Der grausame Doppelmord an José und Kitty Menendez im Jahr 1989 erschütterte die wohlhabende Gemeinde von Beverly Hills. Die Täter: ihre eigenen Söhne, Lyle und Erik Menendez. Was zunächst wie ein kaltblütiger Mord aus Habgier erschien, entpuppte sich als eine Geschichte voller dunkler Geheimnisse, Missbrauch und familiärer Tragödien. Dieser Fall schockierte die Nation und wurde zu einem der bekanntesten Kriminalfälle in der Geschichte der USA.
Die Menendez Brüder. Quelle: Wikipedia
Lyle, geboren am 10. Januar 1968, interessierte sich kaum für sein Studium an der Princeton University. Erik, geboren am 27. November 1970, war ein mittelmäßiger Schüler, aber ein überaus talentierter Tennisspieler. Nach seinem High-School-Abschluss ging er auf die UCLA. Zu dieser Zeit begannen die Brüder, die Eltern ihrer Freunde auszurauben. Sie brachen in die Häuser ein, um Geld und Schmuck zu stehlen.
Am 20. August 1989 wurden José und Kitty Menendez von ihren eigenen Söhnen mit einer Schrotflinte erschossen, während sie im Wohnzimmer fernsahen. Zunächst vermuteten die Ermittler, dass die Morde mit den geschäftlichen Aktivitäten von José Menendez, einem erfolgreichen Filmstudio-Manager, zusammenhängen könnten. Doch bald richtete sich der Verdacht auf die Söhne, insbesondere nachdem sie begonnen hatten, das Erbe ihrer Eltern in großem Stil auszugeben.
Erik Menendez gestand schließlich seine Beteiligung an den Morden seinem Psychotherapeuten Dr. L. Jerome Oziel. Oziel zwang Erik dazu, seinen Bruder Lyle mit seinen Schuldgefühlen zu konfrontieren. Lyle, wütend über die Handlungen seines Bruders, drohte Oziel, sollte dieser mit seinem Wissen zur Polizei gehen. Oziel, der durch das Geschehen von der ärztlichen Schweigepflicht befreit war, entschied sich dazu, die weiteren Sitzungen mit den Brüdern aufzuzeichnen. Er spielte die Aufnahmen seiner Geliebten vor, die daraufhin zur Polizei ging. Diese Information führte zur Verhaftung von Lyle am 8. März 1990 und von Erik drei Tage später.
Die Brüder sorgten für Schlagzeilen, als der neue Fernsehsender Court TV ihren ersten Prozess übertrug. Er war wahrscheinlich einer der umstrittensten des Jahrzehnts und fand vom 20. Juli 1993 bis zum 28. Januar 1994 am Obersten Gericht des Los Angeles County Fernando Valley statt. Lyle und Erik gestanden den Mord an ihren Eltern, behaupteten jedoch, es sei aus Selbstverteidigung geschehen. Sie sagten, sie glaubten, ihre Eltern hätten geplant, sie nach Jahren körperlicher, emotionaler und sexueller Misshandlung umzubringen. Diese Verteidigung spaltete die öffentliche Meinung und führte zu hitzigen Debatten über Missbrauch und Selbstverteidigung.
Der zweite Prozess wurde mehrmals verschoben und fand vom 23. August 1995 bis zum 20. März 1996 statt. Lyle, 28, und Erik, 25, wurden des vorsätzlichen Mordes unter besonderen Umständen und der Verschwörung zum Mord für schuldig befunden. Beide wurden zu zwei aufeinanderfolgenden lebenslangen Haftstrafen ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.
In den letzten Jahren haben die Brüder versucht, ihren Fall neu aufzurollen, indem sie neue Beweise für den angeblichen Missbrauch vorlegten. Die Prozesse und die öffentliche Debatte über Missbrauch und Selbstverteidigung haben tiefe Spuren in der amerikanischen Gesellschaft hinterlassen. Lyle und Erik Menendez bleiben weiterhin in Haft, während ihr Fall weiterhin die Gemüter bewegt und Diskussionen anregt.
