es beim Halbieren belässt.
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