Der Markt im Bereich klassische Langlaufski ist relativ komplex. Lange Zeit dominierte hier der Schuppenski, doch seit einigen Jahren sind Langlaufski mit Fell wieder auf dem Vormarsch. Und das ist auch gut so, denn diese Wiederentdeckung hat das klassische Langlaufen aus seinem Dornröschenschlaf geholt.
Ganz allgemein werden die Ski beim klassischen Langlauf parallel innerhalb von zwei vorgefertigten Spuren geführt. Um beim Abstoßen Halt zu finden und den Läufer voranzubringen, befindet sich unter dem Langlaufski auf Höhe der Bindung die sogenannte Steigzone. Diese kann entweder gewachst werden (Wachsski), mit Schuppen ausgestattet (Schuppenski) oder mit Fellen besetzt sein. Im letzten Fall spricht man von einem Fellski.
Außerdem gibt es noch die sogenannte Gleitzone. Diese ist bei allen Langlaufski - und so auch bei Langlaufski mit Fell - in jedem Fall glatt, da sie keinen Halt bieten, sondern ein Gleiten ermöglichen soll. Skatingski hingegen sind komplett auf das Gleiten ausgelegt und besitzen deshalb keine Steigzone, die mit Wachs, Schuppen oder Fell präpariert ist.
Wachsski sind die schnellsten unter den klassischen Langlaufski und daher weniger fürs Langlaufen lernen, sondern mehr für die Fortgeschrittenen unter den Langläufern geeignet. Allerdings sind sie in der Pflege sehr aufwändig und müssen je nach Wetterlage und Temperatur mit einem anderen Steigwachs präpariert werden, das unter dem Ski aufgetragen wird. Wenn hier ein Fehler passiert, bleibt man entweder stehen oder der Schnee klebt unangenehm unter dem Ski. Hier gibt es eine Vielzahl von Wachsen und Hilfsmitteln wie Tapes, Pulver, Klister, Hartwachs, Sprühwachs und vieles mehr.
Der Classic Wachsski ist sowas wie der nobelste Langlauf-Ski und zugleich auch der technischste und aufwändigste. Er richtet sich an alle, die die klassische Technik wirklich lieben und sich damit auskennen.
DSV aktiv: Freizeitsportler und Loipenfans können in der Regel nicht auf einen eigenen Wachstruck und Skitechniker zurückgreifen. Max Achatz (Techniker der deutschen Langlauf-Nationalmannschaft): „Beim Gleiten über den Schnee sorgen die Schneekristalle dafür, dass das Wachs aus den kleinsten Poren der Ski herausgerieben wird. Ist das Wachs fast vollständig abgelaufen, ‚klebt‘ der Belag des Skis immer mehr am Schnee - das Laufen wird sehr mühsam und kraftintensiv.
Beim Klassik-Wachsski ist das Wachsen der Steigzone außerdem Grundvoraussetzung dafür, dass der Ski im Schnee greift und den Aufstieg ermöglicht.
Schuppenski sind deutlich langsamer als Wachsski und haben eine starre Schuppenform unter der Bindung, die in den Belag des Skis gefräst wird. Sie sind fürs Nordic Cruising bestens geeignet, weil sie Stabilität vermitteln und das Steuern vereinfachen. Ihre mechanische, schuppenförmige Struktur sorgt für den Vortrieb. Schuppenski sind jedoch bei eisigen Bedingungen von Nachteil, weil sich dir Schuppen nicht so gut ins Eis graben können . Auch bei sehr feuchten Bedingungen sind sie nicht empfehlenswert.
DSV aktiv: Die Schuppenski für die klassische Technik werden im Sportfachhandel auch Nowax-Ski genannt. Max Achatz: „Nein, nicht ganz. Aber die Skipräparation geht deutlich schneller und einfacher. Wie bei allen anderen Ski muss auch beim Nowax-Ski das entsprechende Wachs auf die Gleitzone aufgetragen werden. Ein Anti-Ice-Spray für die Steigzone verhindert das ‚Stollen‘ des Skis, bei dem Schnee an den Schuppen der Steigzone festfriert.
Schuppen-Ski sind ein guter Kompromiss in Sachen Grip und Gleiten und eignen sich für Anfänger und mittelstarke Langläufer, die vor allem eine recht lange Abdruckzone unterm Fuß haben wollen, um nicht so leicht nach hinten wegzurutschen. Diese Art von Ski zeichnen sich durch einen hohen Laufkomfort aus, aber ihr müsst dafür beim Gleiten ein paar Abstriche machen.Diese Ski eignen sich für lange Ausflüge, die nicht zu intensiv sind, denn die Schuppen bremsen in den Gleitphasen stärker ab.
