Marie Hofmann: Vom Social-Media-Star zur Landwirtin – Ein ungewöhnlicher Werdegang

Obwohl sie nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, ist Marie Hoffmann aus Soest in Nordrhein-Westfalen heute eine der bekanntesten Farmfluencerinnen und hat auf Instagram über 800.000 Follower. Wie hat sie ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft entdeckt und was macht sie so erfolgreich?

Wie Marie Hoffmann zum Instagram-Star wurde

Marie Hoffmanns Start in die Landwirtschaft war alles andere als gewöhnlich. Entgegen aller Vermutungen ist sie nicht auf einem Hof aufgewachsen - ihr Vater ist gelernter Zimmerer, ihre Mutter Lehrerin. Doch Marie hatte Glück: Ihr Opa Heinrich, ein Mitarbeiter einer landwirtschaftlichen Forschungs- und Versuchsanstalt, nahm sie schon als kleines Mädchen mit auf verschiedene Höfe. Dort, zwischen Stall und Acker, weckte er in Marie die Begeisterung für das Landleben, die bis heute anhält.

Mit 11 Jahren begann Marie bereits, auf Höfen in ihrer Umgebung zu helfen, und mit 16 saß sie das erste Mal selbst am Steuer eines Traktors. Diese Erfahrungen vertieften ihre Liebe zur Landwirtschaft und führten sie schließlich nach dem Abitur für ein Jahr auf eine Farm in den USA. Nach dem Abi ist sie ein Jahr in die USA auf eine Farm, danach in Deutschland Agrarwissenschaften und Agrarwirtschaft studiert.

Authentische Landwirtschaft auf Instagram

Während der Corona-Pandemie kam die zündende Idee: Marie Hoffmann startete ihren Instagram Channel, um ihr Wissen über Landwirtschaft mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen. Am Anfang habe ich mich das nicht getraut und nur Bilder mit Erklärtexten dort gepostet. Dann habe ich irgendwann während der Arbeit gemerkt, dass ich was zeigen will, aber es praktisch nicht hinkriege, auf dem Acker einen Text ins Handy zu tippen. Irgendwann habe ich das Handy deshalb hingestellt und angefangen, auf Instagram Storys hochzuladen.

Sie will einen Einblick in den tollsten Beruf der Welt geben und zeigen, was wir mit der Landwirtschaft alles verändern können. Dafür filme ich, wie die Arbeit auf dem Acker aussieht, und poste Ernteberichte. Ihre Authentizität und ihr Fachwissen kamen gut an, und so wuchs ihre Community rasant. 2023 knackte sie die 300.000-Follower-Marke, doch nach den Bauernprotesten, bei denen sie eine aktive Rolle spielte, explodierte ihre Reichweite auf über 600.000 Follower. Heute folgen ihr mehr als 800.000 Menschen, die an ihren ehrlichen Einblicken in die Welt der Landwirtschaft interessiert sind. Und das, obwohl Marie Hoffmann gerade erst 27 Jahre alt ist.

Ich erkläre es nicht zu kompliziert und setze nicht voraus, dass jemand schon alle Informationen hat. Ein Vorteil ist, dass ich selbst immer auch aus der Verbraucherinnenbrille auf Themen schauen kann. Ich bin ja Quereinsteigerin und habe deshalb ein Gefühl dafür, was Menschen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund verstehen können. Außerdem probiere ich oft neue Sachen aus und berichte darüber. Zum Beispiel über die Agrardrohne.

Zielgruppe ihrer Videos

Vor allem eine, die sich für die Landwirtschaft und den Naturschutz interessiert, einige haben auch selbst einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Es sind aber immerhin auch 30 Prozent, die gar keine Berührungspunkte mit der Landwirtschaft haben. Zumindest laut einer Umfrage, die ich in meiner Story gemacht habe. Das ist, wenn man Filterblasen und Algorithmen bedenkt, schon ziemlich viel für so ein spezielles Thema wie die Landwirtschaft.

Klein, aber oho: Marie Hoffmanns Betrieb in Soest

Seit Mai 2023 bewirtschaftet Marie gemeinsam mit einem Schulfreund und dessen Eltern einen 100 Hektar großen Betrieb in Lippetal, im Landkreis Soest in Nordrhein-Westfalen. Reiner Ackerbau. Wir bewirtschaften 120 Hektar Land, dazu gehört auch Wald und ein Naturschutzgebiet. Dann haben wir 10 Hektar für Grünspargel, das ist unser größtes Standbein. Der Rest ist Roggen, Weizen, Mais, seit letztem Jahr auch Raps. Auf dem Hof werden unter anderem Grünspargel, Roggen und Weizen angebaut. Der Betrieb ist zwar eher klein für die Region, aber Marie geht auch an diese Aufgabe mit großer Leidenschaft ran.