Im Jahr 1989 haben Lyle und Erik Menendez ihre Eltern Kitty und José kaltblütig ermordet. Vor Gericht wurden die Brüder letztlich zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Bewährung verurteilt. Die Anklage führte dabei als Motivation für die Tat stets die Absicht an, an das stattliche Familienvermögen zu kommen. Die Verteidigung und die Angeklagten selbst haben hingegen immer wieder beteuert, dass das Verbrechen das Resultat eines jahrelangen emotionalen und sexuellen Missbrauchs durch die Eltern war.
Dieser aufsehenerregende Fall bildet nun die Grundlage für die neue Netflix-Serie „Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez“, einer eigenständigen Fortführung des Miniserien-Hits „Dahmer - Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer“. Dabei stellt sich natürlich immer die Frage, wie nah eine solche dramaturgische Aufbereitung der Realität tatsächlich kommt. Zumindest wenn es nach einem der Täter von damals geht, ist man hier aber offenbar weit davon entfernt.
Erik Menendez, der mit seinem Bruder bis heute in einem kalifornischen Gefängnis sitzt, hat in einem offiziellen Statement kein gutes Haar an „Monster“ und dem für die Serie verantwortlichen „American Horror Story“-Schöpfer Ryan Murphy gelassen. "Schreckliche Lügen"„Ich dachte, wir hätten die Lügen und zerstörerischen Darstellungen von Lyle hinter uns gelassen, die eine Karikatur aus ihm machen, welche auf schrecklichen und offensichtlichen Lügen basiert, die von der Serie verbreitet werden“, ließ Erik Menendez von seiner Frau Tammi Menendez in den Sozialen Netzwerken verlauten. „Schweren Herzens muss ich sagen, dass ich glaube, dass Ryan Murphy im Hinblick auf die Fakten um unser Leben nicht so naiv und ungenau sein kann, ohne eine böse Absicht zu haben.“
Erik Menendez stört sich also insbesondere daran, wie sein Bruder Lyle in „Monster“ porträtiert wird, kritisiert daneben aber vor allem scharf, wie mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs umgegangen wird: „Es ist traurig zu wissen, dass Netflix’ verlogene Darstellung der Tragödien rund um unser Verbrechen die schmerzlichen Wahrheiten mehrere Schritte zurückgeworfen haben - zurück in eine Ära, als die Anklage ein Narrativ auf dem Glaubenssystem aufgebaut hat, dass Männer nicht sexuell missbraucht werden und dass sie Vergewaltigungs-Traumata anders erleben als Frauen. Murphy formt seine schreckliche Erzählung durch abscheuliche und entsetzliche Charakterdarstellungen von Lyle und mir und durch niederschmetternde Verleumdung.“
Gerade diese Ausführungen lassen jedoch Zweifel daran aufkommen, wie genau Erik Menendez über die Details der Serie informiert wurde (dass er sie in der Haft selbst geschaut hat, ist eher unwahrscheinlich). Denn tatsächlich zeigt „Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez“ den herzlosen Umgang der Menendez-Eltern mit ihren Söhnen und den Missbrauch ziemlich ungeschönt. Allerdings präsentieren Murphy und sein Team gerade hinten raus auch alternative Perspektiven und deuten an, dass die Geschwister die Intentionen ihrer Eltern bisweilen falsch verstanden haben könnten.
„Monster“ versucht hier offenbar ein ausgewogeneres Bild beider Seiten zu zeichnen, nach dem sich Zuschauer und Zuschauerinnen ein eigenes Urteil bilden sollen. Dem Erfolg der Serie werden die Worte von Erik Menendez jedenfalls wohl keinen Abbruch tun. Schon jetzt ist eine dritte Staffel von „Monster“ beschlossene Sache.
