Kurt Beck, ein Name, der in der deutschen Politik oft mit dem Satz "Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job" in Verbindung gebracht wird. Doch wer war dieser Mann wirklich, und wie prägte er die deutsche Politik?
Kurt Beck, geboren als Sohn eines Maurers, machte Karriere als Elektromechaniker und stieg in der Gewerkschaft und der lokalen Politik auf. Er galt als Sozialdemokrat traditionellen Typs mit einer vorbildlichen Biografie.
Bereits 1994 übernahm er mit tatkräftiger Unterstützung der Medien das Amt des Landesfürsten vom unglücklichen Rudolf Scharping. Beck war einer der erfolgreichsten roten Politiker des Provinzformats.
Doch die Zeiten änderten sich. Im Vergleich zu London oder Paris wirkt Berlins „große“ Politik vielleicht unprätentiös und unspektakulär, fast entspannt, doch in Wirklichkeit ist es ein Spiel mit harten, drastischen, gnadenlosen, existenziell gefährlichen Regeln für Unvorsichtige.
Kurz gesagt, auf der großen Bühne begann der erfolgreiche Provinzpolitiker Beck schnell wie ein weiterer in einer Reihe sozialdemokratischer Personalunfälle zu wirken, von der unglücklichen Ära Rudolf Scharpings bis zum Duo Lafontaine-Schröder, das zwar die Wahlen gewann, aber …
Für dieses politische Drama oder diese Farce gelten immer die gleichen Regeln. Die Bühne ist normalerweise ein Parteitag, alles läuft nach Plan, der Rede des großen Chefs folgen gebührende Ovationen, auf Fragen von Journalisten bekräftigen die Delegierten auf den Fluren glühend Harmonie und Loyalität gegenüber der Führung, doch plötzlich ist ein kritischer Ton zu hören Irgendwo von hinten hörte man eine Stimme, die der des Chefs direkt entgegenwirkte, und das ganze, auf den ersten Blick so solide Gebäude begann zu beben.
Am besten geeignet für solche Rollen sind ambitionierte junge Politiker. In der SPD ist das anders, und die junge Heldin dort ist keine provinzielle Naivität. Andrea Nales, eine Germanistin, die über die historischen Romane von Walter Scott promovierte, lässt sich eher mit Angela Merkel vergleichen.
Natürlich hat Beck als Parteichef jedes Recht, selbst zu kandidieren, aber es ist jedem klar, dass der derzeitige Vizekanzler, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, bei den Wählern weitaus bessere Chancen hätte.
Frank-Walter Steinmeier tritt immer häufiger auf dem heimischen Feld auf, so jüngst, als er in der bayerischen Repräsentanz in Berlin zum „Bierbotschafter 2008“ ernannt wurde - also auf dem Feld der politischen Gegner. Banalität auf den ersten Blick, ein gewöhnlicher Abend „Kriegerruhe“ mit Akteuren aller politischen Couleur, dieses Bierfest war eigentlich typisch für Berliner Brauchtum - auf den ersten Blick ein unwichtiger Begriff, bei dem es um nichts geht, bei dem es aber eigentlich um alles geht.
Indem sie die Treffer auf Beck konzentriert, handelt die SPD tatsächlich geschickt und tut, was sie kann. Der letzte große Parteitag, zu dem sich die Sozialdemokraten kürzlich in Hannover trafen, verlief mit einer etwas besseren Gesamtstimmung und Standing Ovations für den Vorsitzenden, aber auch für Steinmeier.
Wir sprechen von einer Situation, in der jede Seite versucht, die besten Löcher für einen Neuanfang zu finden, während die Koalition formal noch mehr als ein Jahr funktionieren muss. Der beste Rat für Steinmeier wäre natürlich, auch in dieser Hinsicht von Frau Merkel zu lernen: In ihrer ersten möglichen Amtszeit überließ sie die Kandidatur geschickt dem damaligen bayerischen Staatspräsidenten Stoiber, wohlwissend, dass sie verlieren würde, und wartete gelassen darauf zweite Chance.
