Die Darstellung des weiblichen Aktes in der Kunst hat eine lange und facettenreiche Geschichte. Insbesondere die Darstellung nackter Frauen mit schwarzen Haaren ist ein Motiv, das in verschiedenen Epochen und Kulturen immer wieder aufgegriffen wurde. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte und Bedeutung dieses Motivs in der Kunst, von antiken Darstellungen bis zu modernen Interpretationen.
Gustav Klimt, Judith I, 1901
Obwohl die Griechen keine Probleme hatten, ihre männlichen Götter und Gestalten ohne Kleidung zu zeigen, galten die gleichen Regeln nicht für Frauen. Sogar Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe, wurde immer in lose Gewänder eingehüllt.
Aber in der Mitte des vierten Jahrhunderts v. Chr. gab ein Bildhauer namens Praxiteles einer nackten Aphrodite Gestalt. Seine Aphrodite, die sich für ihr Bad auszieht und völlig nackt ist, ihre rechte Hand bescheiden ihren Schambereich bedeckt, war die erste lebensgroße Darstellung einer nackten weiblichen Form.
Ursprünglich als Kultstatue für einen Tempel in Kos in Auftrag gegeben, fertigte Praxiteles zwei Versionen an: eine bekleidet und eine entkleidet. Der Tempel kaufte die bekleidete Version, aber Privatpersonen der Stadt Knidos kauften die nackte Version und stellten sie in einem Freilufttempel öffentlich aus. Die nackte Aphrodite wurde bald zu einer Sensation: Aus ganz Griechenland kamen Menschen zu Besuch, zahlreiche Kopien wurden angefertigt, und die Statue wurde im ganzen Mittelmeerraum beschrieben.
Die Statue der Praxiteles hat nicht überlebt. Aber weil es eine der am meisten kopierten Statuen der Welt war, geben uns römische Repliken und Beschreibungen, die heute noch existieren, ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie das Original aussah. Diese römische Venus ist eine verkleinerte Kopie des Originals von Praxiteles.
In der Renaissance erlebte die Aktmalerei eine Wiederbelebung. Künstler wie Tizian schufen Werke, die den weiblichen Körper in all seiner Pracht feierten. Tizians "Venus von Urbino" (1538) ist ein berühmtes Beispiel für diese Epoche. Mit ihrer unverschämten Nacktheit und ihrem starken Blick in die Augen der Betrachter ist die nackte Frau in diesem Kunstwerk aus dem Jahr 1538 unbestreitbar erotisch und eine Aktmalerei, die die ganze Kunstwelt beeinflusst hat.
Tizian, Venus von Urbino, 1538
Im Barock hatte das blutige Gemetzel schließlich seinen Höhepunkt. Judith erschien nun als die kaltblütige Attentäterin, die mit der rechtschaffenen Frau der Renaissance nichts mehr gemeinsam hatte. Zuvor hatten Künstler stets den Moment vor oder nach der Enthauptung gewählt, so als würden sie dem Gesetz der griechischen Tragödie folgen, das Blut auf der Bühne verbot. Im Barock stellten Künstler jedoch nicht selten genau den Moment der Abtrennung des Kopfes dar. Judiths Geschichte eine der beliebtesten jener Epoche.
Caravaggio lieferte eine der realistischsten Darstellungen des Holofernes: Holofernes erwacht beim Ansetzen der Schwertklinge und Judith beginnt zu schneiden. Schock, Entsetzen und Schmerz sind in seinem Gesicht zu lesen, während Judith vor allem angeekelt wirkt.
Nachdem sie vom 18. Jahrhundert irgendwie vernachlässigt wurden, kehrten Judith und Salome umso stärker im 19. Jahrhundert zurück.
Damals herrschte eine allgemeine Faszination für den Orient und wer könnte vor diesem Hintergrund besser als Motiv dienen, als zwei Heldinnen aus dem Nahen Osten?
August Riedel hat Judith ganz klar als Kämpferin dargestellt: Während sie den abgetrennten Schädel hinter ihrem Rock verbirgt, ist das Schwert repräsentativ im Vordergrund.
Diese Frauen zu malen bedeutete für den europäischen Mann im Allgemeinen eine Frau zu malen, die seiner Vorstellung der schönen und durchsetzungsfähigen Orientalin entsprach (wobei so ziemlich alles, das östlich von Europa liegt, damals als Orient bezeichnet wurde), deren Kopf von prachtvollem dunklem Haar gekrönt und deren Körper in goldgesäumte Kleider gehüllt ist.