Ryan Murphy. Quelle: Deutschlandfunk
Cooper Koch und Nicholas Alexander Chavez waren bis vor Kurzem zwei kaum bekannte Hollywood-Newcomer. Mittlerweile dürften Serienfans auf der ganzen Welt ihre Namen kennen. Die Ryan-Murphy-Serie Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez machte die beiden innerhalb kurzer Zeit berühmt. Denn die brutale Netflix-Serie schoss nach nur vier Tagen auf Platz 1 der globalen Wochencharts des Streaming-Dienstes.
In der düsteren True-Crime-Serie wird ein grausames Verbrechen nacherzählt: 1989 töteten Lyle und Erik Menendez in Los Angeles ihre Eltern, José und Kitty Menendez - in der Serie gespielt von Javier Bardem und Chloë Sevigny. Die Brüder wurden verhaftet und für ihre Tat zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute beharren Lyle und Erik Menendez jedoch darauf, von ihren Eltern jahrelang psychisch und physisch missbraucht worden zu sein und deshalb quasi aus Notwehr gehandelt zu haben.
Im Interview mit Esquire sprechen die beiden Schauspieler Cooper Koch (Erik Menendez) und Nicholas Alexander Chavez (Lyle Menendez) über die intensiven Dreharbeiten von Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez und ihre Begegnung mit den beiden inhaftierten Menendez-Brüdern.
Cooper Koch und Nicholas Alexander Chavez verwandeln sich in Erik und Lyle Menendez. Quelle: Esquire
Cooper Koch: Ich habe mir die Zeugenaussagen angesehen. Und zwar ständig, sei es im Auto oder vor dem Schlafengehen auf dem Handy. Ich hörte also ständig Eriks Geschichten und seine Stimme. Dadurch prägte ich mir seinen Sprechrhythmus ein und vertiefte meine Empathie für Eric und Lyle.
Nicholas Alexander Chavez: Die Original-Gerichtsaufnahmen geben einen unglaublichen Einblick in diese Zeit, die ich selbst nicht miterlebt habe. Mir war dabei aber auch stets bewusst, dass Menschen sich anders verhalten, wenn sie beobachtet werden und viel auf dem Spiel steht. Darauf muss man also ebenfalls achten, wenn man sich mit Primärquellenmaterial beschäftigt.
Nicholas Alexander Chavez: Ich habe alle Bücher gelesen, die sich mit den Menendez-Brüdern auseinandersetzen. Dabei habe ich mich speziell auf ein Buch verlassen. Es wurde von Paul Mones, einem damals einflussreichen Anwalt, geschrieben. When A Child Kills…Das Buch, das Lyle in der Serie im Gefängnis liest?
Nicholas Alexander Chavez: Genau. Ein Kapitel darin setzt sich mit Kindern auseinander, die beide Elternteile töten.
Nicholas Alexander Chavez: Wir neigen dazu, den Fall der Menendez-Brüder isoliert zu betrachten. Wenn man ihn jedoch im Kontext anderer Fallstudien sieht, gibt es viele Parallelen.
Cooper Koch: Ja, ich konnte mit beiden Brüdern sprechen. Das war sehr lohnend und eine wunderbare Erfahrung. Sie waren sehr nett. Ich konnte beiden in die Augen sehen und ihnen sagen, dass ich ihnen glaube, sie unterstütze und alles dafür getan habe, so authentisch wie möglich zu sein und mich durch meine Arbeit für sie einzusetzen.
Cooper Koch: Sie haben Ausschnitte gesehen. Aber wie man sich vorstellen kann, ist es sehr schwierig für sie, sich das alles anzusehen. Erik sagte mir, er hätte viel Gutes über Episode 5 gehört und dass er sie sich irgendwann ansehen werde.
Cooper Koch: Ja, natürlich. Ich kann mir gut vorstellen, wie es für mich wäre, wenn mein Leben im Fernsehen für Millionen von Menschen dargestellt würde. Und ich habe nicht annähernd so viele Traumata erlebt wie er. Ich kann die Kritik also nachvollziehen und verstehe, dass die Brüder betroffen sind.