Vom Betrieb lasse mir momentan kaum etwas auszahlen, weil wir erst mal investieren wollen, um den Betrieb für die Zukunft sicher aufzustellen. Wir haben ja nur Ackerbau, sind ein eher kleiner Hof und zu dritt, viel Geld bringt das nicht. Und mein Kumpel, mit dem ich das mache, hat noch einen anderen Job.

Die Stimme der Landwirte auf Instagram

Während der Bauernproteste setzte sich Marie Hoffmann aktiv für die Rechte der Landwirte ein und organisierte Demonstrationen mit. Sie haben auch zu den Bauernprotesten aufgerufen. Mich hat die Herangehensweise der Politik gestört: Der Umweltschutz ist eines der wichtigsten Ziele für mich und viele meiner Berufskolleginnen und Kollegen. Aber fest steht auch, dass wir ohne den Traktor nicht arbeiten können. Den Agrardiesel streichen, bevor es eine klimafreundliche Alternative gibt, belastet nur die Branche finanziell, bringt aber dem Klimaschutz nichts.

Dabei setzte sie sich klar gegen rechte Ideologien und Gewaltaufrufe zur Wehr. Für Marie ist die Landwirtschaft nicht nur ein Beruf - es ist ihre Mission, diese Branche zu verteidigen und vor allem weiterzuentwickeln.

Forschung und Fortschritt: Marie's Vision

Marie träumt davon, die Landwirtschaft und das Landleben durch Forschung weiter nach vorne zu bringen. Sie will zeigen, dass Landwirtschaft nicht nur etwas für Traditionalisten ist, sondern modern und zukunftsfähig. Mit ihrer Leidenschaft und ihrem Wissen ist sie ein Vorbild für alle, die ihre Träume verwirklichen wollen - und sie zeigt uns allen, dass auf dem Land richtig was geht.

Ich versuche Lösungskonzepte vorzustellen, die für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit sorgen. Wie zum Beispiel Möglichkeiten, um Dünger präziser einzusetzen. Wir nutzen auf unserem Hof beispielsweise intelligente Applikationskarten, also eine Software, die genau sagen kann, wie viel Dünger welche Pflanze braucht.

Unsere Böden sind die größten CO2-Speicher, die es gibt. Wir wollen deshalb auf regenerative Landwirtschaft setzen. Die Idee dabei ist, den Boden als eigenes Ökosystem in Ruhe zu lassen und ihn nicht durch Bodenbearbeitung zu zerstören. Dadurch kann sich Humus aufbauen. Der besteht aus organischen Kohlenstoffverbindungen und kann so CO2 aus der Luft einspeichern und das Klima schützen. Das ist auch super für den Artenschutz, zum Beispiel können Wildbienen ihre Nester im Erdreich anlegen und Nester von Bodenbrütern, wie dem Kiebitz, werden nicht zerstört.

Mit Direktsaat. Das bedeutet, dass wir den Boden nach der Ernte nicht umpflügen, sondern direkt neu säen. Wir probieren dafür auch immer neue Techniken aus, zuletzt eine Agrardrohne, mit der wir schon eine Zwischenfrucht in unsere Felder gesät haben, bevor der Weizen überhaupt geerntet wurde.

Einnahmequellen

Nein. Es ist schon mein Traum, irgendwann von der Landwirtschaft zu leben. Aber ich mache die Erklärvideos sehr gern. Und ich kann von dem Geld, das ich mit Social Media verdiene, gut leben. Ich habe Werbekooperationen, zum Beispiel für Technik, die ich selbst ausprobiere. Das meiste Geld verdiene ich über Vorträge, Paneldiskussionen und Beratung von landwirtschaftlichen Unternehmen.

Pläne für die Zukunft

Ich reise sehr gerne, um landwirtschaftliche Projekte in anderen Ländern kennenzulernen. Dieses Jahr fliege ich noch nach Kalifornien zu einem Hof, der intelligente Mikrobewässerungssysteme verwendet. Mein größter Wunsch ist, dass die Potenziale des wichtigsten Berufs der Welt gesehen werden. Landwirtschaft könnte im Klimawandel der Gamechanger sein. Ich könnte mir vorstellen, irgendwann einen kleinen Resthof zu kaufen mit einer Wildtierauffangstation.

tags: #Marie #Hofmann #Landwirtin #Werdegang

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