Nebenwirkungen von Minoxidil und Finasterid: Libidoverlust und Erektionsstörungen

Viele Anwender nehmen in Kauf, dass Haarwuchsmittel das Liebesleben negativ beeinflussen, um eine volle Haarpracht zu erhalten. Eine neue Studie zeigt jedoch, wie weitreichend die Nebenwirkungen wirklich sein können.

Wer Haarausfall effektiv mit einem Mittel aus der Apotheke bekämpfen möchte, hat nur eine geringe Auswahl. Eine der wenigen Substanzen, die wirklich helfen, ist Finasterid (Produktname Propecia). Es ist jedoch bekannt, dass dieses Mittel in den Stoffwechsel der männlichen Sexualhormone eingreift und somit nicht ohne Nebenwirkungen bleibt.

Vielen Nutzern ist bekannt, dass sie für ein paar Haare mehr auf dem Kopf zum Teil eine Abnahme der sexuellen Lust in Kauf nehmen müssen. Eine neue Studie legt nahe, dass mancher für seine Eitelkeit einen weit höheren Preis zahlen muss: Etliche Patienten klagen nach Gebrauch der Arznei auch über eine ausgeprägte Potenzschwäche.

In der Untersuchung wurde neben Finasterid auch Dutasterid betrachtet. Das Medikament hat den gleichen Wirkmechanismus, wird jedoch meist Männern verschrieben, die unter einem abnormen Wachstum der Prostata leiden.

Dauerhafte Erektionsstörungen nach Absetzen der Mittel

Beide Substanzen lösten bei einigen Männern eine dauerhafte Erektionsstörung aus, die auch Monate oder Jahre nach dem Absetzen der Therapie anhielt. Die Einnahme der Pharmaka erhöhte das Risiko für eine Potenzschwäche wesentlich stärker als andere Risikofaktoren wie Diabetes, Rauchen oder Bluthochdruck.

Die sogenannte erektile Dysfunktion macht es den Betroffenen unmöglich, Sex zu haben. Selbst mit Hilfspräparaten wie Viagra konnte die Potenz bei einigen Finasterid-Nutzern nicht wiederhergestellt werden.

Vor der aktuellen Studie waren die verheerenden Nebenwirkungen von Finasterid und Dutasterid nicht bekannt. Dass die Mittel noch Monate und Jahre nach der Einnahme anhaltende Erektionsprobleme zur Folge haben können, überraschte auch den Studienleiter Dr. Steven Belknap von der Northwestern University in Chicago.

Ärzte sollten die neuen Erkenntnisse rasch in ihre Erwägungen einbeziehen, wenn sie die Medikamente gegen Haarausfall oder eine Prostatavergrößerung verschrieben, erklärt Belknap in einer Pressemitteilung der Universität.

Insgesamt flossen die Daten von mehr als 11.900 Männern im Alter von 16 bis 89 Jahren ein. 167 erlitten eine dauerhafte erektile Dysfunktion, die ihnen auch mehr als 3,5 Jahre nach Absetzen der Arzneien noch zu schaffen machte.

Die Dauer der Therapie spielte eine wichtige Rolle: Für junge Männer unter 42 Jahren, die ein Mittel länger als sieben Monate (205 Tage) einnahmen, stieg das Risiko einer dauerhaften Potenzschwäche auf das 4,9-Fache im Vergleich zu kürzeren Behandlungszeiten.

Belknap und seine Arbeitsgruppe hatten in einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2015 bereits darauf hingewiesen, dass die bisherigen Studien nicht ausreichend seien, die Sicherheit von Finasterid gegen Haarausfall zu belegen.

Minoxidil gegen Haarausfall | Wie wirksam ist es wirklich?

Minoxidil: Alternative Therapie bei androgenetischer Alopezie?

Eine kleine Studie deutet darauf hin, dass niedrig dosiertes orales Minoxidil eine Alternative für die Therapie der androgenetischen Alopezie bei Männern sein könnte. Bislang stehen dafür Finasterid-Tabletten oder eine 5%ige Minoxidil-Lösung zum Auftragen auf die Kopfhaut zur Verfügung. Beide Optionen haben Nachteile: Finasterid kann zu Libidoverlust und Erektionsstörungen führen, die Minoxidil-Lösung geht mit einer allgemein schlechten Adhärenz einher. Daher nehme das Interesse an niedrig dosiertem oralem Minoxidil für den Einsatz bei androgenetischer Alopezie zu, berichten die Forschenden von der São Paulo State University, Botucatu, Brasilien.

In einer monozentrischen, doppelblinden, placebokontrollierten und randomisierten Studie verglichen sie orales und topisches Minoxidil bei dieser Form des männlichen Haarausfalls. Die Patienten nahmen entweder täglich 5 mg Minoxidil in Tablettenform ein und wendeten außerdem eine Placebolösung auf der Kopfhaut an oder sie trugen zweimal täglich topisches Minoxidil 5 % auf und nahmen ein orales Placebo ein. Die Behandlung erfolgte über 24 Wochen. Von 90 Teilnehmenden schlossen 68 die Studie ab. Sie waren im Schnitt 36,6 Jahre alt, 33 waren mit oralem Minoxidil und 35 mit topisches Minoxidil behandelt worden. Die beiden Gruppen waren hinsichtlich Demografie und Schweregrad der androgenetischen Alopezie vergleichbar.

Nach 24-wöchiger Behandlung zeigte sich bei der Zunahme der terminalen Haardichte (Haare mit Durchmesser ≥ 0,06 mm) kein Unterschied zwischen beiden Gruppen. Im Stirnbereich lag der Unterschied zwischen oralem und topischem Minoxidil bei 3,1 Haaren pro cm2 (95-%-Konfidenzintervall [KI] −18,2-21,5; p = 0,27) und im Scheitelbereich bei 23,4 Haaren pro cm2 (95-%-KI −0,3-43,0; p = 0,09).

Ähnliche Ergebnisse wurden für die Gesamthaardichte ermittelt. In der fotografischen Analyse war das mit oralem Minoxidil erreichte Behandlungsergebnis der Anwendung von Minoxidil-Lösung überlegen - drei verblindete Dermatologen attestierten eine klinische Verbesserung. Der Unterschied zwischen den Gruppen war allerdings nur im Scheitelbereich signifikant (24 %; 95-%-KI 0-48; p = 0,04), nicht im Stirnbereich (12 %; 95-%-KI −12-36; p = 0,24). Die häufigsten Nebenwirkungen in der mit oralem Minoxidil behandelten Gruppe waren Hypertrichose (49 %) und Kopfschmerzen (14 %).

Haarausfall bei Männern

Vergleich von oralem und topischem Minoxidil

Die Studie liefert interessante Einblicke in den Vergleich von oralem und topischem Minoxidil. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen:

Parameter Orales Minoxidil Topisches Minoxidil
Zunahme der terminalen Haardichte (Stirnbereich) 3,1 Haare/cm² Referenz
Zunahme der terminalen Haardichte (Scheitelbereich) 23,4 Haare/cm² Referenz
Klinische Verbesserung (Scheitelbereich) 24% Referenz
Häufigste Nebenwirkungen Hypertrichose (49%), Kopfschmerzen (14%) -

Fazit: Orales Minoxidil 5 mg 1 × täglich ist topischem Minoxidil 5 % 2 × täglich in der Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern nicht überlegen. Aber die fotografische Gesamtverbesserung im Scheitelbereich war in der oral behandelten Gruppe besser.

tags: #libidoverlust #nebenwirkungen #minoxidil

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