Kreisrunder Haarausfall: Ursachen und Behandlung

Kreisrunder Haarausfall, auch Alopecia areata genannt, ist eine weitere, aber eher seltene Form des Haarverlustes. Meist tritt er plötzlich auf.

Da die kahlen Stellen des kreisrunden Haarausfalls oft deutlich sichtbar sind, belastet er die Psyche und das Wohlbefinden der Betroffenen, die subjektiv mit jedem Haar an Attraktivität und Selbstvertrauen einbüßen.

Ursachen der Alopecia areata

Die Ursache von kreisrundem Haarausfall wurde bis heute nicht einwandfrei geklärt. Mediziner vermuten, dass er durch Autoimmunkrankheiten ausgelöst wird, also durch Krankheiten, die sich gegen den eigenen Körper richten. In diesem Fall greift das Immunsystem keine Viren und Bakterien, sondern das körpereigene Haar an, da es die Behaarung als Fremdkörper wahrnimmt.

Der Entzündungsprozess der Erkrankung wird über das Einwandern von Immunzellen in und um den Haarfollikel vermittelt. Dadurch kommt es zu einem Bienenschwarm-ähnlichen Infiltrat. Entscheidende Zytokine bei AA sind Interferon-γ-, Interleukin-2- und Interleukin-15.

Die Entzündung, die dabei ausgelöst wird, behindert das natürliche Haarwachstum: Die Abwehrzellen schädigen den Haarfollikel, wodurch das Haar nicht mehr wie gewöhnlich ausgebildet werden kann. Infolgedessen fällt das Haar aus. Da 10 bis 25% der Fälle familiär gehäuft auftritt, ist eine Erblichkeit der kreisrunden Alopezie nicht auszuschließen.

Eine psychische Ursache wurde bisher zwar nicht nachgewiesen, doch Mediziner gehen davon aus, dass auch Stress oder ein schwerer psychischer Schock als Auslöser von kreisrundem Haarausfall infrage kommen.

Neben diesen können auch ein Vitamin D-Mangel sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen vorliegen.

Weitere mögliche Ursachen und Zusammenhänge

  • Erhöhte Allergiebereitschaft
  • Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Rheuma
  • Genetische Faktoren

Es wird vermutet, dass auch genetische Faktoren einen Einfluss haben.

Symptome der Alopecia areata

Bei kreisrundem Haarausfall handelt es sich um einen lokal begrenzten krankhaften Haarausfall, der überwiegend die Kopf-, seltener die übrige Körperbehaarung angreift. Runde bis ovale kahle Stellen unterschiedlicher Größe bilden sich heraus; die Haut zeichnet sich durch eine Elfenbeinfarbe ab, abgebrochene Haare an den Rändern der kahlen Stellen lassen sich leicht herausziehen.

Die Alopecia areata zeigt ein sehr breites klinisches Bild. Der Haarverlust kann alle behaarten Bereiche des Kopfes und Körpers betreffen.

Typisch für diese Form des Haarausfalls ist das Auftreten deutlich abgegrenzter, etwa münzgroßer kahler Stellen. Neben dem Kopfhaar kann hiervon auch die Körperbehaarung betroffen sein.

Typische Symptome im Überblick:

  • runde oder ovale kahle Flecken am Haupthaar
  • im fortgeschrittenen Stadium kann völlige Kahlheit (Glatze) auftreten
  • sogenannte „Ausrufezeichenhaare“ an den Rändern der kahlen Stellen (abgebrochene Haare, die zur Spitze hin immer dünner werden und sich leicht ausreißen lassen)
  • die schuppenfreie kahle Haut kann eine Elfenbeinfarbe aufweisen

Zudem befinden sich am Rand der Flecken meist kurze, abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden. Man nennt diese umgangssprachlich Kolben-, Ausrufezeichen- oder Komma-Haare.

Menschen mit kreisrundem Haarausfall können außerdem Probleme mit den Finger- und Zehennägeln haben. Typischerweise bilden sich Grübchen oder Tüpfel im Nagel.

Bei manchen Menschen fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus; schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei die Person innerhalb kürzester Zeit ergraut.

Klinische Varianten der Alopecia areata

  • Alopecia ophiasis: Kranzartiges Fehlen der Haare im Ohren- und Nackenbereich. Augenbrauen, Haare oben und seitlich am Kopf sowie die restliche Körperbehaarung sind nicht betroffen.
  • Alopecia totalis: Fehlen der gesamten Kopfbehaarung, inklusive Augenbrauen und Wimpern. Diese Form tritt eher selten auf.
  • Alopecia universalis: Komplette Körperbehaarung fällt aus, inklusive Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare.