Doch tatsächlich amtierte der sozialdemokratische Politiker als Bundesparteivorsitzender erst in den Jahren 2006 bis 2008. Kurt Beck war derjenige SPD-Politiker, der - wer erinnert sich? - im Jahr 2006 einem Hartz-IV-Empfänger empfahl: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.“
Die niedersächsischen Parteien befanden sich im Vorwahlkampf. Ende Januar 2008 sollte der neue Niedersächsische Landtag gewählt werden. Da hieß es, sich schon einmal frühzeitig warmlaufen. Die hannoversche SPD tat dies mit einem öffentlichen Fest am 13. August 2007 in den Höfen hinter ihrem Parteihaus an der Odeonstraße.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat das Management von Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg bei der Suche nach einem Opel-Investor scharf attackiert.
Beck In diesem Bereich haben wir doch einiges getan, etwa bei den Hilfen für Kinder. Die Regelsätze werden automatisch überprüft und angepasst, da sehe ich keinen Handlungsbedarf. Außerdem: Die Fehlanreize wären zu groß, wenn wir jetzt beim Schonvermögen drauflegen. Besser sind direkte Transfers, etwa beitragsfreie Kindergärten, wie wir es in Rheinland-Pfalz machen.
Beck Ich bin sehr froh, dass dies im aktuellen SPD-Regierungsprogramm enthalten ist. Es muss einen Weg geben, dass Arbeitnehmer, die in einem bestimmten Alter aus physischen oder psychischen Gründen nicht mehr arbeiten können, ohne Abschläge in die Rente gehen. Das gilt etwa für Dachdecker, Maurer oder die Krankenschwester in der Notaufnahme.
Wie erklären Sie sich die Werte? Beck Die Demoskopen lagen schon 2005 völlig daneben. Am Wahltag wird das anders aussehen. Wenn die Leute im September über die Richtung dieser Gesellschaft und am Ende auch über ihr Schicksal entscheiden müssen, wird manche Stimmung und mancher Ärger über die SPD nicht so groß sein.
Was muss ein neuer privater Investor mitbringen? Beck Ein echtes Zukunftskonzept und eine Bestandsgarantie für alle Opel-Standorte in Deutschland. Ich glaube, dass Magna ein interessanter Partner für Opel wäre.
Henrico Frank (* 1969 in Gotha) ist ein ehemaliger Hartz IV-Empfänger, der Bekanntheit dadurch erlangte, dass er von Kurt Beck aufgefordert wurde, sich zu waschen und zu rasieren. Dann würde er innerhalb von drei Wochen einen Job finden. Seit 2007 hat er einen festen Job beim Frankfurter Fernsehsender ´iMusic TV, wo er die tägliche Rockshow betreut.
Als gelernter Baufacharbeiter musste Henrico Frank den Beruf wegen einer Schulterverletzung aufgeben. Er jobbte danach als Schaffner, Straßenbahnfahrer, Fliesenleger, bei Zeitarbeitsfirmen und in einem Seniorenheim. Eine Umschulung zum Altenpfleger versagte laut seinen Angaben das Arbeitsamt. Wegen eines Bandscheibenvorfalls verlor er auch den Ein-Euro-Job beim Gartenamt.
Die Bauchspeicheldrüse hat mich im Sommer wieder eingeholt, ich musste wieder in die Klinik. Aber wir haben es wieder im Griff. Kein Grund zum Jammern. Als SPD-Chef sind Sie 2008 zurückgetreten. Sie fühlten sich hintergangen, vor allem von Franz Müntefering. Auch da: alles wieder in Ordnung?
Ich habe sehr viele Ehrenämter übernommen, mache viele Veranstaltungen und Vorträge. Ich werde auch oft in Schulen oder Hochschulen eingeladen, um mit den jungen Leuten zu diskutieren. Ich habe einen gut gefüllten Terminkalender, aber das brauche ich auch.
Ich habe mich mein Leben lang immer wieder geärgert. Aber ich versuche, konstruktiv damit umzugehen. Ich habe gute Verbindungen zu Olaf Scholz, ich habe beste Verbindungen zu Malu Dreyer. Wenn ich was zu sagen habe, schreibe ich es auf oder ich rufe an, aber ich dränge mich nicht auf.
Es gab kaum eine Regierungszeit in der Bundesrepublik, in der so viele zentrale, tiefgehende Probleme auf dem Tisch lagen. Sicher ist es auch eine ziemlich gespreizte Koalition, die in Berlin zusammengefunden hat. Aber schon meine Großmutter hat immer gesagt: Man kann nur mit den Mädchen tanzen, die auf der Kerwe sind.