Langlaufski mit Fell liegen in der Mitte. Selbst in der preiswerten Version können sie bereits mit ordentlichen Geschwindigkeiten aufwarten. Ebenso wie der Schuppenski benötigt auch der Fellski kein Steigwachs. Er gleitet zudem unabhängig von den äußeren Bedingungen immer perfekt. Als besonderes Plus muss die Steigzone beim Fellski weniger lang sein als beim Wachs- oder Schuppenski.
➕ Der Fellski bietet ein angenehmes Fahrgefühl und ist noch universeller einsetzbar als der Schuppenski.➕ Er garantiert eine schnellere Fortbewegung und ist auch in der Basisversion ideal für fitnessorientierte Läufer geeignet. ➕ Auf der anderen Seite lässt er sich aber auch langsam fahren, da er Fehler verzeiht. Athleten und wettkampforientierte Breitensportler finden für Rennen perfekte Langlaufski mit Fell, die sogar im Weltcup eingesetzt werden.
Seit einigen Jahren erleben Fell-Langlaufski eine Renaissance. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie genau wie die Schuppen-Ski eine sehr gute Balance zwischen Haftung und Gleiten hinbekommen, dafür aber mit kürzeren Abdruckzonen (Fellzonen) auskommen. Es bedarf somit eines entschlosseneren Abdrucks, um nicht zurückzurutschen. Fell-Ski sorgen somit für komfortablere Gleitphasen und haben den weiteren Vorteil, dass sie geräuschärmer sind als Schuppen-Ski, was nicht zu verachten ist.
Auch wenn die Fellski alles andere als eine Neuerfindung sind, liegt darin doch die Zukunft des klassischen Skilanglaufs. Der Grund: Moderne Skifelle sind extrem effizient.
Um die Entscheidung für den richtigen Ski zu erleichtern, hier eine tabellarische Übersicht der Vor- und Nachteile:
| Ski-Typ | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Wachsski | Sehr schnell, optimales Gleitverhalten (bei richtiger Wachswahl) | Hoher Pflegeaufwand, erfordert Know-how beim Wachsen | Fortgeschrittene, Wettkampfläufer |
| Schuppenski | Geringer Pflegeaufwand, stabil, gut für Anfänger | Langsamer als Wachsski, weniger effizient bei bestimmten Schneeverhältnissen | Anfänger, Nordic Cruising |
| Fellski | Guter Kompromiss aus Grip und Gleiten, vielseitig einsetzbar, kein Wachs notwendig | Benötigt Imprägnierung, Fell kann verschleißen | Fitnessorientierte Läufer, Allrounder |
Im Grunde sind Fellski angenehme Zeitgenossen. Sie benötigen zur Pflege ab und zu eine Imprägnierung, die sie gegen das Anstollen - also das Hängenbleiben - von Schnee und Eis am Fell schützt. Die Gleitzonen, also alle Bereiche oberhalb und unterhalb des Fells, müssen regelmäßig mit Heißwachs behandelt werden. Das läuft genauso ab wie bei Alpin-, Touring-, oder Freerideski. Was die Lagerung im Sommer angeht, ist es wichtig, die Ski entspannt und im Liegen zu lagern.
Sobald du deine Fellskier gewachst hast, musst du dich um die Pflege deiner Felle kümmern. Wische nach jeder Fahrt gegen den Strich mit einem Tuch über die Felle, um Schmutz und Schnee, der sich darin angesammelt hat, zu entfernen. Damit kein Schnee an den Fellen kleben bleibt und um das Gleitverhalten zu verbessern, kannst du auch ein spezielles Wachs auf die trockenen Felle auftragen.
Deine Felle sind abgenutzt und haben nicht mehr genügend Grip auf deinen Skitouren? Dann ist es an der Zeit, sie auszutauschen! Hierzu benötigst du:- eine Heißluftpistole (oder einen Föhn)- ein neues Paar Felle- ein sauberes Tuch.
Und so geht's!► Löse die alten Felle von der Lauffläche, indem du dich vom Tip (vorne) zum Tail (hinten) vorarbeitest. Die Felle lassen sich leichter lösen, wenn du sie mit einer Heißluftpistole oder mit einem Föhn etwas erwärmst.► Wenn die Felle abgezogen sind, reinige die Steigzone der Lauffläche mit einem Tuch.► Bringe die neuen Felle in dem dafür vorgesehenen Bereich der Lauffläche an.► Klebe die Felle auf, indem du sie mit den Daumen von hinten nach vorne festdrückst.