Andere Maler des 19. Jahrhunderts wiederum setzten Salome stärker in den Fokus. Alfred Stevens malte sie mitsamt dem Messer und dem Tablett kurz vor der Hinrichtung: sie ist hier die ausführende Kraft, nicht länger nur das Instrument der Rache ihrer Mutter.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts machte Platz für eine mächtige Salome, die zur Protagonistin der Geschichte wurde.
Was die Darstellung von Judith und Salome betrifft, gibt es ein klares Muster: entweder es ist die starke Frau oder die Verführerin. Auch das 20. Jahrhundert vernachlässigte keines dieser beiden Themen.
1901 malte Gustav Klimt eine nackte und sinnliche Judith. Holofernes tritt kaum in Erscheinung, sein Kopf ist vom Rahmen - ein zweites Mal - abgeschnitten. Die Protagonistin ist Judith als zufriedene Verführerin in einem Ausdruck sexueller Erfüllung.
Franz Stuck, Judith und Holofernes, 1927
Franz von Stuck folgte diesem Weg und lieferte eine weitere sinnliche Interpretation der Geschichte. Judith, nur mit einem Helm bekleidet, schwingt ein großes Schwert, als eine Art phallisches Symbol, über Holofernes, womit die klassischen Rollen vertauscht wurden. Sowohl Klimt als auch von Stuck stellten den sinnlichen Aspekt der Geschichte in den Vordergrund.
Zeitgenössische Interpretationen konzentrieren sich den politischen und sozialen Aspekt der Geschichten. Beispielsweise malte Kehinde Wiley Judith im Jahr 2012 als schwarze Frau, die den Kopf einer weißen Frau anstellte des Kopfes des Holofernes hochhält. Das Gemälde ist eine Manifestation der Notwendigkeit, die weiße Herrschaft endgültig zu überwinden.
Basierend auf diesen Beispielen fangen die Geschichten um Judith und Salome der Darstellung der weiblichen Wut in der Kunstgeschichte und der Bewaffnung der Weiblichkeit ein. Sie schwingen zwischen Heldentum und roher Sinnlichkeit.
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Darstellung nackter Frauen mit schwarzen Haaren bildet das Werk von Otto Mueller. Blättert man durch das Werkverzeichnis Otto Muellers, begegnen einem überwiegend Darstellungen von Akten, Badenden und Porträts, darunter eine Reihe von Zeichnungen, Gemälden und Druckgrafiken mit Motiven aus dem Kontext der Rom*nja-Minderheit, die ab 1924 im Rahmen mehrerer Reisen nach Osteuropa und auf den Balkan entstanden.
Die Titel dieser Werke beinhalten den Begriff „Z***“, der heute als problematisch betrachtet wird, da es sich hierbei um eine vorurteilsbehaftete Fremdzuschreibung der Nicht-Rom*nja-Gesellschaft handelt. Zentral ist die Auseinandersetzung mit diesem Motivkreis in der Grafikmappe Z***/Otto Mueller aus dem Jahr 1927, von der sich ein Exemplar in der Sammlung des Brücke-Museums befindet.
Die neun Farblithografien der sogenannten „Z***“-Mappe basieren auf Zeichnungen und nicht erhaltenen Fotografien, die der Künstler zwischen 1925 und 1927 während mehrerer Sommeraufenthalte in Ungarn und auf dem Balkan von Rom*nja anfertigte. In seinem Atelier in Breslau, wo er seit 1919 als Professor an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe tätig war, verarbeitete er seine Eindrücke in Gemälden und Grafiken.
Die Blätter zeigen hauptsächlich Frauen mit schwarzen Haaren und markanten Gesichtszügen, meist sind sie halb nackt. Neben einzelnen Kinderdarstellungen scheint Muellers Interesse überwiegend weiblichen Personen gegolten zu haben - Männer tauchen bei ihm nur in familiären Kontexten auf.
Muellers Arbeiten stehen exemplarisch für die gesamteuropäische Tradition der Bild- und Wissensproduktion über das Leben der Rom*nja, die von einer stark antiziganistischen Sicht auf diese marginalisierte Gruppe zeugt.