Weil die Dinge so komplex sind, muss man die Leute besser mitnehmen, Politik besser erklären. In vielen Fällen waren die Entscheidungen auch nicht falsch, die Richtung stimmt. Aber es ist vieles schief angekommen. Das typischste Beispiel ist das Heizungsgesetz.
Ich gehe ehrlich damit um. Die Tatsache, dass wir auch im Gebäudesektor was tun müssen, CO2 einsparen müssen, ist ja nicht zu bestreiten. Aber den Leuten, die vielleicht über Jahrzehnte ihr Häuschen abbezahlt haben, so einen Brocken hinzuschmeißen und zu sagen: Macht mal - so kann man keine Gesetze machen. Da muss man auch mal ehrlich sagen: Ich halte das auch für Murks.
Man muss dazu sagen: Hier im Dorf war zu meiner Zeit fast niemand auf der weiterführenden Schule. Das hat mich immer dazu gebracht zu sagen: In der Bildungsgerechtigkeit liegen die großen Herausforderungen und Chancen. Aber es ist wichtig, dass die Gesellschaft sich repräsentiert fühlt in den Parlamenten und Regierungen und Politik nicht zu weit von der Lebenswirklichkeit eines großen Teils der Menschen abrückt.
Ach, es gibt immer noch markante Typen. Übrigens zähle ich Olaf Scholz ausdrücklich dazu. Wenn man Hanseaten wählt, bekommt man eben auch eine andere Art, sich zu verhalten und zu kommunizieren.
Vorsicht! Es ist etwas anderes, ob ich eine ganze Gruppe von Menschen anspreche, oder jemanden individuell. Wenn einer auf mich zukommt, den man schon riecht bevor man ihn richtig hört - dann muss man auch mal die Wahrheit sagen. Übrigens: Ich habe dem Mann später mehrere Stellenangebote vermittelt. Die hat er nicht angenommen.
Ich will nicht leichtfertig Ratschläge geben, die Gründe für ihren Erfolg sind komplex. Ich glaube zwar nicht, dass unsere Gesellschaft kippen wird, dafür gibt es zu viele vernünftige Kräfte. Das haben gerade die Demonstrationen in den vergangenen Tagen bewiesen. Aber einfach wegzugucken, wäre verheerend. So haben wir in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon einmal eine Demokratie verspielt.
Wir müssen uns mit der AfD vor allen Dingen politisch auseinandersetzen. Wenn sich die radikalen Kräfte dort noch weiter durchsetzen, darf man zwar auch dieses Instrument einer wehrhaften Demokratie nicht ausschließen. Aber im Moment würde ich es in der Schublade lassen.
Ich hatte mit ihr nur am Rande zu tun in meiner Berliner Zeit, aber ich habe noch nie eine so abgehobene Person erlebt. Alles, was von ihr kam - und ich muss leider meinen früheren Freund Oskar Lafontaine einbeziehen in diese Betrachtung -, ist immer daran gescheitert, dass die Personen sich selbst wichtiger genommen haben als ihre Aufgaben. Und wie man Putin verteidigen kann in einer solchen Zeit - was geht in einem solchen Kopf vor? Sie merken, das regt mich auf.
Zwei Dinge waren mir besonders wichtig. Zum einen die Bildungspolitik. Wir haben in dieser Zeit viel verändert, von der kostenfreien Bildung im Kindergarten bis zur Ganztagsschule und dem gebührenfreien Studium. Das zweite war ganz sicher die Konversion. Also die Umwandlung von militärischer in zivile Nutzung.
Ich habe in dieser Zeit viele schlaflose Nächte gehabt. Wenn ein Flugplatz geschlossen wurde - da war ja immer eine amerikanische Stadt mit dabei und die Frage, was machst du jetzt damit? Und wie kriegen die Menschen Arbeit? Ich sage in aller Unbescheidenheit: Das ist doch gut gelungen.
Ich hätte all den Studien, die mir vorgelegt wurden, nicht glauben dürfen. Insgesamt ist den falschen Leuten vertraut worden, es sind Finanzierungen zusammengebrochen, das hat mich berührt und sehr belastet. Natürlich sind dort Fehler gemacht worden. Das darf man auch nicht verdrängen.
