Allein in Deutschland leiden Millionen Männer unter Haarausfall. Inzwischen versprechen zahlreiche Mittel Abhilfe, doch ein verbreitetes Mittel kann beunruhigende Nebenwirkungen zur Folge haben. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) warnt vor schweren Nebenwirkungen des Wirkstoffs Finasterid. Besonders alarmierend: In zahlreichen Fällen kam es zu Depressionen und sogar zu suizidalen Gedanken - vor allem bei jungen Männern.
Erblich bedingter Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, ist die häufigste Ursache für Haarverlust bei Männern. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegen das Hormon Testosteron. Männern fallen dadurch die Haare bis zur Glatzenbildung aus, bei Frauen lichtet sich das Haupthaar.
Als Ursache des Massensterbens auf dem Kopf haben Wissenschaftler die Substanz Dihydrotestosteron (DHT) enttarnt, ein Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. DHT reichert sich an den Haarwurzeln an und schneidet sie allmählich von der Blutzufuhr ab. Folge: Die empfindlichen Wurzeln schrumpfen und verhornen, am Ende erleiden sie den Hungertod.
Neben der androgenetischen Alopezie gibt es noch weitere Formen des Haarausfalls. Hierzu zählen der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) und die vernarbende Alopezie mit dauerhaftem Haarverlust. Auch Mangelerscheinungen, die den natürlichen Haarzyklus beeinflussen können, dürfen nicht vergessen werden. Hierzu gehören ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder auch Infektionserkrankungen wie die Syphilis oder lokale Pilzinfektionen.
Finasterid wird in niedriger Dosierung (1 mg) zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall bei Männern eingesetzt. Es hemmt die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron. In Tablettenform soll es bei regelmäßiger Anwendung den androgenetischen Haarausfall bei über neunzig Prozent der Männer stoppen können. Präparate mit Finasterid stehen auch als Lotion zur äußerlichen Anwendung zur Verfügung.
Finasterid, auch bekannt unter dem Markennamen Propecia, ist ein bekanntes Medikament gegen Haarausfall und seit langem auf Rezept in der Apotheke erhältlich. Dieses Medikament muss kontinuierlich eingenommen werden, um die erzielten Ergebnisse zu erhalten. Es gibt viele Anwender, die Finasterid seit 10 Jahren oder länger einnehmen.
Sichtbare Ergebnisse treten in der Regel nach 3-6 Monaten regelmäßiger Anwendung ein, wobei der maximale Nutzen oft erst nach 12 Monaten erreicht wird.
Nun zeigt sich: Die Einnahme kann ernste psychische Folgen haben. Im Rahmen einer EU-weiten Sicherheitsprüfung wurden über 300 Fälle von Suizidgedanken im Zusammenhang mit Finasterid dokumentiert. Besonders bei Männern unter 42 traten die Nebenwirkungen auf.
Auch diese unerwünschten Wirkungen können durch die Einnahme des Mittels entstehen:
Finasterid steht allerdings im Verdacht Potenzprobleme oder psychische Erkrankungen zu verursachen oder zu verstärken. Zudem sollten Frauen mit Kinderwunsch Finasterid nicht einnehmen oder anwenden, da der Wirkstoff in der Schwangerschaft Fehlbildungen hervorrufen kann.
Die EMA empfiehlt daher, dass Patienten bei Stimmungsschwankungen, Anzeichen einer Depression oder suizidalen Gedanken die Einnahme abbrechen und ärztlichen Rat einholen sollten. Als zusätzliche Maßnahme wird künftig jeder Packung von Finasterid eine sogenannte Patientenkarte beiliegen, die Nutzer gezielt auf mögliche psychische Nebenwirkungen hinweisen soll.
Schon jetzt warnen die Beipackzettel vor möglichen Depressionen oder Stimmungsschwankungen. Künftig sollen diese Hinweise deutlicher formuliert werden. Auch sexuelle Nebenwirkungen wie verminderte Libido oder Erektionsstörungen sollen stärker hervorgehoben werden. Laut Ema können auch diese Beschwerden zur Entwicklung von Depressionen beitragen.
Experten vermuten, dass Finasterid nicht nur in den Testosteron-Stoffwechsel eingreift, sondern das hormonelle Gleichgewicht und damit die ausgeglichene Stimmung dauerhaft schädigt, was schließlich zu einer Depression führt.
Die Nebenwirkungen treten nicht nur während der Einnahme des Medikaments auf, sondern können unter Umständen auch erst nach dem Absetzen des Präparates auftauchen. Die Nebenwirkungen fassen Experten als sogenanntes Post-Finasterid-Syndrom zusammen, das allerdings nicht als eigenständige Krankheit anerkannt und vielen Ärzten unbekannt ist.
Ein Post-Finasterid-Syndrom nachzuweisen ist allerdings schwierig, denn die Blutwerte sind dabei normal, obwohl die Betroffenen weiter unter den Beschwerden leiden.
Wichtig: Wer während der Einnahme Veränderungen der Stimmung, depressive Verstimmungen oder gar suizidale Gedanken bemerkt, sollte die Behandlung sofort unterbrechen und ärztliche Hilfe suchen.
