Mary Roos, geboren als Rosemarie Schwab, feierte am 9. Januar ihren 70. Geburtstag und blickt auf 61 Jahre Bühnenerfahrung zurück. Ihre Abschiedstournee verspricht, ein endgültiger Abschied zu sein. In Stuttgart präsentierte sie einen Streifzug durch die Jahrzehnte des deutschen Schlagers, unsentimental, lebensfroh und mit einer Stimme, die nichts von ihrer Wärme und Geschmeidigkeit verloren hat.
Roos gehört zu den vielseitigsten Künstlerinnen Deutschlands. Wenn man wie die 73-Jährige seit 65 Jahren erfolgreich im Showbusiness tätig ist, gibt es viel zu erzählen. Anstatt zu singen, wählte sie daher eine Erzählung. "Aufrecht geh'n - Mein liederliches Leben", lautet der Titel ihres Buches, das am 18. Oktober erscheint.
Mary Roos während eines Auftritts.
Im Hintergrund ihrer Stuttgarter Bühne leuchten oft Farben und Muster, die zu den Epochen ihrer Karriere gehören. Ein altes Fernsehgerät zeigt Bilder von Mary Roos früherer Tage: brünett in den 1960ern, später in Latzhose und kariertem Hemd. Die Farbe hat sie längst gewechselt, ihr Haar jedoch ist echt - was einige Fans kaum glauben wollen. Mary Roos erzählt von Menschen, die ihr die Perücke vom Kopf ziehen wollten, und lacht.
Viele ihrer Lieder wurden von anderen Sängerinnen bekannt gemacht, manche kannte man zuvor in englischer Sprache. 1985 coverte Mary Roos einen Song von Modern Talking: „You‘re my Heart, you‘re my Soul“ wurde zu „Ich bin stark, nur mit Dir“. Das dazugehörige Musikvideo zeigt schrille Kostüme, Frisuren und Brillen.
Ganz schlicht und selbstverständlich wechselt Roos von heiteren Erinnerungsstücken zu den ernsten und gefühlvollen Liedern. Ihrem Sohn Julian widmete sie 2005 ein Lied und singt es nun für ein still lauschendes Publikum. Die Ehe mit Werner Böhm war nicht von Dauer - „Bei mir hat‘s ja leider nicht geklappt“, sagt sie - aber anderen wünscht sie doch das Beste.
Mary Roos veröffentlicht ihre Biografie.
„Aufrecht gehn‘“ sang Mary Roos 1984, „Rücksicht“ 1997 und „So leb‘ dein Leben“, ihre Version von Sinatras „My Way“, schon 1970. Diese Stücke fasst sie nun in einem Medley zusammen. 2015 ließ sie sich ein Lied von Pe Werner schreiben - „Unbemannt“. Im Frühjahr 2018 nahm Mary Roos an der Musikshow „Sing meinen Song“ teil und tauschte ihre Lieder mit jüngeren Kollegen. Nun hat Mark Forster einen virtuellen Auftritt im Hegelsaal, singt mit ihr das Stück, mit dem sie 1972 den dritten Platz beim Grand Prix Eurovision de la Chanson machte: „Nur die Liebe lässt uns leben“.
Mary Roos singt auch ein Lied von Forster, „Nur ein Wort“ von Wir sind Helden und „Spinner“ von Revolverheld. Dabei zeigt sich, was sie den Jüngeren voraus hat: dick auftragen braucht sie nicht. Sie fließt dahin und strahlt dabei.
Eine Band mit Bläsergruppe, Keyboard, Gitarren und Schlagzeug begleitet sie. Nur einmal schert Mary Roos mit ihr aus, wenige Minuten fließen Spuren von Techno und Clubmusik ein - den ganzen Rest des Abends schwelgt sie im fein gewobenen Easy Listening.
Humor beweist sie auch in der Show „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ mit Wolfgang Trepper, einem Todfeind des deutschen Schlagers. Dort hat sie sich einen Spitznamen geholt, für den sie sich gar nicht schämt: „Die Helene Fischer der Bronzezeit“. Und dort sang sie den sehr selbstironischen Chanson: „Wie lange woll‘n Sie das noch machen, Frau Roos?“
2019 beendete Mary Roos ihre musikalische Karriere. Trotz einer jahrzehntelangen erfolgreichen Karriere bekommt Mary Roos nur eine Mini-Rente. Nur 160 Euro stehen der Schlagersängerin zu. Trotzdem will sie sogar ihre Mini-Rente nicht für sich beanspruchen, sondern spenden.
In einem t-online-Interview hat Schlagerstar Mary Roos in Richtung Frauke Ludowig einen Vorwurf erhoben. Vor rund 20 Jahren hat sich die RTL-Moderatorin Frauke Ludowig in einem Beitrag ihres Senders zu einer Formulierung hinreißen lassen, mit der sie Schlagerstar Mary Roos vor den Kopf stieß. In einer Anmoderation für die Sängerin war plötzlich von einer "Schlageroma" die Rede.
Mary Roos wird von ihrem langjährigen Freund Sky du Mont reingelegt. Und Youtuberin Bianca Claßen, besser bekannt als Bibi, spielt Passanten Streiche mit der versteckten Kamera. Dahinter stecken Guido Cantz und „Verstehen Sie Spaß?“. Bei einem zwei Tage dauernden Dreh musste sich der 47-Jährige jeden Morgen vier Stunden in die Maske setzen. Aus Cantz wurde „Gertrud vom Wertstoffhof“ - mit Gesichtsmaske, falschen Zähnen und Perücke.
Mary Roos und Sky du Mont bei "Verstehen Sie Spaß?".
Ihr quirlig frecher und kein bisschen kleinlauter Charme, ihre herzhaft unverschämte Redseligkeit und ihre schöne Stimme tragen durch das Konzert. Der Applaus, der Mary Roos schließlich im Foyer der Liederhalle empfängt, ist fast so groß wie eben noch, als sie dort auf der Bühne stand.
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