Haarausfall, insbesondere im Zusammenhang mit einer Chemotherapie, ist für viele Betroffene eine belastende Erfahrung. Wenn aufgrund einer Chemotherapie die Haare ausfallen, wird die Krankheit Krebs für jeden sichtbar. Das belastet viele Betroffene - zusätzlich zur ohnehin schon schwer zu verarbeitenden Diagnose.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit diesem Problem umzugehen. Eine Option ist das Tragen eines Haarbandes, das sowohl als modisches Accessoire dienen als auch den Haarverlust kaschieren kann.
Die Kühlkappen aus weichem Silikon sind mit einem Kühlsystem verbunden. Eine Kühlung der Kopfhaut soll bewirken, dass sich die Gefäße verengen und so die Haarwurzeln schlechter durchblutet werden. Folge: Geringere Mengen der Zytostatika im Blut gelangen über den Blutkreislauf an die Haarwurzeln, weniger Zellen werden zerstört, Haare fallen kaum noch aus. Die Kühlkappen können eine vielversprechende Möglichkeit sein, den durch Chemotherapie verursachten Haarausfall zu reduzieren.
Bislang werden überwiegend Brustkrebspatientinnen mit den Kühlkappen behandelt. Auch die Probanden der beiden aktuellen Studien litten an dieser Krebsart - in einem frühen Stadium. Fazit der aussagekräftigen Scalp Cooling Alopezia Prevention-Untersuchung, kurz SCALP-Studie genannt: Von den 95 Frauen, die während der Chemotherapiezyklen eine Kühlkappe trugen, ging etwa jeder zweiten höchstens 50 Prozent ihres Schopfes aus. Außenstehende bemerken einen solchen Haarverlust meist gar nicht.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bekamen die Frauen ein Krebsmittel, das den Wirkstoff Taxan enthielt, zeigte die Kühlhaube bessere Ergebnisse als bei einer Anthrazyklin basierten Chemotherapie. Das bestätigt die zweite Studie mit 122 Teilnehmerinnen, die ausschließlich Taxan-basierte Medikamente erhielten.
Allerdings: Ganz verhindern lässt sich der Haarverlust nicht. Und es ist noch nicht geklärt, ob das Abkühlen der Kopfhaut die Wirkung der Chemotherapie in diesem Bereich beeinträchtigt.
Nur wenige der Probandinnen klagten über unangenehme Begleiterscheinungen der Behandlung wie Kopfschmerzen, schmerzende Haut, Übelkeit oder Frösteln. Sieben Frauen brachen jedoch die Kühlung per Kappe vorzeitig ab: Sie ertrugen die Kälte nicht.
Tatsächlich ist das Verfahren kompliziert und langwierig. Für beide Studien musste die Silikonkappe bereits 30 Minuten vor dem eigentlichen Beginn der Chemotherapie auf den Kopf - und dort bis zu eineinhalb Stunden nach der Behandlung bleiben. Die Kappe ist mit einem Kühlsystem verbunden, das sich stufenweise regulieren lässt.
In Deutschland bieten Fachkliniken- und Praxen die bis zu 2 000 Euro teure Kühlkappenbehandlung an. Zuschüsse gewähren die Krankenkassen - wenn überhaupt - nur im Einzelfall und auf Antrag, der dann vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) begutachtet wird. Im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenversicherungen ist die Kühlkappe bisher nicht verzeichnet.
Auch Haarersatz ist im Hilfsmittelverzeichnis nicht zu finden. Die meisten Krankenkassen übernehmen aber die Kosten. Der Anspruch beschränkt sich jedoch auf den Ausgleich des Haarverlustes, nicht auf modische Anforderungen.
Für Perücken aus Echthaar zahlt die Kasse nur, wenn ein medizinischer Grund vorliegt, etwa eine Allergie auf Kunststoffe, sagt Michael Ihly von der Techniker Krankenkasse TK. Es lohnt sich, verschiedene Angebote einzuholen. Besondere Perückenanfertigungen können schon mal mit mehr als 2 000 Euro zu Buche schlagen. Hierfür zahlen die Kassen jedoch nicht.
Und Männer haben lediglich dann Anspruch auf Haarersatz, wenn sie beispielsweise einen deformierten Schädel haben. Normalerweise ist der Haarverlust durch eine Chemotherapie nur vorübergehend.
Ein Echthaarband ist ein individuell angefertigter Haarersatz bestehend aus einem Baumwollband und 100% Echthaar. Beides wird auf Maß in Handarbeit vernäht. Jedes Band wird auf Höhe des Haaransatzes um den Kopf gelegt und mit einem Klettverschluss am Hinterkopf befestigt. Die obere Kopfhaut bleibt frei oder wird nur von den Haaren bedeckt.
