Rote Haare sind selten und fallen auf, mit Haartönen von Rotblond bis Kastanienbraun, meist heller Haut und blauen Augen sowie unzähligen Sommersprossen. Nur ein bis zwei Prozent der Menschen weltweit haben rote Haare.
Ein rothaariges Model mit heller Haut und Sommersprossen.
Das bekannteste Pigment beim Menschen ist Melanin. Es bestimmt unter anderem die Haut- und Haarfarbe und kommt in zwei Varianten vor: Eumelanin und Phäomelanin.
Melanine werden in spezialisierten Hautzellen hergestellt, den Melanozyten.
Wie so oft liegt es in den Genen, wie viel Eumelanin oder Phäomelanin ein Mensch im Körper hat - genauer: auf dem Chromosom 16. Dort befindet sich unter anderem die genetische Information für den Melanocortin-1-Rezeptor oder kurz MC1R.
Ist dieser Hormonrezeptor aktiv, bringt er Melanozyten dazu, viel Eumelanin und nur wenig Phäomelanin zu produzieren. Die Folge sind braune oder schwarze Haare, dunkle Haut und Augen.
Durch zufällige Mutationen kann aber die Funktion von MC1R gestört sein. Bei mehr als 90 Prozent der rothaarigen Menschen ist MC1R verändert.
Blonde oder hellbraune Haare enthalten insgesamt wenig Melanin, also wenig Eumelanin und Phäomelanin.
Spanische Forscher stellten 2007 fest, dass sogar ein Prozent der Neandertaler rote Haare hatte.
Auffällig viele der "Redheads" oder "Ginger Heads" tummeln sich in Europa, genauer in Wales, Schottland und Irland. Dort ist jeder zehnte Bewohner rothaarig.
Verteilung der Häufigkeit von rotem Haar in Europa.
Afrika ist die Wiege des modernen Menschen. Dieser ursprüngliche Homo sapiens war dunkelhäutig mit schwarzbraunen Haaren. So war der Mensch, der inzwischen kein Fell mehr trug, gut gegen aggressive Sonnenstrahlung geschützt. Diese Eigenschaften - also viel Melanin in Haut und Haaren - werden dominant vererbt.
Dort scheint die Sonne aber weniger und auch nicht so intensiv. Der eigentlich sinnvolle Sonnenschutz wandelte sich zum Nachteil, denn die stark pigmentierte Haut filterte zu viel UV-Licht heraus. Das benötigt der menschliche Körper aber, um Vitamin D herzustellen.
Menschen mit - zufälligerweise - weniger Eumelanin und deshalb hellerer Haut hatten also auf einmal einen Vorteil, obwohl diese Eigenschaften rezessiv vererbt werden. Die Evolution sorgte dafür, dass sich diese Mutation in Gebieten durchsetzte, in denen die Sonne weniger intensiv scheint.
Gleichzeitig waren Wales, Schottland und Irland durch ihre Insellage lange isoliert, sodass sich die rezessiven Eigenschaften stärker stabilisieren konnten als in Gebieten mit starker Zu- und Abwanderung.
Übrigens: Rote Haare sind im Vergleich zu anderen Farbvarianten sehr dick. Dafür tragen rothaarige Menschen mit 90.000 vergleichsweise wenige Haare auf dem Kopf. Braun- und schwarzhaarige Menschen haben im Schnitt 100.000, blonde sogar bis zu 150.000 Kopfhaare.
Menschen mit roten Haaren haben weniger und andere Pigmente in den Haaren und der Haut. Letztere ist sehr hell und empfindlich gegenüber Sonnenstrahlen. Es ist bekannt, dass wiederholte Sonnenbrände das Risiko für Hautkrebs steigern.
Dabei gilt: Je mehr Eumelanin, umso dunkler die Haut und umso unempfindlicher ist sie gegen Sonnenstrahlung. Außerdem kann Eumelanin ganz schön was einstecken, bevor es kaputtgeht. Man sagt auch, das Pigment ist photostabil.
Ganz anders das Phäomelanin: Es reagiert sehr empfindlich auf Licht und bietet so kaum Schutz.
Allerdings zeigen neuere Forschungen, dass nicht allein die mechanische Wirkung der Farbstoffe für den Sonnenschutz zuständig ist. Eumelanin ist auch ein sogenannter Radikalfänger. Das Pigment deaktiviert also reaktive Moleküle, die Zellschäden hervorrufen können.
Außerdem aktiviert MC1R bestimmte Mechanismen in der Zelle, die zum Beispiel Schäden an der Erbsubstanz (DNA) reparieren. Bei den meisten Rothaarigen ist MC1R verändert. Sie haben also deutlich weniger Eumelanin.
Rothaarige und somit Träger von MC1R-Genvarianten reagieren anders auf Schmerzreize als Nichtrothaarige. Ausschlaggebend ist die Art des Reizes. Auf mechanischen Druck zum Beispiel reagieren rothaarige Menschen unempfindlicher, während Hitze und Kälte ihnen mehr zusetzen als Probanden mit anderen Haarfarben.
Interessant ist, dass rothaarige Menschen offenbar nicht auf die schmerzstillende Wirkung von Lidocain ansprechen. Dieser Wirkstoff wird zur örtlichen Betäubung vor allem bei zahnmedizinischen Behandlungen eingesetzt.
In einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2009 stellten Forschende fest, dass rothaarige Probanden aus Angst vor schmerzhaften Untersuchungen doppelt so häufig Zahnarztbesuche mieden wie eine Vergleichsgruppe.
Woran es liegt, dass Rothaarige oft nicht auf Lidocain ansprechen, weiß man noch nicht. Lidocain wird unter die Haut gespritzt und wirkt nur an einem sehr begrenzten Ort.
Auch wenn es nur wenige rothaarige Menschen gibt, ist es unwahrscheinlich, dass sie irgendwann verschwinden. Denn die rote Haarfarbe wird verdeckt oder rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass auch dunkelhaarige und blonde Menschen die Erbanlagen für rote Haare in ihren Genen tragen können, solange unter ihren Vorfahren irgendwann Rothaarige waren. So kann Rothaarigkeit über Generationen versteckt weitergetragen werden.
Zusammenfassend lassen sich die wichtigsten Punkte in folgender Tabelle darstellen:
| Merkmal | Eumelanin | Phäomelanin |
|---|---|---|
| Farbe | Braun, Schwarz | Rot, Gelb |
| Schutz vor UV-Licht | Hoch | Gering |
| Häufigkeit | Häufig | Selten |
| MC1R-Aktivität | Aktiv | Verändert |
tags: #natürliche #rote #haarfarbe #ursachen
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