Nicholas Alexander Chavez erklärt, wie er sich auf seine Rolle als Lyle vorbereitet hat. Chavez nahm die Vorbereitungen zu „Monster“ wohl sehr ernst: Er habe Bücher über die Menéndez-Familie gelesen und Menschen in Los Angeles Menschen befragt, die mit den Brüdern zu tun hatten. Diese sollen dem Schauspieler verraten haben, dass Lyle ein Schmuckstück getragen haben soll, das einige scheinbar abgeschreckt haben soll. Besondere Aufmerksamkeit habe sich Chavez jedoch einer bestimmten „Maske“ gewidmet, die Lyle trug. Dabei soll es sich allerdings nicht um eine echte Gesichtsbedeckung gehandelt haben. Doch was meint der 25-Jährige genau damit?
In der vierten Folge von „Monster“ wird gezeigt, wie Lyle plötzlich unter der Dusche Haarausfall bekommt. Daraufhin bringt ihn sein Vater, José Menéndez, zu einem Spezialisten, der ihm ein Toupet anpasst. „Du siehst damit großartig aus“, sagt José in der Folge zu seinem Sohn. „Du willst im Geschäftsleben erfolgreich sein? Du willst in die Politik gehen? Dann brauchst du volles Haar.
Nicholas Alexander Chavez als Lyle Menendez mit Toupet. Quelle: serienjunkies
Chavez soll in dem Ganzen eine tiefe Bedeutung sehen. „Ich habe diese Perücke als eine Art Maske betrachtet“, erklärt der Schauspieler. „Es ist keine Maske, die er sich selbst ausgesucht hat - sie wurde ihm von seinem Vater auferlegt. Sie repräsentiert den perfektionistischen Standard, dem Lyle gerecht werden soll. Diese Maske verdeckt ein zutiefst verletztes inneres Kind, das in Folge vier zunehmend zum Vorschein kommt.“
In „Monster“ wird nicht angesprochen, was der mögliche Grund für den Haarausfall gewesen sein könnte. Chavez habe jedoch eine Vermutung: Der Leistungsdruck vom Vater habe sich stark auf Lyle ausgewirkt - sowohl psychisch als auch körperlich. Somit soll dich das wahre Gesicht vom verurteilten Straftäter gezeigt haben.
„Ich kann mir nur vorstellen, dass es eine extrem angstbesetzte Erfahrung gewesen sein muss. Wenn Aspekte der eigenen äußeren Erscheinung anfangen, auseinanderzufallen - wenn man nicht mehr auf diese äußeren Bestätigungen seiner Identität zurückgreifen kann, kommen unangenehme innere Realitäten ans Licht. Daher hatte ich das Gefühl, dass vielleicht unbewusst, als die Maske dessen, wer er vorgab zu sein, zu bröckeln begann, das Kind darunter immer mehr zum Vorschein kam.“
Chavez selbst habe allerdings keine Perücke getragen, wie er verriet.
Eine neue True-Crime-Serie von Ryan Murphy wurde auf Netflix veröffentlicht - und wie zuvor bei “Dahmer” gibt es auch bei “Monster: Die Geschichte von Lyle and Erik Menendez” Kontroversen darum, wie die wahre Geschichte dargestellt wird.
Die neunteilige Netflix-Serie zeigt das Leben der Brüder Menendez, die 1989 ihre Eltern José und Mary Louise „Kitty“ umgebracht haben. Die beiden versuchten zunächst, mit den Morden davonzukommen - bis sie doch verhaftet wurden. Während der zwei folgenden Prozesse schilderten sie sexuellen und emotionalen Missbrauch durch ihre Eltern und gaben an, dass es sich bei der Tötung um Notwehr gehandelt hätte. Der Grund: Ihre Eltern hätten wiederum geplant, die beiden Brüder zu töten, um ihre Taten zu vertuschen. Die Jury glaubte den Brüdern nicht. 1996 wurden Lyle and Erik Menendez wegen Mordes ersten Grades an ihren Eltern für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt.
