Haarausfall, oder Alopezie, ist besonders für Frauen eine große Belastung. Viele Betroffene suchen nach wirksamen Mitteln, um den Haarverlust zu stoppen oder das Haarwachstum anzuregen. Eine ungewöhnliche, aber vielversprechende Methode ist die Anwendung von Kuhspucke, die den Wirkstoff Thiocyanat enthält. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, Anwendungsmöglichkeiten und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema.
Verantwortlich für die Wirkung von Kuhspucke auf unser Haar soll ein Salz sein, dass jeder Mensch in sich trägt: Thiocyanat. Kühe haben als Vegetarier besonders viel davon im Speichel. Es verstärkt die körpereigene Abwehr. Vierzig Jahre lang forschte Prof. Axel Kramer von der Uni Greifswald an Thiocyanat. Seine Studien ergaben, dass es tatsächlich die Haardicke verstärkt und die Haare schneller wachsen lässt. Nach 12 Wochen lassen sich erste Ergebnisse sehen. Wer allerdings seit Jahren eine Glatze hat, dem kann der Wirkstoff auch keine Mähne mehr bescheren. Werden die Haare lichter oder dünner, kann man aber noch viel ausrichten.
Professor Kramer beschreibt die Wirkungsweise von Thiocyanat so: "Bei manchen Anwendern fielen zu Beginn verstärkt Haare aus, da die minderwertigen Haare erst abgestoßen wurden. Bereits nach ca. 4 Wochen haben die Anwender das Gefühl, dass ihre Haarstruktur kräftiger wird. Nach 4-5 Monaten kommt es dann zu einer Normalisierung des Ungleichgewichts.
Total gaga oder total gut? BILD fragte die Kölner Dermatologin Soraya Wojtecki (41). „Wie das Thiocyanat genau den Haarwuchs beeinflusst, wird aktuell noch erforscht. Die Studien laufen, es gibt schon gute Ergebnisse. Es stärkt die Haarwurzeln, die Haare wachsen dicker und auch die Farblichkeit wird prominenter. Grundsätzlich gibt es keine Nebenwirkungen“, erklärt die Fachärztin.
Professor Kramer: „Es handelt sich um einen natürlichen Baustein des Körpers, der chemisch nicht reaktiv ist. Dementsprechend gibt es keine relevanten Nebenwirkungen und auch Wechselwirkungen sind mir nicht bekannt.“ Genau deshalb ist Thiocyanat auch für Schwangere oder stillende Mütter geeignet, denn der Körper produziert es selbst. Handelsübliche Haarwuchsmittel greifen häufig in den Stoffwechsel ein und haben deswegen Nebenwirkungen, weil sie hormonell wirken.
Die Behandlung wurde derart vorgenommen, daß eine wäßrige Thiocyanatlösung auf die Haut und das Haar aufgetragen und einmassiert wurde. Anschließend wurde ein Panthenol-Spray aufgetragen, ebenfalls einmassiert und später eine Kopfwäsche durchgeführt. Hierdurch konnten die Haardichte und Haareigen¬schaften gegenüber der Einzelanwendung der Komponenten deutlich verbessert werden.
In dem käuflich erwerbbaren Haarpflegemittel ist das Thiocyanat künstlich hergestellt. Kramers Ergebnisse wurden nun genutzt, um daraus ein Produkt zu entwickeln (nämlich das Thiocyn Haarserum in unterschiedlicher Konzentration für Frauen und Männer) - das anscheinend ohne Nebenwirkungen funktioniert.
Ende September kommt ein neues Produkt auf den Markt mit dem Wirkstoff Sodium Thiocyanat. Das habe ich jetzt schon probeweise in meinem Salon. Derselbe Wirkstoff ist auch hochkonzentriert in Kuh-Speichel“, erklärt die Haar-Expertin.
Es gibt auch Hautärzte und Uni-Kliniken, die spezielle Haar-Sprechstunden anbieten. Eine Übersicht findet man zum Beispiel bei www.haarerkrankungen.de oder bei Jenny Latz, die Frauen mit Haarausfall coacht.