Neben Hormonpräparaten für Frauen gibt es für beide Geschlechter Produkte mit den Wirkstoffen Finasterid und Minoxidil, um dem entgegenzuwirken. Minoxidil fördert die Durchblutung der Haarwurzel, die dadurch besser mit Sauerstoff und Mineralstoffen versorgt wird. Der Wirkstoff kann auch bei diffusem Haarausfall helfen und zur Stärkung der Augenbrauen eingesetzt werden. Nicht wirksam ist er beim kreisrunden Haarausfall.
Minoxidil-Präparate zur Behandlung von Haarsaufall sind in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Für Männer mit 5 Prozent und für Frauen mit 2 Prozent Wirkstoffanteil. Sie werden als Schaum, Lösung oder Spray zur äußerlichen Anwendung angeboten und zweimal täglich auf die trockene Kopfhaut aufgetragen. Dort wo Haarwuchs erwünscht ist, sollen sie etwa vier Stunden lang einwirken.
Minoxidil wurde ursprünglich zur Behandlung von hohem Blutdruck eingesetzt. Dabei zeigte sich, dass als Nebenwirkung verstärkter Haarwuchs auftrat. Der Wirkstoff wurde daraufhin zur Behandlung von Haarausfall weiterentwickelt.
In Deutschland sind derzeit 28 Präparate mit Minoxidil zugelassen. In Form von Tabletten wird damit Bluthochdruck behandelt. 19 Präparate sind zur lokalen äußerlichen (topischen) Anwendung bei Haarausfall zugelassen.
Allerdings können bei langfristiger Anwendung auch diverse Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Kurzatmigkeit (Dyspnoe), Juckreiz, Hautauschlag und verstärkter Haarwuchs (Hypertrichose). Um eine unbeabsichtigte Übertragung des Wirkstoffs auf andere zu vermeiden, sollten die Hände nach jeder Anwendung gründlich gewaschen werden.
Eltern, die Minoxidil verwendet hatten, sollen das Mittel über äußeren Kontakt auf ihre Säuglinge und Kleinkinder übertragen haben. Seitdem muss in den Beipackzetteln auf die mögliche Entstehung einer Hypertrichose hingewiesen werden. Fälle in Deutschland gibt es bisher nicht.
Obwohl Finasterid ein wirksames Medikament ist und die meisten Anwender keine ernsthaften Nebenwirkungen erfahren, gibt es Alternativen zu Finasterid, die die gleiche Wirkung haben und aus natürlichen Inhaltsstoffen entwickelt wurden.
Shampoos mit Koffein oder Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin können den Haarwuchs zusätzlich fördern.
Eine gesunde und ausgeglichene Ernährung ist für alle Funktionen in unserem Körper wichtig und notwendig. Gesunde Ernährung ist Pflicht für alle, die sich gesundes und kräftiges Haar wünschen. Auch wenn man annimmt, dass Mangelerscheinungen in Deutschland nicht vorkommen, gehören sie mit zu den häufigsten Gründen für diffusen Haarausfall.
Besonders betroffen sind Personengruppen, die einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen haben, zu wenige Nährstoffe aufnehmen oder diese im Körper nicht richtig resorbieren können. Dazu gehören Vegetarier und Veganer, Schwangere, Sportler, Menschen mit Essstörungen oder bestimmten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.
Man sollte deshalb auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten sowie ggf. nach ärztlicher Rücksprache bestimmte Vitamine und Spurenelemente zusätzlich substituieren. Es gibt zudem einige Nahrungsmittel, in denen natürliche Stoffe vorkommen, die den DHT-Spiegel im Körper senken und damit erblich bedingtem Haarausfall entgegenwirken können. Sie sind zum Beispiel in Bananen, Mangos, Tomaten oder Kohl enthalten.
Eine weitere Möglichkeit der Therapie ist die Haartransplantation. Hierbei werden Haarfollikel vom Hinterkopf, die nicht androgen sensitiv sind, entfernt und in die kahlen Areale transplantiert. Der Erfolg dieser Therapie hängt von sehr vielen Faktoren ab, wie z. B. der Haarqualität, der Anzahl der transplantierten Haare und der Qualität der Empfängerregion. Die Kosten müssen selbst getragen werden, da es sich um einen kosmetischen Eingriff handelt.
Es gibt verschiedene Ursachen für Haarausfall bei Männern, wobei die androgenetische Alopezie die häufigste ist. Medikamente wie Finasterid und Minoxidil können helfen, den Haarausfall zu stoppen, sind aber mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Alternativen wie eine gesunde Ernährung und Haartransplantation können ebenfalls in Betracht gezogen werden.
| Behandlung | Wirkstoff | Anwendung | Risiken/Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Finasterid | Finasterid | Tabletten/Lotion | Depressionen, Suizidgedanken, Libidoverlust, Erektionsstörungen |
| Minoxidil | Minoxidil | Schaum/Lösung/Spray | Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Juckreiz, verstärkter Haarwuchs |
| Nahrungsergänzungsmittel | Biotin, Vitamine, Spurenelemente | Oral | Weniger Nebenwirkungen, aber auch weniger Wirksamkeit |
| Haartransplantation | Eigene Haarfollikel | Chirurgischer Eingriff | Kostenintensiv, Erfolg hängt von verschiedenen Faktoren ab |
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