Warum Sie Ihre Haare nicht waschen sollten: Ein umfassender Leitfaden

Die Haare zu waschen ist für viele Menschen ein fester Bestandteil ihrer täglichen Routine. Doch es gibt gute Gründe, warum man auf das Haarewaschen verzichten sollte. Dieser Artikel beleuchtet die Vorteile einer solchen "Detox-Kur" für die Haare und gibt praktische Tipps für die Umsetzung.

Die Detox-Kur für die Haare

Viele Influencer und Blogger setzen derzeit auf eine ungewöhnliche Pflege-Routine: Sie waschen ihre Haare nicht. Der Grund dafür ist eine Detox-Kur für die Haare. Wer oft mit fettigen Haaren zu kämpfen hat, kann seiner Mähne etwas Gutes tun, indem er eine Zeit lang auf das Waschen verzichtet.

Riccardo Simonetti schlägt in seinen Quarantäne-Tipps eine Entfettung für die Haare vor. Auch Fitness-Bloggerin Pamela Reif und Influencerin Lisa Hahnbück finden, dass die Zeit zu Hause perfekt dafür ist, die Haare für einen längeren Zeitraum nicht zu waschen.

No-Poo-Trend: Funktioniert Haare waschen ohne Shampoo wirklich?

Vorteile, wenn Sie Ihre Haare nicht mehr waschen

Durch das tägliche Waschen und Schrubben werden Haare und Kopfhaut stark strapaziert. Regelmäßige Kopfmassagen kurbeln die Durchblutung und die Talgproduktion an, was zu schneller fettenden Haaren führt. Viele Shampoos saugen zudem viel Feuchtigkeit auf und können brüchige und trockene Haare sowie Spliss verursachen.

Die Lösung: Gönnen Sie Ihren Haaren und Ihrer Kopfhaut eine Auszeit, indem Sie sie eine Zeit lang nicht mehr waschen. Die Talgdrüsen können sich daran gewöhnen, weniger Fett zu produzieren. Während der Kur pflegen sich Ihre Haare von selbst. Bürsten Sie sie täglich, um die gesunden Fette vom Ansatz bis in die Spitzen zu verteilen.

Nach diesem Prozedere haben Sie nicht nur gesündere Haare, sondern müssen sie auch seltener waschen. In Zeiten von Social Distancing können wir die kommenden Bad Hair Days in Kauf nehmen, da es ja keiner sieht!

Haare ausfetten: So funktioniert's

Wie lange Sie Ihren Haaren einen Detox-Urlaub gönnen, bleibt Ihnen überlassen. Zwei Tage reichen jedoch nicht aus, um sie auf Werkseinstellungen zurückzusetzen. Um sie langfristig seltener waschen zu müssen, sollten Sie fünf bis sieben Tage durchhalten.

Zu Beginn Ihrer Haar-Entfettung sollten Sie Ihre Haare mit einem tiefenreinigendem Shampoo waschen, um sie von anderen Produkten zu befreien. Verwenden Sie danach keine weiteren Produkte wie Conditioner und Co. Haare und Kopfhaut müssen sich nach jedem Shampoonieren erst wieder regenerieren. Daher ist es wichtig, nicht täglich mit Shampoo zu waschen.

Mythos Haare trainieren

Ein Mythos rund ums Haar hält sich hartnäckig: Angeblich kann man die Haare trainieren, damit sie langfristig weniger fetten. Dabei ist wichtig zu wissen: Nicht die Haare fetten, sondern unsere Kopfhaut. Unsere Kopfhaut produziert in den meisten Fällen stetig Talg aus ihren Drüsen. Dieses produzierte Fett wird durch die Kapillarität der Haare vom Ansatz aus in die Haarlängen weitergeleitet.

Talg schützt unsere Kopfhaut vor dem Austrocknen und bildet eine Barriere gegen Einwirkungen von außen. So hilft Talg auch dabei, bakteriellen Infektionen vorzubeugen.

Wann ist eine Haarwäsche nötig?

Sobald die Kopfhaut sich fettig oder ölig anfühlt, sollten die Haare, beziehungsweise die Kopfhaut, gereinigt werden. Das kann bei manchen Menschen nach zwei Tagen sein, bei anderen auch erst nach vier Tagen.