Eine Story, die emotionalisiert - und polarisiert. Alles, was du über die Kritik an der Serie wissen musst, erfährst du hier.
Die Netflix-Serie “Monster: Die Geschichte von Lyle and Erik Menendez” basiert auf den wahren Begebenheiten rund um die Brüder Menendez - ist aber immer noch ein Drama und keine Dokumentation. Man kann also argumentieren, dass künstlerische Freiheit natürlich gegeben ist. Trotzdem sollte man beim Umgang mit echten Menschen - die vor allem noch ein Leben und/oder Nachkommen haben - sensibel sein.
Die Mini-Serie hält sich an die großen Eckpunkte, die im Leben der Menendez-Brüder dokumentiert und bewiesen worden sind - wie die Morde und die Gerichtsprozesse, die teilweise auch im Fernsehen übertragen wurden. Doch eine Sache scheint irgendwie ausgeartet zu sein: die implizite inzestuöse Geschichte zwischen den beiden Brüdern. Zuschauer:innen schreiben (in nicht ganz so netten Worten), dass Ryan Murphy eine Grenze überschritten hätte, als er die beiden vermeintlichen Opfer von sexueller Gewalt sexualisiert und über deren Sexualität spekuliert hätte.
In einigen Momenten sieht man die beiden in engem Körperkontakt. Während sie auf einer Party sind, kommen sich die beiden nah, tanzen anzüglich und Lyle fährt Erik mit seinem Daumen über seine Lippen - als ob sie sich gleich küssen würden. Später sieht man noch einen Kuss auf die Lippen zwischen den beiden. Vielen Zuschauer:innen erscheint dies wie zusätzliche Effekthascherei: Die schreckliche Geschichte aus sexueller Gewalt und Mord scheint nicht zu reichen - deshalb wird ein weiterer Schockfaktor ergänzt.
Lyle gab damals während der Prozesse zu, dass er seinem jüngeren Bruder Erik ebenfalls sexuelle Gewalt angetan hat - etwas, dass er von seinem Vater gelernt hätte. Dafür entschuldigte er sich während des Gerichts bei seinem Bruder. Doch abgesehen von diesem schrecklichen Detail, gab es rund um den Prozess keine Berichtserstattung über eine homosexuelle, inzestuöse Beziehung zwischen den Brüdern.
Die homoerotische Darstellung der Brüder wirft Fragen auf. Showrunner Ryan Murphy bewegt sich in der Serie konstant zwischen einer Glorifizierung des Inzest und der Darstellung einer Trauma-Response entweder vom Missbrauch der Eltern oder Missbrauch des älteren Bruders. Wieso er sich für diesen Zusatz entschieden hat, ist unklar. Kritiker:innen sehen hier besonders ein Scheitern der Serie.
Die beiden Brüder erzählen ihre Geschichten, in denen jahrelanger emotionaler und sexueller Missbrauch durch ihre Eltern im Mittelpunkt steht. Das hat sie selbst und ihre Beziehung maßgeblich beeinflusst und geschädigt. Besonders schlimm - und explizit - wird es in Episode 5, wenn Erik Menendez 34 Minuten lang, in einer einzigen Kameraeinstellung, von seinem Leben als Opfer von emotionalem Missbrauch und sexueller Gewalt erzählt.
Doch spätestens nach zwanzig Minuten würde ich mir doch eine Trigger-Warnung zu Beginn der Episode wünschen. Klar kann dabei der Schock verloren gehen - doch was bringt mir diese Szene, wenn sich (unter anderem) Opfer von sexueller Gewalt dadurch nur getriggert fühlen?
Neben diesen schrecklichen und emotionalen Enthüllungen werden die Brüder auch immer wieder als hinterlistig und manipulativ dargestellt, wenn sie zum Beispiel besprechen, wie sie das Gericht überzeugen können. Gegenüber ihren Eltern verhalten sie sich dann teilweise verwöhnt und versnobt. Und es wird noch komplexer, wenn auch die Eltern eine traurige Hintergrundgeschichte bekommen. Die Emotionen der Zuschauer:innen werden hin- und hergeworfen - sodass man am Ende kaum noch etwas fühlt.