Es gibt auch die Möglichkeit, Thiocyanat über die Ernährung aufzunehmen. Blumenkohl, Broccoli, Rotkohl und Grünkohl, Kohlrabi, Wirsing - die Kohl-Klassiker sind kleine Haarbooster. Aber auch mit Kichererbsen, Cashewkernen, Kresse und Süßkartoffeln kann man Thiocyanate aufnehmen.
Da Senf die Durchblutung anregt, kann es auch dem Haarwachstum helfen. Denn die Kopfhaut wird stimuliert, die Haarwurzeln besser durchblutet und mit Nährstoffen versorgt. Senföl steckt in diversen Haarwuchsmitteln, soll aber auch gegen Spliss und brüchige Haare helfen. Oft wird es auch in Haarölen und Ölkuren eingesetzt.
Prima DIY-Maske: 2 Esslöffel gemahlenes Senfpulver , 3-4 Esslöffel warmes Wasser, 1 Eigelb, 1 Esslöffel Olivenöl in einem Schälchen verrühren, auf die Haare und Kopfhaut auftragen und etwa 15 Minuten einwirken lassen. Anschließend mit Shampoo auswaschen.
Dass Haare ausfallen, ist normal. Wer bis zu 100 Haare am Tag verliert, braucht sich keine Sorgen zu machen. Die Haare befinden sich alle in einer unterschiedlichen Phase innerhalb dieses Haarzykluses, weshalb immer einige ausfallen. Ein Besuch beim Hautarzt ist erst dann nötig, wenn ihr mehr als 100 Haare am Tag verliert. Mögliche Anzeichen: Morgens liegen mehr Haare auf dem Kopfkissen als sonst, beim Kämmen oder Haare waschen gehen extrem viele Haare aus, das Haar wirkt insgesamt lichter.
"Vor einer Behandlung muss in jedem Fall ein Arzt klären, warum die Haare ausfallen", sagt Dr. Jana Präßler. Es gibt viele verschiedene Ursachen, die unterschiedlich behandelt werden.
Genetische Veranlagung: Die so genannte androgenetische Alopezie ist die am weitesten verbreitete Ursache für Haarausfall. Was kaum jemand ahnt: Etwa 80 bis 90 Prozent der Menschen sind davon betroffen. Viele wissen gar nichts davon: "Die Ausprägung und der Verlauf sind sehr unterschiedlich. Der eine ist kaum betroffen, der andere sehr stark. Das ist wie bei Akne", sagt Jana Präßler. Männer trifft es übrigens genauso häufig wie Frauen. Bei Männern setzt der Haarausfall jedoch früher ein und führt häufiger zu kompletter Haarlosigkeit.
Störung des Immunsystems: Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) tritt häufig bei Kindern und bis ins Erwachsenenalter hinein auf. Beim androgenetischen (oder anlagebedingten) Haarausfall der Frau werden die Haare meist zuerst um den Scheitel herum und dann insgesamt dünner. Die Kopfhaut scheint immer mehr durch.
Kritische Phasen beim androgenetischen Haarausfall sind die Pubertät und die Wechseljahre. In der Pubertät bildet sich bei Frauen neben den weiblichen Geschlechtshormonen auch das männliche Geschlechtshormon DHEA (Dihydroepiandrosteron) im Körper. Ein Geschlechtshormon, das die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Normalerweise verhindern Enzyme, dass diese Hormone zu lange an den Haarfollikeln verweilen und damit den Ausfall verursachen. Doch wenn die Zellen in den Haarwurzeln besonders empfindlich gegenüber Androgenen, also männlichen Geschlechtshormonen, sind, weil in ihnen die Enzyme ihrer Aufgabe nicht richtig nachkommen, kann es zu Haarausfall kommen. Denn: Sie sind es, die die Haarwurzel schützen. Da diese Schutzwirkung geschwächt ist, tritt Haarausfall bei Frauen oft verstärkt in den Wechseljahren auf. Sind Frauen vor den Wechseljahren stark betroffen, kann auch eine Pille mit anti-androgener Wirkung helfen. In den Wechseljahren kann eine entsprechende Hormonbehandlung den Haarausfall bremsen. In beiden Fällen werden die männlichen Hormone von ihren Kontaktstellen in den Zellen verdrängt.