Max Achatz: „Optimal ist es, wenn Klassikski vor jedem Einsatz, je nach Wetter, präpariert werden. Einen normalen Skatingski muss ich nicht unbedingt jedes Mal wachsen. Aber nach vier, fünf Einheiten ist es auf jeden Fall sinnvoll. Ganz wichtig ist das Wachsen nach der Saison. Bevor die Ski für einen längeren Zeitraum weggestellt oder eingelagert werden, müssen die Gravitbeläge eingebügelt werden.
Max Achatz: „Auf den Ski sollte ein Paraffinwachs, ein Gleitwachs, mit einem Bügeleisen eingearbeitet werden. Das gibt es auch als Flüssigwachs, das mit einem Schwamm auf den Belag aufgetragen wird.
Max Achatz: „An sich kann auch ein ausrangiertes Bügeleisen fürs Wachsen benutzt werden. Allerdings gibt es spezielle Bügeleisen mit einer guten Temperaturregelung bereits ab ca. 50 Euro. Für das regelmäßige Wachsen lohnt sich der Kauf.
Max Achatz: „Als erstes sollte die Gleitfläche hinten und vorne gewachst werden. Beim Skatingski umfasst die Gleitzone den gesamten Ski. Dafür muss die alte Wachsschicht mit einer Plastikklinge abgezogen und der Belag mit einer Messingbürste ausgebürstet werden. So werden die Strukturen freigelegt. Dann wird ein sogenanntes Base-Wachs aufgetragen, anschließend das eigentliche Wachs - das je nach Schneetemperatur und -beschaffenheit ausgewählt wird. Die einzelnen Schichten sollten verkorkt werden.
Läuft man einen Klassik-Wachsski, muss die Steigzone in der Mitte erst mit einem Schleifpapier mit einer 120er Körnung aufgeraut werden, damit das Wachs hält. Das Base-Wachs wird dann ebenfalls mit dem Bügeleisen aufgetragen oder verkorkt. Abschließend folgt das Steigwachs.
DSV aktiv: Das Angebot an unterschiedlichen Wachsen ist riesig. Max Achatz: „Der Deutsche Skiverband hat Partnerschaften mit verschiedenen Wachsfirmen - Toko, Hwk, Zipps, Holmenkol - wir greifen also auf unterschiedlichste Wachse zurück. Als ‚Otto-Normalverbraucher‘ würde ich mich auf eine Wachsfirma konzentrieren. Für den Freizeitsportler ist es schlicht das Ziel, mehr Spaß mit dem richtigen Maß an Krafteinsatz zu erreichen. Die Ski sollen ordentlich gleiten und im Anstieg nicht abrutschen. Das - und damit die Auswahl des richtigen Wachses - wird durch viele Faktoren beeinflusst. Die Bedingungen sind nie gleich: Wenn heute die Außentemperatur bei -3 Grad Celsius liegt und nächste Woche genauso, heißt das noch nicht, dass die Schneebedingungen gleich sind. Ist es Neuschnee, nasser Schnee oder Kunstschnee? In der Regel kann man sagen: bei Minustemperaturen wird Hartwachs aufgerieben, wenn der Schnee nass oder grobkörnig ist, Klister. Umso wärmer es ist (also umso nasser der Schnee ist), umso weicher sollte das Wachs sein. Temperaturangaben auf den Verpackungen und Tuben helfen bei der richtigen Auswahl.
Max Achatz: „Bei Null-Grad-Verhältnissen ist es auch für uns im Weltcup am schwierigsten vorherzusehen, wie die Schneestruktur beschaffen ist. Klisterwachse sind dann meist zu klebrig, für Hartwachse sind die Temperaturen zu hoch.
Max Achatz: „Wir unterscheiden drei Kategorien von Schliffen: für kalten Schnee, nassen Schnee und Neuschnee. Ein Universalschliff, der eine große Bandbreite abdeckt, ist im Sportfachhandel üblich und für Freizeitsportler am besten geeignet. Das ist mit den Profiathleten natürlich nicht vergleichbar. Unsere Athleten haben jeweils je 15 bis 20 Paar Klassik- und Skating-ski - alle mit einem unterschiedlichen Schliff versehen.