Zunächst einmal ist man mit Anfang Sechzig noch nicht unter dem zeitlichen Druck, jetzt die Nachfolge zu regeln. In Amerika kandidiert gerade ein 77-Jähriger gegen einen 81-Jährigen. Sicher kommt dieser Zeitpunkt, aber das muss man mit Gelassenheit und entsprechender Vorbereitung vollziehen.
Ich werde den Teufel tun, darauf zu antworten. Wir fragen natürlich trotzdem. Und ich werde trotzdem nichts dazu sagen. Ich finde es großartig, dass jedem diese drei Namen spontan einfallen. Das ist ein Glücksfall.
Wir treffen uns ab und an, telefonieren öfter und reden miteinander. Aber ich dränge mich nicht auf, ich stehe nicht vor den Toren der Staatskanzlei. Es muss immer klar sein, wer die Verantwortung hat.
Nein, nicht groß. Bei uns im Tennisheim gibt’s einen kleinen Empfang. Ich habe keine besonderen persönlichen Wünsche. Ich habe mir stattdessen Spenden für den Tierschutz und die Psychiatrie-Stiftung meiner Frau gewünscht.
Dass sie wieder zu einer gesunden Stärke zurückfindet, die es ihr ermöglicht, einen realistischen Anspruch auf Regierungsverantwortung zu stellen. Das kann ich nicht mehr so bewerten, ich habe meine Besuche im Fußballstadion derzeit leider einstellen müssen.
Jeder allerdings, der glaubt, mit einem Vorsitzenden Merz würde alles besser, ist, fürchte ich, naiv. Kramp-Karrenbauers Ägide hat deutliche Ähnlichkeiten mit der SPD-Vorsitzendenzeit Kurt Becks, der die Partei zwischen 2006 und 2008 führte. Und das nicht wegen großer Ähnlichkeiten der beiden Personen, sondern wegen großer Ähnlichkeiten der Lage, in der sich ihre Parteien befinden.
Die Lage, in der sich die SPD zwischen 2006 und 2009 befand, ist ähnlich mit der Lage, in der sich die CDU seit 2018 befindet. Schauen wir, warum. Zur Erinnerung. 2005 gab Franz Müntefering nach der Niederlage in einem kleinen innerparteilichen Machtkampf das „schönste Amt nach dem Papst“ an Matthias Platzeck ab, der damals sehr erfolgreich Brandenburg regierte. Platzeck erlitt 2006 einen Hörsturz, was eine erneute Neubesetzung möglich machte. Theoretisch war Kurt Beck dafür eine logische Wahl.
Man denke nur an „waschen und rasieren Sie sich, dann finden Sie auch einen Job“. Kramp-Karrenbauer ihrerseits entstammt dem Saarland. Sie kann nicht auf eine ganz so illustre Karriere zurückblicken wie Beck, aber in der Theorie ist auch sie die Richtige für den spezifischen Moment. Ihre Biographie stand für eine grundsätzliche Kontinuität der modernisierten CDU, aber gleichzeitig mit etwas klarerer Kante gegenüber den Elementen, die nur eingeschränkt in die CDU zu passen schienen.
Was Becks öffentliche Verachtung eines Hartz-IV-Empfängers war, war für Kramp-Karrenbauer ihre ebenso öffentliche Absage an die Rechte von Homosexuellen. Unter AKK war die CDU nach allen demokratischen Seiten bündnisfähig. Jamaika, Schwarz-Gelb (so ein Wunder passieren sollte), Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot, sie konnte alles. Kein Weg war verbaut.
Kurt Beck tat sich schwer damit, auf die unter Schröder vollzogene Modernisierung der SPD eine Antwort zu finden. Der „Waschen und Rasieren“-Kommentar wurde nicht, wie erhofft, markiges Zeichen einer auf Arbeit und Leistung setzenden Partei, die bei den Facharbeitern und der Mittelschicht reüssieren konnte, sondern zum Symbol der Abgehobenheit und sozialen Kälte.
Kurt Beck stürzte über die hessischen Landtagswahlen. Nachdem im Wahlkampf von ihm ein Kooperationsverbot gegenüber der jungen LINKEn ausgegeben worden war, unter dessen Primat sich auch die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti gestellt hatte, ließ das Ergebnis nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Große Koalition unter Roland Koch oder Minderheitenregierung mit Tolerierung der LINKEn.