Bei längeren Haaren lohnt es sich, die Haare in einem Abwasch zweimal zu waschen. Dabei sollte beim ersten Mal nur die Kopfhaut und beim zweiten Durchgang sollten die Haare nur leicht shampooniert werden. "Das verhindert, dass die Haarlängen und -spitzen austrocknen", erklärt Antonio Weinitschke.

Tipps für die Haarwäsche

  • Haare vor dem Waschen gründlich ausbürsten
  • Lauwarmes, nicht zu heißes Wasser verwenden
  • Nicht zu viel Shampoo verwenden
  • Mildes Shampoo ohne viel Parfüm oder Silikone nutzen
  • Shampoo gleichmäßig im feuchten Haar aufschäumen und in die Kopfhaut einmassieren
  • Shampoo kurz einwirken lassen
  • Haare gut ausspülen
  • Eventuell ein zweites Mal die Haare waschen, dabei nur leicht shampoonieren
  • Bei Bedarf eine Spülung verwenden
  • Haare erneut gut ausspülen

Was hilft gegen fettige Haare?

Um effektiv gegen fettige Haare vorzugehen, rät Weinitschke zu speziellen Pflegeprodukten: "Gegen eine zu stark fettende Kopfhaut gibt es passende Shampoos und Kopfhautwasser, die einer schnellen Rückfettung entgegenwirken." Diese enthalten Wirkstoffe wie Schwefel, Zink und Salicylsäure, die dafür sorgen, dass sich die Haare zusammenziehen, sich die Talgproduktion verringert und überschüssiger Talg reduziert wird. Weinitschke empfiehlt zudem Kopfhautwasser mit Teebaumöl, das entzündungshemmend wirkt.

Unsere Haare verändern sich im Laufe unseres Lebens. So kann es sein, dass das Haar in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Pflege benötigt. Im jüngeren Alter nimmt die Produktion der Talg- und Schweißdrüsen zu. In dieser Zeit sei eine regelmäßige Pflege der Haut und Haare wichtig. Werden wir älter, lässt die Talgproduktion nach. Die Haare müssen dann meistens nicht mehr so oft gewaschen werden. In der Regel reiche dann ein- bis zweimal in der Woche aus.

Alternativen zu Shampoo

Lisa Pfleger hat vor drei Jahren den Entschluss gefasst, ihre Haare nicht mehr mit Shampoo zu behandeln, und gibt Tipps für ein Leben ohne das Produkt. Sie betont, dass Shampoos die natürliche Talgschicht der Haare zerstören und die Kopfhaut anregen, immer wieder nachzuproduzieren. Die Talgüberproduktion kann man nur regulieren, indem man aufhört, Shampoos zu verwenden.

Pfleger empfiehlt, die Haare regelmäßig zu bürsten, um die Talgschicht bis in die Haarspitzen zu verteilen. Zusätzlich kann man Trockenshampoo aus Maisstärke oder Kakaopulver verwenden, um den Talg aufzusaugen.

"No Poo"-Methode: Haare waschen nur mit Wasser

Es gibt auch Menschen, die ihre Haare nur bürsten und gar nicht waschen. Andere verwenden "Conditioner only" oder stark verdünnten Apfelessig als Spülung. Eine dünnflüssige Paste aus Roggenmehl und Wasser verleiht den Haaren einen schönen Glanz und ein gesundes Aussehen.

Lisa Pfleger wäscht ihre Haare maximal einmal pro Woche oder alle zehn bis 14 Tage. Seit sie auf diese Methoden umgestiegen ist, waren ihre Haare nie mehr fettig.

Expertenmeinungen zur "No Poo"-Methode

Dermatologe Dr. Elmar Ehring von der Hautklinik Münster äußert sich kritisch zur "No Poo"-Methode. Er hält es für unmöglich, dass sich die Fettproduktion an das Nichtwaschen von Haut und Haar gewöhnt und dadurch weniger wird. Die Talgproduktion ist sehr individuell und kann sich ändern, weil sie genetisch und hormonell bedingt ist, aber nicht in einem kurzen Zeitraum.

Prof. Selma Ugurel vom Universitätsklinikum Essen betont, dass ohne Seife und Shampoo nicht alle Bakterien und Rückstände auf der Haut und im Haar entfernt werden können. Shampoos enthalten Tenside, die Mizellen bilden und Fett, Schmutz und Talg einschließen und durch Wasser abtransportieren.

