Kabellose Geräte sind auf dem Vormarsch, doch nicht immer ist der Akkubetrieb die beste Lösung. Geräte, die mit Akkus oder Batterien netzunabhängig funktionieren, sind nicht immer zum Vorteil der Kunden. Es stellt sich die Frage, wo Akkubetrieb sinnvoll ist und wo man besser zu netzbetriebenen Geräten greift.
Kabellos bedeutet nämlich immer batteriebetrieben oder akkubetrieben, und das hat beides eklatante Nachteile, die erst einmal durch Vorteile wenigstens kompensiert werden müssen, damit sich für den Anwender ein Vorteil ergibt. Einer der größten Nachteile ist, daß aufgrund der unvermeidbaren Selbstentladung die Akkus gemäß Murphy's Law immer dann leer sind, wenn man das Gerät am dringendsten benötigt.
Elektrische Rasierapparate, kurz Rasierer genannt, sind das Paradebeispiel dafür, wie man sich für einen meistens nicht notwendigen Vorteil der Unabhängigkeit vom 230-V-Netz eine Menge Nachteile einhandelt. Bei der Umstellung von Netz- auf Akkubetrieb konnte man nämlich nicht einfach die bisherige, bewährte Technologie des Schwingankers beibehalten, der sehr einfach aufgebaut, sehr zuverlässig, nahezu verschleißfrei und leistungsstark ist.
Funktionsweise eines elektrischen Rasierers: Ein elektrischer Rasierer mit Schwinganker (es gibt auch das Philips-System mit sich drehenden Messern) besitzt einen Messerblock, der unter einem sehr dünnen Scherblatt hin- und herbewegt wird. Dadurch daß der Messerblock durch Federkraft an die Folie gedrückt wird, ist der Abstand zwischen ihr und dem Messerblock minimal. Beim Bewegen des Rasierers über den Bart fädeln die Bartstoppeln in die zahlreichen Löcher der Scherfolie ein und ragen dann in den Bereich des Messerblocks. Dadurch, daß sich dieser mit hoher Frequenz hin- und herbewegt, werden die Bartstoppeln vom Messerblock an der Innenkante der Scherfolie abgequetscht.
Das Hin- und Herbewegen des Messerblocks geschieht durch magnetische Anziehung des Ankers infolge des durch die Statorspule fließenden Wechselstroms. Die Frequenz, mit der der Anker und damit der Messerblock sich hin- und herbewegt, ist durch die Netzfrequenz festgelegt und damit recht hoch (in Europa 50 Hz) und stabil.
Der große Vorteil ist, daß nicht nur die Frequenz und damit die Schnittgeschwindigkeit immer gleichbleibend hoch ist, sondern daß die Kraft, die auf den Messerblock wirkt, bei Bedarf recht hoch sein kann, sodaß sehr viele Barthaare gleichzeitig ohne Reduzierung der Schnittgeschwindigkeit abgeschnitten werden können.
Kabellose Rasierer verfügen jedoch nicht über Wechselstrom, der den Messerblock hin- und herbewegen könnte, sondern nur über kleine Akkus, die naturgemäß nur einen Gleichstrom liefern können. Zudem steht im Vergleich zum Netzrasierer nur relativ wenig Leistung zur Verfügung. Deshalb kann man nicht einfach den Messerblock per Wechselstrom wie beim Netzrasierer bewegen.
Man geht daher einen anderen Weg und betreibt einen kleinen Gleichstrommotor, der wiederum einen Exzenter betätigt. Dieser wandelt die Drehbewegung in die gewünschte lineare Bewegung um.
Gleichstrommotoren haben im Gegensatz zu einem Schwinganker durch den unvermeidlichen Abbrand der Kohlen und des Kollektors nur eine sehr begrenzte Lebensdauer. Der größte Nachteil von Akkurasierern ist jedoch, daß die eingebauten kleinen Akkus und auch das eingebaute Motörchen nicht wirklich sehr leistungsfähig sind.
Daß der Akku in der Regel immer dann leer ist, wenn man das Gerät am dringendsten benötigt, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis. Ein weiterer Nachteil ist die begrenzte Lebensdauer der Akkus.
Auch wenn uns die Hersteller durch stetige Änderungen im Scherblattdesign, Gerätedesign etc. weismachen wollen, es gäbe auf diesem Gebiet noch praxisrelevante Innovationen, ist die Technik total ausgelutscht, weswegen eine Neuanschaffung keinerlei Verbesserung bringt, außer daß man die Akku-Problematik für einige Jahre beseitigt.
Wer sich nicht gerade regelmäßig morgens im Auto rasiert, während er im Stau steht, braucht daher normalerweise nicht zwingend einen netzunabhängigen Rasierer. Die Netzunabhängigkeit erkauft man sich zudem mit schlechteren Rasiereigenschaften und einer begrenzten Lebensdauer trotz der deutlich höheren Anschaffungskosten.