Diagnose von kreisrundem Haarausfall

In der Regel reicht bereits das klinische Bild - die typischen runden kahlen Stellen -für die Diagnose des kreisrunden Haarausfalls aus.

Bei einer Alopecia areata zeigen sich hier in meisten Fällen die typischen kreisrunden haarlosen Areale an der Kopfhaut. Sie kann sich aber auch durch teilweisen oder kompletten Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder Barthaare, oder auch an anderen behaarten Arealen zeigen (siehe auch klinische Varianten). Die Hautoberfläche ist unauffällig, also z.B.

Die klinische Untersuchung gemeinsam mit der Dermatoskopie der Kopfhaut sind die wichtigsten Schritte und, in meisten Fällen, ausreichend um die Diagnose Alopecia areata zu stellen.

Sehr hilfreicher Test zur Einschätzung der Aktivität der Alopecia areata, aber auch zum Ausschluss anderer Haarerkrankungen, so wie der Trichotillomanie. Der Test wird am Randbereich der haarlosen Areale sowie an klinisch unauffälligen Haaren durchgeführt.

Für einen gültigen Test sollten die Haare mindestens einen Tag lang nicht gewaschen werden.

Das „Severity of Alopecia Tool’’ oder der sog. SALT Score ist ein sehr hilfreiches, visuelles Mittel zur Bestimmung des prozentualen Kopfhaarausfalls bei Alopecia areata.

Die AA kann zusammen mit verschiedenen anderen Erkrankungen und Zuständen auftreten.Autoimmunerkrankungen, z.B.

Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.

Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.

Wichtige diagnostische Schritte:

  • Anamnese
  • Klinisches Erscheinungsbild
  • Mikroskopische Untersuchung (Haaranalyse)
  • Zupftest
  • Dermatoskopie

Behandlungsmöglichkeiten bei kreisrundem Haarausfall

Glücklicherweise ist der kreisrunde Haarausfall in den meisten Fällen reversibel, also rückgängig zu machen. Und noch eine gute Nachricht: Bei einem Großteil der Fälle verschwinden die kahlen Stellen nach etwa 3-6 Monaten von allein.

Nicht selten wachsen die Haare wieder nach, sobald die Haarfollikel nicht mehr angegriffen werden.

Da die genaue Ursache von Alopecia areata nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, neues Haarwachstum anzuregen. Manchmal helfen sie, oftmals sind sie aber auch erfolglos.

Es gibt einige Therapieansätze, die Menschen mit Alopecia areata individuell ausprobieren können. Allerdings ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um abschließend die Wirksamkeit zu beurteilen.

Die derzeitig eingesetzten Therapien zielen vor allem auf das Unterdrücken des Entzündungsprozesses ab und bekämpfen nicht die eigentliche Ursache der Krankheit.

Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich immer auch nach den persönlichen Bedürfnissen. Wichtig: Nicht immer stellt sich nach einer Behandlung der gewünschte Erfolg ein. Vor allem bei schwerem kreisrundem Haarausfall und einem frühen Erkrankungsbeginn kommt es häufig zu Rückfällen. Außerdem haben alle Therapien Nebenwirkungen.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) - Ursache & Behandlung - Einfach erklärt von Dr. Durani

Überblick über gängige Behandlungsansätze

  • Hautreizende Stoffe: Anthralin (Cignolin), Dithranol, Chrysarobin, Capsaicin, Pfeffertinktur
  • Minoxidil: Fördert die Durchblutung der Haarfollikel
  • Glukokortikoide ("Kortison"): Cremes, Lösungen oder Injektionen
  • Topische Immuntherapie: Diphencypron (DPCP)
  • PUVA: Psoralen plus UV-A
  • JAK-Inhibitoren: Hemmstoffe gegen Januskinasen
Behandlungsmethode Beschreibung Wirkung
Kortison (lokal) Cremes oder Injektionen Entzündungshemmend
Minoxidil Lösung oder Schaum Fördert Durchblutung der Kopfhaut
JAK-Inhibitoren Tabletten Unterdrückt Entzündungsprozesse
Immuntherapie (DPCP) Diphenylcyclopropenon Löst allergische Reaktion aus

Detaillierte Informationen zu den Behandlungen

Hautreizende Stoffe gegen kreisrunden Haarausfall: Die älteste Behandlungsform bei Alopecia areata ist es, hautreizende Substanzen auf die kahlen Stellen aufzutragen - mit der Absicht, dass durch die ausgelöste Hautirritation neue Haare wachsen.