Seit ihrer Ankunft im Südosten des Kontinents wurde in Kunst, Kultur und insbesondere in den Wissenschaften über die Jahrhunderte hinweg ein in mehrfacher Form rassistisches Bild der Rom*nja-Bevölkerung geprägt. Durch stereotype Darstellungen, vorurteilsbehaftete Schriften und verklärende Erzählungen, fast ausschließlich aus der Hand von Nicht-Rom*nja, hat sich ein in mehrfacher Form stigmatisierendes Fremdbild im kollektiven Bewusstsein der europäischen Mehrheitsgesellschaft verfestigt, das bis in die Gegenwart nachhallt: Da ist zum einen das zutiefst negative Klischee als arme Bettler*innen, Betrüger*innen und Dieb*innen, dargestellt gemeinhin als schmutzige, hässliche und kulturell rückständige Personen, die nicht in der Lage sind, gesellschaftlichen Normen zu folgen.
Gleichzeitig existiert das stark romantisierte Bild der freiheitsliebenden und geheimnisvollen Nomad*innen, geschickten Musiker*innen und Schausteller*innen, die im Gruppenverbund eng mit der Natur verbunden leben und über magisches Wissen und Kräfte verfügen. In diesem Fall werden die Körper der Rom*nja fetischisiert, häufig sogar sexualisiert. Dies drückt sich insbesondere im Hinblick auf die Frauen aus, wobei es sich hierbei gar um eine doppelte, intersektionale Diskriminierung, nämlich aufgrund ihrer Minderheiten- sowie ihrer Geschlechterzugehörigkeit, handelt.
Die Ikonografie von Romnia-Darstellungen ist dementsprechend sowohl zutiefst von rassistischen als auch von patriarchalischen Blicken geprägt: Seit dem Mittelalter bis in die heutige Zeit werden sie typischerweise entweder als „Z***“-Hexe oder als hypersexualisierter Archetyp, etwa wie die Figur der Carmen in der gleichnamigen Novelle und Oper, dargestellt.
Geprägt durch den Blick von außen, haben beide Stereotype ein wesentliches Merkmal gemein: Sie stellen die Rom*nja als eine Gruppe exotisch anderer dar, die sich von Natur aus grundsätzlich, für immer und unversöhnlich von der Bevölkerung der Nicht-Rom*nja unterscheidet.
Solche antiziganistischen Darstellungen sind als eine Form symbolischer Gewalt zu verstehen und haben über Jahrhunderte hinweg grundlegend zur Ermöglichung und Legitimation der Rom*nja-Verfolgung auf der ganzen Welt beigetragen.
Eine romantisierte Vorstellung der Rom*nja-Lebensweise gewinnt am Beginn des 20. Jahrhundert nachweislich an Popularität und zieht eine wachsende Faszination nach sich. Die fortschreitende Industrialisierung und Verstädterung rief vielfach den Wunsch nach alternativen Lebensformen wach.
Die Darstellung des einfachen Lebens der Rom*nja als zivilisationsfern-idealisierter Sehnsuchtsort löste die bis dahin populärsten Bildinhalte als Dieb*innen und Wahrsager*innen, etwa bei Caravaggio oder Georges de La Tour, als Hauptmotiv ab. Muellers „Z***“-Mappe steht exemplarisch für diese Entwicklung.
Der Künstler selbst hatte dabei wohl kein großes Interesse an einer realistischen Wiedergabe der Rom*nja, stattdessen setzte er die tradierten Inszenierungsmuster fort. So illustrieren die Einfachheit der Häuser und Kleidung seiner Figuren deren Armut, in ihrer Darstellung unter freiem Himmel drückt sich eine verklärte Naturverbundenheit aus.
Mit dem Motiv des Planwagens als Symbol des vermeintlich charakteristischen Nomad*innentums bedient sich der Künstler eines bildlichen Standardvokabulars. Schon in dem Radierzyklus La vie des égyptiens (Das Leben der Ägypter) des französischen Grafikers Jacques Callots, entstanden 1621 bis 1631, einer der ältesten bekannten, mit Stereotypen gespickten Rom*nja-Illustrationen, ist das Wagenmotiv präsent.
Wie sehr sich Mueller für die Umsetzung seiner künstlerischen Vorstellungen an der Lebenswelt der Minderheit bediente, offenbart sich vor allem in seiner Darstellung von Frauen: Sie zeigte er meist exotisiert und sexualisiert, indem er sie nackt oder halb nackt, lediglich bekleidet mit traditionellen langen Röcken oder tief ausgeschnittenen Blusen inszenierte.