Annegret Kramp-Karrenbauer stürzte über die thüringischen Landtagswahlen. Nachdem im Wahlkampf von ihr ein Kooperationsverbot gegenüber der LINKEn und der jungen AfD ausgegeben worden war, unter dessen Primat sich auf der thüringische CDU-Chef Mike Mohring gestellt hatte, ließ das Ergebnis nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit oder Tolerierung mit der LINKEn oder Neuwahlen mit ungewissem Ausgang.
Kurt Beck war Vorsitzender einer zutiefst zerrissenen Partei. Teile hatten ihren Frieden mit der Agenda2010 gemacht, diese sogar enthusiastisch unterstützt. Andere Teile lehnten sie als Verrat an den Werten der Partei ab.
Annegret Kramp-Karrenbauer war Vorsitzende einer zutiefst zerrissenen Partei. Teile hatten ihren Frieden mit dem Atomausstieg und der Flüchtlingspolitik gemacht, diese sogar enthusiastisch unterstützt. Andere Teile lehnten sie als Verrat an den Werten der Partei ab.
Für die SPD war die Zeit unter Kurt Beck ein Menetekel. Das lag weniger an Kurt Beck selbst. Beck agierte zwar glücklos und traf einige Entscheidungen, die wenig zielführend waren. Aber er sah sich einer unmöglichen Aufgabe gegenüber. Eine Versöhnung der Agenda2010-Gegner mit denen, die sie akzeptiert hatten, warum unmöglich. Die Politik der Partei zeigt dies deutlich.
Von der Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeld I bis zum Mindestlohn, von der Grundrente zur Mütterrente, nichts änderte etwas am Problem. Das grundsätzliche, unauflösbare Dilemma ist, dass die Modernisierung unter Schröder von einem (großen!) Teil der Partei getragen wird, während ein anderer (kleiner, aber für den Machterhalt entscheidender) Teil ihn ablehnt.
Auch für die CDU war die Zeit unter AKK ein Menetekel. Auch hier liegt die Ursache weniger in ihrer Person selbst, obgleich sie sich vermutlich mehr Fehltritte vorwerfen lassen muss als ihr rheinland-pfälzischer Gegenpart. Denn das Problem der CDU ist dasselbe wie das der SPD.
Bei der SPD haben wir den Vorteil, dass wir das Ende dieser Geschichte bereits kennen. Wie bei der SPD auch kommt nämlich die massive Kritik an der CDU zu großen Teilen von Personen, die die Partei gar nicht wählen würden.
Sollte die CDU für 2021 eine Koalition mit der AfD weiter ausschließen (was relativ wahrscheinlich ist), muss sie zum Machterhalt zwangsläufig offen für Koalitionen zu ihrer Linken sein, entweder mit den Grünen (vielleicht sogar unter einem Kanzler Habeck!), mit Grünen und FDP, oder erneut mit der SPD. Dieses Szenario wäre der SPD-Führung nur allzu vertraut.
Anders als bei der LINKEn besteht da erstens das Problem, dass die Partei schlicht nicht als demokratisch gesehen werden kann. Zweitens braucht es vermutlich auch die Mithilfe der FDP, die, wie man 2017 gesehen hat, ungern drittes Rad am Wagen sein will. Drittens erfordert dies ein Vor-den-Kopf-stoßen all jener CDU-Politiker, die sich lautstark gegen ein solches Bündnis positioniert und ihre politische Glaubwürdigkeit damit verknüpft haben. Viertens würde es einen Proteststurm in Medien und Bevölkerung losbrechen lassen.
Als Kurt Beck vergangene Woche seinen Rücktritt bekannt gab, da sprach der dienstälteste Ministerpräsident der Republik. 18 Amtsjahre hatte er in der Mainzer Staatskanzlei verbracht. Der gelernte Elektromechaniker ist zudem einer der letzten nichtakademischen Politiker Deutschlands.