Minoxidil gegen kreisrunden Haarausfall: Lösungen mit dem Wirkstoff Minoxidil sind eigentlich für die äußerliche Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall zugelassen. Er fördert das Haarwachstum, indem er die Durchblutung rund um die Haarfollikel anregt. Meist kommt Minoxidil unterstützend zu anderen Therapiemethoden (wie Kortison) zum Einsatz, da sonst bei kreisrundem Haarausfall keine durchschlagenden Erfolge zu erwarten sind.

Glukokortikoide ("Kortison") gegen kreisrunden Haarausfall: Kreisrunder Haarausfall wird heute vielfach mit Glukokortikoiden (kortison-artigen Wirkstoffen) in Form von Cremes oder Lösungen behandelt. Die Langzeiterfolge variieren, und es kommt häufig zu Rückfällen. In maximal der Hälfte aller Fälle lässt diese lokale Behandlungsmethode die Haare wieder wachsen.

Daher wird Kortison häufig mit kleinen Spritzen in die kahlen Hautstellen injiziert. Solche Kortison-Spritzen setzt der Arzt jeweils im Abstand von etwa einem Zentimeter auf die betroffenen Hautstellen. Er geht beim Einspritzen vorsichtig vor und beachtet die Gesamtdosis an injizierten Glukokortikoiden.

Eine sogenannte systemische Kortisontherapie - zum Beispiel in Form von Tabletten - kommt nur in schweren, ausgedehnten Fällen von kreisrundem Haarausfall infrage.

Topische Immuntherapie gegen kreisrunden Haarausfall: Als wissenschaftlich erwiesen gilt die Wirksamkeit einer lokalen Immuntherapie mit dem Wirkstoff Diphencypron (Diphenylcyclopropenon, DPCP) bei kreisrundem Haarausfall. Diese Methode kommt aber nur bei größeren kahlen Herden zum Einsatz.

Zunächst trägt der Arzt den Wirkstoff hochkonzentriert auf die kahlen Stellen auf, mit dem Ziel, dort eine Entzündung auszulösen und das Abwehrsystem des Patienten für den Wirkstoff zu sensibilisieren. Nach drei bis vier Wochen wird DPCD in niedriger Dosierung erneut appliziert, was dann eine allergische Hautreizung hervorruft. Die Anwendung wird wöchentlich wiederholt, meist über Monate.

Experten gehen davon aus, dass diese allergische Hautentzündung auf den kahlen Kopfhautstellen bestimmte Immunzellen anlockt, die jene Immunzellen "verdrängen", welche die Haarwurzelzellen angreifen.

PUVA gegen kreisrunden Haarausfall: Die Abkürzung PUVA steht für Psoralen plus UV-A. Diese photochemische Behandlungsmethode kommt bei verschiedenen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis zum Einsatz, und in manchen Fällen auch bei kreisrundem Haarausfall.

Einsatz von JAK-Inhibitoren: JAK steht für Januskinasen. Inhibitor bedeutet Hemmstoff. Januskinasen sind Enzyme, die Entzündungsprozesse fördern, die mit kreisrundem Haarausfall in Zusammenhang stehen.

Im Juni 2022 hat die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den Wirkstoff Baricitinib als ersten JAK-Inhibitor zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerem kreisrundem Haarausfall zugelassen. Die Hemmstoffe werden als Tabletten eingenommen.

Zink und Vitamin D bei kreisrundem Haarausfall: Oft werden bei kreisrundem Haarausfall (oder sonstigem Haarausfall) Zink-Präparate empfohlen. Das Spurenelement ist unter anderem wichtig für ein starkes Immunsystem sowie für gesunde Haut und Haare. Die Einnahme von Zink hilft bei kreisrundem Haarausfall allerdings vermutlich nur dann, wenn tatsächlich ein Zinkmangel besteht.

Auch eine Einnahme von Vitamin D hat möglicherweise positive Effekte bei kreisrundem Haarausfall. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings noch nicht.

Psychische Unterstützung und alternative Heilmethoden

Patienten mit kreisrundem Haarausfall profitieren von der gemeinsamen Aufarbeitung der Krankheit mit anderen Betroffenen. Besonders bei Kindern verzeichnet die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe manchmal größere Erfolge als jede medikamentöse Behandlung.

Manchmal wenden Patienten bei kreisrundem Haarausfall Homöopathie, Schüßler-Salze und andere alternative Heilmethoden an.

Die Konzepte der Homöopathie und der Schüßler-Salze sowie ihre spezifische Wirksamkeit sind umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Auch haben alternativmedizinische Methoden ihre Grenzen. Sprechen Sie deshalb im Vorfeld mit Ihrem Arzt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen.

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