Leider bietet die Industrie neue netzbetriebene Rasierapparate fast ausschließlich nur noch als Low-Cost-Modelle an, die sich meistens durch den völlig schwachsinnig konstruierten Langhaarschneider disqualifizieren, sodaß man als Verbraucher kaum noch eine Wahl hat und sich dem Diktat des Unsinns ergeben muß, wenn man ein neues Gerät kaufen will.
Nicht selten provoziert man zumindest bei NiMH-Akkus einen frühzeitigen Ausfall selbst: Bei meinem Braun-Rasierer ist die rote Leuchte eine Vorwarnung, daß die Restladung nur noch für wenige Rasuren ausreicht.
Richtig ist es jedoch, den Rasierer nicht sofort wieder aufzuladen, sondern ihn solange weiterzubenutzen, bis die Motordrehzahl wirklich drastisch in den Keller geht. Auf diese Weise kann man übrigens mit ein wenig Geduld auch einen bestehenden Lazy-Akku-Effekt innerhalb weniger Ladezyklen auch wieder beseitigen.
Es gibt Alternativen zum Akkubetrieb, die in bestimmten Situationen sinnvoller sein können. Dazu gehören:
Einige Rasierer, wie der ProfiCare PC-HR 3012, bieten eine Direct-Drive-Funktion, die es ermöglicht, den Rasierer bei entladenem Akku direkt am Netz zu betreiben. Dies ist eine praktische Lösung, wenn der Akku leer ist und man sich trotzdem rasieren möchte.
Netzbetriebener Rasierapparat
Akkubetriebener Rasierapparat
Ganz ähnlich wie Rasierapparate funktionieren Bart- und Haarschneidemaschinen. Allerdings bewegt sich hier kein Messerblock unter einer Scherfolie hin und her, sondern es wird eine gezackte Schneide auf einer anderen hin- und herbewegt, wodurch die Haare wie in einer Schere an den scharfen Kanten abgequetscht werden.
Auch hier ist es so, daß netzbetriebene Geräte deutliche Vorteile bzgl. Leistungsfähigkeit haben, aber leider fast nur noch im Billigbereich zu finden sind. Teurere akkubetriebene Bartschneider wie Haarschneidemaschinen mühen sich mit den gleichen Problemen herum wie Rasierapparate: Geringe Leistungsfähigkeit, damit geringe Arbeitsgeschwindigkeit, die unter Belastung noch geringer wird, Akkus sind immer im ungünstigsten Moment leer, beschränkte Lebensdauer der Akkus und teuer.
Es wundert mich daher nicht, daß einige Friseure aus meinem Bekanntenkreis wieder netzbetriebene Geräte benutzen.
Über einen Akkuschrauber verfügen inzwischen viele Haushalte. Auch im gewerblichen Bereich haben sich diese schnell durchgesetzt, weil man nicht erst das Verlängerungskabel bemühen muß, um eine einzige Schraube zu befestigen.
Wenn man über 2 Akkus verfügt, von denen einer in Benutzung ist und der andere im Ladegerät steckt, kann man damit hervorragend arbeiten, ohne eine Kaffeepause wegen eines leeren Akkus einlegen zu müssen. Hier ist die Netzunabhängigkeit trotz der sich durch den Akku ergebenden Nachteile ein echter Segen.
Bedauerlich ist hingegen, daß sich (außer aus Explosionsschutzgründen bei den Lithiumionenakkus) die Hersteller so extrem wenig Aufwand bei der Ladetechnik treiben. Dadurch werden die Akkus nicht selten bei jedem Ladevorgang ein gutes Stück überladen, was ihre Lebensdauer und ihre Kapazität (und damit die Gebrauchsdauer pro Akkuladung) reduziert.
Akkuschrauber werden oft mit der Spannung des Akkus beworben, der ein Gradmesser für seine Leistungsfähigkeit sein soll. Diese Aussage ist tendenziell richtig, aber wie so oft kommt es beim näheren Hinsehen doch erheblich auf die Details an:
Unverständlicherweise werden keine NiMH-Akkus mit niedriger Selbstentladung für Werkzeugmaschinen verwendet sondern ausschließlich solche in bisheriger Technologie. Diese entladen sich bei Nichtgebrauch nach einigen Wochen oder spätestens Monaten soweit selbst, daß sich bestenfalls der Motor nur noch lustlos und vor allem kraftlos dreht. Wenn man sie nicht regelmäßig auflädt, werden sie innerhalb relativ kurzer Zeit unbrauchbar und lassen sich nicht mehr aufladen.
| Akkutyp | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| NiCd | Geringer Innenwiderstand, hohe Ströme | Umweltschädlich, Memory-Effekt |
| NiMH | Höhere Kapazität als NiCd | Höherer Innenwiderstand, Selbstentladung |
| Li-Ion | Hohe Energiedichte, geringe Selbstentladung | Begrenzte Lebensdauer, empfindlich gegenüber Überladung |
tags: #Rasierer #ohne #Akku #betreiben #möglichkeiten
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.