Anzumerken ist, dass die Darstellung von nackten Frauen in Muellers Œuvre als nichts Ungewöhnliches gelten muss; motivisch dominiert der Akt in der Landschaft. Ebenso wie für seine ehemaligen Kollegen der Künstlergruppe Brücke drückte sich für Mueller im Motiv des nackten Körpers in der Natur Reinheit aus - in diesem Zustand, so Mueller, könne der Mensch eine Einheit mit seiner ursprünglichen Umwelt bilden, zu der er durch die westliche Zivilisation den Kontakt verloren habe.
Im frappanten Gegensatz dazu gilt öffentliche Nacktheit innerhalb der Rom*nja-Kultur als Tabu. Rom*nja würden niemals unbekleidet für einen Maler posieren. Insofern wurden insbesondere die halb nackten Körper der Romni in Muellers Arbeiten eindeutig zum Objekt eines (männlichen) Voyeurismus − sie wurden erotisiert, fetischisiert und exotisiert.
Eine genaue Erklärung, weshalb die Rom*nja Mueller so faszinierten, dass er ihre Siedlungen in Osteuropa zum Zeichnen und Fotografieren mehrere Jahre nacheinander aufsuchte, bleibt aufgrund fehlender Informationen und Aussagen des Künstlers eine Leerstelle. Lange Zeit wurde die Einordnung seiner Arbeiten zudem durch den Mythos Muellers als „Z***“-Maler überschattet.
Nachweislich Eingang in Muellers Werk fand die Lebenswelt der Rom*nja erstmals infolge seiner Stationierung während des Ersten Weltkriegs in Russland, wo er mit einer Gruppe der Minderheit in Kontakt kam. Danach tauchte ihre Kultur vorerst nur im Rahmen seines Interesses am Okkultismus in verschiedenen Porträts auf, für die er sich traditioneller magischer Treue- und Liebesamulette bediente.
Der Künstler beschäftigte sich zu einer Zeit mit dieser Minderheit, in der pseudowissenschaftliche Theorien des biologischen Determinismus als Vorboten der späteren Eugenik aufblühten und die öffentliche Politik und Wahrnehmung prägten. Lange vor dem Nationalsozialismus begann eine staatlich geförderte Verfolgung der Rom*nja durch deutsche Behörden.
Bereits im späten 19. Jahrhundert wurden Institutionen und Gesetze eingeführt, welche die Rom*nja schrittweise ihrer Rechte und Freiheiten beraubten. Kunst und Kultur spielten bei der Propagierung und Legitimierung der Verfolgung dieser Minderheit generell eine nicht zu unterschätzende Rolle.
So lassen sich die Stereotype, die Muellers Arbeiten wiedergeben, kurz darauf ebenso in der rassistischen Ideologie der Nationalsozialist*innen wiederfinden, wo sie dazu dienten, die schrittweise Entrechtung, Verfolgung und spätere Ermordung der europäischen Rom*nja zu legitimieren.
Angesichts des nationalsozialistischen Völkermords an rund 500.000 europäischen Rom*nja hüllt dieser Umstand Muellers Werke, die selbst rassistische Denkmuster reproduzieren, in eine vermeintliche, jedoch falsche Unschuld. Denn nichtsdestotrotz bleiben sie Ausdruck eines stigmatisierenden konstruierten Fremdbilds und desselben Rassismus, der zur Verfolgung und späteren Ermordung der Rom*nja beigetragen hat - und der bis heute besteht.
Jacques Callot, Der Aufbruch, aus dem Radierzyklus La vie des égyptiens (Das Leben der Ägypter), ca. 1621-1631
Die Aktmalerei von Männern und Frauen verursachte jahrhundertelang Skandale (weibliche Akte natürlich öfters). Oft in religiösen oder mythologischen Kostümen gekleidet, verletzten sie wegen ihrer offenen Geradlinigkeit häufig «den guten Geschmack» der Epoche.
Um die erotischen Tendenzen der Künstler im Laufe der Jahrhunderte zu feiern, haben wir eine chronologische Liste der atemberaubendsten Werke des weiblichen Akts zusammengestellt:
Die Darstellung nackter Frauen mit schwarzen Haaren in der Kunst ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Normen, kulturellen Werte und künstlerischen Strömungen der jeweiligen Epoche. Von den idealisierten Körpern der Antike über die romantisierten Darstellungen des 19. Jahrhunderts bis hin zu den politisch aufgeladenen Interpretationen der Moderne, das Motiv bleibt ein faszinierendes und vielschichtiges Thema in der Kunstgeschichte.
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