Plötzlich treten kahle Stellen an einer oder mehreren Partien der Kopfhaut auf. Sie vergrößern sich und können in einigen Fällen zu völliger Haarlosigkeit führen. Auch die Augenbrauen und die übrige Körperbehaarung können betroffen sein. Außerdem können sich die Nägel verändern.
Die genaue Ursache für den kreisrunden Haarausfall ist bisher nicht ermittelt. Zu Beginn der Erkrankung findet man an den Haarwurzeln Immunzellen, die dort eine Entzündung bewirken. Diese unterbricht die Haarproduktion. Manchmal treten gleichzeitig Krankheiten des Immunsystems auf, zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) oder Diabetes mellitus, die unabhängig vom Haarausfall behandelt werden müssen. Die Krankheit kann auch vererbt werden.
Der kreisrunde Haarausfall heilt in vielen Fällen auch ohne Behandlung nach einiger Zeit ab. Der Haarausfall kann jedoch immer wieder auftreten. An der Kopfhaut selbst gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, deren Wirkung sich gegen die Entzündung an der Haarwurzel richtet. Dazu gehören Kortison, eine spezielle Lichttherapie (Psoralen-UVA) und verschiedene Reiztherapien, die zu einer Kontaktdermatitis führen. Welche Methode am wirkungsvollsten ist, hängt vom Patienten ab.
Nicht jedes Mittel hilft bei jedem. Minoxidil zum Beispiel wirkt nachweislich bei etwa 10 bis 20 von 100 Behandelten. Auch andere Hersteller von Haarausfall-Medikamenten mit Wirkstoffen wie Thiocyanat weisen darauf hin, dass es Patienten gibt, bei denen der Wirkstoff nicht anschlägt.
Hat der Arzt festgestellt, dass der Haarausfall hormonell bedingt ist, kann er Präparate mit Minoxidil verschreiben. Es kann eingesetzt werden, wenn der Haarausfall durch einen Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen bedingt ist. Die orale Form von Minoxidil ist ein verschreibungspflichtiges Medikament. Ursprünglich wurde der Wirkstoff zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt. Dabei stellte man fest, dass es ebenfalls gegen Haarausfall hilft, indem es den Haarausfall verlangsamt und das Haarwachstum anregt. Als Tinktur/Lösung (unter dem Handelsnamen Regaine in der Apotheke erhältlich) ist es nicht verschreibungspflichtig.
Wie funktioniert der Wirkstoff? Es erweitert die Blutgefäße und aktiviert ein Enzym, das auch Blutadern erweitert. So können sich dann wohl auch die Haarfollikel wieder vergrößern und beginnen, kräftigeres Haar zu produzieren.
Wichtig: Wenn die Kopfhaut juckt, schuppt, sich rötet oder entzündet. Minoxidil kann, wenn es über längere Zeit angewendet wird, Herz und Kreislaufbeschwerden verursachen. was insbesondere bei einer Langzeitbehandlung bedeutsam ist.
Wenn die Haare bereits auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind, hilft z.B. eine Eigenhaartransplantation. Dabei stanzt der Arzt bei örtlicher Betäubung kleine Kopfhautstücke aus und pflanzt sie auf die gewünschte Stelle.
Wer kurzen Prozess machen will, kann sich auch gleich für Ersatzhaar entscheiden. Mit rund 1500 Euro muss man für ein maßgearbeitetes Toupet rechnen. Kunsthaar tendiert aber dazu, Schweiß und Fett am Oberkopf zu sammeln. Die Folge: Entzündungen.
Zur Befestigung des Toupets gibt es das Mikro-Point-System, das Eigenhaare mit dem Toupet verschweißt, oder die Haar-an-Haar-Direktverbindung, die Eigen- mit Fremdhaare verknüpft. Dafür benötigt man Resthaar, in das Nylonfäden wie ein Netz eingearbeitet werden. Damit verknüpft man die Fremdhaare.
Die Anwendung von Kuhspucke bzw. Thiocyanat zur Behandlung von Haarausfall ist ein vielversprechender Ansatz, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Thiocyanat stärkt die Haarwurzeln, fördert das Haarwachstum und verbessert die Haardicke. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Thiocyanat anzuwenden, entweder durch spezielle Haarseren oder durch eine thiocyanatreiche Ernährung. Bei anhaltendem Haarausfall sollte jedoch immer ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung zu finden.
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