Wie oft sollten Sie Ihre Haare waschen?

Die Studien widersprechen dem gängigen Mythos, dass tägliches Waschen automatisch ungesund sei. Moderne Shampoos enthalten heute in der Regel milde Tenside, die das Haar schonend reinigen. Dennoch gilt: Der ideale Rhythmus hängt stark von Ihrem Haartyp ab. Wer feines Haar hat, kann also ruhig öfter waschen - bei lockigem oder trockenem Haar ist weniger jedoch oft besser.

Dr. Ingrid Schmoeckel, Fachärztin für Dermatologie am Dermatologikum Hamburg, erklärt, dass die Talgproduktion sich nicht beeinflussen lässt, indem man die Haare über Wochen nicht wäscht. Sie empfiehlt natürliche Alternativen zu konventionellem Shampoo wie Roggenmehl, Natron oder Heilerde.

Anzeichen dafür, dass Sie Ihre Haare zu selten waschen

Von offensichtlichen Zeichen wie fettigen Haaren können auch diverse Kopfhautprobleme und sogar Haarausfall darauf hinweisen, dass Sie Ihre Haare öfter waschen sollten.

Fünf Anzeichen dafür, dass Sie Ihre Haare möglicherweise zu selten waschen:

  1. Fettige Haare: Ein fettiger Ansatz und fehlendes Volumen sind offensichtliche Zeichen.
  2. Schuppenbildung: Eine Ansammlung von Schmutz, Öl und abgestorbenen Hautpartikeln kann zu Schuppen führen.
  3. Juckende Kopfhaut: Ansammlungen auf der Kopfhaut können Juckreiz verursachen.
  4. Glanzlose Haare: Ablagerungen von Styling- und Pflegeprodukten können die Haaroberfläche stumpf wirken lassen.
  5. Haarausfall: Chronische Entzündungen der Kopfhaut können zu Haarausfall führen.

Natürliche Alternativen zu Shampoo

Ein klassisches Shampoo hat jeder schon einmal verwendet. Die Zutaten dafür sind in sehr vielen Haushalten zu finden - Haarpflege aus der Küche, sozusagen. Kopfhaut und Haare werden dafür einfach mit Backsoda, also Natron, gewaschen und danach mit verdünntem Apfelessig gespült. Dieses Hausmittel hat den Vorteil, dass keine überflüssigen Stoffe, wie Silikone, Paraffine oder künstliche Farb- bzw. Duftstoffe enthalten sind. Außerdem ist es extrem preiswert.

Auch natürliche Tonerde wird in Marokko abgebaut und dort seit Jahrhunderten zur Körperpflege verwendet. Es handelt sich um ein vollkommen ökologisches Reinigungsmittel für Körper und Haare. Zum Waschen der Haare wird das Tonpulver einfach mit Wasser zu einer Paste angerührt.

Feste Shampoos sind eine echte und umweltfreundlichere Alternative zu Flüssigshampoos. Ihre Rezepturen kommen ganz ohne Wasser aus, sind jedoch beinahe ident mit denen herkömmlicher Shampoos. Damit sind sie kompakt, benötigen weniger Verpackungsmaterial und weniger Platz. Außerdem sind sie äußerst ergiebig - im Schnitt ist ein festes Shampoo das Äquivalent zu zwei Flaschen Flüssigprodukt.

Fazit

Ob man seine Haare täglich waschen sollte oder nicht, ist eine der häufigsten Fragen in der dermatologischen Beratung. Viele Menschen sind verunsichert: Ist tägliches Waschen schädlich? Fördert es fettiges Haar? Oder ist es sogar notwendig? Entscheidend sind immer der individuelle Haar- und Kopfhauttyp sowie die Wahl des passenden Shampoos.

Wer täglich wäscht, sollte ein Shampoo wählen, das sanft zur Kopfhaut ist. Ideal sind milde Formulierungen ohne Duftstoffe oder Farbstoffe - vor allem bei empfindlicher Haut oder bestehenden Hauterkrankungen. Ob Sie Ihre Haare täglich, jeden zweiten Tag oder einmal pro Woche waschen, sollte keine Frage von Dogmen oder Mythen sein. Vielmehr sollte auf das eigene Gefühl und die Signale der Kopfhaut gehört werden.

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