Vor Jahren hatte er einem Arbeitslosen nahegelegt, sich zu waschen und rasieren, dann bekäme er einen Job. Dieser Populismus funktionierte noch. Doch ausgerechnet am Tag der Einheit und auch noch im Rahmen eines Interviews zu Bürgerbeteiligung (!) entfuhr ihm: „Können Sie mal das Maul halten, wenn ich ein Interview gebe? Einfach das Maul halten“, weil ein Bürger dazwischengerufen und ihn an den Nürburgring-Skandal und die Geldschleuder FC Kaiserslautern erinnert hatte.
Das ist nicht witzig, sondern nur noch primitiv. Beck zeigt erstaunlicherweise keine Einsicht, auch ein Politiker müsse „sich nicht alles bieten lassen“ - Hochmut noch nach dem Fall.
Frank nahm das Ganze als Bewerbungstraining im Turboformat: Er machte kurzen Prozess mit dem Bart und ist heute Festangestellter eines Frankfurter Fernsehsenders. Beck ließ seinen Bart stehen und stand bald darauf ohne Job da. Zumindest SPD-Vorsitzender war er nicht mehr.
Das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. "Im Schnitt haben diese Trainings keinen vorteilhaften Effekt auf die spätere Beschäftigungsquote", sagt IAB-Experte und Mitautor der Studie Joachim Wolff.
Im Gegenteil, die Teilnehmer fanden sogar seltener als Hartz-IV-Bezieher ohne Training eine Beschäftigung, die mindestens ein Jahr dauerte. Bei Männern und Frauen im Westen gab es keine Veränderung hinsichtlich einer längerfristigen Beschäftigung. Im Osten sanken die Werte auf fast minus drei Prozent bei den Männern und auf minus 1,4 Prozent bei den Frauen.
Ein Grund dafür könne sein, dass die vermittelten Inhalte möglicherweise zu wenig auf die einzelnen Teilnehmer zugeschnitten seien, sagt Wolff. So legten die Daten nahe, "dass da zum Teil Personen gefördert werden, die es nicht brauchen“.
Nur unwesentlich besser sieht die Bilanz für weitere Maßnahmen aus, die in schulischem Rahmen stattfinden, die Vermittlung von Computerkenntnissen etwa. Da steigen die Einstellungschancen im Vergleich zu Arbeitslosen, die sich an keiner Maßnahme beteiligt haben, aber immerhin um gut vier Prozent.
Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn ein Eignungsfeststellungstest, mit dem Kompetenzen des Teilnehmers identifiziert werden sollen, betrieblich eingebunden ist oder die Kandidaten gar bei einem Praktikum ihren Kenntnisstand erweitern und sich beweisen können.
Verglichen mit ähnlichen Arbeitslosen ohne Training liegt die Beschäftigungsquote der Teilnehmer nach 28 Monaten um bis zu 21 Prozentpunkte höher. Eine Praxisphase im Betrieb steigert auch die Aussicht auf eine mindestens zwölfmonatige Beschäftigung um bis zu 19 Prozentpunkte. Der Vorteil sei hier der direkte Kontakt zum potentiellen Arbeitgeber, sagt Wolff. Bisher wird nur etwa ein Drittel der Trainingsmaßnahmen für Hartz-IV-Bezieher in Betrieben angeboten.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im vergangenen Jahr etwa 184 Millionen Euro in die Qualifizierung von fast 630000 Hartz-IV-Empfängern gesteckt. Davon flossen erstaunlicherweise mehr als150 Millionen Euro in die wenig effektiven schulischen Trainings. Und nur 34 Millionen wurden für Qualifizierungsmaßnahmen in Unternehmen ausgegeben.
Kurt Becks Karriere war geprägt von Erfolgen und Kontroversen. Sein Rücktritt markierte das Ende einer Ära, doch sein Einfluss auf die deutsche Politik bleibt unbestritten.
Kurt Beck
Die folgende Tabelle zeigt wichtige Stationen in Kurt Becks politischer Laufbahn:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1994 | Übernahme des Amtes des Landesfürsten von Rudolf Scharping |
| 2006-2008 | Bundesparteivorsitzender der SPD |
| 2006 | Äußerung zum "Waschen und Rasieren" gegenüber einem Hartz-IV-Empfänger |
| 2008 | Rücktritt als SPD-Chef |
| 2013 | Rücktritt als Ministerpräsident aus gesundheitlichen Gründen |
tags: #Kurt #Beck #waschen #und #rasieren #Biografie
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