Zudem hat Echthaar die Eigenschaft Feuchtigkeit und Körperwärme aufnehmen zu können und zwischenzuspeichern. Therapiebedingte Nebenwirkungen, wie wechseljahresbedingte Beschwerden in Form von Hitzewallungen, machen das Tragen einer Kunsthaarperücke für Patientinnen oft unmöglich.
Sylvia, Gründerin des niederländischen Unternehmens Toupim, kennt das von einer lieben Freundin, die nach der Chemobehandlung eine Alternative zu einer Perücke suchte. Um ihr zu helfen entwarf sie ein Eigen-Haarband, das die Freundin unter einer Mütze, einem Hut oder einem Schal tragen konnte. Nach diesem Prototypen gab es einige weitere Versuche bis schließlich die Version entstand, die auch heute noch von Toupim gefertigt wird.
Für manche Frauen ist das Tragen einer Perücke während und nach der Chemotherapie die erste Wahl. Anderen ist es jedoch unangenehm, sie berichten über ein Kribbeln auf der Kopfhaut oder der Angst, die Perücke könnte verrutschen. Laut Toupim lässt sich das Eigen-Haarband einfach aufsetzen und verrutscht nicht. Gerade Kinder würden vom Komfort des Haarbandes profitieren, da sie in der Regel vom Umgang mit einer Perücke überfordert sind.
Marlene trägt ein Toupim Eigenhaarband, gefertigt aus ihren Haaren. Credit: Toupim B. V.
Doch wie funktioniert das Eigen-Haarband? Betroffene mit langem Haar können ihre Haare selbst abschneiden, oder gehen dafür zum Friseur. Die Haare werden anschließend per Kurier nach Amsterdam geschickt. Dort fertigt das Team binnen vier bis 14 Tagen aus den Haaren ein Haarband, das der aktuellen Frisur entspricht. Sollten die Betroffenen nicht genug eigenes Haar haben, arbeitet Toupim auch mit Spender-Haar. Das niederländische Unternehmen hat auch Kooperationen mit deutschen Friseuren geschlossen.
Viele Betroffene teilen ihre Erfahrungen und Tipps im Umgang mit Haarausfall und Haarersatz. Hier sind einige Einblicke:
Einige Betroffene berichten auch von positiven Erfahrungen mit Vitamin B12-Komplex zur Verbesserung der Haarstruktur nach der Chemotherapie.
Es ist wichtig, verschiedene Optionen auszuprobieren und die für sich passende Lösung zu finden.
Der Begriff Alopezie beschreibt Körperhaarausfall. Er ist für die Betroffenen aus kosmetischen und psychologischen Gründen oft Anlass großer Besorgnis und kann zudem ein wichtiges Anzeichen einer systemischen Erkrankung sein.
Am einfachsten ist die Bekämpfung der Traktionsalopezie durch Vermeidung des Auslösers. Konkret bedeutet das, nicht ständig die gleiche Frisur zu tragen - gönne deinem Haar immer wieder Erholungspausen, indem du es offen trägst oder nur locker hochsteckst. Falls du unbedingt einen Zopf tragen möchtest, wickle dein Haargummi nicht so oft um deine Haare, bis kein Spielraum mehr vorhanden ist, und ziehe es nicht zu fest an deinen Kopf. Ein Zopf kann auch dann gut aussehen, wenn das Haar nur locker zusammengehalten wird.
Wirkt das Eigengewicht deines langen, dicken Haars - trotz locker geformter Stylings - belastend auf die Haarwurzeln, solltest du erwägen, ein paar Zentimeter davon abschneiden zu lassen. Achte darauf, dass du dein Haar nicht anderweitig überstrapazierst, indem du es häufiger bürstest oder glättest.
Traktionsalopezie
Deine Haarwurzeln kannst du langfristig stärken, indem du sie mit wichtigen Mikronährstoffen versorgst, die sie für ein gesundes Wachstum benötigen:
Wende eine Haarpflege an, die den Haarausfall bekämpft und die notwendigen Nährstoffe enthält. Achte bei der Haarwäsche darauf, nicht zu stark über die Kopfhaut zu reiben oder an den Haaren zu ziehen. Damit du sie leichter durchkämmen kannst, solltest du einen Conditioner verwenden.
Im Alltag kannst du noch mehr tun, damit deine Haarwurzeln wieder aufatmen können:
Haarausfall, insbesondere während einer Chemotherapie, kann eine große Belastung sein. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen, von Kühlkappen zur Vorbeugung bis hin zu Haarersatzlösungen wie Echthaarbändern und Perücken. Die Erfahrungen anderer Betroffener können wertvolle Einblicke und Tipps geben. Es ist wichtig, die für sich passende Lösung zu finden und sich professionell beraten zu lassen.
Denken Sie daran, dass Sie nicht allein sind und es viele Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten gibt.
tags: #haarband #bei #haarausfall #erfahrungen
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.