Viele Kritiken sind sich einig: Hier komme es immer wieder zu einer Glaubwürdigkeitsproblematik. Manchmal fühle es sich so an, als ob hier zwei brutale Todesfälle verharmlost würden - und dann wieder so, als würde ein Jahrzehnt der Misshandlung heruntergespielt werden. Im Narrativ werde nicht klar, ob Lyle und Erik wirklich Opfer sexueller Gewalt wurden - oder ob sie, wie einige Charaktere in der Serie auch behaupten, lügen.
Wer sind jetzt eigentlich die Monster? Jegliche Aussagen, die die Serie dazu machen wollte, sind schwammig. Es wird klar, dass man nie genau weiß, was passiert ist. Warum dann aber ein Drama in dieser Weise darüber machen?
Auch Erik Menendez meldet sich zur Verfilmung seines Lebens. Am Freitag, dem 20. Hier wirft er Netflix und Ryan Murphy vor, mit vollem Vorsatz eine falsche Darstellung der Ereignisse zu liefern.
“Ich dachte, wir hätten die Lügen und die zerstörerischen Charakterdarstellungen von Lyle hinter uns gelassen, eine Karikatur von Lyle, die auf schrecklichen und eklatanten Lügen beruht, die in der Serie dargestellt werden”, schreibt Erik. “Ich kann nur glauben, dass sie absichtlich so gemacht wurden. Schweren Herzens sage ich, dass ich glaube, dass Ryan Murphy nicht so naiv und ungenau sein kann, was die Fakten unseres Lebens angeht, um dies ohne böse Absicht zu tun.”
Weiter heißt es: “Es ist traurig für mich, zu wissen, dass Netflix mit seiner unehrlichen Darstellung der Tragödien rund um unser Verbrechen die schmerzhaften Wahrheiten mehrere Schritte zurückgeworfen hat - zurück in eine Zeit, in der die Staatsanwaltschaft ein Narrativ aufbaute, das auf der Überzeugung beruhte, dass Männer bzw. Jungen nicht sexuell missbraucht werden könnten und dass Männer ein Vergewaltigungstrauma anders erleben als Frauen.”
Am Dienstag, dem 24. September, auf dem roten Teppich zur Premiere der Serie “Grotesquerie” äußert sich Regisseur Ryan Murphy zu den Anschuldigungen von Erik Menendez. “Ich finde das interessant, weil ich weiß, dass er die Serie nicht gesehen hat. Also finde ich das merkwürdig”, sagte Murphy. “Ich hoffe, er sieht sie sich an. Ich denke, wenn er sie sehen würde, wäre er unglaublich stolz auf Cooper Koch, der ihn spielt.”
Der Showrunner erklärt, dass sie viele verschiedene Perspektiven des Falles aufzeigen würden und somit jede Sicht auf den Fall einschließen. “Ein Teil der Kontroverse scheint darin zu bestehen, dass die Leute zum Beispiel denken, die Brüder hätten eine inzestuöse Beziehung”, fährt er fort. “Es gibt Leute, die sagen, das sei nie passiert. Es gibt Leute, die sagen, dass es doch passiert ist.”
Er wollte die Fakten präsentieren und über ein Thema sprechen, über das immer noch sehr wenig gesprochen wird: sexuelle Gewalt gegen Männer. Er meint dazu, sie hätten das verantwortungsvoll umgesetzt.
Bist du oder jemand, den du kennst, Opfer von (sexualisierter) Gewalt geworden? Auf Hilfe-Info findest du Informationen über das konkrete Vorgehen einer Anzeige und wichtige Beratungsstellen.
Bist du oder ein Kind, das du kennst, Opfer von häuslicher Gewalt geworden?
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