Max Achatz: „Die Schliffe auf den Ski sorgen dafür, dass der Wasserfilm, der sich durch den Kontakt mit dem Schnee unter den Ski bildet, abgeleitet wird. Man kann Schliffe vergleichen mit Autoreifenprofilen. Für Fahrzeuge gibt es auch unterschiedliche Reifentypen: Sommerreifen, Winterreifen oder solche für Schnee und Matsch. Hauptsächlich unterscheiden sich die Schliffe auf den Ski hinsichtlich der Tiefe der Rillen. Wir unterscheiden aber zum Beispiel auch zwischen Kreuzschliffen oder linearen Schliffen.
Bevor ihr einen klassischen Langlaufski auswählen könnt, müsst ihr euch erst einmal über ein paar Dinge bewusst werden: Wie wollt ihr den Ski nutzen? Welche Ambitionen verfolgt ihr? Wie seid ihr körperlich drauf und wie stark ist eure Technik? Und welche physischen und technischen Entwicklungsziele möchtet ihr mittelfristig erreichen? Fahrt ihr zum Beispiel sehr regelmäßig Ski, um ein bisschen rauszukommen und an der frischen Luft zu sein, dann werdet ihr euch eher weniger einen Langkaufski kaufen, der euch nur eine Saison begleitet. Ihr solltet also eure langfristigen Bedürfnisse festlegen, damit der Ski an eure technische und körperliche Entwicklung angepasst ist.
Bevor ihr ein Paar Ski kauft, ist es somit sinnvoll, Antworten auf ein paar grundlegende Fragen zu finden - die dann definieren, welche Art von Ski für euch infrage kommt: Welcher Stil: Skating? Klassisch? Welches technische Niveau habt ihr: Anfänger? Fortgeschritten? Experte?Welches körperliche Niveau habt ihr: 1h Sport/Woche? 5h Sport/Woche? 10h Sport/Woche? Welche Ziele verfolgt ihr: Lockere Läufe? Ausflüge mit Freunden? Fitness? Training? Ergänzung zu anderen Aktivitäten (Radfahren, Joggen)? Rennen über die lange Distanz? Was macht euch am meisten Spaß: An der frischen Luft sein? Intensives Training? Lange Ausflüge mit Freunden? Mit wem werdet ihr Ski fahren: Mit Anfängern? Mit sportlichen Anfängern? Mit Sportlern, die im Winter trainieren wollen? Mit Kindern? Warum wollt ihr euch neues Material kaufen: Weil ihr es braucht? Weil ihr gern stets das neueste Material habt? Weil ihr zusätzlich ein anderes Paar Ski für einen anderen Stil oder anderen Konditionen braucht? Weil ihr euer Material eurer Entwicklung anpassen wollt?
Diese einfachen Fragen können euch bereits dabei helfen, eure Bedürfnisse zu umreißen. Allein schon die Entscheidung über den Stil, klassisch oder Skating, bringt Unterschiede vor allem im Bereich der nötigen Kondition mit sich. Die klassische Technik ist zwar zum einen bei weitem der schwierigste Stil auf einem hohen Niveau, zum anderen aber auch für Anfänger sehr simpel, sind doch die Bewegungsabläufe beim Laufen sehr natürlich. Im Grunde fügt ihr zu eurem ganz normalen Laufen eine Gleitbewegung hinzu. Folglich ist es weitaus einfacher, im klassischen Stil als im freien Stil (Skating) zu fahren, denn die Skating-Technik erfordert ein gewisses Training, um sie wirklich gut zu beherrschen (beim Skating ist es zum Beispiel nicht möglich, einfach nur auf eine natürliche Art zu laufen).
Der Skifahrer muss im freien Stil kontinuierlich schieben, um die Ski in eine Gleitbewegung zu versetzen. Wer als Anfänger gern im Eislaufschritt (also im Skating-Schritt) laufen möchte, sollte sich deshalb darüber im Klaren sein, dass dieser körperlich deutlich anstrengender und schwieriger ist, als wenn ihr im Classic-Stil debütiert. Dieser ist viel geschmeidiger und weicher und ihr könnt zu längeren Ausflügen aufbrechen.
Aber natürlich sind wir uns im Klaren darüber, dass es viel aufregender ist, direkt mit dem Skating anzufangen. Das Gleiten ist in flachen Abschnitten und in der Abfahrt unmittelbarer, doch hat das den Preis, dass die Aufstiege anstrengender und kräftezehrender geraten. Das Skating ist eine Technik, die auf Effizienz und Schnelligkeit zielt, während der klassische Stil eine langsamere Technik ist (außer wenn er im Wettkampf verwendet wird), die aber dabei hilft, Kräfte zu sparen und somit länger unterwegs zu sein. Somit ist der Classic-Stil die eigentliche Basis des Skilanglaufs und verkörpert die Grundidee dieses Sports.
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